Textentlastung

Am heutigen Morgen bekam ich einen kleinen Anstoß, mich noch einmal aktiv in das Grundschullernportal einzubringen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass dort ein äußerst sinnvolles und gewinnbringendes „Lexikon“ für Grundschullehrer entstehen könnte, weswegen ich hin und wieder dort etwas eintrage.

Heute morgen nun entdeckte ich eine Sammlung mit Wissenstexten für Schüler, die mich daran erinnerte, dass ich doch mal irgendwo eine Liste mit Tipps zur Textentlastung hatte. Mit ein wenig Suchen habe ich sie dann auch wiedergefunden. Eigentlich sind viele der dort aufgeführten Tipps so simpel und einleuchtend, dass man sie intuitiv in Texten, die man für den Unterricht erstellt, umsetzen können sollte.

Den Text, den ich für das Lehrerportal geschrieben habe, kopiere ich auch einfach mal hier herein. Im Lehrerportal darf die Liste gerne ergänzt werden:

Unter dem Begriff Textentlastung werden verschiedene Methoden und Techniken zusammengefasst, mit denen in Texten für die Schülerhand Textschwierigkeiten reduziert werden, insbesondere um auch schwächeren Lesern einen Zugang zum Text zu ermöglichen. Textschwierigkeiten können dabei auf sprachlicher, grafischer und inhaltlicher Ebene bestehen, so dass die Möglichkeiten zur Textentlastung sich ebenfalls auf diese drei Ebenen beziehen.

Grafische Textentlastung

  • Flattersatz statt Blocksatz (linksbündig zur Unterstützung der Leserichtung)
  • kurze Zeilen/Spalten
  • Zeilenabstand > Buchstabenabstand
  • Sinnabschnitte entsprechen Zeilen-, Spalten- und/oder Seitenende
  • keine Worttrennung am Zeilenende
  • überschaubare Gliederung
  • Serifen-Schriften wie Garamond oder Times New Roman

Inhaltliche Textentlastung

  • logischer, linearer Textaufbau
  • motivierendes Thema
  • Orientierung über das Thema zu Beginn
  • Illustrationen zur Veranschaulichung

Sprachliche Textentlastung

  • gebräuchliche Wörter
  • mehr kurze als lange Wörter
  • überwiegend kurze Sätze (Satzlänge von sieben Wörtern +/-2)
  • Wiederholungen auf Wort- und Satzebene
  • einfache Syntax (Parataxe) statt komplizierter Unterordnungen (Hypotaxe)

Quelle: http://www.schulentwicklung.nrw.de/materialdatenbank/upload/2052/332152_klp_gs_deutsch_material_Fachdidaktische_HinweiseLesen.pdf Seite 7-8

Anmerkung: Der Tipp, Schriften mit Serifen den Vorzug zu geben, stammt aus dem Dokument des Schulministeriums NRW. Ein Beleg für diese These wird dort nicht gegeben. Ich konnte jedoch auf Anhieb zwei Studien entdecken, die den positiven Effekt von serifenlosen Schriften betonen. Insofern müsste der Tipp eigentlich genau umgekehrt lauten.

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. Petra sagt:

    Die These, Schriften mit Serifen erleichterten die Texterschließung gründet meines Wissens darauf, dass hierbei nicht so schnell Buchstabenvertauschungen bei b und d bzw. p und q entstehen, da diese Buchstaben in Serifen-Schriften unterschiedlich und deutlicher zu unterscheiden sind, während sie in serifenlosen Schriften nahezu einfach nur spiegelverkehrt sind. Für Kinder, die mit der Diskriminierung dieser Buchstaben Probleme haben, sind somit Schriften mit Serifen leichter.

  2. Jan sagt:

    Schriftarten mit guter Buchstabenunterscheidung können sowohl serifenlos als auch mit Serifen erstellt sein und werden. Einen guten Überblick über Schriftarten (nicht nur) für legasthene Menschen bieten die Seiten von Stephany Koujou (http://www.abcund123.de). Die Schriftarten sind häufig kostenlos.
    Die Bevorzugung von Serifen bei längeren Texten kenne ich aus dem 1*1 des Grafikdesigns. Schriften mit Serifen lassen sich (in der Theorie) besser flüssig lesen.
    Ich habe gerade eine kleine Stichprobe in meinem Bücherregal vorgenommen: 9 von 10 Büchern sind in einer Schriftart mit Serifen verfasst. Häufig sind die Titelseiten in einer serifenlosen Schrift.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: