Schreibtandems: eine kleine Rückschau

In der vergangenen Unterrichtsreihe habe ich zum ersten Mal mit Schreibtandems gearbeitet. Eine Beschreibung dieser Methode zur Förderung der Schreibkompetenz habe ich bereits vor einiger Zeit im Grundschullernportal veröffentlicht.

Drehscheibe

Um den Arbeitsprozess der Kinder beim Schreiben besser zu strukturieren, habe ich im Vorfeld eine Drehscheibe gestaltet, die in allen 4 Phasen (Planen, Schreiben, Überarbeiten, Vorstellen) für beide Rollen (Schreiber und Helfer) festlegt, welche Aufgabe welche Rolle inne hat. Zudem hat jedes Kind ein kleines Rollenkärtchen bekommen.

Rückblickend werte ich diese Methode als Erfolg. Am Ende des Tandemschreibens hatten alle Tandems eine (mindestens) ordentliche Suchanzeige aufgeschrieben. Insbesondere natürlich auch die Kinder, die es alleine nicht in dieser Qualität zu leisten im Stande gewesen wären. Diese Kinder konnten maßgeblich auf zwei Weisen profitieren: Im Schreibprozess waren sie (wenn sie es so wollten) vom „handwerklichen Schreiben“ vollkommen entbunden. Sie konnten sich zum einen voll auf das Formulieren der Sätze und die sprachliche Umsetzung der Schreibideen konzentrieren. Ihr Arbeitsgedächtnis war nicht mehr durch das bloße Aufschreiben blockiert. Manchen Kindern war diese Erleichterung deutlich anzusehen. Zum zweiten aber erhielten die „Schreiber“ ein direktes Feedback zu ihren Ideen, indem die „Helfer“ ggf. Rückmeldung zu den diktierten Sätzen geben konnten und Verbesserungsvorschläge anbringen konnten. So konnte manchmal schon eine kleine Reflektion über Sätze und Formulierungen stattfinden. Im Normalfall erhalten die Kinder ein solches Feedback erst nach dem Aufschreiben, wobei Verbesserung dann mühsam in einer Revision des Textes umgesetzt werden müssen.

Über diese eine Übung hinaus war dann insbesondere den „schwächeren“ Schreibern die Struktur und die Entstehung einer Suchanzeige klarer. In den weiteren Suchanzeigen konnten sie dann auf nun bekannte Sätze, Formulierungen oder Muster zurückgreifen.

Rückblickend ist die Rollenbezeichnung „Schreiber“ unglücklich gewählt, da der Schreiber ja unter Umständen gar kein Schreiber ist, wenn nämlich der Helfer schreibt. Hier sollte man vielleicht „Autor“ und „Helfer“ wählen.

Die Scheibe, die Rollenkarten und alle weitere Informationen zum Tandemschreiben finden sich hinter diesem Link.

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo! Vielen Dank für den oberen Link.
    Eine der dort angegebenen Reihen hat bei meinen Drittklaesslern dazu geführt, dass aus Lesemuffeln richtige Vielleser geworden sind und die Jungs momentan mehr lesen als die Mädchen. Es handelt sich um die Beast Quest Reihe von Adam Blade.
    LG Sabine

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    • Uups! Habe beim falschen Beitrag kommentiert, meinte eigentlich den mit den Lesetipps für Jungen…
      Sabine

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    • Herrn Emrich

      Ich habe die Beast-Quest-Reihe heute zum ersten Mal bewusst bei einem Schüler im Ranzen gesehen. Ich bin ganz erstaunt, dass es davon schon 38 Bände gibt …

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  2. Dann kommentiere ich noch mal was Passendes zu diesem Artikel 😉

    Ich habe mit das Buch nach der Anregung hier auch gekauft und zum größten Teil gelesen. (Den Rest habe ich zeitlich noch nicht geschafft.)
    Die Schreibtandems in dieser Form habe ich noch nicht ausprobiert, aber zwei andere Methoden.

