Ordentlich Druck machen

Es ist nun ziemlich genau 3 Jahre her, dass ich im Forum des Zaubereinmaleins und in diesem Blog zu einer gemeinsamen Entwicklung eines Mieze-Mia-Knobelheftes für Klasse 1 aufgerufen hatte. Damals kam es dann zu einer Sammelbestellung von 2500 Heften, so dass jedes der Hefte mit immerhin 60 Seiten nur 50 Cent kostete. Rückblickend ist dies noch immer ein tolles Projekt gewesen, auch wenn es mit einigem Aufwand verbunden war. Einzig die Qualität des Papiers hat mich im Nachhinein geärgert: auf dem leicht beschichteten Papier konnte man nur schlecht mit Blei- und Buntstiften schreiben.

In den letzten Wochen habe ich mich nun erneut mit professionellen Druckaufträgen für unsere Schule beschäftigt. Dabei bin ich auf eine Druckerei gestoßen, die günstige Druckaufträge auch in kleineren Mengen anbietet und dabei (Arbeits-)hefte auch auf „normalem Papier“ druckt, auf dem man dann auch sehr gut schreiben kann (und das Geschriebene auch ausradieren kann). Die damaligen Traumpreise von 50 Cent pro Heft kann man dort zwar erst ab einer recht hohen Bestellmenge erreichen, aber dennoch sind die Preise u.U. attraktiver als die Bestellung eines Heftes aus diversen Verlagen, immerhin kosten diese auch gerne mal 5€ und mehr:

Auflage Gesamtpreis Pro Stück
30 Stück 96,53 € 3,22 €
60 Stück 161,72 € 2,70 €
90 Stück 229,52 € 2,55 €
300 Stück 530,38 € 1,77 €
500 Stück 591,31 € 1,18 €
1000 Stück 950,69 € 0,95 €
1500 Stück 1128,00 € 0,75 €
2000 Stück 1305,00 € 0,65 €
3000 Stück 1664,69 € 0,56 €

Quelle: https://www.online-druck.biz/shop/broschueren-hefte-prospekte.html

Für die Beispielpreise bis 1000 Stück habe ich 120g-Naturpapier gewählt (A5quer) und einen Umschlag aus 300g-Munkenpure ohne Scheuerschutz. Ab 1000 Stück habe ich 150g-Naturpapier genommen und einen Umschlag aus 300g-Bilderdruckpapier.

Warum ich das jetzt alles schreibe? Ich habe die Quelldateien geringfügig überarbeitet und im Wiki der ZUM veröffentlich: Mieze Mia bei der ZUM. Dort gibt es jetzt auch eine druckfähige Version, die bereits die Beschnittzugaben enthält. Mit dieser Datei kann jeder auf dieser Seite (https://www.online-druck.biz/shop/broschueren-hefte-prospekte.html) seine Bestellung aufgeben. Zudem haben ich (natürlich) auch die Quelldateien dort hochgeladen, so dass jeder noch selbst Änderungen vornehmen kann, ehe das Heft bestellt wird. Vielleicht kommt es ja auch nochmal zu einer Sammelbestellung?

Zudem würde ich die Idee des Knobelheftes ggf. wiederbeleben wollen … immerhin fehlen noch Versionen für die Klassen 2 bis 4. Ideen für Aufgabenformate oder fertige Seiten nehme ich gerne entgegen. Auch Überarbeitungsvorschläge für das erste Heft sind willkommen … es handelt sich ja um offenes Lernmaterial.

Den Überblick im Materialschrank behalten?

Hin und wieder beschäftige ich mich ja auf diesem Blog auch mit der Frage, wie die Arbeit der Lehrer*innen an einer Schule (besser?) organisiert werden kann. Mit dem Wiki hat meine Schule hier schon einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht.

In dieses Wiki würde ich gerne auch die Archivierung/Verwaltung des schulischen Arbeitsmittelbestandes integrieren. Es ist bei uns derzeit leider so, dass Material zwar einen Schulstempel erhält, dann aber lediglich in einem Schrank aufbewahrt wird, Lehrer*innen sich diese Sachen herausnehmen und dann irgendwann zurückstellen, mit viel Glück sogar an die gleiche Stelle. Es gibt keinen richtigen Überblick darüber, was da ist, was da sein müsste und wo es ist, wenn es nicht da ist. Im Endeffekt sorgt diese nicht vorhandene Systematik dafür, dass Sachen irgendwann einfach weg sind oder Sachen seit Jahren nicht genutzt werden, weil sie im falschen Schrank stehen und kein Mensch mehr weiß, dass es sie mal gab.

