Rechtschreibkonferenzen

Für eine aktuelle Unterrichtsreihe habe ich mich heute auf die Suche nach Material zu Rechtschreibkonferenzen gemacht. Zuerst habe ich hierzu (natürlich) Tante google befragt. Dort fand ich jedoch in erster Linie den Verweis auf eine Konferenz aus dem Jahre 1901, in der eine gemeinsame Orthografie für den deutschsprachigen Raum festgelegt wurde. Das mag ein großer Meilenstein in der Geschichte der deutsche Sprache gewesen sein, traf aber nicht das, was ich suchte. Die Suche förderte zudem einige Konzepte und Schulprogramme zu Tage, die zwar alle brav darauf verwiesen, dass sie Rechtschreibkonferenzen durchführen, aber keine weitere Angaben dazu machten, wie sie durchgeführt werden. Von daher machte ich mir meine eigenen Gedanken:

Für mein Verständnis kann eine solche Rechtschreibkonferenz zwei Funktionen haben:

  1. einen (Schüler-)Text auf etwaige Fehler hin untersuchen und diese im besten Fall korrigieren.
  2. einen orthografisch korrekten Text auf besondere Schreibungen hin untersuchen und sich in einer Diskussion über die Begründung der Schreibung austauschen.

Ich war/bin auf der Suche nach Material zu Konferenzen nach dem zweiten Verständnis. Die erstgenannte Variante ist mit Sicherheit auch interessant, aber mit Sicherheit äußerst zeitintensiv. Ich könnte mir vorstellen, dass hier andere Methoden der orthografischen Überarbeitung effektiver sind.
Bei meiner weiteren Suche fand ich dann im letzten Heft der Reihe deutsch differenziert einen Artikel von Natalie Bors, die dort eine so verstandene Konferenz vorstellt. Dort arbeiten die Kinder mit einem vorgegeben Wortmaterial, welches sie Wort für Wort auf schwierige Stellen hin untersuchen. In einer gemeinsamen Diskussion werden dann Begründungen für die Schreibung notiert. Beim Wort Bäume beispielsweise wären B und äu die zu markierenden Stolperstellen. Das B kommt zustande, da es sich um ein Nomen handelt. Das äu kommt zustande, weil das Wort von Baum abgeleitet ist. (Anmerkung: es ist durchaus möglich, dass es sich hierbei um eine Idee von Beate Leßmann handelt. Sie ist zumindest in den Literaturangaben des Artikels benannt)

Das Ziel der Methode beschreibt Frau Bors folgendermaßen:

Der gegenseitige Austausch ist dabei ungemein wichtig, da jedes einzelne Kind nur so sein eigenes Gedankenrepertoire erweitern kann, um die Gedankengänge, die hier trainiert werden, später am eigenen Wortmaterial nutzen zu können. (deutsch differenziert 1/2016, S. 14)

Ich habe die Methode für die Zwecke meines Unterrichts abgewandelt. Der Konzeption unseres Sprachbuchs folgend sollen die Kinder die Konferenz auf Grundlage eines ganzen Lernwörtertextes durchführen. Zudem soll bei der Begründung Rückgriff die Symbole unserer Rechtschreibkonzeption genommen werden. Ich werde dies morgen einmal erproben. Ich bin gespannt, ob die Gruppen a) viele Stolperstellen erkennen und b) passende Begründungen für die Schreibung finden können. Für interessierte Lehrer*innen habe ich die Ablaufkarte mit dem Bild verlinkt.Rechtschreibkonferenz Lernwörtertext

Kommentare (13) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Herr Emrich,

    die Idee ist Klasse! Das werde ich mit meinen Kindern auch einmal ausprobieren! Da kann ich die mitgelieferten Ablaufkarten gleich super verwenden. Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße,

    Steffi

    Antworten

  2. Hallo,
    so ähnlich machen wir das auch mit dem Sprachbuch LolliPop. Stolperstellen suchen, begründen und einkreisen steht am Anfang jeder Arbeit mit einem Lernwörtertext. Anfangs steht der Text an der Tafel und wir suchen und begründen gemeinsam, später funktioniert das auch gut individuell. Wichtig ist, dass man immer begründet, warum ein Wort so geschrieben wird (Baum wird groß geschrieben, weil es ein Nomen ist) und nicht, warum es nicht so geschrieben wird (Baum wird groß geschrieben, weil es kein Verb ist).
    Die Idee des Vergleichens in Gruppenarbeit finde ich super und werde das gerne mal ausprobieren.
    Viele Grüße
    Emma

    Antworten

    • Herrn Emrich

      Mit Lollipop arbeiten wir auch. Daher kam auch die Idee, diese Analyse der Texte an die Hand der Kinder zu geben. Diese gemeinsamen Analysen bringen die Kinder doch sehr weit voran in der Rechtschreibentwicklung. Daher finde ich es auch sehr ungünstig, dass Lollipop ausläuft und es keine Neuauflage mehr gibt.

      Antworten

      • Was macht ihr denn jetzt, wenn LolliPop ausläuft? Führt ihr ein neues Lehrwerk ein? Wenn ja, welches? Diese Entscheidung steht nämlich bei uns demnächst auch an …

        LG
        Emma

        Antworten

  3. Hallo Florian,
    somit arbeitest du ähnlich wie ich mit meinen Lernwörtern und dem „Satz der Woche“, den ich jedoch mit der gesamten Lerngruppe bearbeite. Die Idee deiner Rechtschreibkonferenz, finde ich sehr reizvoll. Habe jedoch auch noch einige Fragen:

    Wie setzen sich die Kindergruppen zusammen? Bestimmst du das oder dürfen die Kinder freiwählen?
    Aus wie viel Wörtern besteht dein Lernwörtertext? Wie viel Zeit planst du für eine Konferenz ein und wie sieht deine Auswertung aus?

    Natürlich würde es mich freuen, wenn du über deinen ersten Versuch berichtest.
    Danke auch für die Verlinkung deiner „Anweisung“ – so kann ich es mir gut vorstellen und auf meine Bedürfnisse abwandeln.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

    Antworten

    • Herrn Emrich

      Hallo Gabi,
      danke für Deine Rückmeldung. Heute kam soviel Unvorhergesehenes (u.a. ein mutmaßlicher, flüchtiger Mörder im Nachbarort), dass ich mit der Zeit hinten und vorne nicht zu Rande gekommen bin. Meine erste Idee war es, die Kinder so zusammenzusetzen, wie sie mit dem Abschreiben und markieren fertig werden. Das könnte jedoch zur Folge, dass am Ende die langsameren/schwächeren Kinder übrig bleiben. Diese in eine Gruppe zu stecken halte ich nicht für zieldienlich. Ich würde in jeder Gruppe für ein rechtschreibstarkes plädieren, dass im Zweifelsfall Fehleinschätzungen korrigieren kann. Dazu kommen natürlich die üblichen Überlegungen zu Gruppenarbeit (wer kann überhaupt mit wem). Von daher würde ich die Wahl zumindest grob steuern.

      Wir nehmen die Texte aus dem Sprachbuch. Diese haben in der Regel zwischen 70 und 90 Wörter. Die Rechtschreibphänomene sind darin bunt gewürfelt. Wenn ich den Text vorher abschreiben lasse brauche ich dafür bestimmt 45 Minuten (ohne Reflexion am Ende). Wenn ich den LW-Text kopiere und die Kinder nur noch markieren und diskutieren müssen, dann bliebe wohl am Ende noch Zeit für eine Gesamtreflexion/Auswertung. Hier könnte man zum Beispiel besprechen lassen, welche Stellen besonders schwierig waren, wo also besonders viel „gestritten“ wurde. Ich habe heute festgestellt, dass einige Kinder bestimmte Phänomene gar nicht mehr markiert haben, weil das für sie schon so klar ist, dass sie darüber nicht mehr Stolpern. Das sorgte dann (zum Glück) für Diskussionen in der Gruppe. Ansonsten hat es bis auf das Zeitproblem ganz gut geklappt. Die Kinder sind das Nachdenken über Rechtschreiben durch den „dicken Brocken des Tages“ aber auch schon gewohnt.

      Dir auch ein schönes Wochenende!
      FLorian

      Antworten

  4. Hallo Florian, danke für die übersichtliche Ablaufkarte.
    Ich arbeite ab dem 2. Schuljahr mit dem leicht abgewandelten Konzept „Jeden Tag ein Satz“. Ganze Texte habe ich noch nicht als gemeinsame Analyse versucht, werde dies aber gegen Ende des Schuljahres ausprobieren.
    Stolperstellen markiere ich in jedem Tafeltext, unabhängig vom Fach. Dadurch ergibt sich ein ständiger Austausch über Rechtschreibung, den die Zweitklässler mittlerweile von sich aus einfordern und auch untereinander zum Thema machen. Wichtig ist mir, dass Rechtschreibung zu jeder Zeit Thema im Unterricht ist und nicht nur zu ausgewählten Zeitpunkten.

    Schönes (endlich sonnniges) Wochenende!
    Frau Weh

    Antworten

  5. Danke Florian, für deine zeitnahe Rückmeldung und auch Danke an Frau Weh für den weiteren Input.
    Jeden Tag einen Satz würde ich irgendwie zeitlich nicht schaffen – es gibt ja noch so viel anderes 😉 Ebenso alle Tafeltexte -egal ob Mathe, Sach, Kunst oder Musik nach Stolperstellen – bei uns heißen sie „Fallen“ -zu durchsuchen, finde ich toll, aber zeitlich für mich unakzeptabel – was jedoch nicht bedeutet, das Rechtschreibung nur zu ausgewählten Zeitpunkten Thema ist. Mit jedem Kind bespreche ich individuelle Abschreib- oder Rechtschreibfehler – für die Gesamtgruppe halte dies für mich für nicht durchführbar.

    70 – 90 Wörtern entspricht dem, was wir auch jetzt im 3. Schuljahr haben – ich arbeite ja ohne Lehrwerk.
    Ich persönlich würde für eine Rechtschreibkonferenz in deinem Sinne die Texte wohl kopieren – allein beim Abschreiben gibt es bei mir solche Zeitunterschiede, dass ich von 45 – 135 Minten ausgehen müsste :/ – die Schüler,die sich mit Rechtschreibung leicht tun, würden in dieser Zeit 80 Wörter markieren und begründen, die anderen wären noch beim Abschreiben – es lebe die Heterogenität! 😉

    Hört sich doch toll an, wenn einige Kinder nichts mehr anstreichen, weil es für sie selbstverständlich ist – dann kannst du soviel nicht falsch gemacht haben!

    Antworten

    • Hallo Gabi,

      ich gestehe, an manchen Tagen würde ich den Satz auch gerne streichen, weil so viel anderes ansteht. Aber die Sache selber beansprucht keine fünf Minuten und ist daher in der Regel gut einzuplanen und durchzuführen. Auch die Sache mit den Tafeltexten braucht nicht besonders viel Zeit. Ich benutze beim Anschrieb direkt zwei Farben und soweit es sich nicht um ein neues Rechtschreibphänomen handelt, sondern ein bereits bekanntes, muss auch nicht unbedingt darüber gesprochen werden. Meist ist es eher so, dass während des Schreibens ein Kind beispielsweise sagt „Ah, da ist ein Dehnungs-h!“ und andere stimmen zu. Wie soll ich es beschreiben? Es passiert eher beiläufig.

      Das Problem der unterschiedlichen Abschreibdauer, das du schilderst, habe ich in meiner Klasse ebenfalls. Ich würde daher wohl auch zum kopierten Text greifen. Viele Grüße!

      Antworten

  6. Hallo.
    Auch ich arbeite wie Frau Weh mit einer abgewandelter Form von Jeden Tag ein Satz und es hat sich sehr bewährt. Der tägliche Zeitfaktor ist nicht sehr groß und lässt sich gut umsetzen.
    Wir arbeiten mit Rechtschreibgesprächen statt -Konferenzen. Das Prinzip ist letztlich ähnlich wie oben erklärt.
    Die Idee habe ich aus dem neuesten Rechtschreibband des Grundschulverbandes. Sehr zu empfehlen übrigens.
    Hg Rosi

    Antworten

  7. Hallo, Herrn Emrich,
    darf ich nochmal fragen, welches Lehrwerk ihr jetzt einführt, wenn LolliPop ausläuft? Ich danke dir für einen Tipp.

    LG
    Emma

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.