Rechtschreibung: Und was machst du so?

In den letzten Wochen habe ich viel über Rechtschreibung gelesen und auch schon einige wenige Artikel hier in diesem Blog geschrieben bzw. im Forum des Zaubereinmaleins:

Anlass meiner Beschäftigung mit dem Thema Rechtschreibung ist unter anderem, dass wir in den kommenden Wochen unser schulisches Rechtschreibkonzept überarbeiten wollen. Zudem ist der Rechtschreibunterricht der Grundschulen ja seit Wochen Monaten in der Presse:

Daher möchte ich jetzt einfach mal grob umreißen, wie Rechtschreibunterricht an  unserer Schule abläuft. Es soll dabei nicht um einen Königsweg gehen, denn der ist es mit Sicherheit nicht, sondern um eine Möglichkeit, mit der erfolgreich Rechtschreibung vermittelt werden kann.

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Und dann bin’sch Meckes g’gangen …

Es gibt doch kein schöneres Ritual, als den Erzählkreis am Montagmorgen. Man sitzt gemütlich im Kreis, reibt sich noch den letzten Schlaf aus den Augen und plötzlich macht der Erzählstein bei einem halt. Und dann wird erzählt. In epischer Breite wird jedes Playstation-Spiel erwähnt, welches man gespielt hat, der Besuch im Fast-Food-Tempel wird erwähnt und natürlich, dass man eine Sendung mit Herrn Bohlen gesehen hat. Gekrönt wird das Ganze dann von der obligatorischen Frage: „Hat es Spaß gemacht?“ und „Was war in deinem Happy-Meal?“

So, Spaß und Ironie beiseite, denn mündliches Sprachhandeln ist natürlich wichtig und in den Bildungsstandards werden ja auch einige Kompetenzen gelistet, die sich auch (!!) mit dem Morgenkreis anbahnen lassen:

Inhalte zuhörend verstehen, gezielt nachfragen,Verstehen und Nicht-Verstehen zum Ausdruck bringen, funktionsangemessen sprechen, an der gesprochenen Standardsprache orientiert und artikuliert sprechen.

Somit ist ja gegen die gesellige Erzählrunde nichts einzuwenden. Wenn da nicht ein paar Stolperstellen wären:

  • Einige/viele Kinder erleben vielleicht nichts, was (aus ihrer Sicht) erzählenswert ist.
  • Kinder trauen sich nicht, vor der Gruppe zu sprechen.
  • Es erzählen immer die gleichen Kinder.
  • Die Erzählung artet in epische Breite aus, beginnt am Freitagnachmittag und endet am Sonntagabend.
  • Das Plenum hört nicht mehr zu, weil die Erzählungen langweilig sind und sich Woche für Woche wiederholen.

Daher wechsel ich ganz gerne die Formen des Erzählkreises durch, damit man (je nach Form) eine oder mehrere diese Stolperstellen umschiffen kann.

Ab an die Tafel

Was auf den erste Blick immer etwas „gemein“ wirkt, ist das Erzählen an der Tafel. Die Kinder kommen dafür (in Kleingruppen) zur Tafel und reden von dort zu den Kindern. Ich praktiziere das bereits immer schon zu Beginn des ersten Schuljahres so, damit die „Hürde“ etwas vorne vor allen zu erzählen gar nicht erst in den Köpfen entsteht. Für die Kinder soll es möglichst normal sein, dort zu stehen und zu reden. Das klappt natürlich nicht immer und einige Kinder meiden diese Form absolut.

Kugellager

Besonders zeitsparend ist das Erzählen im Kugellager. Die eine Hälfte der Klasse bildet einen Kreis in der Mitte und blickt dabei nach außen. Die zweite Hälfte der Klasse sucht sich zu Beginn einen Partner und stelle sich vor diesen. Dann beginnt der innere Partner und erzählt in 60 Sekunden von seinem Wochenende. Hierauf folgt ein Signal und der äußere Partner erzählt in 60 Sekunden von seinen Erlebnissen. Natürlich darf der lauschende Partner jederzeit Nachfragen stellen. Das nächste Signal bedeutet nun, dass der äußere Kreis 3 Kinder weiterrutscht. Das ist beim ersten Mal chaotisch, aber mit der Zeit kennen die Kinder dies und können ihren Partner zuverlässig finden. Dann beginnt das gleiche Spiel noch einmal von vorne. Je nach Zeit lasse ich davon 2-3 Durchgänge stattfinden.

Der Vorteil ist, dass jedes Kind erzählen muss und in der Regel auch ohne Scheu erzählt. Ich lasse ganz am Ende im Plenum dann immer noch Kinder berichten, was sie denn von den anderen Spannendes erfahren haben. So kann man dann auch erfahren, ob wirklich verstehend zugehört wurde.

