Alle machen Selfies, aber niemand will sie sehen

Kurz vor Jahreswechsel bin ich über einen interessanten Artikel in der Welt gestolpert, der zuvor schon im schweizerischen Tagesanzeiger auftauchte: Alle machen Seflies, aber niemand will sie sehen.

Zuerst las ich den Artikel nur aus persönlichem Interesse, dann mit dem Social-Media-Auge eines Lehrers, um ggf. zu prüfen, was man auf den Elternabenden und im Medienkurs zu dem Thema sagen könnte. Schließlich stolperte ich über einige Aussagen und dachte mir: ja, so tickst du mit deinem Blog manchmal auch:

Unsere Wahrnehmung verschiebt sich. Es zählt nicht mehr der Moment, sondern die Reaktion der anderen. Parallel zum Erlebnis sind viele gedanklich schon in den sozialen Netzwerken, überlegen, wie sich das Erlebte dort präsentieren lässt, welche Art von Foto die meisten Likes ernten wird. Das Erleben selbst kommt dann mitunter zu kurz. (S. Diefenbach auf welt.de)

Manchmal ertappe ich mich auch dabei, dass ich nicht unbedingt über das blogge, was gerade ansteht, sondern darüber, was ggf. viele „Klicks“ produziert. Und das Produzieren von Klicks geht erstaunlich gut: Schreibe im Titel etwas von Material und/oder kostenlos und man erhält deutlich mehr Zugriffe, als wenn der Titel irgendetwas Theoretisches vermuten lässt. Wenn man im obigen Zitat nun „Moment“ durch „Unterricht“, „Material“ oder „didaktische Überlegung“ austauschen würde, wird dann evtl. ein Spiegel für die „Grundschulbloggerszene“ daraus?

Nun mag man mir (wieder) vorwerfen, dass ich „die Grundschulblogger“ nicht mag und „bashe“, aber Fakt ist, dass inzwischen sehr offen und unverhohlen um Likes gebuhlt wird. Auf konkrete Beispiele verzichte ich … das habe ich aus der Vergangenheit gelernt.

Und das erhöht den Druck: Die Möglichkeit schafft Stress. Und durch das System mit den Likes findet zudem eine Entwertung statt: Am Anfang freut man sich über jedes einzelne Like, aber irgendwann gewöhnt man sich daran, die Likes werden zur Sucht, und wenn man plötzlich keine Likes mehr bekommt, ist es ein negatives Erlebnis. (S. Diefenbach auf welt.de)

Auch dies wurde in der Vergangenheit an verschiedenen Stellen kommuniziert: es mangele an Likes, an Dankes oder an aufmunternden Kommentaren. Ein anfängliches Goodie wird inzwischen eingefordert. Auch ich erwische mich mitunter dabei, dass ich beim Schreiben eine Erwartung aufbaue, wie viele Likes, Retweets oder Kommentare ein Beitrag wohl haben wird und dann zumindest mal erstaunt bin, wenn dies nicht so ist. Dabei ist die rationale Sicht auf die Dinge so einfach: eine gute Unterrichtsidee ist auch noch gut, wenn sie keine Likes bekommt … und umgekehrt.

Vielleicht ist es ein brauchbarer Vorsatz, sich von den Erwartungshaltungen zu lösen (der eigenen und der der anderen) und sich bei der Entwicklung von Unterricht wieder auf die 27-300 Nasen zu konzentrieren, denen man jeden Tag gegenübertritt und deren Like aus einem Lächeln oder im besten Fall aus einem Lernfortschritt besteht.

 

Grüffelo, Grüffelokind und Stockmann

Das ZDF hat am Heiligabend drei wunderbare Animationsfilme zu Büchern von Axel Scheffler und Julia Donaldson gezeigt: der Grüffelo, das Grüffelokind und Stockmann. Die Filme sind jeweils 30 Minuten lang, halten sich sehr eng die Buchvorlage und sind technisch wie auch erzählerisch hervorragend umgesetzt. Man kann sie derzeit noch für 3 Tage in der Mediathek ansehen. Mit dem kostenlosen Programm „Mediathek View“ kann man sich die Filme auch legal auf den eigenen Rechner herunterladen und dann weiter verwenden. Ich kann dies nur empfehlen!

Wequests und Lernpfade an einem MedienMontag

Heute war wieder MedienMittwoch an unserer Schule, der aufgrund von Terminengpässen auf einen Montag gelegt wurde. Nachdem wir uns schon mit unserer schulischen IT-Ausstattung, Filmen im Unterricht und Learningapps beschäftigt hatten, ging es heute dann um Webquests, Lernpfade und die Wissensforscherhefte.

