Schul-Wiki

Ich musst ein wenig in meinem Blog-Archiv wühlen, doch dann fand ich, wonach ich suchte: Ich hatte bereits vor einigen Wochen mal über Wissensmanagement an Schulen sinniert und die Rückmeldungen von Kollegen zu diesem Thema gesammelt.

Die Zwischenzeit habe ich genutzt, um ein Wissensmanagementsystem für unsere Schule zu „entwickeln“ bzw. umzusetzen. An meinen Ideen und der Umsetzung ist nichts Neues, daher setze ich „entwickeln“ lieber in Anführungszeichen. Viele Anregungen konnte ich bei Niklas finden, der in seiner Schule ebenfalls ein Wiki zum Sammeln von Wissen angelegt hat. Weiterlesen

Wissensmanagement – ein erstes Zwischenfazit

Seit meinen ersten Überlegungen rund um das Wissensmanagement sind 3 Wochen vergangen. Hier und in einem Grundschulforum gab es einige Rückmeldungen, was sehr hilfreich war. Dies ist für mich Anlass, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen, welche Formen des digitalen Managements bekannt bzw. möglich sind:

Sammeln „in der Cloud“

Am häufigsten sind Lösungen genannt worden, die auf Dropbox setzen. Das Prinzip ist denkbar einfach: in einem „Schul-Account“ werden Dateien gesammelt und für andere Nutzer freigegeben. Technisch hat diese Lösung sehr geringe Hürden und die Kosten belaufen sich auf 0€, wenn man die kostenlose Variante nutzt. Bedenklich ist diese Lösung vor allem deshalb, weil die Server der Dropbox in den USA stehen. Sollten sich in den ausgetauschten Dokumenten datenschutzrechtlich relevante Inhalte befinden, ist es untersagt diese an die Dropbox zu übertragen. Konferenzprotokolle mit Beschlüssen einer Zeugniskonferenz wären beispielsweise so ein Fall oder aber auch ein alter Förderplan, der Beispiel für einen neuen sein soll.

Ferner warte ich eigentlich auf den Tag, an dem Dropbox sein Kapital aufgefressen hat und die kostenlose Variante gestrichen wird. Ähnliches ist bei vergleichbaren Diensten schon gesehen (z.B. Sugarsync). Natürlich kann man dann zum nächsten Dienst wechseln, aber nervig ist es schon.

Bei Dropbox (und vergleichbaren Anbietern) fehlt zudem scheinbar eine Volltextsuche. Wenn ich also eine Information suche, aber nicht weiß, in welchem Dokument sie stehen könnte, bin ich nach wie vor ziemlich aufgeschmissen.

Dem Namen nach ebenfalls Cloud, aber ggf. „sicherer“ ist die Nutzung von Owncloud. Im Grunde ganz ähnlich wie Dropbox, nur muss Owncloud auf einem eigenen Server/Webspacepaket installiert werden. Man bleibt also voll uns ganz Herr seiner Daten und gibt sie nicht nach außen weiter. Wobei hier die Fragen zu klären bleibt, wie aus Datenschutzsicht zu bewerten ist, wenn ein von der Schule gemieteter Server/Webspace physikalisch nicht im Schulgebäude steht, sondern bei einer Firma in Köln. Findet dadurch schon eine Datenübertragung nach außen statt, die für den Datenschutz relevant ist?

Auf jeden Fall bietet Owncloud neben dem bloßen Speichern von Daten auch einige nette Extras wie einen Kalender, ein Adressbuch oder die Möglichkeiten Dokumente direkt zu bearbeiten. Ähnlich wie bei Etherpad kann da sogar zeitgleich an Dokumenten gearbeitet werden.

Der interne Bereich

Eine weitere Variante ist der Aufbau eines „internen Bereichs“ im Rahmen der Schulhomepage. Ist diese mit einem CMS wie bspw. Joomla gestaltet, wird nach Anmeldungen mit den Zugangsdaten eines Lehrers ein Bereich sichtbar, der Informationen für Lehrkräfte bietet. Auf diese Weise können z.B. Konzepte oder Lehrmittellisten übersichtlich dargestelt und abgerufen werden. Über die Suchfunktion, die eigentlich jedes CMS mitbringt, wären die Inhalte dann leicht zu indizieren und finden.