    Zum einen habe ich mal ausprobiert, an der Tafel vorzuturnen, wie ich einen Text in Stichpunkten planen würde. Das fand ich in der Vorbereitung und Umsetzung für mich ziemlich anstrengend. So frontal über so einen langen Zeitraum habe ich vorher, glaube ich, noch nie unterrichtet. Das ist sicher auch nicht in jeder Klasse möglich, ich habe derzeit das Glück, sehr brave, motivierte Kinder da sitzen zu haben. Es hatte aber tatsächlich den Effekt, dass die Kinder ihren nächsten Text sinnvoll in Stichpunkten geplant haben.

    Das Lernen am Modell in der Form, dass ich ihnen fertige Texte gegeben habe, anhand derer sie die Kriterien untersuchen sollten, hat nur bei den Leistungsstarken dazu geführt, dass sie diese Kriterien dann selber komplett umgesetzt haben.

    Am wenigsten erfolgreich war es, den Kindern zu einem Text, den sie geschrieben haben, eine schriftliche Rückmeldung zu geben. In der Zeit, als ich die verfasst habe, hätte ich mir genauso gut die Fußnägel lackieren können. Und zum Friseur gehen und…
    Letzte Woche haben die Kinder einen weiteren Text (bei uns war es ein Brief) geschrieben und die meisten haben das, wofür ich ihnen Verbesserungstipps aufgeschrieben habe, wieder genauso gemacht, oder teilweise sogar schlechter.
    Naja, ist ja aber auch eine Erfahrung. Wenn die nächste Textproduktion ansteht, kaufe ich mir Nagellack 😉 Und teste vielleicht mal die Tandems…

    Vielen Dank jedenfalls für den Buchtipp und deine Anregungen und Materialien zur Umsetzung!

    Sabine

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    • Herrn Emrich

      Danke für Deine ausführliche Rückmeldung!
      Die Sache mit den Rückmeldungen und dem Überarbeiten ist in der Tat schwierig. Ich meine mich zu Erinnern, dass der Autor ja auch zwischen Feedback unterschieden hat, das während des Schreibens gegeben wird und solchem, das nachträglich erfolgt. Nur wie soll man bei 28 Kindern in der Klasse auch nur annähernd allen Kindern ein angemessenes Feedback geben, dass sie weiterbringt?
      Irgendwie in dem Buch stand ja auch, dass Kinder (in der Regel) erst recht spät in der Lage sind, ihren eigenen Text inhaltlich (und tiefergehend) zu überarbeiten. Meine Erfahrung während der Suchanzeigen war recht interessant: bei fremden Texten (von mir erdacht) haben die Kinder kein Problem damit gehabt, inhaltliche Verbesserungen vorzunehmen. Aber sobald es der eigenen Text ist … no way.

      Gespannt bin ich auch auf langfristige Effekte: Fängt man beim nächsten Thema wieder von null an, oder können die Kinder bspw. ihre Planungskompetenz auch auf andere Texte übertragen? Mal sehen …

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  3. Ich habe mir das Buch auch gekauft und auch schon was ausprobiert: Zum einen habe ich die Planung vorgemacht und da geht es mir wie dir Sabine, die Vorberietung auf den langen „Frontalunterricht“ war anstrengend… Ich muss auch gestehen, dass es mir schwer gefallen ist, die Kinder nicht mit ins Boot zu holen, weil die so begeistert dabei waren und mir immer ihre eigenen Ideen erzählen wollten. Ob es einen Effekt hat – abwarten. 🙂
    ICh gebe auch schriftliche Rückmeldung, bespreche diese aber mit den Kids immer auch. D. h. während alle eine Aufgabe haben, gehe ich von Kind zu Kind und bespreche den Text mit ihnen… Das mache ich aber in der Vorbereitung auf einen Aufsatz nur einmal. Das hat meines Erachtens schon einen Effekt.

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