Bei der Vorbereitung geriet ich ins Stocken: Sind Webquests noch zeitgemäß? Macht überhaupt noch irgendwer Webquests? Immerhin erfand Bernie Dodge die Methode vor 21 Jahren, was in IT-Jahren eine halbe Ewigkeit ist. Im Jahr 1995 gab es keine Tablets oder Smartphones und die meisten Grundschulen kannten Internet nur vom Hörensagen. Dinge, die damals „voll im Trend lagen„, nutzt heute kein Mensch mehr. Warum also Webquests?

Gleichwohl könnte man aber fragen: Wer hat eigentlich überhaupt schon Webquests in der (Grund-)schule eingesetzt, eine Arbeitsform, bei der es darum geht, dass die Informationen und Materialien, die das Internet bietet, und die Möglichkeiten zur Bearbeitung von digitalen Informationen, die durch Computer eröffnet werden, für problem- und handlungsorientiertes Lernen genutzt werden? An welcher Schule spielen das Internet und digitale Medien überhaupt eine einigermaßen wichtige Rolle (sieht man Antolin und der Lernwerkstatt ab)? Oder sind wir in der Schule vielleicht doch noch eher im Jahr 1995 zu Hause? Findet Internet und Digitalisierung noch immer nur als Randnotiz statt? Laufen bei uns nicht noch immer etliche PCs mit Windows 95? Gilt an Grundschulen nicht noch immer: keine Tablets, keine Smartphones und Internet nur vom Hörensagen?

Ich selbst habe in den letzten Wochen zwei Webquests zu erneuerbaren Energien angeboten und die Schüler daran arbeiten lassen und gemerkt, wie wichtig das ist. Recherchieren will eben auch gelernt sein, vor allem wenn man ganz gezielt Informationen braucht. Eine Internetseite (Hypertext) zu lesen und zu verstehen ist etwas ganz anderes, als einen Sachtext zu lesen und zu verstehen. Einen Filmclip zu sehen, Informationen aus dem Gesehenen zu extrahieren und dann weiterzuverarbeiten muss gelernt werden. Die Kinder verbringen zwar immer mehr Zeit vor Youtube & Co, das sorgt aber scheinbar noch lange nicht dafür, dass Filme besser verstanden werden. Konsum und Lernen sind zwei recht verschiedene Dinge. Am Ende gab es Zweifelsohne viele Ergebnisse dabei, die zeigten, dass bei der Arbeit mit Webquests tolle Lernerfolge erzielt werden können. Aber für einige Gruppen war es auch ein Aha-Erlebnis, zu sehen, dass Internet und Computer auch Arbeit und Anstrengen bedeuten kann.

Letztlich kam ich zu dem Schluss, dass Webquests auch im Jahr 2016 noch einen wichtigen Beitrag zur Medienkompetenz leisten können. Daher wollte ich sie im MedienMittwoch anbieten, zumal man inzwischen zahlreiche fertige Webquests im Netz findet. Den MedienMittwoch wollte ich allerdings nicht als schnöden Vortrag gestalten, sondern in Form eines Wissensforscherheft. Auf diese Weise konnten sich die Kollegen auch direkt mit den neuen Tablets vertraut machen. Mit (mehr oder weniger offener) Recherche sollten sich die Kollegen mit Hintergrundinformationen beschäftigen, aber auch selbst Webquests und Lernpfade ansehen und bewerten. Daraus entstand am Ende eine angeregte Diskussion, die direkt im Thema für den nächsten MedienMittwoch endete: Webquests und Lernpfade in WordPress erstellen. Ich freue mich schon drauf.

Für alle Interessierten biete ich das kleine Heft zum Download an. Dort sind auch zahlreiche Links zu dem Thema verzeichnet. Es taugt auch für Lehrkräfte außerhalb unserer Schule zum Selbststudium: Webquest.pdf (100 Downloads)

Lernpfade und Webquests in WordPress gestalten

Seit etwa einem halben Jahr bin ich nach etlichen Vorüberlegungen dabei, eine Kinderseite für unsere Schule aufzubauen und zu gestalten. Die Seite soll eine Art „Lernplattform light“ werden. Schon seit Jahren arbeite ich immer wieder am Thema Lernplattformen (die Älteren werden sich ggf. an das Mäuselabor erinnern, welches mir sogar einen Preis einbrachte). Leider hat sich mein „Vorzeige-Projekt“ aus verschiedenen Gründen nicht etablieren können, so dass ich immer wieder mit Alternativen experimentiere. Inzwischen denke ich, dass ein (WordPress-)Blog und ein Klassenraum bei Learningapps an der Grundschule viele Aufgaben einer großen Lernplattform übernehmen kann, dabei aber wesentlich einfacher zu administrieren und nutzen ist (und dazu noch fast kostenlos).