In der Theorie ließen sich so auch einzelne Dateien zum Download einbinden. In der Praxis ist diese Lösung natürlich recht aufwändig. Während sich bei Dropbox Dateien mit Drag&Drop recht schnell integrieren lassen, ist dies bei Joomla ein ungleich arbeitsintensiverer Prozess. Hierdurch dürfte man sich dann wohl nur auf die wichtigsten Dateien beschränken.

Kollaborative Erarbeitung von Inhalten stelle ich mir hier auch schwierig vor, wobei ein CMS ja auch eigentlich nicht dafür gemacht wurde.

Das LMS

Auch wenn es in keinem Kommentar genannt wurde, so bietet ein LMS wie moodle oder Fronter natürlich zahlreiche Möglichkeiten, eine Wissensplattform für Lehrer aufzubauen. Bei uns in Hennef wird Fronter flächendeckend eingesetzt. Über Module lassen sich hier zahlreiche Funktionen realisieren: Dateiaustausch, Kalender, Adressbuch, Wiki, Dokumente gemeinsam erstellen, ….

Hier stehen natürlich vergleichsweise hohe Kosten im Raum. Eigentlich wird Fronter ja verkauft, um mit Schülern daran zu arbeiten. Ich hier hat man viele Vorteile und einen ggf. recht großen Nutzen. Mit konkreten Zahlen kann ich leider nicht dienen, aber ich denke 2€ pro Schüler pro Schuljahr muss man rechnen.

Moodle wäre kostenlos zu haben und muss ähnlich wie Owncloud selbst installiert werden. Während Owncloud noch recht einfach selbst zu verwalten ist, erfordert moodle doch gesteigerte Kenntnisse und sehr viel Zeit und Geduld.

Das Wiki

Ich bin ein großer Fan von Wikis. Sie sind aus meiner Sicht die derzeit beste Lösung, um Wissen zu sammeln, bereitzustellen und zu überarbeiten. Die Wikipedia dürfte wohl das prominenteste Beispiel sein. Schulische Konzepte ließen sich hier nicht nur sammeln und durchsuchbar machen, sondern auch untereinander verlinken. So könnten Bezüge deutlich gemacht werden oder Dinge genauer erklärt werden. Wenn im Arbeitsplan Sachunterricht steht, dass in Klasse 2 das Table-Set eingeführt wird, kann ich die entsprechende Stelle im Dokument direkt mit einer erklärenden Seite verlinken.

Ein Wiki kann man sich, ebenso wie Owncloud oder moodle, auf einem eigenen Server/Webspace installieren. Die bekanntesten System dürften Mediawiki (damit läuft die Wikipedia) und Dokuwiki sein. Letzteres ist ein in Deutschland entwickeltes Projekt. Beide Systeme sind kostenlos zu haben und erfordern bei der Grundinstallation moderate Kenntnisse. Insbesondere Mediawiki bietet jedoch sehr viele Einstellungs- und Erweiterungsmöglichkeiten, die jedoch recht viel Einarbeitungszeit benötigen. Hier kann man viele viele Stunden verbringen.

In einem Wiki lassen sich auch Dateien hochladen und bereitstellen, doch auch hier lohnt sich dies eher für eine kleine Auswahl von Dateien, da diese nach dem Hochladen einzeln in bestehende Seiten einbinden muss, damit man sie nach auch komfortabel herunterladen kann. Sollte man sich also für ein Wiki als Informationsplattform entscheiden, so sollte man überlegen, ob man dies nicht sinnvollerweise durch Owncloud ergänzt. Denn ein guter Kalender oder eine Möglichkeit Kontaktdaten sinnvoll zu sammeln gibt es in einem Wiki eigentlich nicht.

Ein großes Manko bleibt aus meiner Sicht bei Wikis jedoch: der Wiki-Syntax. Es gibt (derzeit) noch keinen wirklich guten WYSIWYG-Editor für Wikisysteme. Man muss also jegliche Formatierung, aber auch Tabellen und Bilder über einen mehr oder weniger kryptischen Code eingeben. Wenn man also an einer Schule nicht der Einzige sein will, der Inhalte in das System einpflegt, muss man hier Mitstreiter finden, die sich in den Umgang mit dem Wiki einarbeiten wollen. Aus der Erfahrung mit dem Primarwiki weiß ich, dass das nicht einfach ist.

