Über den Wert von Schreibkonferenzen

In den letzten Tagen habe ich mir (wieder einmal) Gedanken über Schreibkonferenzen gemacht. Eigentlich gehe ich davon, dass diese Methode zur Förderung des Schreibprozess allgemein bekannt ist. Einen guten Einstieg böte die Zusammenfassung von Beate Leßmann, die zudem noch die Autorenrunde und die Schreibberatung unterscheidet. Wenn ich an meine Seminarzeit zurückdenke, waren Schreibkonferenzen dort (mehr oder weniger) ein Muss, wenn man einen Schreibanlass durchführen wollte. Es ist (rein vom Ablauf) ja auch logisch: Kinder sind nie alle zur gleichen Zeit fertig mit ihren Schreibprodukten und die einzelnen Lehrkraft wird kaum ad hoc Rückmeldung zu 28 Textentwürfen geben können. Schon allein aus diesem Grund ist ein offenes Schreibende mit Schreibkonferenzen „praktisch“. Weiterlesen

Lernarrangement Vorgangsbeschreibungen

Für das Grundschullernportal der ZUM habe ich versucht, meine fast abgeschlossene Reihe zu den Vorgangsbeschreibungen einmal als Lernarrangement darzustellen. Dabei wollte ich nicht nur bloß das gesammelte Material darstellen, sondern vor allem auch die dahinterstehende Idee und Verknüpfungen zu den Bildungsstandards der KMK herstellen (eigentlich wären Verbindungen zu den Kernlehrplänen hilfreicher, aber da es in Deutschland 16 verschiedene Lehrpläne gibt, erschienen mir die Bildungsstandards ein geeigneterer Anker).

Die entstandene Seite findet sich hier: http://grundschullernportal.zum.de/wiki/Vorgangsbeschreibung Sie darf gerne überarbeitet, ergänzt und diskutiert werden!

Vorgangsbeschreibung und Video – mal anders

Eine Kleinigkeit zum Medieneinsatz in Bezug auf Vorgangsbeschreibungen möchte ich noch anbieten: Vorgangsbeschreibungen zu einem Video schreiben.

Typisch sind wohl folgende Settings, um mit den Kindern Vorgangsbeschreibungen zu schreiben:

  • die Kinder haben den Vorgang noch nie selbst durchgeführt und müssen sich alles selbst ausdenken (Fantasierezepte).
  • die Kinder müssen sich an den Vorgang der Erstellung erinnern. Dieser liegt schon einige Zeit zurück.
  • die Kinder sehen den Vorgang auf Bildern oder Zeichnungen (haben ihn aber im besten Fall auch schon einmal selbst durchgeführt), müssen diese Bilder interpretieren und aus dieser Interpretation eine Vorgangsbeschreibung erstellen.
  • die Kinder schauen bei der Durchführung des Vorgangs durch eine andere Person zu, stellen ggf. Nachfragen und schreiben dann auf Grundlage ihrer Beobachtungen eine Vorgangsbeschreibung.
  • die Kinder führen den Vorgang selbst durch (kochen ein Gericht oder basteln einen Gegenstand) und erstellen im Anschluss die Vorgangsbeschreibung.

Alle genannten Vorgehensweisen haben mit Sicherheit ihre Vor- und Nachteile. Gerade für schwache Schreiber ist es wohl am hilfreichsten, wenn sie die Einzelschritte der Zubereitung selbst durchführen mussten. Sie müssen dann nur (die Erinnerung an) eine konkrete Handlung in verbale Beschreibung überführen und aufschreiben.

Da ich gerne mit digitalen Medien im Unterricht experimentiere, wollte ich ich den oben genannten Vorgehensweisen eine weitere hinzufügen:

Ich habe ein tonloses Erklärvideo gedreht, in dem ich einen Tee zubereite. Tonlos, damit die Kinder nicht einfach bloß meine Formulierungen übernehmen. Tee, damit die Kinder sich bei der sehr einfachen Tätigkeit auch einmal bewusst auf alle Details konzentrieren können. Auf diese Weise kann man dann sehr schön reflektieren, welche Informationen in einem guten Rezept sinnvoll sind und welche man nicht zwingend aufschreiben muss (Adressatenorientierung).

