Was Tests leisten können … und was nicht

Vor den Weihnachtsferien habe ich mit meiner Lerngruppe einen kleinen „Versuch“ gestartet. Ich wollte den Kindern die Notwendigkeit des täglichen Lesens verdeutlichen. Zwar lesen viele Kinder gerne und freiwillig, andere sind jedoch mit „Ich kann doch jetzt lesen“ zu früh zufrieden. Daher gab es vor den Ferien einen Leseplan, mit dem die Kinder jeden Tag 15 Minuten lesen sollten. Zu Beginn des Plans habe ich mit den Kindern den Stolperwörtertest (Stolle) durchgeführt. Hier liegen zwar nur Normtabellen für das jeweilige Schuljahresende vor, jedoch ging es mir weniger um die Einordnung in eine Skala. Vielmehr wollte ich den Kindern verdeutlichen, dass sich ihre Leseleistung durch regelmäßiges Training steigern lässt. Zwar wird ein langsamer Leser nicht innerhalb von 3 Woche zu einem schnellen Leser, jedoch wird er durch das Training sich auf seinem Niveau steigern können. Daher habe ich den Test nach den 3 Wochen erneut durchgeführt.

Das Ergebnis hat mich überrascht. Das Durchschnittsergebnis der Klasse hat sich um 25% verbessert, etwa 6 Sätze mehr schafften die Kinder im Schnitt nun. Hierbei muss man natürlich den Übungseffekt berücksichtigen: Die Kinder kannten das Format nun besser und die Sätze kamen ihnen bekannt vor. So haben sie natürlich die falschen Wörter nun schneller erkannt. Allerdings würde ich den Trainingseffekt nicht zu deutlich einschätzen, denn er trat nicht bei allen Kindern auf. Einige Kinder konnten sich weniger verbessern oder lagen mit der Leistung im zweiten Test sogar unter der Leistung des ersten Tests. Andere Kinder wiederum konnten ihre Leistung um 58% steigern. Unter Umständen wirkt sich der Trainingseffekt auch bei stärkeren Kindern deutlicher aus, da diese Sätze schon überfliegend lesen und sich dann erinnern können, während schwache Kinder ja trotzdem noch Wort für Wort bzw. Buchstabe für Buchstabe erlesen müssen, um sich dann zu erinnern.

Wie deutlich der Trainingseffekt auch sein mag, so zeigt dieser „Versuch“ doch auch, dass das Lesetraining durchaus einen Effekt hat. Insbesondere Kinder, von denen mir bekannt war, dass sie nur ungern täglich lesen, konnten sich deutlich steigern. In dieser Gruppe dann wiederum vor allem die Kinder, die ich vorher schon als starke Leser eingeschätzt hatte. Andererseits konnten sich Kinder, die schon vorher täglich lasen, nur geringfügig verbessern (Trainingseffekt??). Kinder, die das Training verweigert haben, konnten sich ebenfalls nicht oder nur kaum steigern.

Auch wenn dies natürlich keine Studie unter wissenschaftlichen Bedingungen war oder sein sollte, so zeigt es mir doch, wie leicht sich Ergebnisse eines (standardisierten) Testverfahrens verbessern lassen. Dies sollte man bei der Interpretation der Ergebnisse immer im Blick haben.

 

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