Diagnosetests im Fach Mathematik

Am KarnevalsWE habe ich mich ein wenig mit dem neuen Internetangebot tutory beschäftigt (ein kostenloser Online-Arbeitsblattgestalter). Beim Rumspielen kam mir wieder eine Idee in den Sinn, die ich vor einiger Zeit schon einmal hatte, aber damals nicht umgesetzt habe: lehrwerksunabhängige Diagnosearbeiten für Mathematik.

An vielen Schulen sieht die Praxis des Mathematikunterrichts vielleicht bisher so aus: man beackert mit allen Kindern gemeinsam ein Thema (oder die Kinder arbeiten sich in ihrem Tempo durch einen Teil des Buchs), bis irgendwann die Lernzielkontrolle kommt, die dem Lehrer und dem Kind dann zeigt, wer was kann und wer nicht. Danach wird an diesen Defiziten wohlmöglich nicht mehr gearbeitet, denn das nächste Thema steht an … und das Mathebuch muss ja in dem Schuljahr geschafft werden.
Nun hat „mein“ Lehrwerk (Welt der Zahl) in der Ausgabe von 2009 (endlich) Diagnosearbeiten mit dabei. „Kleine“ Tests, die mitten in der Reihe gemacht werden können und anzeigen, wer etwas bereits hinreichend sicher beherrscht und wer noch weitere Hilfen braucht. Leider finde ich diese Diagnosearbeiten teilweise ungeschickt, weil sie a) sehr umfangreich sind und b) teilweise eher das Beherrschen eines bestimmten Aufgabenformats testen und nicht das dahinterstehende Rechenverfahren. Ansonsten habe ich derartige Diagnosetests kaum finden können. Weder bei den Verlagen, noch in Blogs oder anderen Materialquellen.

Ich möchte gerne etwas haben, dass kurz und knackig ist, (erstmal) nur die Basics abtestet und am Ende Rückschlüsse auf die zu fördernden Problemstellen zulässt.
Ich habe mich gestern mal hingesetzt und versucht, so einen Test für das Zehnereinmaleins zu entwicklen: https://www.tutory.de/worksheet/64f67800
Idee: Das Kind muss zuerst zeigen, ob es das kleine 1×1 bzw. 1:1 beherrscht. Denn ggf. kann es die großen Malaufgaben einfach aus dem Grund nicht, weil es die kleinen nicht automatisiert hat. Anschließend kommen bei der Testung die Aufgaben des großen 1×1 bzw. 1:1 zum Abgleich. Zuletzt dann noch die Aufgaben der 11er, 12er und 25er-Reihe, weil die in meinem Lehrwerk gesondert eingeführt werden. Da der Test bei Tutory erstellt ist, könnte jede Lehrkraft, die diese Aufgabe doof findet, einfach rauslöschen oder ersetzen.

Einen weiteren Test und entsprechende Auswertungstabellen habe ich hier verlinkt:
http://grundschullernportal.zum.de/wiki … Mathematik

Solche Minitests könnte man ja für zahlreiche Bereiche der Mathematik erstellen, so dass dort dann „komplexere“ Handlungen in die Teilkompetenzen zerlegt sind und man eine genauere Idee davon bekommt, wo es hakt. Natürlich kommt das Ganze in Klasse 1 und 2 an seine Grenzen, wo doch dort noch sehr viel auf enaktiver Ebene abläuft, was ich in einem Papiertest nicht abbilden kann. Hier müsste man dann eben durch Schülerbeobachtungen ergänzen.

Diag_ScreenZu jedem Diagnosetest steht eine Auswertungstabelle für Excel/Calc zur Verfügung, die über eine dreifarbige Skala Rückschlüsse zulässt, welche Teilbereiche der des Themenkomplexes noch problematisch sind. Hierbei wird grundsätzlich für jede richtig gelöste Rechnung ein Punkt vergeben. Mit Hilfe der Punkte wird somit keine Wertigkeit zwischen verschieden schwierigen Aufgabentypen dargestellt. Die Bepunktung dient lediglich dazu zu ermitteln, wie hoch der Anteil richtiger Lösungen einer Aufgabenform ist. Es wird also ermittelt, wie sicher der Lernende einen bestimmten Aufgabentyp bereits lösen kann.

Die Ergebnisse des Mini-Tests könnten dann Grundlage für die weitere (Förder-)Planung innerhalb der Reihe sein. Welches Kind benötigt weitere Hilfen? Hilfen, die vielleicht außerhalb des eigentlich geplanten unterrichtlichen Rahmens liegen? Welches Kind ist schon hinreichend fit und kann die Zeit nun effektiver mit anderen Aufgabenstellung nutzen?

Die Erstellung derartiger Tests in Tutory ermöglicht es, dass alle interessierten Lehrkräfte die Tests mit wenigen Klicks an ihre Bedürfnisse anpassen können.

Was meint ihr? Macht sowas Sinn oder kann man sich diese Arbeit sparen?

Mach es dir selbst!

In dieser kleinen Episode möchte ich kurz vorstellen, welches „kleine“ Projekt ich in den letzten Wochen realisiert habe, wie OER/offenes Material auch funktionieren kann … und warum mein Postbote seit gestern Rückenschmerzen hat.