Das Video habe ich zuerst zweimal mit allen Kindern an der Tafel angeschaut. Danach konnten die Kinder mit dem Schreiben der Vorgangsbeschreibung beginnen. Hatten Kinder während des Schreibvorgangs Schwierigkeiten sich an die Details zu erinnern, dann konnte ich ihnen eines meiner drei Tablets auf ihrenTisch geben, so dass sie das Video erneut anschauen konnten. Optimal wäre natürlich jetzt, wenn man zumindest einen halben Klassensatz Tablets zur Verfügung hätte. Aber auch so erhielten die schwächeren Schreiber eine gute Unterstützung im Schreibprozess.

Das Video habe ich unter creativecommons-Lizenz bei Youtube hochgeladen, so dass es genutzt, aber auch bearbeitet werden darf. Zum Schreiben der Texte haben die Kinder ein vorstrukturiertes Schreibblatt und eine Kriterienliste zur Selbstkontrolle genutzt.

thumbnail of AB 3 – Vorstrukturiertes Schreibpapier thumbnail of AB 0 – Selbsteinschätzungsbogen

#Krimi zum Dritten: Einen Krimi schreiben

Für den dritten Teil meiner Darstellungen rund um die Krimi-Reihe möchte ich ein wenig weiter ausholen. „Aus Gründen“ habe ich mich im letzten halben Jahr intensiv mit Schreibförderung, Schreibentwicklung und dem Schreibprozess befasst. Eher durch Zufall bin ich auf die Bücher von Maik Phillip gestoßen, der (aus meiner Sicht) äußerst fundiert (und empirisch belegt!) darlegt, welche Bedingungsfaktoren Schreiben gelingen und scheitern lassen und wie schulische Förderung gelingen kann. Dabei fügt er zahlreiche Studien und Untersuchungen der letzten 30 Jahre zusammen und entwickelt daraus Handlungsempfehlungen für den Schreibunterricht. Ein Vorgehen, dass ich in der hiesigen fachdidaktischen Diskussion bisher eher vermisst habe. Daher möchte an dieser Stelle (einen Teil) seiner Arbeit in meine Überlegungen zu den Krimis einbinden.

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#Krimi zum Zweiten: Krimis untersuchen

Neben der Arbeit im Lesetagebuch verwende ich parallel ein Werkzeug, dass ich bereits im März einmal ausführlich vorgestellt und begründet hatte: den Geschichtenplaner. Diesen habe ich nun ein wenig modifiziert und habe dabei die spezifischen Charakteristika einer Krimigeschichte integriert.

page1-530px-Krimiplaner.pdf

Die Kinder untersuchen mit Hilfe des Krimiplaners den Krimi im Anschluss an des Lesen der Lektüre in Bezug auf folgende Fragestellungen:

  • Welche Orte spielen in der Geschichte eine Rolle? Welche Tatorte gibt es?
  • Wer sind die Protagonisten (das Ermittlerteam)?
  • Wer ist der Täter? Welche weiteren Verdächtigen gibt es?
  • Wie beginnt der Krimi? Welches Verbrechen wird verübt?
  • Wie laufen die Ermittlungen ab? Welche Schritte unternimmt das Ermittlerteam auf dem Weg zur Lösung?
  • Wie wird der Täter überführt? Welche Lösung hat die Geschichte/der Fall?

Diese Untersuchungsschwerpunkte lassen sich in vielen, aber mit Sicherheit nicht in allen Kriminalromanen für Kinder wiederfinden. Die Geschichten von Lasse und Maja, dich ich im letzten Beitrag kurz vorgestellt hatte, passend jedoch hervorragend in dieses Raster.

Mit der Verwendung dieses Planers möchte ich jedoch nicht nur das Verständnis des gelesenen Buches unterstützen, sondern auch die Entwicklung eigener Kriminalgeschichten anbahnen. Der Krimiplaner soll nämlich auch als Planungsraster für die Textproduktion der Kinder dienen. Dazu folgen eine Gedanken am Wochenende.

Neues Schreibprojekt: Personenbeschreibungen

Nachdem ich im vergangenen Schuljahr bereits einiges zum schriftlichen Sprachgebrauch auf theoretischer und praktischer Ebene geschrieben habe, möchte ich an dieser Stelle nur kurz auf ein neues Schreibprojekt hinweisen, das ich derzeit entwickle/umsetze. Es geht dabei um Personenbeschreibungen. Die unterrichtliche Umsetzung erfolgt dabei ganz ähnlich wie bereits bei den Suchanzeigen. Für mich haben sich die Förderideen von Maik Philipp absolut bewährt. Alle neuen Materialien (auch Quelldateien) erscheinen Stück für Stück im Grundschullernportal.

