Momo als Stop-Motion-Film

In dieser Woche stand bei uns eine Lese-Projektwoche an, die sich rund um die Werke von Michael Ende drehte. Bei der Planung stellte sich heraus, dass die Kinder gerne zum Buch „Momo“ ein Theaterstück oder einen Film machen wollten. Da kam mir recht schnell die Erstellung von Stop-Motion-Filmen in den Sinn, die ich auch schon in der Vergangenheit in Angriff genommen hatte (und mir dafür extra eine Trickbox gebaut hatte).

„Leider“ war unser Medienraum während der Projektwoche durch eine Michael-Ende-Ausstellung belegt, so dass die dortigen PCs nicht für Schnitt und Vertonung genutzt werden konnten. Da kam mir die Idee, doch auf den gleichen Kniff zurückzugreifen, wie auch schon bei den Vorgangsbeschreibungen: BYOD (bring your own device) Auf Anhieb erklärten sich 12 Kinder (und deren Eltern) bereit, ihre Tablets mitzubringen (am Ende hatten wir sogar 14 Stück in der Klasse). Somit stand der Erstellung von Stop-Motion-Filmen nichts mehr im Wege.

Eine gute App als Grundlage

Als App verwendeten wir das kostenlos verfügbare „Stop Motion Studio“ (iOs und Android). Schon in der kostenlosen Version sind alle Funktionen enthalten, die für einen einfachen Film ausreichen: Aufnahme der Bilder und Aufnahme von Ton, sowie zahlreiche Funktionen für den Export. Für knappe 5€ kann man in der Pro-Version noch auf diverse Effekte und Tondateien zurückgreifen. Zudem lassen sich dann auch Texteinblendungen erstellen. Eine kurze Einführung in das Programm findet sich auf den Seiten des LMZ BW. Die App lässt sich jedoch so intuitiv bedienen, dass Kinder alle Schreite bereits nach kurzer Zeit automatisiert hatten. Ich hatte die Kinder im Vorfeld gebeten, die App auf ihren Geräten zu installieren, so dass wir im Unterricht direkt starten konnten. Die meisten Kinder hatten dann schon zu Hause Erfahrungen sammeln können.

Der große Vorteil der App im Vergleich zu klassischen Erstellung des Films mit Fotokamera ist die Funktion „Onion skinning“. Dabei lässt sich einstellen, dass das zuletzt erstellte Standbild mit einer einzustellenden Transparenz über das aktuelle Livebild gelegt wird. Auf diese Weise lässt sich leicht erkennen, wie weit man die Figuren verschoben hat bzw. welche Figuren man noch nicht verschoben hat. Zudem können die Kinder jederzeit eine Vorschau ihres Filmes ansehen und darauf aufbauend ihr Vorgehen reflektieren und ggf. verändern. Bei der Arbeit mit einer Kamera ist dies nur sehr begrenzt möglich. Über ein kleines Einstellungssymbol lässt sich die Geschwindigkeit des Films einstellen. Für einzelne Bilder (oder Bildergruppen) lässt sich die Anzeigedauer jedoch erhöhen (in den Beispielvideos am Ende des Beitrags sieht man hierzu einige Beispiele).

Auch die anschließende Vertonung gelingt mit der App genial einfach: der Film wird abgespielt und die Kinder sprechen während der Wiedergabe ihre Texte ein. Bei Versprechern oder Hängern kann die Aufnahme einfach wiederholt werden. Die Übernahme der Bilder in ein (wenig kindgerechtes) Videoschnittprogramm entfällt hier vollständig.

Als letzten Schritt lässt sich der Film in die Galerie des Tablets exportieren (auch in HD).

Ein guter Text als Grundlage

Für die Erstellung der Filme bekamen die Kinder einen kurzen (!!) Abschnitt aus dem Buch „Momo“. Aus diesem Abschnitt sollten die Kinder zuerst eine Grob- und dann eine Feinplanung erstellen, um einerseits einen Überblick über benötigte Requisiten zu bekommen, andererseits aber auch erste Ideen für den Ablauf des Films zu bekommen. Die hier dargestellten Planungsraster sind nur erste Ideen. In der der Erprobung kamen die Kinder damit sehr gut zurecht. Man könnten natürlich noch feiner in die Planung einsteigen und Details wie „Kameraposition“ und „Geräusche“ mit berücksichtigen.

Planungsblatt Film
Szenenplanug

Die Phase der Erstellung

Beim Aufbau der Kulissen haben wir uns für Lego entschieden. Der Grund ist einfach: Lego hatten die Kinder in Massen zu Hause. Somit brauchten wir auch nicht die (sündhaften teuren) Kästen von Lego Education. Zudem haben die Legomännchen wesentlich mehr Bewegungsmöglichkeiten als z.B. die Figuren von Playmobil. Die Möglichkeiten, die man mit Lego hat, habe ich den Kindern bereits im Vorfeld an einem sehr gelungenen Beispiel vorgeführt:

Für den Aufbau der Kulissen und erste Probeaufnahmen haben wir eine Doppelstunde investiert. Die Kinder haben schon in dieser Phasen intensiv probiert, an welcher Stelle das Stativ mit dem Tablet stehen sollte, damit man einen möglichst guten Blick auf die Szene hat. Apropos Stativ: Bei Amazon habe ich sehr einfache Tabletaufsätze für handelsübliche Stative bestellt. Leider waren diese recht instabil. Bei größeren Tablets haben diese doch recht stark gewackelt, wenn man den Touchscreen berührt hat. Dies war für die Aufnahmen nicht optimal. Hier empfehle ich dann doch ggf. etwas mehr zu investieren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Danach ging es dann an die Aufnahmen der Filme. Gibt es Tipps für diese Phase? Wenige, denn zumindest bei mir hat alles sehr reibungslos funktioniert. Durch die intensive Planung hatten die Kinder eine sehr gute Vorstellung davon, wie der Film ablaufen sollte. Durch die intuitiv zu bedienende Technik stellte diese keinen Stolperstein dar, sondern unterstützte den Lernprozess optimal. Sie war einfach da, sie funktioniert und ermöglichte, dass sich die Kinder voll auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren konnten. Ich habe die Zeit genutzt, um im mit den Kindern Zwischenergebnisse anzuschauen und zu überlegen, was schon gut gelungen ist und was nicht. Stolperstellen sind vor allem die Kameraführung: das Stativ sollte nicht bewegt werden, aber auch die Kulisse sollte einen festen Platz haben, damit das Bild möglichst ruhig ist. Auch ein ruhiger Hintergrund ist wichtig, auch wenn das in einem Klassenraum mit 28 Schülern schwer ist. Wir haben die einzelnen Gruppen mit Kartenständern und alten Landkarten so gut es ging abgetrennt. Es lohnt sich also, diese Schätze aufzubewahren 🙂

Für die abschließenden Tonaufnahmen musste dann ein ruhiger Raum gefunden werden. Auch in dieser Phase waren die Planungsunterlagen sehr hilfreich, da diese schon Ideen für die Dialoge beinhalteten.

Die Ergebnisse

Die folgenden Filme sind das Ergebnis von bis zu 8 Unterrichtsstunden Arbeit. Die Thumbnails für die Videos wurden von mir erstellt, der Rest ist einzig und allein die Arbeit der Kinder.

Gruppe 1

Die grauen Herren suchen Momo im Amphitheater, weil Momo das Geheimnis von den grauen Herren verraten hat. Momo ist aber schon geflohen.

Gruppe 2

Momo hat in dieser Nacht gar nicht geschlafen. Da kam eine Schildkröte, die Momo noch nie gesehen hatte. Die Schildkröte sagte zu Momo: „Momo, komm mit, folge mir.“ Und so wie die Schildkröte Momo befahl, kam sie mit. Und was danach passiert, seht ihr im Film.

Gruppe 3

In einer schönen Nacht erweckte eine Schidlkörte Momos Aufmerksamkeit. Momo wunderte sich, dass in der Nacht eine Schildkröte bei ihr war. Doch plötzlich erschienen folgende Buchstaben: Komm mit!

Mit diesen Worten ging Kassiopeia fort. Momo folgte ihr. Die grauen Herren verfolgten Momo.

Gruppe 4

Die grauen Herren suchen Momo in der Ruine, weil sie erkannt haben, dass Momo eine Gefahr für sie ist. Sie können Momo aber nicht finden, weil die Schildkröte Kassiopeia Momo abgeholt hat.

Gruppe 5

Eines Tages taucht Momo im Amphitheater auf. Die Menschen sorgen sich im das kleine Kind. Sie wollen sie gut versorgen.

Lernzuwachs?

Nun könnte man kritisch fragen, was die Kinder denn gelernt haben? Ich zitiere einfach mal die Lehrpläne bzw. den Medienpass NRW um aufzuzeigen, in welchen Kompetenzbereichen die Kinder Lernmöglichkeiten hatten:

  • die SuS setzen einfache Formen digitaler Bildbearbeitung ein
  • die SuS nutzen Kameras und Dokumentationen in Gestaltungs- und Präsentationszusammenhängen, Klassenaufführungen und Projekttagen
  • die SuS entwickeln eigene Szenen und/oder kleine Theaterstücke, überarbeiten und führen sie auf
  • die SuS versetzen sich in eine Rolle und gestalten sie sprecherisch, gestisch und mimisch
  • die SuS gestalten Situationen in verschiedenen Spielformen
  • die SuS planen Sprechbeiträge für Gesprächssituationen situationsangemessen
  • die SuS planen Texte mit verschiedenen Methoden
  • die SuS setzen Texte um
  • die SuS nutzen Medien zum Gestalten eigener Medienbeiträge
  • die SuS erstellen unter Anleitung ein einfaches Medienprodukt
  • die SuS erstellen unter Anleitung ein einfaches Medienprodukt
  • die SuS stellen ihre Arbeitsergebnisse vor
  • die SuS beschreiben an ausgewählten Beispielen (z.B. Film oder Werbung) die Wirkung stilistischer Merkmale.

Und sonst?

Du hast noch weitere Ideen, Vorschläge oder Fragen zum Thema? Dann bitte in den Kommentaren posten!

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2 Antworten

  1. Jörg Tully sagt:

    Ich habe für meinen K&M-Orchesterpult eine Universaltablet-Halterung gekauft und auch schon für StopMotion eingesetzt. Das war recht stabil, wenn man nicht dagegen stößt.

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