Zwischenfazit

Weitere digitale System konnte ich in den Kommentaren erst einmal nicht finden. Aus meiner Sicht ist kein System das Nonplusultra. Jedes hat seine Schwächen und Stärken bei Kosten, Installation, Nutzbarkeit oder Fähigkeiten bei der Kollaboration. Allen System ist wohl gemein, dass sie bei der Ersteinrichtung vor allem eines brauchen: Zeit. All das, was seit Jahren in Ordner gehortet wurde, müsste eigentlich digitalisiert und bereitgestellt werden, damit ein solches System gewinnbringend genutzt werden kann. Vermutlich muss grundsätzlich die Frage gestellt werden, ob diese Zeit von einigen Kollegen aufgebracht werden kann, um ein System zum Informationsmanagement einzurichten.

Wohin mit all unserem Wissen?

Da ja nun Ferien sind und man endlich wieder Zeit für andere Dinge hat außer Zeugnisse, Klassenbuch und Klasse für die Grundreinigung ausräumen, habe ich einmal damit begonnen, mir ein paar Gedanken zum Thema „Wissensmanagement an Schulen“ zu machen. Klingt vielleicht recht hochgestochen, aber es geht mir eigentlich um die Frage: Wie kann das „im Kollegium vorhandene Wissen“ so gesammelt und organisiert werden, dass Arbeitsabläufe an der Schule besser/effektiver ablaufen?

Da ich selbst an einer Grundschule unterrichte und auch meine sonstigen Kontakte eher auf Grundschule beschränken, möchte ich mich besonders auf die Gegebenheiten an dieser Schulform beziehen. Von den Arbeitsabläufen an weiterführenden Schulen ist mir zu wenig bekannt, um hier sinnvolle Aussagen treffen zu können.

Was meint der gute Herr Emrich mit „im Kollegium vorhandenen Wissen“? Eigentlich alles, was an Abläufen, Absprachen, Beschlüssen, Protokollen, … vorhanden sind. Dinge über die eigentlich jeder Bescheid wissen müsste oder zumindest wissen sollte, wo er/sie nachschlagen kann, um sich selbst weiterhelfen zu können. Vieles von diesem Wissen ist irgendwann mal auf Papier festgehalten worden und schläft seither in einem der vielen Ordner, die vielleicht im Lehrerzimmer oder Schulleiterbüro stehen. Vielleicht gab es sogar mal ein Handout dazu, dass jetzt zwischen Mandalas und Suchseln in den Ordnern des heimischen Arbeitszimmers abgelegt ist. Einiges Wissen ist vielleicht nie wirklich aufgeschrieben worden. „Das Sportfest bereitet doch immer Fr. Hinnerksen vor, die weiß schon Bescheid.“ Dumm nur, dass Fr. Hinnerksen auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben, in Elternzeit oder gar versetzt worden ist. Da muss das neu gegründete Planungsteam jetzt völlig von Neuem anfangen. Ich denke es wird deutlich, dass aufschreiben und für die Nachwelt festhalten sinnvoll ist. Nur wo werden diese Unterlagen abgelegt? Auf dem heimischen PC? Da helfen sie den Kollegen recht wenig, außer man freut sich über gelegentlichen Besuch. Dann wohl doch in die Ordner in der Schule abheften. So kann ja eigentlich jeder Kollege darauf zugreifen. Sogar die vielen neuen Kollegen, denn eigentlich kommt jedes Schuljahr mindestens ein Lehrerwechsel vor. Da müssen sich die Neuen eben durch die Ordner kämpfen. Auf die meisten Unterlagen muss man ja zurückgreifen, wenn man Unterricht vor- oder nachbereitet: Konzepte, Vorlagen für Förderpläne, Beschlüsse und Absprachen. Schön, wenn das alle fein säuberlich in Ordnern in der Schule abgeheftet ist. Wo bereitet man nochmal seinen Unterricht vor und nach? Richtig, zu Hause, da in der Schule in der Regel kein adäquater Arbeitsplatz für alle Kollegen zur Verfügung steht. Das war es dann auch mit der guten Idee bzgl. der Ordner. Schade.

