Und dann bin’sch Meckes g’gangen …

Es gibt doch kein schöneres Ritual, als den Erzählkreis am Montagmorgen. Man sitzt gemütlich im Kreis, reibt sich noch den letzten Schlaf aus den Augen und plötzlich macht der Erzählstein bei einem halt. Und dann wird erzählt. In epischer Breite wird jedes Playstation-Spiel erwähnt, welches man gespielt hat, der Besuch im Fast-Food-Tempel wird erwähnt und natürlich, dass man eine Sendung mit Herrn Bohlen gesehen hat. Gekrönt wird das Ganze dann von der obligatorischen Frage: „Hat es Spaß gemacht?“ und „Was war in deinem Happy-Meal?“

So, Spaß und Ironie beiseite, denn mündliches Sprachhandeln ist natürlich wichtig und in den Bildungsstandards werden ja auch einige Kompetenzen gelistet, die sich auch (!!) mit dem Morgenkreis anbahnen lassen:

Inhalte zuhörend verstehen, gezielt nachfragen,Verstehen und Nicht-Verstehen zum Ausdruck bringen, funktionsangemessen sprechen, an der gesprochenen Standardsprache orientiert und artikuliert sprechen.

Somit ist ja gegen die gesellige Erzählrunde nichts einzuwenden. Wenn da nicht ein paar Stolperstellen wären:

  • Einige/viele Kinder erleben vielleicht nichts, was (aus ihrer Sicht) erzählenswert ist.
  • Kinder trauen sich nicht, vor der Gruppe zu sprechen.
  • Es erzählen immer die gleichen Kinder.
  • Die Erzählung artet in epische Breite aus, beginnt am Freitagnachmittag und endet am Sonntagabend.
  • Das Plenum hört nicht mehr zu, weil die Erzählungen langweilig sind und sich Woche für Woche wiederholen.

Daher wechsel ich ganz gerne die Formen des Erzählkreises durch, damit man (je nach Form) eine oder mehrere diese Stolperstellen umschiffen kann.

Ab an die Tafel

Was auf den erste Blick immer etwas „gemein“ wirkt, ist das Erzählen an der Tafel. Die Kinder kommen dafür (in Kleingruppen) zur Tafel und reden von dort zu den Kindern. Ich praktiziere das bereits immer schon zu Beginn des ersten Schuljahres so, damit die „Hürde“ etwas vorne vor allen zu erzählen gar nicht erst in den Köpfen entsteht. Für die Kinder soll es möglichst normal sein, dort zu stehen und zu reden. Das klappt natürlich nicht immer und einige Kinder meiden diese Form absolut.

Kugellager

Besonders zeitsparend ist das Erzählen im Kugellager. Die eine Hälfte der Klasse bildet einen Kreis in der Mitte und blickt dabei nach außen. Die zweite Hälfte der Klasse sucht sich zu Beginn einen Partner und stelle sich vor diesen. Dann beginnt der innere Partner und erzählt in 60 Sekunden von seinem Wochenende. Hierauf folgt ein Signal und der äußere Partner erzählt in 60 Sekunden von seinen Erlebnissen. Natürlich darf der lauschende Partner jederzeit Nachfragen stellen. Das nächste Signal bedeutet nun, dass der äußere Kreis 3 Kinder weiterrutscht. Das ist beim ersten Mal chaotisch, aber mit der Zeit kennen die Kinder dies und können ihren Partner zuverlässig finden. Dann beginnt das gleiche Spiel noch einmal von vorne. Je nach Zeit lasse ich davon 2-3 Durchgänge stattfinden.

Der Vorteil ist, dass jedes Kind erzählen muss und in der Regel auch ohne Scheu erzählt. Ich lasse ganz am Ende im Plenum dann immer noch Kinder berichten, was sie denn von den anderen Spannendes erfahren haben. So kann man dann auch erfahren, ob wirklich verstehend zugehört wurde.

Blitzlicht

Eine weitere Variante ist bei mir das Blitzlicht. Hier erzählt jedes Kind in einem Satz das Wichtigste von seinem Wochenende. Die übrigen Kinder dürfen am Ende der Blitzlichtrunde ein Kind auswählen, deren Kurzbericht sie besonders neugierig gemach hat und von dem sie mehr hören wollen. Das nominierte Kind kann (!!) dann mehr erzählen, wenn es möchte. Auf diese Weise müssen die Kinder ihr Wochenende erst auf einen inhaltlichen Kern reduzieren, auf den man sie dann in der Langfassung immer wieder hinweisen kann. Ellenlange Endloserzählungen können so minimiert werden.

Das Beste am Wochenende?

Hin und wieder lasse ich auch noch vom schönsten Erlebnissen erzählen, sondern manchmal auch vom traurigsten, vom gefährlichsten, vom langweiligsten, vom nervigsten …

Gibt es noch mehr Erfahrung zur „Best-Practice“ beim Erzählen vom Wochenende?

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den netten Beitrag, den mir gerade mein Mann zum Frühstück serviert har. :o)
    Ich mache in meiner 4. Klasse gern auch mal „zwei Lagerfeuer“. Oft ist es so, dass das was die Jungen erzählen, die Mädchen nicht interessiert (welchen Legokasten sie bekommen haben, welches Konsolenspiel gezockt wurde oder wie es am Wochenende beim eigenen Fußballturnier ausgegangen ist) und die Jungs gähnend langweilig finden, was die Mädchen erzählen (wer bei wem übernachtet hat, was die Katze wieder angestellt hat und die Abfolge der Mahlzeiten im Tagesablauf).
    Dann setzen sich die Jungs um ein imaginäres Lagerfeuer und die Mädchen um ein anderes. Dir Kinder lieben es und es wird immer viel gelacht. Am Ende kann dann noch die beste Jungs- und Mädchengeschichte von den jeweils anderen Kindern gekürt und nacherzählt werden.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.