Sachen gibts: Raubkopierender Lehrer

Durch Jörg Lohrer wurde ich heute morgen via Twitter auf einen aktuellen Rechtsbeitrag bei lehrer-online aufmerksam gemacht. Dort werden ja Monat für Monat aktuelle Rechtsfälle mit Schulbezug vorgestellt und erläutert. Ich musste beim Lesen mehrmals stutzen und pausieren. Insgesamt klingt das Ganze eher wie ein Fall von Barbara Salesch, als wie etwas, was wirklich so passiert ist.

Die Kurzfassung: Ein Lehrer bzw. Leiter einer örtlichen Medienstelle bestellt 36 DVDs, macht sich davon Kopien und schickt die Originale zurück. Die Kopien wandern in den Bestand der Medienstelle. Der Verlag schöpft Verdacht, zeigt den Lehrer an, es kommt zur Durchsuchung der Medienstelle und schließlich zum Prozess. Das Land (!!) muss knappe 8000€ Schadensersatz zahlen, der Lehrer 2000€ Strafe für Raubkopien. Seinen Job in der Medienstelle dürfte er auch quit sein.

Was mich stutzen lässt: Wie kann man so doof sein? Wer wollte da wen mit einer prall gefüllten Medienstelle beeindrucken? Raubkopien für den Privatbereich kennt man ja, aber das hier auf dem Dienstweg gestohlen wird, ist schon eigenartig.  Ein persönlicher Vorteil dürfte doch hier kaum entstanden sein. Natürlich sind Lehrfilme mit Verleihlizenzen unglaublich teuer, aber wenn das Staatssäckel keine Groschen mehr hat, dann gibt es eben kein Filmchen.

Was mich noch mehr stutzen lässt: Reicht da wirklich der bloße Verdacht eines Verlags für einen Durchsuchungsbeschluss? Gut, der Schaden scheint sich ja hier auf 8000€ zu belaufen, also gute 200€ pro Film, aber der Verlag dürfte doch nur festgestellt haben, dass alle DVDs geöffnet waren und nicht gekauft wurden. Wenn man die Rücknahme von geöffneten DVDs nicht ausschließt und die DVDs quasi zur Ansicht verschickt hat, muss man ja (theoretisch) damit rechnen, dass jemand auch Gebrauch davon macht. Und dann wird man direkt angezeigt? Und die Polizei rückt direkt „mit dem großen Besteck“ an und durchsucht die Medienstelle? Seltsam …

Oder aber die Medienstelle hat öffentlich damit geworben, dass man die besagten Filme nun im Verleih hat. Dann jedoch würde mein Kopfschütteln ob der Dummheit noch viel Größer.

Langer Rede, kurzer Sinn: Insgesamt ein durchaus interessanter Beitrag, der deutlich macht, dass Raubkopien im dienstlichen Bereich nicht der Kavaliersdelikt ist, der es im privaten Bereich zu sein scheint.

Link und gleichzeitig Quelle des Geschilderten: http://www.lehrer-online.de/fall-des-monats-07-2014.php

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