Ich denke nicht nur mir fällt es im Arbeitsalltag immer wieder auf, dass es in der Schule phasenweise furchtbar uneffektiv läuft. Abläufe und Absprachen, werden zwar in Konzepten festgehalten, aber diese sind dann fein säuberlich in Ordnern abgeheftet und irgendwo abgestellt. Neue Kollegen wissen davon natürlich erstmal nix und müssen sich erstmal durchfragen, wie die Abläufe in der Schule sind. Dann sind mit bestimmten „Spezialaufgaben“ Kollegen betraut, die zwar selbst sehr gut Bescheid wissen, aber eben nur sie. Wenn diese Kollegen dann die Schule verlassen oder aus Gründen ausfallen, dann steht man erstmal dumm da und weiß nicht, wen man Fragen kann.
Aber auch anderes Wissen muss ja irgendwie archiviert und genutzt werden: Konferenzprotokolle und -beschlüsse, Materialbestandslisten oder häufig genutzte Dokumenten wie Elternbriefe zur Klassenfahrt oder der Ablauf der Elternabende. In einer kleinen Prezi habe ich mal festgehalten, welches Wissen man so alles verfügbar machen könnte bzw. müsste. Ergänzungen sind gerne willkommen.

http://prezi.com/xrlxotrse2mz/?utm_campaign=share&utm_medium=copy

Daher nun meine große Frage: Wie wird das bei euch an den Schulen gehandhabt? Gibt es da besondere „Systeme“ oder Abläufe, oder wird einfach alles auf Papier und in Ordnern festgehalten und gelangt nur bei Bedarf in die Hände der Kollegen?

Referenzrahmen Schulqualität NRW

Durch einen Tweet von Niklas bin ich auf ein sehr interessantes Dokument meines Dienstherrn gestoßen. Unter dem Titel „Referenzrahmen Schulqualität NRW“ ist dort zusammengefasst, was man in Wissenschaft und Forschung unter gutem Unterricht und guter Schule verstehen kann. Ich zitiere hierzu einmal aus dem Bildungsportal:

Der Referenzrahmen Schulqualität NRW bündelt in einem zentralen Dokument die vielfältigen Vorstellungen und Ansprüche an ‚gute Schule‘ und ‚guten Unterricht‘ aus der Sicht der Bildungs- und Lernforschung sowie der aktuellen bildungspolitischen Diskussion. Anhand von Kriterien und aufschließenden Aussagen zeigt er auf, was in wesentlichen Inhaltsbereichen und Dimensionen unter Schulqualität verstanden wird. Darüber hinaus führt der Referenzrahmen die Qualitätsvorstellungen von Projekten und Initiativen zur Qualitätsentwicklung des Landes NRW zusammen.

Ich will mir gar nicht die Mühe machen, das Dokument großartig zusammenzufassen, denn es ist erfreulich kompakt gehalten. Im Kern werden vor allem zu drei wichtigen Inhaltsbereichen Aussagen getroffen, was Qualtität an Schule ausmacht: Unterricht, Schulkultur und Leitung.

Besonders interessant aus Sicht der einzelnen Lehrkraft ist natürlich der Bereich Unterricht. Schulkultur wird vom gesamten Kollegium und der Leitung getragen, Schulleitung liegt nicht in unserer Hand.

Zu dem, was guten Unterricht ausmacht, entfaltet der Referenzrahmen 27 Kriterien, die sich über 163 (!!!) aufschließende Aussagen näher differenzieren lassen. Das klingt nicht nur nach viel Stoff, sondern erstreckt sich im Dokument dann auch über beinahe 30 Seiten. Durch diese enorme Breite an Beobachtungspunkten wir natürlich so ziemlich alles abgedeckt, was Unterricht bieten kann und soll. Ich empfehle die Lektüre diesen Seiten (S. 27 bis S. 55), schon alleine um einmal für sich selbst zu klären, ob und wie man dies im eigenen Unterricht berücksichtigt.