Mir würde ein System ähnlich einer Bibliotheksverwaltung vorschweben. Neue „Artikel“ würden als Datensatz angelegt, in eine (oder mehrere) Kategorien gepackt und wären dann in einer Datenbank gesammelt. Diese Datenbank wäre dann auch im Wiki abrufbar, damit man bei der Unterrichtsvorbereitung auch von zu Hause nachsehen kann, was es zum geplanten Unterrichtsvorhaben für Materialien gibt.
Die Ausleihe ist vermutlich besser weiterhin händisch zu regeln, denn es wird wohl kein Kolleg*in hingehen und mit einem Gegenstand erst zum Lehrer-PC rennen, den Gegenstand als „entliehen“ scannen und nachher auf die gleiche Weise zurückgeben. Aber vielleicht tut es auch eine Papierliste, die im jeweiligen Schrank hängt und auf der man kurz mit seinem Kürzel abzeichnet, wenn man sich etwas genommen hat.

Ich würde als ersten Schritt für die weitere Planung gerne einmal in die weite Runde fragen, wie das an anderen Schulen so geregelt ist. Werden dort schon passende Programme genutzt? Gibt es weitere Anregungen aus der bewährten Praxis? Oder muss man sich damit abfinden, dass Sachen verschwinden, falsch zurückgelegt werden und im Bedarfsfall nicht gefunden werden?

Material seiten: Gestern, heute, morgen?

Des Lehrers liebstes Kind ist Unterrichtsmaterial. Zumindest könnte man dies meinen, wenn man sich die Besucherströme (und das Verhalten) bei Bildungsmessen und ähnlichen Veranstaltungen betrachtet. Lehrer sind jedoch nicht nur Meister im Jagen und Sammeln von Material und lassen nicht nur beträchtliche Summen bei den Bildungsverlagen. Nein, sie erstellen auch große Mengen an Material selbst und teilen dies (kostenlos) mit ihren Mitstreitern. Hierzu nun von mir eine kleine Rück- und Vorschau.

Früher: Materialbörsen

Meine Rückschau beginnt im Jahr 2006, das Jahr, in dem ich selbst aktiv im Schuldienst wurde. Damals setzte man auf 4teachers und „wegerer“. Beide Seiten bieten Lehrern die Möglichkeit, ihre Arbeitsblätter bzw. Arbeitsmaterialien zu veröffentlichen und so auch anderen Lehrern zugänglich zu machen. Damals gab es zwar auch einige wenige private Homepages von Lehrern (u.a. auch schon das Zaubereinmaleins), aber als Materialquelle dienten vor allem die beiden erstgenannten Seiten.

Im Laufe der Zeit gab es dann einige Versuche weitere „Tauschbörsen“ zu etablieren, jedoch versandeten diese Versuche meist recht schnell wieder. Dafür wuchsen die Datenbanken der etablierten Börsen immer weiter an. Bei 4teachers finden sich inzwischen beinahe 50.000 Materialien, viele jedoch für die Sekundarstufe konzipiert.

Für meine persönliche Recherche spielen diese Börsen jedoch kaum eine Rolle mehr. Inzwischen gibt es viele anderen Angebote, die ich weit häufiger nutze.

Heute: Blogs

In den letzten 2-3 Jahren erlebt man für den Grundschulbereich eine neue Entwicklung bzgl. des Materialaustauschs. Viele LehrerInnen teilen ihre Materialien nun auf eigenen Homepages bzw. in privaten Blogs. Auch dort werden die Materialien zur kostenlose Nutzung angeboten. Aktuell dürften es mindestens 30 mehr oder weniger bekannte Seiten im Internet geben, auf denen GrundschullehrerInnen Material zum Download anbieten, teilweise von beachtlicher optischer Qualität. Oftmals wird das Material auch mit finanziellem Aufwand erstellt, wenn z.B. Rechte für Illustrationen gekauft werden müssen. Vorbei sind (Gott sei Dank) die Zeiten, in denen Material mit furchtbar kolorierten Cliparts im Stile der frühen 90er illustriert ist.

Die Bandbreite des Materials erstreckt sich dabei von einfachen Arbeitsblättern über kleine Lernspiele bis hin zu vollständigen Lernkarteien. Ob diese Entwicklung dazu führt, dass die Materialbörsen weniger Neueinstellungen verzeichnen ist mir nicht bekannt.