Auf diese Weise gibt es auf „unserer“ Kinderseite schon diverse Lernspielergänzungen zum Unterricht, Berichte aus den Klassen und eine Wunschecke für die Schulbücherei. Bei Learningapps tauschen sich die Kinder in ihrem Klassenbereich in Chats, Notizbüchern und Pinnwänden aus oder halten wichtige Termine fest. Auf diese Weise erwerben sie (ganz nebenbei) schon einige Kompetenzen aus dem MedienpassNRW.

Nun aber zum eigentliche Thema dieses Beitrags. Ich wollte nun neben „einfachen“ Lernspiele auch „komplexere“ Lernpfade in die Seite integrieren, also ein digitales Stationenlernen. Diese gibt es bereits fertig zu verschiedenen Themen an verschiedenen Stellen im Internet. Ich wollte jedoch einen eigenen, individuell gestalten Pfad erstellen und diesen direkt in die Kinderseite integrieren. Dazu habe ich mir ein WordPress-Plugin gesucht, dass Inhalte einer Seite in Tabs darstellen kann. Fündig wurde ich bei Tabby Responsive Tabs. Mit Hilfe dieses Plugins kann der Abschnitt einer Seite mit Hilfe von recht einfachem Code in Tabs aufgeteilt werden. Diese Tabs werden auf einem großen Bildschirm horizontal dargestellt, auf Smartphones oder kleinen Tablets vertikal. Mobile Geräte werden also (anders als bei anderen Lösungen) nicht benachteiligt. Dies war exakt das, was ich mir erhofft hatte.

Schritt 1


So sieht ein Beispiel aus. Das kannst du auch ganz einfach selbst einrichten!

Schritt 1


Lade das Plugin herunter.

Schritt 2


Lade es hoch und installiere es.

Schritt 3


Aktiviere es.

Die genaue Funktionsweise ist auf der oben verlinkten Informationsseite zum Plugin sehr gut erklärt. Es muss nur ganz wenig Shortcode in die Seite integriert werden, den Inhalt der Tabs kann man ganz normal im Editor erstellen. Dabei kann man auch Bilder, Videos oder Iframes in die Tabs integrieren.

Auf diese Weise lassen sich nicht nur Lernpfade, sondern auch Webquests sehr einfach und elegant in WordPress erstellen und integrieren. Auch für fertige Webquests gibt es im Internet diverse Quellen.

Für etwa 25€ bietet der Hersteller noch ein Addon an, mit dem sich die Tabs einfacher (und schöner) gestalten lassen. Ich habe dieses Geld investiert, grundsätzlich könnte man das Plugin aber auch so nutzen.

Ein erstes, mehr oder weniger fertiges Beispiel für einen Lernpfade habe ich hier verlinkt.

Bei der Erstellung des Webquests habe ich übrigens einen tollen Fundus für Rechtschreibübungen auf der Seite Learningapps entdeckt: die Apps aus dem Projekt Iderblog.

Von der Couch in den Klassenraum

Gestern wollte ich eigentlich mal „schulfrei“ machen, nachdem die letzte Woche doch einige Nachmittagstermine bereit hielt. Doch dann sprangen mir doch zwei grundschulrelevante Dinge ins Auge, die ich hier kurz weitergeben möchte:

Kilifü

In der Buchhandlung meines Vertrauens bekam ich gestern als kleines give-away den Kilifü 2016/2017 geschenkt. Dahinter verbirgt sich ein recht umfangreiches Buch mit 300 Vorstellungen und Rezensionen von aktuellen Kinder- und Jugendbüchern. Den größten Teil davon machen Bilderbücher aus. Hinter diesem Projekt steckt (unter anderem) eine Essener Buchhandlung, die sich auf Kinderbücher spezialisiert hat. Somit stehen bei der Vorstellung der Bücher keine Verlagsinteressen im Vordergrund (was man ja ggf. vermuten könnte). Die Auswahl der vorgestellten Bücher ist vielseitig und macht Lust auf eine baldige Bestellung. Insbesondere für die Betreuung unserer Schulbücherei habe ich nun wieder viele Ideen für Neuanschaffungen.

Leider gibt es den Kilifü nicht als PDF, sondern nur als Hardcopy. Für 7,90€ kann man ihn bestellen. Vielleicht hat ja euer örtlicher Buchhändler auch ein Exemplar für euch.