Äußerst positiv ist mir ins Auge gefallen, dass die aufschließenden Aussagen so formuliert sind, dass sie auf alle Schulformen passen und nicht, wie es sonst schon einmal der Fall ist, besonders SI und SII im Blick haben. Überrascht hat mich, dass auch der (offene) Ganztag mit in die Kriterien aufgenommen ist.

Der Referenzrahmen bietet nur ein „was“ an, jedoch kein „wie“. Es werden also keine Aussagen dazu getroffen, wie die Kriterien umgesetzt werden sollen. Zu einigen Punkten würden mich mögliche Anregungen durchaus interessieren, z.B. zu „In der Schule werden vorhandenes Wissen, Erfahrungen und Planungen sowohl informell
als auch formell kommuniziert und systematisch weitergegeben.“  Wäre durchaus wünschenswert, wenn der DIenstherr hierzu eine kostenfreie, elektronische Lösung anbieten würde, die nicht durch die Lehrkräfte der Schule eingerichtet und gewartet werden müsste.

Langer Rede, kurzer Sinn: Lest es euch mal durch. Aus meiner Sicht lohnt es sich durchaus: http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/referenzrahmen/upload/download/Referenzrahmen_final.pdf

Dann evaluieren wir doch mal

Evaluation nimmt in unseren Alltag meines Empfindens nach eine immer größere werden Rolle ein. Man muss nur genau hinschauen: Kaufe ich ein Produkt im Onlineshop meiner Wahl, dann bekomme ich wenige Tage später eine Aufforderung das Produkt oder den Erwerbsprozess zu bewerten. Besuche ich eine Webseite, dann fordert mich ein PopUp auf einige Frage zu beantworten, damit der Betreiber das Surferlebnis weiter verbessern kann. Ein erfolgreicher Restaurantbesuch wird vielleicht bei Qype und Co bewertet, ein misslungenes Essen auf jeden Fall. Dann wird sogar evaluiert, obwohl der Evaluierte gar nicht darum gebeten hat.Unter nahezu jedem Beitrag im Internet gibt es einen Like-, +1 oder sonstwas-Button, mit dem ich signalisieren kann, dass mir das Dargebotene gefällt. Oder eben nicht, denn dann drücke ich den Button eben nicht. Und wir lieben diese Formen der Evaluation. Wir bewerten was das Zeug hält und vertiefen uns in die Evaluationen der Anderen, ehe wir uns für ein Produkt entscheiden können.

So läuft es zumindest im privaten Umfeld. Im beruflichen, sprich schulischen Umfeld nehme ich dies jedoch anders wahr. Hier wird Evaluation eher zurückhaltend angenommen. Möglichkeiten und Wege gibt es genug, um sich Feedback einzuholen. Doch vielleicht ist manch einer froh, wenn er dieses Feedback nicht bekommt, denn so lange kann man ja davon ausgehen, dass alles gut ist, so wie es ist.

Natürlich wünsche ich mir für die Schule kein omnipräsentes Evaluationssystem. Ich möchte nicht unter jedem Arbeitsblatt ein „Like“ von Schülern und Eltern bekommen oder anhand unsachlicher Kritieren von außerhalb bewertet werden (gibt es eigentlich Spickmich noch??). Aber regelmäßige, vielseitige Evaluation und Reflexion des eigenen Handelns gehört zu einer professionellen Berufseinstellung dazu.

Wieso ich das jetzt alles geschrieben haben? Angeregt zum Thema Evaluation zu schreiben bin ich durch eine dienstliche Mail. Mein Dienstherr (das Land NRW) hat wohl schon seit längerem eine Kooperation mit der Uni Jena und bietet für diverse Schulformen das Portal SefU an. SefU steht hierbei für „Schüler als Experten für Unterricht“. Das Portal erlaubt es der Lehrkraft, kleine Evaluationen zu erstellen, mit deren Hilfe die Schüler online Rückmeldung zum Unterricht geben können. Das Ganze wird kostenlos angeboten.

Neu ist jetzt, dass es auch eine spezielle Oberfläche für Grundschüler gibt, mit deren Hilfe auch Grundschullehrer ihren Unterricht auf Grundlage von Schülerrückmeldungen evaluieren können. Anmelden kann sich jede Grundschullehrkraft (auch Referendare) von einer Grundschule in NRW mit Hilfe der Schulnummer. Die Freischaltung der Accounts erfolgt automatisch.

Man hat entweder die Wahl zwischen einen vorgefertigten Fragebogen oder kann auch eigene Fragebögen zusammenstellen. Dazu stehen 108 Fragestellungen in 21 Bereichen zur Verfügung. Zudem können eigene Fragen formuliert werden.

Die Beantwortung der Fragen erfolgt mit einer 4-stufigen Skala oder als Freitext-Antworten. Neben den Schülern kann auch die Lehrkraft selbst die Fragen aus ihrer Sicht beantworten.

In welcher Weise die Auswertung erfolgt habe ich noch nicht überprüft. Gefühlt würde ich vermuten, dass es ein mehrseitiges PDF-Dokument mit Rohwerten, Prozentwerten und diversen Diagrammen wird, in der auch Unterschiede zwischen Selbst- und Schülerwahrnehmung aufgezeigt werden.

An sich finde ich es eine tolle Sache, vor allem da es kostenlos angeboten wird. Vielleicht macht so etwas ja Schule und wird auch in anderen Bereichen angeboten (z.B. Evaluation der Eltern). Hier muss man derzeit noch auf eigene Frickel-Lösungen zurückgreifen (z.B. Grafstat) oder auf kommerzielle Anbieter zurückgreifen.

Nun kommt mein Aber. Denn aus meiner Sicht kann diese Lösung noch optimiert werden. Für Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 halte ich dieses Portal nur bedingt geeignet. Zwar wird die Anleitung zur Befragung noch in großer Schrift und grafisch unterstützt dargeboten, die Fragen werden leider nur in Schriftgröße 10 präsentiert. Für Kinder aus Klasse 1 und teilweise auch in Klasse 2 wird dies eine zu große Herausforderung sein, auch was das Leseverständnis angeht. Obwohl diese Erkenntnis ja vielleicht auch schon eine Rückmeldung zum eigenen Unterricht ist.

Nun könnte man natürlich sagen, dass die Kinder dann die Fragen zu Hause mit Mutti beantworten oder mit der gesamten Klasse im Medienraum (wenn man einen hat). Dann stellt sich für mich jedoch die Frage, ob die Kinder durch die Unterstützung nicht ggf. beeinflusst werden. Insbesondere bei Elternhilfe sehe ich diese Möglichkeit durchaus gegeben.

Technisch könnte man es bestimmt so lösen, dass die Fragen einzeln präsentiert werden, ggf. auch in großer Schrift und mit der Möglichkeit, sich die Fragen vorlesen zu lassen.

Ihr findet Sefu übrigens hier: http://www.sefu-online.de/index.php/

Ich werde das Portal zu gegebener Zeit nutzen. Ich halte regelmäßige Evaluation des Unterrichts für sehr wichtig. Die Befragungen durch Sefu sind dabei vielleicht ein hilfreiches Instrument. Was gibt es noch? Diagnosetests, Elternbefragung, gegenseitige Hospitationen, … ?? Welche Werkzeuge nutzt ihr? Was erscheint euch besonders hilfreich? Und was ist eher Zeit- Geld- oder Papierverschwendung?

Schulhomepage – ein Blick in die Statistik

Aktuell beschäftige ich mich wieder einmal ein bisschen mit der Homepage unserer Schule. Durch ein paar Gedankenspiele, die ich dazu angestellt habe, fühlte ich mich angeregt, diese Gedanken mich Euch zu teilen. Über ein paar Denkanstöße in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen. Vorweg möchte ich betonen, dass sich meine Gedanken auf die Homepage einer Grundschule beziehen.

Homepage – ein quasi-muss ??

Heute hat beinahe jede Schule eine Homepage. Man fällt als Schule direkt negativ auf, wenn man keine Homepage hat. Auf einer solchen Homepage präsentiert sich die Schule dann: die lieben Kollegen werden vorgestellt, die Öffnungszeiten des Sekretariats und das Konzept der Schule bzw. der OGS. Wenn die Homepage mehr oder weniger aktuell ist, gibt es auch einen Terminkalender oder aktuelle Berichte aus dem Schulleben. Eine Schule mit einer gewissen Tradition stellt evtl. ihr bewegtes Leben in einer Chronik dar.

Wer kümmert sich?

Interessant ist dann der Blick, wer für die Erstellung der Homepage zuständig ist: zumeist ein Kollege, der recht gut mit Computern kann und sich da ein wenig auskennt. Gibt es diesen Kollegen nicht, dann ja vielleicht Eltern, die sich der Sache angenommen haben und der Schule ein Homepage geklöppelt haben. Verlassen diese Eltern oder besagter Kollege dann die Schule, dann verwaist so eine Homepage auch recht schnell wieder.

In den seltensten Fällen sieht man eine Homepage, die von einer professionellen Agentur oder der IT-Abteilung der Stadt gemacht wurde. Wer sich ein wenig mit den Budgets von Schulen beschäftigt hat, der wird auch schnell verstehen, warum eine professionelle Homepage (inkl. Wartung!) für eine Schule nur schwer erreichbar sein wird.

Wen kümmerts?

Es ist also viel Arbeit von Kollegen nötig, um die Homepage zu erstellen und aktuell zu halten. Arbeit, die nur begrenzt in Form von Entlastungsstunden honoriert wird. Es ist halt ein wenig Extraarbeit, die man dafür zu leisten bereit ist sein muss. Andererseits ist ja eine schöne Homepage auch durchaus ein Aushängeschild für die Schule und etwas, worauf man an guten Tagen stolz sein kann :).

Ich habe mir am Beispiel meiner Schule man angesehen, wer sich die Homepage überhaupt ansieht (wen es also kümmert, dass Herrn Emrich die Homepage gemacht hat). Das Ergebnis ist mehr oder ernüchternd: im Monat schauen sich im Schnitt 400 Besucher die Homepage an, also täglich etwa 13 Besucher. Die 400 Besucher erreicht mein Blog, den ich nun wirklich nicht regelmäßig befülle, in guten Zeiten an einem Tag. Und selbst das ist noch vergleichsweise wenig.

Noch schlimmer wird der Befund, wenn man sich die Statistik genauer ansieht. Die Absprungquote liegt bei knapp 40%. 160 Besucher verlassen die Seite also innerhalb weniger Sekunden wieder, nachdem sie die Startseite kurz erblickt haben. Man darf davon ausgehen, dass diese Besucher aus Versehen über Google auf der Seite gelandet sind. Mich treibt die Frage um, ob das auf anderen Schulhomepages auch so ist, oder ob unsere Seite einfach besonders schlecht gepflegt ist oder besonders unattraktiv.

Kann man es besser machen?

Wenn man eine Homepage gestaltet, möchte man natürlich eine möglichst große Reichweite haben. Aus meiner Sicht macht es wenig Sinn, eine Schulhomepage über SEO-Techniken künstlich zu pushen: für viele Suchende von außerhalb ist die spezielle Homepage einer Schule nicht interessant, auch wenn sie im Google-Rank besonders weit oben steht.

Zielgruppe der Seite sind in der Hauptsache die Eltern der Kinder, die aktuell an der Schule sind, bzw. die bald die Schule besuchen werden. In der Regel wird diese Gruppe aus vielleicht 500 Haushalten bestehen. Sind da monatlich 240 Besuche schon ein Erfolg? Da hätte ja vermutlich schon jeder zweite Haushalt die Homepage wenigstens einmal besucht. Jammere ich hier gerade auf hohem Niveau?

Eine Möglichkeit wäre es natürlich, wenn man die sozialen Netzwerke, insbesondere Facebook mit einbindet. Neuigkeiten auf der Seite könnten so auf direktem Wege an die Eltern weitergegeben werden. Die Besucherzahlen würden mit Sicherheit steigen, oder? Gibt es Erfahrung zur Nutzung von Facebook als verlängertem Arm der Schulhomepage?

Nun hoffe ich mal ganz fromm auf eine anregende Diskussion zum Thema in den Kommentaren …