Wissensmanagement – ein erstes Zwischenfazit

Seit meinen ersten Überlegungen rund um das Wissensmanagement sind 3 Wochen vergangen. Hier und in einem Grundschulforum gab es einige Rückmeldungen, was sehr hilfreich war. Dies ist für mich Anlass, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen, welche Formen des digitalen Managements bekannt bzw. möglich sind:

Sammeln „in der Cloud“

Am häufigsten sind Lösungen genannt worden, die auf Dropbox setzen. Das Prinzip ist denkbar einfach: in einem „Schul-Account“ werden Dateien gesammelt und für andere Nutzer freigegeben. Technisch hat diese Lösung sehr geringe Hürden und die Kosten belaufen sich auf 0€, wenn man die kostenlose Variante nutzt. Bedenklich ist diese Lösung vor allem deshalb, weil die Server der Dropbox in den USA stehen. Sollten sich in den ausgetauschten Dokumenten datenschutzrechtlich relevante Inhalte befinden, ist es untersagt diese an die Dropbox zu übertragen. Konferenzprotokolle mit Beschlüssen einer Zeugniskonferenz wären beispielsweise so ein Fall oder aber auch ein alter Förderplan, der Beispiel für einen neuen sein soll.

Ferner warte ich eigentlich auf den Tag, an dem Dropbox sein Kapital aufgefressen hat und die kostenlose Variante gestrichen wird. Ähnliches ist bei vergleichbaren Diensten schon gesehen (z.B. Sugarsync). Natürlich kann man dann zum nächsten Dienst wechseln, aber nervig ist es schon.

Bei Dropbox (und vergleichbaren Anbietern) fehlt zudem scheinbar eine Volltextsuche. Wenn ich also eine Information suche, aber nicht weiß, in welchem Dokument sie stehen könnte, bin ich nach wie vor ziemlich aufgeschmissen.

Dem Namen nach ebenfalls Cloud, aber ggf. „sicherer“ ist die Nutzung von Owncloud. Im Grunde ganz ähnlich wie Dropbox, nur muss Owncloud auf einem eigenen Server/Webspacepaket installiert werden. Man bleibt also voll uns ganz Herr seiner Daten und gibt sie nicht nach außen weiter. Wobei hier die Fragen zu klären bleibt, wie aus Datenschutzsicht zu bewerten ist, wenn ein von der Schule gemieteter Server/Webspace physikalisch nicht im Schulgebäude steht, sondern bei einer Firma in Köln. Findet dadurch schon eine Datenübertragung nach außen statt, die für den Datenschutz relevant ist?

Auf jeden Fall bietet Owncloud neben dem bloßen Speichern von Daten auch einige nette Extras wie einen Kalender, ein Adressbuch oder die Möglichkeiten Dokumente direkt zu bearbeiten. Ähnlich wie bei Etherpad kann da sogar zeitgleich an Dokumenten gearbeitet werden.

Der interne Bereich

Eine weitere Variante ist der Aufbau eines „internen Bereichs“ im Rahmen der Schulhomepage. Ist diese mit einem CMS wie bspw. Joomla gestaltet, wird nach Anmeldungen mit den Zugangsdaten eines Lehrers ein Bereich sichtbar, der Informationen für Lehrkräfte bietet. Auf diese Weise können z.B. Konzepte oder Lehrmittellisten übersichtlich dargestelt und abgerufen werden. Über die Suchfunktion, die eigentlich jedes CMS mitbringt, wären die Inhalte dann leicht zu indizieren und finden.

In der Theorie ließen sich so auch einzelne Dateien zum Download einbinden. In der Praxis ist diese Lösung natürlich recht aufwändig. Während sich bei Dropbox Dateien mit Drag&Drop recht schnell integrieren lassen, ist dies bei Joomla ein ungleich arbeitsintensiverer Prozess. Hierdurch dürfte man sich dann wohl nur auf die wichtigsten Dateien beschränken.

Kollaborative Erarbeitung von Inhalten stelle ich mir hier auch schwierig vor, wobei ein CMS ja auch eigentlich nicht dafür gemacht wurde.