Schreibtandems: eine kleine Rückschau

In der vergangenen Unterrichtsreihe habe ich zum ersten Mal mit Schreibtandems gearbeitet. Eine Beschreibung dieser Methode zur Förderung der Schreibkompetenz habe ich bereits vor einiger Zeit im Grundschullernportal veröffentlicht.

Drehscheibe

Um den Arbeitsprozess der Kinder beim Schreiben besser zu strukturieren, habe ich im Vorfeld eine Drehscheibe gestaltet, die in allen 4 Phasen (Planen, Schreiben, Überarbeiten, Vorstellen) für beide Rollen (Schreiber und Helfer) festlegt, welche Aufgabe welche Rolle inne hat. Zudem hat jedes Kind ein kleines Rollenkärtchen bekommen.

Rückblickend werte ich diese Methode als Erfolg. Am Ende des Tandemschreibens hatten alle Tandems eine (mindestens) ordentliche Suchanzeige aufgeschrieben. Insbesondere natürlich auch die Kinder, die es alleine nicht in dieser Qualität zu leisten im Stande gewesen wären. Diese Kinder konnten maßgeblich auf zwei Weisen profitieren: Im Schreibprozess waren sie (wenn sie es so wollten) vom „handwerklichen Schreiben“ vollkommen entbunden. Sie konnten sich zum einen voll auf das Formulieren der Sätze und die sprachliche Umsetzung der Schreibideen konzentrieren. Ihr Arbeitsgedächtnis war nicht mehr durch das bloße Aufschreiben blockiert. Manchen Kindern war diese Erleichterung deutlich anzusehen. Zum zweiten aber erhielten die „Schreiber“ ein direktes Feedback zu ihren Ideen, indem die „Helfer“ ggf. Rückmeldung zu den diktierten Sätzen geben konnten und Verbesserungsvorschläge anbringen konnten. So konnte manchmal schon eine kleine Reflektion über Sätze und Formulierungen stattfinden. Im Normalfall erhalten die Kinder ein solches Feedback erst nach dem Aufschreiben, wobei Verbesserung dann mühsam in einer Revision des Textes umgesetzt werden müssen.

Über diese eine Übung hinaus war dann insbesondere den „schwächeren“ Schreibern die Struktur und die Entstehung einer Suchanzeige klarer. In den weiteren Suchanzeigen konnten sie dann auf nun bekannte Sätze, Formulierungen oder Muster zurückgreifen.

Rückblickend ist die Rollenbezeichnung „Schreiber“ unglücklich gewählt, da der Schreiber ja unter Umständen gar kein Schreiber ist, wenn nämlich der Helfer schreibt. Hier sollte man vielleicht „Autor“ und „Helfer“ wählen.

Die Scheibe, die Rollenkarten und alle weitere Informationen zum Tandemschreiben finden sich hinter diesem Link.

Die spinnen, die Finnen!

Die deutsche Presse hat mal wieder einen Schul-Aufreger gefunden. Diesmal nicht in heimischen Gefilden, sondern im fernen Finnland. Die Finnen (DIE Finnen, die Pisameister Finnen!!!1Elf) haben sich gewagt die Handschrift aus der Schule zu verbannen. Sie musste noch nicht einmal in den T-Raum, sondern es gab den direkten Schulverweis. Die Finnen schreiben nur noch am Computer. Ausschließlich. Ganz vielleicht auch am Tablet. Aber ganz bestimmt nicht mit der Hand.

Das Finnland die HANDschrift abschafft, stand u.a. beim guten alten Spiegel. Da viele Zeitungen und Newsportale einfach nachschreiben, was der Spiegel so schreibt, war es also quer durchs Internet zu lesen. So ist es aktuell noch bei GMX und RP Online zu lesen. Der Spiegel hat inzwischen gemerkt, dass der Übersetzer irgendwie unsauber gearbeitet hat. Es geht den Finnen keineswegs um die HANDschrift, sondern um die SCHREIBschrift. Druckschrift schreiben die Finnen sehr wohl noch in der Schule. Und auch diese Buchstaben muss man natürlich irgendwie mit der Hand aus dem Bleistift herauskitzeln.