Pentominos bei Schlag den Star

Bei Schlag den Star habe ich dann noch eine interessante Spielidee für die Pentomino-Bausteine gesehen: http://www.prosieben.de/tv/schlag-den-star/video/86-spiel-4-clever-gelegt-clip

In der Sendung wurde diese Variante Katamino genannt. Unter diesem Begriff findet man mit google auch Einiges. Herr Soost und Herr Legat durften gestern auf einem 8×8 Felder großen Spielbrett jeweils abwechselnd einen Pentominostein legen. Wer keinen Stein mehr legen kann, verliert das Spiel. Somit muss bzw. sollte man beim Platzieren der Steine natürlich taktisch vorgehen, was wiederum gewissen Fähigkeiten in der Kopfgeometrie erfordert. Kurzum: eine tolle Spielidee für die Grundschule, die sich auch leicht selbst herstellen lässt.

All the small things: das alltägliche, digitale Lernen

Bei der gestrigen Wochenplanung stolperte ich über folgenden Tweet einer sehr geschätzten Grundschulkollegin.

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Rechtschreibung in den Texten der Kinder bewerten

Seit etlichen Monaten treibe ich mich schon mit der Frage herum, wie ich folgende Vorgabe des Lehrplans Deutsch (NRW) im Bereich Leistung fördern und bewerten angemessen umsetzen kann:

Fachbezogene Bewertungskriterien sind insbesondere: Richtig schreiben: die Feststellung, an welcher Stelle auf dem Weg zur normgerechten Schreibung die Schülerinnen und Schüler stehen; Grundlage sind die eigenen Texte.

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#edchatde: Von der Grundschule zur SEK I – Übergänge wirksam gestalten

Am heutigen Dienstag werde ich gemeinsam mit @frandevol zum ersten Mal einen #edchatde moderieren. Der #edchatde ist ein von Herrn Larbig und André Spang initiierter Twitterchat, der sich jeden Dienstag von 20-21 Uhr ein (aktuelles) Thema aus der Bildungswelt vornimmt. Dabei tauschen sich dann in der Regel etwa 80 interessierte Teilgeber zu diesem Thema aus.

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Ein wenig sortierter

Einige aufmerksame Internetnutzer werden vermutlich schon bemerkt haben, dass ich das kleine Seitenprojekt wirksame.schule optisch und vor allem technisch auf völlig neue Beine gestellt habe. In Zukunft möchte ich auch (wieder) auf diesem Seitenprojekt verstärkt Inhalte veröffentlichen. Bisher habe ich ja vor allem hier geschrieben und veröffentlicht, sowohl Material (eher weniger), als auch inhaltliche Auseinandersetzungen und Meinungen. Die rein inhaltlichen, neutralen Dinge sollen nun zu wirksame.schule ausgelagert werden. Auf emrich.in gibt es dann (seltener) Meinungen und Ansichten eines Grundschullehrers.

Auf wirksame.schule steht zudem ein Forum bereit, in dem über (aktuelle) Themen des (Grundschul-)unterrichts diskutiert werden kann. Die Nutzung des Forums ist auch ohne Registrierung möglich. Mit Registrierung ist es natürlich komfortabler.  Zum Forum

Alle Forenbeiträge und alle Artikel werden zudem in die neue Facebookgruppe wirksame.schule gepostet, so dass man als Mitglied der Gruppe bei Neuheiten automatisch benachrichtigt wird und auch dort ein Austausch stattfinden kann. Dabei soll der Fokus der Diskussion weniger auf „Hilfe! Ich habe einen UB und keine Idee!!“ oder „Wie führe ich das M ein“, sondern auch inhaltlich relevanteren Themen liegen. Ich bin mir eigentlich sicher, dass auch hierzu Bedarf bestehen sollte.  Zur Gruppe

Und natürlich sind auch alle Beiträge von wirksame.schule per RSS zu empfangen und somit auch bei den Grundschulblogs vertreten.

Ich würde mich freuen, wenn wirksame.schule aktiv genutzt wird!

Der MedienMittwoch

Vor knapp einem Jahr hatte ich die Möglichkeit, am LernLabSchule der Bertelsmannstiftung in Berlin teilzunehmen, einer Tagung rund um Schule und digitale Medien. Dort kam in der abschließenden Fishbowl-Runde die Frage auf, wie nachhaltige Lehrerfortbildung in Bezug auf digitale Medien aussehen könnte. Schon damals kam mir die Idee in den Sinn, wieso man nicht (einfach?) das Konzept der Barcamps auf regionaler Ebene installiert und regelmäßig durchführt:

Diesen Gedanken trug ich dann einige Zeit mit mir herum, habe ihn aber immer wieder vor mir hergeschoben, weil beruflich und privat einige Änderungen anstanden. Nun habe ich die Idee in abgewandelter Form umgesetzt und möchte kurz von den Erfahrungen berichten. Weiterlesen