Arbeitsheft – Förderheft – Forderheft

Früher hatten es die Schulbuchverlage noch leicht. Da gab es ein Lehrwerk und dazu ein Arbeitsheft. Eventuell gab es für den engagierten Lehrer noch ein Handbuch und Kopiervorlagen, aber dann war auch wirklich gut. Doch in den letzten Jahren macht sich die Erkenntnis breit, dass – oh Graus – die Lerngruppen heterogen sind, wenn nicht gar inklusiv. Da musste natürlich was geschehen. Der Lehrer braucht dafür dringend das passende Handwerkszeug. Und die Kinder erst. Die müssen doch mit individuell angepassten … naja, auf jeden Fall mit Material versorgt werden. Da braucht so ein Lehrwerk doch bitte ein Förderheft, ein Forderheft, eine Förderkartei, eine Forderkartei und natürlich (ganz wichtig!) ein Inklusionsheft. Auf letzterem wird dann ganz dick hingewiesen mit „Für inklusiven Untterricht geeignet“. Das dieses Heft meistens nur eine Kopie des Förderheftes ist, welches seinerseits nur weniger Aufgaben mit größerer Schrift beinhaltet und sonst dem herkömmlichen Lehrwerk sehr ähnlich ist, soll hier keine Rolle spielen, denn darum geht es mir nicht.

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld??

Gegen die Hefte an sich ist nichts zu sagen. Sie sind ja teilweise wirklich brauchbar und bieten einem erste Möglichkeiten zu differenzieren. Besonders für starke Schüler schätze ich es sehr, wenn diese an produktiven Aufgaben selbstständig arbeiten können und dabei nicht nur ein „Mehr“ an Arbeitsblättern abarbeiten müssen, sondern an sinnvollen Knobelaufgaben ihr Denken trainieren können. Wenn da nicht das liebe Geld wäre. So ein Knobelheft kostet schnell mal 6€. Zumindest in NRW haben Eltern eigentlich mit dem Elternanteil ihre Schuldigkeit getan. Auf freiwilliger Basis kann natürlich mehr angeschafft werden, aber verpflichtet können Eltern dazu nicht. Manche können auch einfach nicht mehr. Nicht selten machen ja die Arbeitsheftwünsche der Lehrer am Anfang des Schuljahres 20€ aus.

Vor einem ähnlichen Problem stand ich auch: Ich hätte gern ein Knobelheft gehabt für meine Einser und hatte auch eine Idee, wie es aussehen sollte. Allerdings wollte ich nicht für 30 Seiten 6€ zahlen bzw. dies meinen Eltern zumuten. Ich hätte es ja selbst gemacht und kopiert, doch das schulische Kopierbudget freut sich nicht unbedingt über so hohe Kopieraufträge. Zudem hat ein farbiges Arbeitsheft ja durchaus seinen Reiz …

Mach es dir selbst

Also habe ich das Heft selbst erstellt und bei der Druckerei meiner Wahl (mehr aus Spaß) einen Probedruck bestellt. Von der Qualität war ich mehr als begeistert. Für 30 Hefte hätte ich 90€ gezahlt, also 3€ pro Heft. Das war schon einmal billiger als das Heft vom Verlag, zudem konnte ich das Heft frei nach meinen Wünschen gestalten, was ein klarer Vorteil ist. Mehr aus Spaß habe ich dann bei Kollegen nachgefragt, ob diese auch so ein Heft haben wollten. Denn mit höherer Auflage sinkt natürlich der Preis pro Heft.

Ich bekam „ein paar“ Nachfragen. Einige Kollegen boten sich als Korrekturleser an, andere steuerten sogar noch eigene Seiten mit Aufgaben bei. Auf diese Weise entstand ein 64-seitiges Knobelheft im Format A5-quer, welches ich im Vollfarbdruck herstellen ließ. An der Sammelbestellung beteiligten sich nachher sagenhafte 60 Lehrkräfte, diie insgesamt 2500 Hefte bestellt haben. Dadurch sank der Preis pro Heft auf 50 Cent. Zu diesem Preis hätte ich das Heft noch nicht einmal schwarz-weiß kopieren lassen können. Und dann hätte ich es noch selbst tackern und schneiden müssen.

Der kleine Haken: Packarbeit

Der kleine Haken an der Sache war natürlich, dass ich die Hefte an alle Kollegen weiterschicken musste. Da mussten etliche Pakete gepackt zur Packstation gebracht werden. Und mein Postbote musste erst einmal getröstet werden, also er 11 Pakete von der Druckerei mit einem Gesamtgewicht von 300 Kilo in meine Garage stellen musste. Es bestellt halt nicht jeder nur Schuhe bei Zalando 🙂

Insgesamt hat sich das Experiment aber gelohnt. Ich habe für meine Klasse ein Arbeitsheft zu einem echten Schnapperpreis bekommen und konnte 2475 andere Erstklässler mit einem weiteren Mia-Heft beglücken. Ein Forderheft muss eben keine 6€ kosten …

Wie geht es weiter??

Ob das Projekt Zukunft hat? Nun ja … mal schauen. Vielleicht kann man das gemeinschaftliche Sammelbestellen von Arbeitsheften irgendwie als Teilaufgabe eines Vereins entstehen lassen. Gemeinsam Hefte erstellen und dann zu Sammelbestellung anbieten. Profitieren würde man davon auf vielen Ebenen: Die Lehrer entscheiden selbst, wie die Arbeitshefte ihres Unterrichts aussehen; die Eltern sparen sich die Anschaffung teurer Arbeitshefte und die Kinder erhalten (hoffentlich) sinnvoll gestaltetes Material. Das wär doch mal was …