Vom Planen einer Geschichte

Bei meiner Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Schreibkompetenz und den begleitenden Fördermöglichkeiten habe ich mich auch wieder einmal mit der Planung von Texten beschäftigt. Immerhin haben diesbezügliche Fördermaßnahmen im Grundschulbereich einen wesentlich höheren Effekt als beispielsweise Schülerfeedback (vgl. Philipp 2015, S. 44). Über Schreibkonferenzen findet man recht viel Literatur in Fachbüchern, aber auch als fertige Unterrichtsvorschläge. Bei konkreten Methodenvorschlägen zur Textplanung wird es insgesamt dünner, wobei man auch hier differenzieren muss.

Für mitteilende und beschreibende Texte sind die Vorschläge zur Planung zahlreicher. Dies erscheint mir einleuchtend, da diese Textsorten eher eine klare Struktur verfolgen. Eine Einladung beispielsweise verfügt über klar definierte Elemente (Anrede, Anlasse, Zeit, Ort, Zusage, Grußformel), die die Schüler in einer ersten Planung stichpunktartig mit Informationen füllen und dann im Schreibprozess ausformulieren können. Ein derartiges Planungsraster lässt sich für einige Varianten von Texten erstellen, die Grundschüler typischerweise im Unterricht verfassen. Ein solches textsortenspezifisches Planungsraster dient dann als Entlastung im Schreibprozess dar und kann zur Förderung eingesetzt werden. (siehe hierzu z.B. das von mir erstellte Planungsraster für eine Suchanzeige)

Wie sieht es aber bei narrativen Texten aus? Welche Möglichkeiten der Textplanung gibt es hier? Hier werden in erster Linie Wortsammlungen vorgeschlagen. Zu einem Bild werden beispielsweise Wörter gesammelt und auf Grundlage dieser Wörter soll dann die Geschichte geschrieben werden (so bspw. in diesem Unterrichtsvorschlag zu Gruselgeschichten). Hierbei handelt es sich jedoch um ein textsorten-übergreifendes Planungsverfahren, denn dieses Vorgehen ließe sich auch bei anderen Textsorten anwenden. Auch eine solche Planung ist richtig und wichtig. In meiner Beobachtung fehlt in Bezug auf das narrative Schreiben jedoch oftmals ein textsortenspezifisches Planungsraster, das die besondere Struktur eines narrativen Textes aufgreift und den Schüler dabei unterstützt, diese Struktur mit Inhalt zu füllen. Der Schüler sammelt zwar Wörter, die im Kontext „Gruselgeschichte“ angesiedelt sind, aber wie aus dieser losen Sammlung eine stringente Erzählung wird, ist erstmal nicht Teil der Planung. Natürlich soll den Schülern möglichst große Freiheit und Kreativität im Schreibprozess gewährt werden, jedoch sollte dabei folgendes nicht außer Acht gelassen werden:

Offene schreibdidaktische Formate […], bei denen es wahlweise um die Befreiung von inhaltlichen Vorgaben bzw. die Betonung der eigenen Vorstellungskraft geht, sind für schreibschwache Schüler zu schwer. Solche offenen Verfahren sind nahezu ausschließlich für gute Schüler effektiv.

[…] Entsprechend sind Aufgaben und Förderansätze ohne wichtige Aufgaben für die Schüler […] scharf in die Kritik geraten und stehen aus Sicht der Forschung unter erheblichem Rechtfertigungsdruck. (vgl. Phillip 2015, S. 110)

Wie könnte aber ein textsortenspezifisches Planungsraster für narrative Texte aussehen? Maik Philipp stellt die 7 W-Fragen vor: Wer?, Wann?, Wo?, Was (will die Hauptfigur machen)?, Was (passiert dabei)?, Wie (endet die Geschichte)?, Wie (fühlt sich die Hauptfigur)?

Bemüht man zu dieser Frage das Internet, dann findet man auf amerikanischer Lehrerseiten zahlreiche Planungsraster für Geschichten, sogenannte „story planner„. Auch wenn die verschiedenen Varianten unterschiedliche Aspekte betonen, so decken viele von ihnen wichtige Strukturelemente von Geschichten ab: Figuren, Orte, Handlung. Ein recht ähnlicher Planer, der durch diese Vorschläge inspiriert ist, kommt in meiner Klasse zum Einsatz. Die Planungselemente sind hier: Hauptfiguren, Nebenfiguren, Orte, Problem, Lösung des Problems und die Ereignisse auf dem Weg vom Problem zur Lösung (es entspricht damit weitgehend dieser storymap). Durch die relative Offenheit des Rasters lässt sich es auf viele verschiedene narrative Texte anwenden (Gruselgeschichten, Märchen, Abenteuergeschichten, Reizwortgeschichten, Schreiben zu Gegenständen, …), denn die Struktur des Geschichtenplaner lässt sich beliebig durch weitere, textsortenspezifische Elemente ergänzen (z.B. die Verwendungen von Märchengegenstände und Märchenzahlen bei der Planung eines Märchens).

Vorlage zum Geschichtenplaner als PDF-Datei

Dieser Geschichtenplaner kommt jedoch nicht nur bei der Planung eigener Geschichten zum Einsatz, sondern auch bei der Untersuchung gelesener bzw. vorgelesener Geschichten. Mit Hilfe eines Geschichtenwürfels (siehe Bild im Kopf dieses Beitrags) „erwürfeln“ und besprechen wir die Elemente der Geschichte im gemeinsamen Unterrichtsgespräch. Die Kinder lernen hier schon vom ersten Schuljahr an im Modell, wie man mit dem Geschichtenplaner umgehen kann. So kommt der Geschichtenplaner zum Beispiel auch im Rahmen des Lesetagebuchs zum Einsatz, indem die Kinder ihn zum gelesenen Buch ausfüllen. All dies soll den Kindern helfen, die Struktur von narrativen Texten zu verinnerlichen, damit sie diese dann auch in eigenen Texten nutzen können.

Soweit meine Ideen und mein Input zu diesem Thema. Weitere Ideen und Meinungen zu diesem Thema sind in den Kommentaren gerne willkommen.

Literatur:
Phillip, Maik: Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik. Schneider Verlag Hohengehren (2015).

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4 Antworten

  1. Marek sagt:

    Dein Artikel kommt wie gerufen! In den Osterferien möchte ich mich genau darin, in die Planung von erzählenden Texten, weiter einarbeiten.

  2. Lisa sagt:

    Toll!! Danke für diesen Artikel. Ich befasse mich schon seit längerem mit der Planung von Texten (am liebsten solche oder ähnliche Pläne im Din-A-3-Format) und danke für die Anregungen – auf die Idee, im englischsprachigen Raum zu gucken, wäre ich natürlich nicht gekommen.

  1. 16. Dezember 2015

    […] ein Werkzeug, dass ich bereits im März einmal ausführlich vorgestellt und begründet hatte: den Geschichtenplaner. Diesen habe ich nun ein wenig modifiziert und habe dabei die spezifischen Charakteristika einer […]

  2. 13. März 2016

    […] einigen Teilen deckt sich dieses Strategienbündel mit dem Geschichtenplaner, den ich bereits in meinem Blog vorgestellt habe. Die Klärung der 7W-Fragen mag trivial […]

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