Vorgangsbeschreibungen 2.0

Aktuell stehen im Deutschunterricht Vorgangsbeschreibungen an. Neben Rezepten zählen hier natürlich Bastelanleitungen, aber ggf. auch Spielanleitungen zu möglichen Textprodukten.

Vorgangsbeschreibungen als Beitrag zum schriftlichen Sprachhandeln

Vorgangsbeschreibungen sind ein recht dankbares Thema für den Deutschunterricht, weil die Texte zum einen nicht besonders lang werden, zum anderen lässt sich die Qualität des Textproduktes sehr gut demonstrieren. Man macht einfach mal nach/vor, was die Lernenden aufs Papier gebracht haben. Oftmals merken diese dann sehr schnell, an welchen Stellen ihr Text noch Schwächen aufweist. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man vor der Textproduktion selbst tätig werden kann und den „Vorgang“ selbst durchführen kann. Die Planung des Textes verläuft also, im Gegensatz zu Fantasiegeschichten, nicht ausschließlich mental bzw. auf dem Papier, sondern gewissermaßen durch eigenes Handeln. Der Schwerpunkt der Textproduktion liegt dann nicht mehr auf der Generierung einer Schreibidee, sondern im vollständigen und folgerichtigen Erinnern und Aufschreiben der zuvor durchlaufenen Handlungsschritte.

Doch darum soll es in diesem Blogpost eigentlich gar nicht gehen. Bei der Planung der Reihe kam mir eine Idee, wie man die Unterrichtsreihe ein wenig aufwerten kann. Im Zuge der Digitalisierung werden Vorgangsbeschreibungen nicht mehr nur in Papierform angeboten, sondern vor allem auch also Video in Form von Tutorials. Bei Youtube findet man inzwischen Millionen von Bastel- und Kochanleitungen als Video:

Videoproduktion als Beitrag zum mündlichen Sprachhandeln

Wieso sollte man nicht einmal die Lernenden an die Erstellung eines solchen Erklärvideos setzen? Mit den Bildungsstandards der KMK bzw. deren Empfehlungen für die Arbeit in der Grundschule ließe sich ein derartiges Projekt einfach begründen:

  • die SuS können Sachverhalte beschreiben.
  • die SuS können Begründungen und Erklärungen geben.
  • die SuS können funktionsangemessen sprechen: informieren.
  • die SuS können Sprechbeiträge situationsangemessen planen.
  • […] indem sie Gelegenheit haben, Medien aller Art sachgerecht und produktiv zu nutzen, sich Informationen zu erschließen, eigene Darstellungen und Medienbeiträge zu gestalten und zu präsentieren, […] zu bewerten und kritisch zu reflektieren. Individuelle und kooperative Lernprozesse werden durch den sachgerechten, kreativen und zunehmend selbstbestimmten Einsatz digitaler Medien unterstützt.

Vorhandene Ressourcen nutzen: BYOD

Die Idee: Planung und Erstellung eines Erklärvideos zum Bau eines Windrades mit Hilfe von Tablets. Durch Tablets habe ich die Gelegenheit, Aufnahme und Schnitt mit ein und demselben Gerät durchzuführen. Das mühsame Übertragen einer Aufnahme auf den PC entfällt hierbei. Das Problem: unsere Schule hat keine Tablets. Die Lösung: die Kinder haben Tablets im Kinderzimmer. Der Erfahrung nach verfügen immer mehr Kinder schon in Klasse 3 über eigene Tablets. Spätestens nach der Kommunion steigt diese Quote noch einmal deutlich an. Ganz im Sinne von BYOD möchte ich diese Geräte für die Videoproduktion einsetzen. Mit VivaVideo gibt es ein recht einfach zu bedienendes Videoschnittprogramm, welches sowohl für Android, als auch für iOS kostenlos verfügbar ist. Die Produkte, die sich mit dem Programm erstellen lassen, erfüllen den von mir intendierten Zweck allemal. (Anmerkung: Das Mitbringen der Geräte sollte natürlich mit der Schulleitung und den Eltern abgesprochen sein. Insbesondere der Versicherungsschutz der Geräte sollte geklärt worden sein und allen Beteiligten transparent gemacht werden.)

Der grobe Plan

Die Erstellung eines Erklärvideos setzt natürlich voraus, dass ich selbst Experte bei der Erstellung des Produkts bin. Dies heißt, dass die Kinder das Windrad selbst mehrere Mal gebastelt haben sollten, um den Bastelvorgang dann selbst gut erklären zu können. Im zweiten Schritt wird den Kindern dann das Medium „Erklärvideo“ vorgestellt. Vielleicht nicht unbedingt mit Reis, sondern eher etwas aus der Lebenswirklichkeit der Kinder:

Anhand eines solchen Videos können dann auch (Qualitäts-)Kriterien für Erklärvideos erarbeitet werden. Hierbei können/sollten die Kriterien für schriftliche Vorgangsbeschreibungen und solche für mündliche Vorträge als Vorlage dienen. Im dritten Schritt kann dann der Ablauf des Videos geplant und geprobt werden, ehe es dann an die Aufnahme geht. Hierzu muss natürlich noch die Funktion der App erläutert werden, was aber der Erfahrung nach am wenigsten Zeit in Anspruch nimmt.

Über meine Erfahrungen bei der Umsetzung werde ich hoffentlich am nächsten Wochenende berichten können. Vielleicht habe ich dann auch einige Materialien zur Unterstützung des Prozesses dabei.

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3 Antworten

  1. Andrea sagt:

    Sehr interessant Herrn Emrich! Vorallem wenn man an der Schule nur ein Whiteboard und keine Tablets hat. Bin gespannt auf weitere Berichte. MfG Andrea

    • Aus meiner Sicht sind die interaktiven Whiteboards Totgeburten. Sie sind zu eindimensional, fördern einen lehrerzentrierten Unterricht, bringen für die Medienkompetenz der Kinder nichts und sind zu teuer.

      • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

        Dem muss ich ein wenig widersprechen. Teuer sind sie leider, allerdings gibt es zahlreiche Kontexte, wo ich sie sehr nützlich finde. Erst gestern sammelte ich Ergebnisse einer GA-Phase in einer Mindmap, merkte dass die Anordnung der Items ungünstig war und konnte „mal eben“ alles verschieben, verkleinern und neu anordnen. Im Anfangsunterricht können Schwungübungen zu den Buchstaben in groß durchgeführt werden. Ich kann in gescannte Texte der Kinder gemeinsam in einer Schreibkonferenz Annotationen vornehmen, ich kann im Mathematikunterricht mathematische Operationen für alle gut sichtbar darstellen, …
        Man sollte erwarten können, dass jeder Lehrer hinreichend kompetent ist selbst zu entscheiden, an welchen Stellen instruierende Unterrichtsphasen zieldienlich sind. Hier kann das IWB oftmals eine sinnvolle Unterstützung sein.

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