Blitzlicht

Eine weitere Variante ist bei mir das Blitzlicht. Hier erzählt jedes Kind in einem Satz das Wichtigste von seinem Wochenende. Die übrigen Kinder dürfen am Ende der Blitzlichtrunde ein Kind auswählen, deren Kurzbericht sie besonders neugierig gemach hat und von dem sie mehr hören wollen. Das nominierte Kind kann (!!) dann mehr erzählen, wenn es möchte. Auf diese Weise müssen die Kinder ihr Wochenende erst auf einen inhaltlichen Kern reduzieren, auf den man sie dann in der Langfassung immer wieder hinweisen kann. Ellenlange Endloserzählungen können so minimiert werden.

Das Beste am Wochenende?

Hin und wieder lasse ich auch noch vom schönsten Erlebnissen erzählen, sondern manchmal auch vom traurigsten, vom gefährlichsten, vom langweiligsten, vom nervigsten …

Gibt es noch mehr Erfahrung zur „Best-Practice“ beim Erzählen vom Wochenende?

Fachliteratur Deutsch kostenlos beziehen

Heute habe ich zum ersten Mal der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben einen Besuch abgestattet. Diese berichtet zwar regelmäßig im Heft „deutsch differenziert“ von ihrem aktuellen Tun, jedoch habe ich dies bisher eher am Rande verfolgt. Was die DGLS so treibt, möchte ich kurz ziteren:

Die Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS) ist eine Sektion der International Reading Association (IRA), die sich für die Förderung der Schrift- und Sprachkultur einsetzt. Der Erwerb der Schriftsprache, insbesondere unter erschwerten Bedingungen, ihr Gebrauch und ihre Funktion sind zentrale Arbeitsthemen. LehrerInnen, DidaktikerInnen, Literatur- und SprachwissenschaftlerInnen sowie PsychologInnen haben sich zusammengefunden, um Forschungsvorhaben auf dem Gebiet des Lesens und Schreibens anzuregen, internationale Kontakte zu fördern und Tagungen zu organisieren, die Einblicke in neuere wissenschaftliche Arbeiten und Entwicklungen in der Praxis geben. 

So, nun zum Tipp: Die DGLS veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Sammelschriften mit aktuellen Artikeln. Diese Bände kann man käuflich erwerben. Einige der älteren Bände (wobei diese allesamt aus diesem Jahrtausend sind) kann man aber kostenlos als PDF-Datei herunterladen. Derzeit sind es 5 Bände rund um die Themen „Lesen und Schreiben“. Für all die, die an aktueller und guten Fachartikeln interessiert sind, könnte es durchaus von Interesse sein. http://www.dgls.de/download/category/11-ganze-baende.html

Kurztipp: Druckschrift, Schreibschrift und die Auswirkung auf Textproduktion

Aktuell ist wieder einmal die Grundschrift in den Medien, insbesondere durch die FAZ und den Journalisten Christian Füller, unterstützt durch Cornelia Funke. Die Art der Diskussionsführung hinkt meines Erachtens ein wenig, denn obwohl C. Funke natürlich eine anerkannte Autorin ist, so merkt man doch sehr schnell, dass sie sich mit dem Konzept der Grundschrift überhaupt nicht besonders tiefgehend auseinander gesetzt hat. Ihr Kommentar ist daher „nett gemeint“ aber mehr irgendwie auch nicht.

Scheinbar erregt Herr Füller mit seinen Artikeln und Blogposts jedoch so viel Aufmerksamkeit, dass Herr Brüggelmann himself sich in die Diskussion eingemischt hat.

Hinweisen wollte ich jedoch auf eine m.E. interessante Studie aus Kanada, in der der Einfluss der verschiedenen Schrifttypen auf die Textproduktion untersucht wurde. Dabei werden Druckschrift, Schreibschrift und die gestufte Einführung Druck-/Schreibschrift miteinander verglichen. Interessanterweise gibt es hier nicht nur Unterschiede in Länge und Geschwindigkeit, sondern auch in der inhaltlichen Qualität des Geschriebenen.

The effects of Manuscript, Cursive oder Manuscript/Cursive styes

Gleichermaßen finde ich es sehr erfreulich, dass es an amerikanischen Hochschulen möglich ist, empirische Studien (zu schulrelevaten Themen) kostenlos in einem Onlinejournal unter CC-Lizenz zu veröffentlichen (https://ejournals.library.ualberta.ca/index.php/langandlit/index). Gibt es etwas vergleichbares auch für den deutschen Raum?