Doch warum geht der Trend zur eigenen Seite und weg von der zentralen Börse? Ich denke hier gibt es mehrere Aspekte:

Herr das Materials bleiben

Wenn ich Material auf meiner Seite anbiete, dann bleibe ich Herr das Materials. Auch wenn ich es mit anderen Menschen teile und diesen zum Download anbiete, so kann ich es auf meiner Seite weiter überwachen, sehe wie oft es runtergeladen wurde und kann es jederzeit wieder aus dem Netz nehmen. Sollte ich mich jemals entscheiden, das Material kommerziell zu vermarkten, dann kann ich es sofort tun und muss nicht den umständlichen Weg über den Seitenbetreiber nehmen.

Zudem bleibt bei einigen Materialbörsen unklar, welche Rechte ich dem Seitenbetreiber einräume. Ist das Nutzungsrecht, welches ich durch den Upload einräume, im Einzelfall sogar unbegrenzt? Darf der Seitenbetreiber meinen Upload auch kommerziell vermarkten? Muss ich an einem evtl. Gewinn beteiligt werden? All dies könnten Fragen sein, die jemanden dazu veranlassen, lieber auf der eigenen Homepage aktiv zu werden.

Persönliches Prestige

Ein eigener Blog mit eigenem Material bringt natürlich auch Prestige mit sich. Man macht sich selbst einen Namen, man entwickelt seinen eigenen Stil und erlangt einen gewissen Wiedererkennungswert. Die eigenen Materialien gehen nicht unter im 50.000-Dateien-Sumpf einer Materialbörse, sondern können klar erkennbar positioniert werden.

Daneben kann so ein privater Blog natürlich auch die Möglichkeit bieten, sich ein kleines Zubrot zu verdienen: So es über einen Paypal-Button, über eine Wunschliste oder Google-Adwords. Auch wenn man das Material grundsätzlich kostenlos angeboten wird, gibt es immer wieder Menschen, die den persönlichen Einsatz honorieren möchten. Dies geschieht bei einer persönlichen Seite ungleich häufiger als bei einer anonymen Tauschbörse, auch wenn die Materialautoren dort natürlich genannt werden.

Rechtliche Bestimmungen

Zu guter Letzt gibt es auch rechtliche Vorgaben, die die Veröffentlichung auf der eigenen Seite vorschreiben können. Bestimmte Lizenztypen von Illustrationen erlauben nur die Verwendung auf der eigenen Homepage, nicht jedoch auf anderen Seiten.

Nur Vorteile?

Schön finde ich sie, die neue Materialwelt. Tolles Material, das kostenlos angeboten wird und eine große Bandbreite an Einsatzszenarien abdeckt. Doch ist wirklich alles schön?

Wo war das gleich noch?

Wie bereits erwähnt gibt es meiner Wahrnehmung nach derzeit etwa 30 Seiten, auf denen mehr oder weniger häufig Material veröffentlicht wird. Ich selbst habe die meisten Seiten mit meinem Feedreader im Abo und schaue mir die neuen Materialien darüber kurz an. Komme ich dann an den Punkt, dass ich ein neues Unterrichtsthema vorbereit, dann denke ich mir meist: „Da war doch was ….“. Und dann geht das große Suche los. Ich klappere Blog um Blog ab und suche mir einen Wolf, bis ich das Material, an das mich vage erinnert habe, dann endlich gefunden habe.

Durch die breite Streuung an Material auf die vielen verschiedenen Seiten ist eine effektive Recherche leider erschwert worden. Das ist vor allem dann schade, wenn gutes Material dadurch übersehen wird. Daher arbeite ich aktuell an einem kleinen Projekt, welches die Materialien in einer Datenbank sammelt und somit leichter auffindbar macht. Derzeit steckt das Projekt noch in den Babyschuhen, sobald es vorzeigbar ist, werde ich es hier vorstellen.

Hatten wir das nicht schon?

Ein weitere Aspekt, der mir hin und wieder auffällt, ist die relative Ähnlichkeit einiger Blogs und Materialien. Einige Materialien ähneln doch sehr stark bereits vorhandenem Material, sowohl von der optischen, als auch von der inhaltliche Gestaltung. Es entsteht mitunter der Eindruck, dass hier der Wunsch sich selbst mit einer Homepage (und einer Wunschliste) zu positionieren größer ist, als der Gedanke des Teilens einer eigenen Idee. Dies sind aber vermutlich Beobachtungen, die es schon immer in verschiedenen Bereichen des Lebens gegeben hat und immer geben wird. Smartphones sehen irgendwie auch alle aus wie ein Iphone. Der Ökonom vertraut meist darauf, dass es der Markt regeln wird. Mit Sicherheit werden einige Materialangebote dann auch ihren eigenen Stil entwicklen. Es schließlich schon einmal sehr erfreulich, dass überhaupt so viel Material erstellt und getauscht wird.

Quelle der Illustration: Weltbrei auf flickr.com