Finnland schafft die Schreibschrift ab klingt aber auch nicht so revolutionär, denn dies haben schon andere Länder zuvor gemacht. Deutsche Bundesländer sogar. In NRW zum Beispiel ist im Lehrplan als Kompetenzziel nur von einer „verbundenen Handschrift“ die Rede. Das KANN die Schreibschrift sein. Das kann aber auch die Grundschrift sein. Der große Unterschied zum finnischen Modell ist, dass das Schreiben mit der Tastatur keinen so hohen Stellenwert im Lehrplan hat. Vielleicht, weil man sich sehr wohl bewusst ist, dass man dazu die Schulen auch adäquat ausstatten müsste, was wiederum Geld kostet? Man weiß es nicht. In Finnland scheint dies kein Problem zu sein. Vielleicht sind die Finnen deswegen Pisameister. Und vielleicht spinnen sie doch nicht, diese Finnen.

Förderung der Schreibkompetenz: Ein Versuch

Folgende Lerneinheit habe ich einmal versuchsweise entworfen. Sie ist noch nicht ganz fertig. Sie ist mit Sicherheit nicht bis ins letzte Detail durchdacht und ausgereift. Das soll sie auch nicht sein bzw. den Anspruch erhebe ich hier nicht. Ich möchte in erster Linie meine Ideen wiedergeben, wie man die Anregungen von Maik Philipp aus dem Buch „Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik“ für den Unterricht nutzen könnte.

Die gesamte Reihe (ich nenne es Lernarrangement) habe ich in das Wiki des Grundschullernportals gesetzt und dort auch alle Materialien verlinkt. Ergänzungen sind gerne willkommen!

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Übers schreiben schreiben

In den Kommentaren zur Buchvorstellung „Die Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik“ fragte eine Leserin an, welche Förderansätze denn vorgestellt werden. Ich möchte darauf einmal kurz eingehen. Philipp stellt verschiedene Maßnahmen vor, zu denen er auch aus verschiedenen Untersuchungen Effektstärken auflistet. Diese werde natürlich hier nicht wiedergeben, aber ich denke die reinen Maßnahmen sollte ich benennen können.

  1. Schreibstrategien vermitteln (dazu später mehr)
  2. Kooperatives Schreiben (siehe z.B. das Tandemschreiben)
  3. Feedback durch Erwachsene
  4. Textproduktziele setzen (Stichwort Schreibkriterien)
  5. Textstrukturwissen vermitteln (auch dies lässt sich später in Schreibkriterien abbilden)
  6. Inhalte diktieren lassen bzw. reine Übungen zum „Handwerk Schreiben“
  7. Texte planen üben
  8. Schreiben am PC
  9. Satzbauübungen
  10. Feedback durch Schüler
  11. Modellhafte Texte untersuchen

Das mag für einige KollegInnen auf den ersten Blick alles trivial und lapidar klingen, vielleicht denkt man sich auch ein „mach ich doch“, aber so ganz eindeutig sehe ich das nicht. Wenn ich mir so manches didaktisches Material in Schulbüchern, Unterrichtsmaterial oder im Internet ansehe, kann ich von diesen Förderansätzen wenig wiederfinden. Dabei sollten zumindest einige der 11 genannten Punkte Bestandteile jedes sinnvoll strukturierten Lernarrangements mit dem Schwerpunkt „Schreiben“ sein. Doch was man allzu oft findet sind Aufgaben des Typs: „Schreib doch mal zu diesem Bild“. Oder es werden 5 Zutaten vorgegeben und die Kinder sollen ein Fantasierezept dazu schreiben. Das mag bei starken Schülern u.U. zu erfreulichen Ergebnissen führen, aber den übrigen Schülern wohl eher nicht.

Zu den Schreibstrategien führt Philipp auch einiges aus. Darunter versteht er ein ganzes Bündel von Strategien:

  • Gestalten der Schreibumgebung
  • Studieren von Textmodellen (sowohl inhaltlich/strukturell, wie auch sprachlich)
  • Zeitplanung
  • Schreibziele setzen
  • Selbstüberwachung der Textqualität
  • Kognitive Strategien anwenden (planen – schreiben – revidieren)
  • bilden mentaler Bilder
  • Verbalisieren des Inhalts beim Schreiben

Die Maßnahmen und Strategien erläutert Philipp allesamt mit Beispielen und weiteren Forschungsbefunden, allerdings nicht in der Weise, dass man es danach sofort im Unterricht einsetzen könnte (das ist ja auch gar nicht der Anspruch des Buchs!). Aber dennoch wird beispielsweise ein Planungsraster vorgestellt, mit dem man narrative Texte in der Grundschule planen kann.

Ich denke, dass ich in den nächsten Wochen einmal versuche, eine (fiktive) Reihe zu einem Schreibthema aufzuschreiben, in der ich dann versuche einige der genannten Ansätze umzusetzen. Vielleicht hilft das dann noch ein bisschen mehr.