Pimp your IWB – Whiteboards sinnvoller nutzen

Interaktive Whiteboards (im Volksmund oft Smartboards genannt, was falsch ist, denn man sagt ja auch nicht zu jedem Auto Mercedes) haben es nicht leicht in der Schule. So haben noch nicht einmal so richtig zur Verbreitung gefunden, da gibt es schon den Abgesang auf sie: zu teuer, zu anfällig, zu nutzlos. Ja, teuer sind sie. Vielleicht auch anfällig für Defekte, wobei ich dies von unseren Boards nicht behaupten kann. Aber nutzlos? Es kommt drauf an.

IWBs in der Grundschule

Um über die Frage des Nutzens reden zu können, muss man sich wohl die Alternative ansehen, über die im Allgemeinen geredet wird: ein Beamer und ein klassische Weißwandtafel. Damit habe ich immerhin ebenfalls keine Kreide mehr in der Tafel, ich kann Filme ansehen oder Internetseiten aufrufen, wann immer mir danach ist, ich kann über eine Doc-Cam Schülerergebnisse oder Druckvorlagen auf die Tafel projezieren und ich kann zu Hause vorbereitete Präsentationen oder Tafelbilder zeigen. Warum also ein IWB für viel Geld anschaffen?

Meine Antwort: Weil man mit einem IWB echte interaktive Elemente in den Unterricht integrieren kann. Und das muss man in der Grundschule deutlich häufiger, als an weiterführenden Schulen. Ein gutes Beispiel ist der Mathematikunterricht, wo ich in der Schuleingangsphase Mathematikaufgaben mit Rechenplättchen visualisiere, um sie behutsam von der enaktiven auf die symbolische Ebene zu bekommen. Mit interaktiven Übungen kann ich dies leicht bewerkstelligen, viel einfacher als mit herkömmlichen (und auch nicht billigen) Magnetplättchen für die Tafel. Ich kann gemeinsam mit den Schülern eine Mindmap entwerfen und diese einfach ein wenig verkleinern, wenn ich merke, dass der Platz nicht reicht. Und ich kann die Mindmap abspeichern und Stück für Stück den Lernzuwachs eintragen, der im Rahmen des Sachunterrichts entstanden ist. Einen Schülertext, den wir gemeinsam besprochen und Schreibtipps im Text des Schülers gemeinsam eingetragen haben, drucke ich einfach schnell aus, so dass der Schüler seinen ursprünglichen Text dann auf Grundlage der Tipps überarbeiten kann – auch wenn die Tafel schon ausgeschaltet ist. In einer Teilreflexion am Ende der Stunde können Schüler ihren Wissenszuwachs mit Hilfe einer interaktiven Übung selbst Überprüfen – das Feedback kommt nicht von der Lehrkraft, sondern vom Programm – und den Mitschülern. Und dank des großen Bildschirms können alle gleichermaßen gut sehen.

Gerade diese interaktiven Elemente sind es, die den Nutzen des IWB für mich ausmachen. Wenn ich es jedoch nur als digitale Variante des Kreidemonsters nutze (und ich befürchte, dass es KollegInnen gibt, die das tun), dann entsteht nur ein geringer Mehrwert: es staubt nicht mehr so – und ist schneller gewischt.

Interaktive Übungen erstellen – nur wie?

Unsere Schule arbeitet mit Boards der Firma Promethean, von daher kann ich nur über deren Software ActivInspire schreiben. Ich vermute aber mal, dass die Software der Konkurrenten ähnliche Features besitzt – oder eben auch nicht. Interaktion heißt dort nämlich vor allem, dass man Dinge auf dem Tafelbild verschieben kann. Auf diese Weise kann man z.B. einen Lückentext erstellen, bei dem man Wörter in die vorbereiteten Lücken schieben kann (schon das geht auf der Kreidetafel nicht). Nur leider erfolgt keine Rückmeldung durch das Programm. Es muss also entweder der Lehrer neben der Tafel stehen, der sagt: „Ja, das stimmt“ oder man baut (umständlich) Möglichkeiten zur Selbstkontrolle ein (z.B. indem die richtige Lösung auf einer zweiten Seit des Tafelbilds steht). Ich kann Tafelbilder erstellen, bei dem eine Auswahl an Wörtern nach bestimmten Kriterien sortiert werden muss (z.B. nach der Wortart), aber das Feedback dazu erfolgt nicht automatisch. Irgendwie ist da Interaktion nur halbherzig gedacht worden.

In einem gewissen Rahmen erlaubt ActivInspire die „Programmierung“ von Interaktionen der Art „Wenn du das Rechteck anklickst, dann verstecke den Text“, aber die Dauer für die Erstellung solcher „Spielereien“ und der Nutzen im Unterricht stehen für mich in keinem guten Verhältnis.

Zu vielen Lehrwerken gibt es inzwischen vorgefertigte interaktive Tafelbilder. Sie gehen schon einen Schritt weiter und greifen dabei natürlich auch immer die Darstellungsformen des Lehrwerks auf (was auch nicht unwichtig ist), aber überzeugt haben mich diese Programme bisher auch noch nicht.

Eine kostenlose und ertragreiche Lösung habe ich für mich in (inzwischen) zwei Diensten gefunden. Learningapps und H5P. Zu Learningapps habe ich schon einen umfassenden Artikel auf wirksame.schule geschrieben, in dem ich alle Übungsformate vorgestellt habe, die man dort (kostenlos und intuitiv) erstellen kann. Auf der Seite des Projekts H5P kann man sich ebenfalls kleine Lernapps erstellen (wenn auch noch nicht ganz so viele). In den kommenden Tagen will ich dazu noch mehr schreiben.

Der eigentlich Punkt ist: diese Übungen/Apps kann man vollständig in der Tafelsoftware ActivInspire integrieren. Sowohl bei Learningapps, als auch bei Übungen der Seite H5P wird ein Code unter der jeweiligen App angezeigt, mit dem man die App in bestehende Internetseiten einbetten kann. Der Clou: diesen Code kann man auch in ActivInspire verwenden. Hierzu geht man auf „Einfügen“ -> „Verknüpfung“ -> „Eingebettetes HTML“. Dann öffnet sich ein kleines Fenster, in das man den kopierten Code von Learningapps oder H5P einträgt. Und schon wird die Lern-App innerhalb der Tafelsoftware angezeigt. Sie ist also in mein sonstiges Tafelbild integriert. Durch die Vielzahl an Übungen kann ich so auf die Schnelle sehr viele interaktive Tafelbilder erzeugen, die immer auch ein automatisiertes Feedback an die Schüler geben, auch wenn der Lehrer nicht daneben steht.

Aus meiner Sicht gewinnt das IWB damit (in der Grundschule) noch einmal deutlich dazu.

Update: Hier nun ein kleines Tutorial zum Einfügen der Apps

Vielleicht möchten sich ja Nutzer anderer Boardhersteller dazu äußern, ob es in ihrer Boardsoftware eine ähnliche Funktion zum Einbetten von Apps gibt.

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Florian,
    ich habe selbst ein Jahr mit ActiveInspire gearbeitet und mochte das Programm eigentlich sehr gern. Es gibt übrigens sehr wohl eine Möglichkeit, dass falsche Lösungen in interaktiven Aufgaben zurück springen oder/und ein Sound abgespielt wird (richtig/falsch). Dies ist nir tatsächlich etwas umständlich (im Vergleich zu SMART).
    Wir haben in der Schule jetzt seid einem Jahr in allen Zimmern interaktive Tafeln – das große Ärgernis ist aber, dass bis heute sich niemand zuständig gefühlt hat, die richtige Software zu installieren und dies so, dass sie funktioniert – bisher ist nichts mit „interaktiv“. Eine Kollegin und ich haben jetzt schon etliche Stunden investiert – aber es müsste einfach dafür gesorgt werden, dass dies nicht zusätzlich von Laien zu erledigen ist (zumal wir mot unserem „Latein“ jetzt am Ende sind)
    Nichts desto trotz stimme ich dir zu: richtig eingesetzt sind diese Tafeln motivierend für die Kinder, eine Arbeitserleichterung für uns Lehrer (und Kostenersparnis, wenn ich nicht wieder 10 Seiten vollfarbe für einen Stundeneinstieg ausdrucken muss…) und ermöglichen an einigen Stellen eben neue Möglichkeiten (ein „Allheilmittel“ sind sie aber nicht – ich bin auch froh über meine „normalen“ Tafelflügel)
    Liebe Grüße
    Katharina

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  2. Ja, Katharina, genau das kenne ich auch. Die Tafel hängt (vom Hausmeister angebracht) und nun macht mal. Bei mir haben sich dann zwei Väter erbarmt, sich zu Hause eingelesen und dann in stundenlangen Abendsessions eingerichtet. Nun kann ich es endlich auch interaktiv nutzen und nicht nur als Projektionswand.
    Nun brauchte ich nur nur noch 36-Stunden-Tage, um alles zu entdecken und zu lernen, was ich wissen möchte.
    Learningapps ist tatsächlich eine Erleichterung. Zufrieden bin ich aber noch
    nicht…
    Liebe Grüße cubi

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  3. Hallo,
    ich schließe mich allen Vorschreibern an. Ich kenne beide Systeme (SMART-Notebook und ActivInspire), wobei ich mich besser bei Smart auskenne. Wer lange mit ActivInspire arbeitet kommt damit gut zurecht und kann viele schöne Sachen machen. Seit einiger Zeit hat aber Smart mit seiner Strategie und Taktik dem ActivInspire einen Gegenpart auf den Markt gebracht, der sehr viele interaktive Arbeiten von Hause aus zulässt. SmartLab ist das „Zauberwort“. Schaut mal bei Stefan Schwarz (@swarzste )nach, der hat viele Dinge erprobt und ich bin auch gerade dabei etwas im Unterricht damit zu arbeiten. Ich bin in der Regelschule und z.T. am Gymnasium tätig, da haben viele Kinder ein internetfähiges mobiles Endgerät und da kann man sogar Tests in der SmartLab-Software einstellen, ähnlich den Abstimmungsmodulen früher bei Promethan. Da braucht man keine Extrageräte mehr. Nachteil bei SmartLab, man muss jedes Jahr die Lizenz erneuern. Die Software läuft auf jedem Rechner und ist unabhängig vom Board.
    VG Heiko @radrenner

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  4. Hallo Florian,
    ich arbeite seit 7 Jahren mit Inspire und möchte es keinesfalls mehr missen. Ich setze es in jedem Fach ein. In Kunst lassen sich Aufgaben schrittweise so vorbereiten, wie sie ohne Board nur mit sehr viel mehr Aufwand vorzubereiten wären. In meiner 1 habe ich viele Übungen in Deutsch und Mathe der letzten Jahre abgespeichert und muss sie nur aufrufen. (Ich unterrichte in einer Lerngruppe, wo die Klassenstufen 1 bis 4 gemeinsam lernen, ich habe also jedes Jahr wieder Erstklässler) Und die Schüler sind immer hoch motiviert, wenn sie mit dem Board arbeiten dürfen.
    Zu den Lehrwerken: Ich habe bisher mit Minimax in Mathe interaktiv gearbeitet und das funktioniert wirklich gut. Neben der beschreibbaren Buchseite gibt es auch interaktive Übungen zu vielen Seiten. Auch zu Einsterns Schwester lassen sich Übungen auf das Board ziehen, wenn man die Schüler nicht an seinen Laptop lassen will. Ich denke, dass hier die Verlage nachziehen werden. Ich habe aber festgestellt, dass eine angenehme Arbeitsweise nur möglich ist, wenn der Schulserver entsprechend leistungsstark ist. Ansonsten ähnelt das Schreiben auf dem Board eher kubistischen Malversuchen.
    Fazit: Wehe jemand nimmt mir mein Whiteboard wieder…

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  5. Oh, ein sehr interessantes Thema, das meines Erachtens noch viel zu kurz kommt. Ich arbeite seit Anfang des Schuljahres mit einem Cleverboard und bin sehr zufrieden. Allerdings sind auch meine Kollegin und ich ständig auf der Suche nach gutem Material fürs Board. Zudem werden wir regelmäßig gefragt, inwiefern wir mit dem Board nun eigentlich Medienerziehung betreiben. Ein Aspekt, der scheinbar auf den ersten Blick fest mit dem Board verbunden zu sein scheint.
    Für mich persönlich stellt das Board insbesondere im Englischunterricht eine große Arbeitserleichterung dar. Ich muss nicht mehr stundenlang Bildkarten ausdrucken und kann Filme und Musikvideos (www.supersimplelearning.com/videos) ohne großen Aufwand in den Unterricht einbauen.
    Als Tipps hätte ich noch beizutragen:
    Die Timer von http://www.online-stowatch.com , dort gibt es u.a. auch eine Rakete von der die Kids begeistert sind.
    Eine schöne Software finde ich zudem ist „Lernerfolg“ von Tivola, allerdings leider nicht wirklich preiswert.

    Habt ihr noch Tipps?

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