Tandemschreiben

Eine der vielen Förderideen aus dem Buch „Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik“ ist das Tandemschreiben. Ich habe hierzu heute vormittag einen kleinen Artikel in das Grundschullernportal geschrieben, den ich hier wortgleich hereinkopiere.


Beim Tandemschreiben handelt es sich um eine Maximalvariante des kooperativen Schreibens. Es stellt eine personelle Entlastung im Schreibprozess dar und dient somit der Förderung der Schreibkompetenz.

Hintergrund

Das Tandemschreiben geht auf eine britische Studie von Topping et al. aus dem Jahr 2000 zurück, in der Förderansätze zur Schreibkompetenz bei Primarschülern untersucht wurden. Dort wurde es unter der Bezeichnung „paired writing“ verwendet.

Ablauf

Beim Tandenschreiben arbeiten je zwei Schüler in einem leistungsgemischten Tandem zusammen. Dabei erfüllt der schwächere Schüler die Funktion des Schreibers, der stärkere Schüler die Funktion des Helfers, welcher im Schreibprozess überwiegend assistiert. Der Ablauf besteht aus 6 Teilschritten:

  1. Planen
  2. Entwurf schreiben
  3. Lesen des ersten Entwurfs
  4. Revidieren des ersten Entwurfs
  5. beste Variante schreiben
  6. gegenseitiges Beurteilen und Diskutieren in zwei Tandems

Für den gesamten Ablauf sind in der Vorlage 4 Schulstunden vorgesehen, wobei hierbei je nach Leistungspotential und Alterstufe differenziert werden muss.

Planen

Der Planung unterstützt der Helfer den Schreiber, in dem er ihm aus einem Katalog von Fragestellungen Anregungen gibt, wie der zu schreibende Text strukturiert sein soll. Hier ist es hilfreich, wenn dies auf Grundlage vorher vereinbarter Schreibkriterien bzw. Planungsraster geschieht. Der Helfer notiert sich die Inhalte stichwortartig, so dass der Schreiber in dieser Phase bzgl. des Schreibens entlastet ist und sich voll auf die Inhalte konzentrieren kann. Der Helfer kann in dieser Phase zusätzlich unterstützen, in dem er Anregungen und Tipps gibt, falls der Schreiber an einer Stelle nicht weiterkommt.

Entwurf schreiben

In der zweiten Phase werden nun die stichwortartig notierten Ideen verschriftet. Hierbei kann der Schreiber wählen, ob er selbst schreiben möchte oder der Helfer die Schreibarbeit übernehmen soll, so dass auch hier eine deutliche Entlastung im Schreibprozess erfolgt. Auch hier kann der Helfer unterstützen, wenn er bemerkt, dass der Schreiber nicht weiterkommt. Die Hilfe kann hierbei inhaltlicher Art sein, bei der Formulierung von Sätzen und Wörtern oder der Rechtschreibung und Zeichensetzung. Hierdurch kann einem Scheitern des Schreibers im Schreibprozess vorgebeugt werden.

Lesen des ersten Entwurfs

In dieser Phase liest der Helfer den Text laut vor. Dadurch ist der Schreiber selbst Adressat seines Textes und nimmt ihn noch einmal in seiner Gesamtheit wahr. Danach liest der Schreiber selbst den Text vor. Dies mündet anschließend im folgenden Schritt, der Revision: Beide Partner betrachten den Text nun unter den Aspekten Inhalt, Struktur, Rechtschreibung und Zeichensetzung. Es ist mit Sicherheit hilfreich, wenn zu Beginn der Schreibaufgabe Kriterien vereinbart wurden, die als Leitfaden für die Revision dienen können. Diese können dann die Aufmerksamkeit gezielt auf bestimmte Merkmale des Textes lenken. Nötige Veränderungen werden im Text farbig markiert. Schreiber und Helfer können dann gemeinsam entscheiden, welcher Art die Veränderungen sein sollten.

Beste Variante schreiben

Die Veränderungen werden dann bei der finalen Abschrift übernommen.

Gegenseitiges Vorstellen

Für die Vorstellung der Texte setzen sich dann je zwei Tandems zusammen und stellen ihre Texte gegenseitig vor. Auch hier können wiederum die vereinbarten Schreibkriterien oder Leitfragen Anlass zur Reflexion sein. Auch hier ist es durchaus denkbar, dass die Diskussionspunkte in einer weiteren Revision in den Text übernommen werden.

Effekt

Aus diesem Vorgehen können sowohl Schreiber, als auch der Helfer profitieren. Der Schreiber wird über den gesamten Schreibprozess hin entlastet. Dadurch, dass er nicht alles selbst verschriften muss, werden im Arbeitsgedächtnis Kapazitäten „freigeschaufelt“, so dass er seine Aufmerksamkeit auf andere beteiligte Prozesse fokussieren kann. Zudem hat der Schreiber stets einen (kompetenten) Ansprechpartner, der ihm in jeder Phase des Schreibprozesses unterstützen kann.

Der Helfer profitiert ebenfalls, wie in der o.g. Studie von Topping et al. nachgewiesen werden konnte. Zwar schreibt der Helfer nicht selbst bzw. generiert keine eigene Schreidee, die mentalen Prozesse, der in seiner Rolle als Helfer vollführt, sind jedoch ähnlich bzw. identisch. Ggf. ist der Helfer sogar noch stärker gefordert, da er sich von außen in die Ideen des Schreibers einarbeiten muss, um diese zu überwachen und zu unterstützen.


Mit Sicherheit sind für die Strukturierung des Ablaufs Signalkarten hilfreich. Bei der erstmaligen Durchführung könnte für die Kinder zudem eine Handreichung für die Kinder nützlich sein, in der der Ablauf mit den Aufgaben der jeweiligen Rollen aufgeschlüsselt sind. 

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1 Antwort

  1. Anne sagt:

    Das klingt super! Muss ich doch gleich beim nächsten Schreibthema mal ausprobieren! Vielen Dank für den Artikel!!!

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