Das LMS

Auch wenn es in keinem Kommentar genannt wurde, so bietet ein LMS wie moodle oder Fronter natürlich zahlreiche Möglichkeiten, eine Wissensplattform für Lehrer aufzubauen. Bei uns in Hennef wird Fronter flächendeckend eingesetzt. Über Module lassen sich hier zahlreiche Funktionen realisieren: Dateiaustausch, Kalender, Adressbuch, Wiki, Dokumente gemeinsam erstellen, ….

Hier stehen natürlich vergleichsweise hohe Kosten im Raum. Eigentlich wird Fronter ja verkauft, um mit Schülern daran zu arbeiten. Ich hier hat man viele Vorteile und einen ggf. recht großen Nutzen. Mit konkreten Zahlen kann ich leider nicht dienen, aber ich denke 2€ pro Schüler pro Schuljahr muss man rechnen.

Moodle wäre kostenlos zu haben und muss ähnlich wie Owncloud selbst installiert werden. Während Owncloud noch recht einfach selbst zu verwalten ist, erfordert moodle doch gesteigerte Kenntnisse und sehr viel Zeit und Geduld.

Das Wiki

Ich bin ein großer Fan von Wikis. Sie sind aus meiner Sicht die derzeit beste Lösung, um Wissen zu sammeln, bereitzustellen und zu überarbeiten. Die Wikipedia dürfte wohl das prominenteste Beispiel sein. Schulische Konzepte ließen sich hier nicht nur sammeln und durchsuchbar machen, sondern auch untereinander verlinken. So könnten Bezüge deutlich gemacht werden oder Dinge genauer erklärt werden. Wenn im Arbeitsplan Sachunterricht steht, dass in Klasse 2 das Table-Set eingeführt wird, kann ich die entsprechende Stelle im Dokument direkt mit einer erklärenden Seite verlinken.

Ein Wiki kann man sich, ebenso wie Owncloud oder moodle, auf einem eigenen Server/Webspace installieren. Die bekanntesten System dürften Mediawiki (damit läuft die Wikipedia) und Dokuwiki sein. Letzteres ist ein in Deutschland entwickeltes Projekt. Beide Systeme sind kostenlos zu haben und erfordern bei der Grundinstallation moderate Kenntnisse. Insbesondere Mediawiki bietet jedoch sehr viele Einstellungs- und Erweiterungsmöglichkeiten, die jedoch recht viel Einarbeitungszeit benötigen. Hier kann man viele viele Stunden verbringen.

In einem Wiki lassen sich auch Dateien hochladen und bereitstellen, doch auch hier lohnt sich dies eher für eine kleine Auswahl von Dateien, da diese nach dem Hochladen einzeln in bestehende Seiten einbinden muss, damit man sie nach auch komfortabel herunterladen kann. Sollte man sich also für ein Wiki als Informationsplattform entscheiden, so sollte man überlegen, ob man dies nicht sinnvollerweise durch Owncloud ergänzt. Denn ein guter Kalender oder eine Möglichkeit Kontaktdaten sinnvoll zu sammeln gibt es in einem Wiki eigentlich nicht.

Ein großes Manko bleibt aus meiner Sicht bei Wikis jedoch: der Wiki-Syntax. Es gibt (derzeit) noch keinen wirklich guten WYSIWYG-Editor für Wikisysteme. Man muss also jegliche Formatierung, aber auch Tabellen und Bilder über einen mehr oder weniger kryptischen Code eingeben. Wenn man also an einer Schule nicht der Einzige sein will, der Inhalte in das System einpflegt, muss man hier Mitstreiter finden, die sich in den Umgang mit dem Wiki einarbeiten wollen. Aus der Erfahrung mit dem Primarwiki weiß ich, dass das nicht einfach ist.

Zwischenfazit

Weitere digitale System konnte ich in den Kommentaren erst einmal nicht finden. Aus meiner Sicht ist kein System das Nonplusultra. Jedes hat seine Schwächen und Stärken bei Kosten, Installation, Nutzbarkeit oder Fähigkeiten bei der Kollaboration. Allen System ist wohl gemein, dass sie bei der Ersteinrichtung vor allem eines brauchen: Zeit. All das, was seit Jahren in Ordner gehortet wurde, müsste eigentlich digitalisiert und bereitgestellt werden, damit ein solches System gewinnbringend genutzt werden kann. Vermutlich muss grundsätzlich die Frage gestellt werden, ob diese Zeit von einigen Kollegen aufgebracht werden kann, um ein System zum Informationsmanagement einzurichten.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo!
    Habe gerade deine Überlegungen zum Wissensmanagement gelesen. Ich kann dir nur evernote empfehlen. Ich liebe es sowohl privat als auch beruflich. Man kann alle Dateiformate ablegen, Volltext suchen,Artikel aus dem www automatisch hinein kopieren, mit anderen vernetzt arbeiten und zugreifen, und es ist in der Minimalausführung gratis und auch die Erweiterungen sind nicht wirklich teuer.
    Man kann Folder und Tags anlegen und diese optional für alle oder nur für einen selbst frei geben, usw…
    Vielleicht ja eine Idee.
    lg
    Anja

    Antworten

  2. Florian, du hast doch mal vor ein paar Jahren so eine Art kleines 1×1-Heft der Computernutzung für Kinder erstellt. In Anbetracht der schier grenzenlosen Unbedarftheit und Naivität in Kollegien in Fragen der Sicherheit von schulischen Daten (Dropbox, Evernote, unverschlüsselte http-Verbindungen etc.) wäre es wohl dringendst angebracht, wenn du ein Heft der Computernutzung für Kollegien erstellst.

    Ich erlebe es ja auch immer wieder. Und ich bin immer wieder zutiefst entsetzt! Wenn ich mir ansehe, wie fahrlässig auch in Kollegien mit Daten umgegangen wird, z.B. Whatsapp, wundert mich gaaaaaar nichts mehr! All die Risiken, die Snowden auf sich genommen hat, scheinen umsonst gewesen zu sein. Wie sagte er sinngemäß: „Wer mit Daten fahrlässig umgeht, unterstützt die Geheimdienste darin, dass sie Strukturen aufbauen, die die freiheitliche Demokratie aushebeln werden.“ Es ist also nicht wichtig, ob Erna Doof mit Hans Wurst über Whatsapp Liebesgrüße austauscht, sondern dass sie es so tun, dass jeder mitlesen kann. Es ist auch nicht besonders wichtig, ob die Sonnenschule ein Protokoll bei Dropbox ablegt. Aber dass sie es alle tun, das schafft die Begehrlichkeiten, die die Demokratie und unsere Rechte(!) langfristig unterlaufen, weil eben alles ausgewertet wird. …so mal eine Sehr-Kurz-Kurzfassung. Das überaus Bedauernswerte ist, dass Werte wie Demokratie, Freiheit, Privatsphäre etc. erst dann fehlen, wenn sie verloren gegangen sind.

    Ich werde zumindest verstehen, wenn diese schiere Naivität und Gleichgültigkeit irgendwann nach hinten losgehen wird. Beispiele in der Geschichte finden sich dazu genug.

    Bertholt Brecht sagte einmal: „Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Worte und Taten der Politiker zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der Mehrheit.“

    Marek

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    • emrich

      So ein Heft hätte was, aber ich werde mich dafür hüten, Tipps zu rechtlich relevanten Themen zu veröffentlichen, zumal die konkrete Rechtslage bzgl. des Datenschutzes vermutlich von Bundesland zu Bundesland verschieden ist. Da können sich gerne die Datenschutzbeauftragten der Kreise/Städte und Länder drum kümmern, um Tipps und tragfähige Lösungen anzubieten. Das beginnt ja bei so banalen Sachen wie dem Speichern von schülerbezogenen Daten: auf dem privaten Rechner haben die nix zu suchen, aber in der Schule gibt es einen Dienstrechner für 15 Kollegen … wie soll sowas funktionieren?

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