Übers Schreiben lesen

Mehr durch Zufall stieß ich in der vergangenen Woche auf das Buch „Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik“ von Maik Philipp, jedoch kann ich schon nach etwa 70 gelesenen Seiten eine klare Kauf- und Leseempfehlung für dieses Werk aussprechen. Man findet dort grundlegende theoretische und empirische (!!) Erkenntnisse über den Schreibprozess von Schülern im Grundschulalter und empirisch begründete (!!) Förderideen, um den Schreibprozess bzw. die Schreibkompetenz der Schüler zu Fördern. Dabei geht es natürlich nicht um konkretes Unterrichtsmaterial. Wer also „das schnelle AB, das die Welt rettet“ sucht, der wird an dem Buch keine Freude haben. Wer aber Interesse an theoretischem Hintergrundwissen und empirischen Daten hat, der wird hier mehr als reichhaltig bedient. Insbesondere allen fachfremd unterrichtenden LehrerInnen sei dieses Buch wärmstens empfohlen, denn wie stellt Maik Philipp fest:

[…], dass sich der größte Zuwachs in der Schreibkompetenz in der ersten Makrophase vollzieht.

Man ist geneigt zu ergänzen: „… oder auch nicht.“ Mit der ersten Makrophase sind im übrigen die ersten 10 Jahre der Übung gemeint, in der Regel also die ersten 10 Schuljahre. Hier kann man wohl am meisten Potential verpuffen lassen. Wenn man sich mit dem Buch im Hinterkopf so manches Material aus der Praxis zum Schreiben so ansieht, dann sieht man wohlmöglich ganz schnell ein, dass dies nicht richtig sein kann.

Besonders Interessant ist für mich das Kapitel, in dem bestimmten Fördermaßnahmen auf Grundlage verschiedener Meta-Analysen Effektstärken zugeordnet werden. Hier wird beispielweise deutlich, dass die allseits beliebte „Schreibkonferenz“ gerade im jüngeren Alter kaum einen Effekt auf die Entwicklung der Schreibkompetenz hat. Wesentlich größer (2-3 mal so stark) ist im Gegensatz dazu das Feedback durch eine erwachsene, schreiberfahrene Person. Und dabei wurden und werden doch Schreibkonferenzen doch teilweise recht deutlich empfohlen.

Das Buch wird mich mit Sicherheit noch eine ganze Weile beschäftigen und bei der Planung der nächsten „Schreiben“-Reihe wird es mit Sicherheit ganz oben auf dem Schreibtisch liegen.

 

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Das klingt ja gut!!! Kannst du vielleicht mal 1-2 Beispiele machen, was denn zur Förderung empfohlen wird?
    Wie ist das Buch denn zu lesen? Viel Fachsprache oder auch mal so für zwischendurch?

    LG Anne

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    • Herrn Emrich

      Ich fand es ganz gut zu lesen, der Anteil an Fachsprache ist moderat, vieles wird dann im Text auch noch einmal kurz erklärt.
      Ein Tipp zur Förderung ist beispielsweise das kooperative Schreiben in Schreibtandems: ein schwacher und ein starker Schüler arbeiten zusammen, also planen, schreiben und revidieren den Text gemeinsam. Dabei ist der schwache Schüler der Hauptakteur (Schreiber), der starke Schüler „nur“ Helfer.

      Wenn ich die Zeit finde, schreibe ich die Tage mal eine fiktive Unterrichtsreihe zu einem Schreibprojekt, in dem dann einige der Förderansätze enthalten sind.

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  2. Hallo Florian,
    danke für den Buchtipp. Das Buch ist schon auf meiner Wunschliste. Ich habe ein bisschen recherchiert und dabei festgestellt, dass es von Maik Philipp mehrere Bücher zum Thema Schreib- und auch Leseförderung gibt. Wahrscheinlich hätte ich mich nie näher mit diesem Autor befasst, denn an und für sich schreckt der Name doch ab („Kevinismus“). Kennst du zufällig auch eines der anderen Bücher?
    Vielen Dank, alibert

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    • Herrn Emrich

      Nein, bisher nicht. Bin auch eher zufällig auf den Autor gestoßen, weil was „handfestes“ zum Thema Schreibförderung gesucht habe.

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