Logineo und die Lizenz zum Kopieren

Ab diesem Schujahr ist es soweit: Logineo NRW kommt an die Schulen. Lange Zeit als der BER der Bildungsbranche verschrien, beginnt nun (scheinbar) Stück für Stück das Rollout. Wobei es einige Zeit dauern dürfte, bis wirklich jede Schule, die Logineo möchte, auch Logineo bekommt. Den langen Weg der Beantragung kann man hier nachlesen. Für jeden Schule muss ein Beschluss der Lehrerkonferenz vorliegen, ehe über den Schulträger die Beantragung bei einem kommunalen Rechenzentrum gestartet werden kann. Vorher kann/sollte eine Beratung über die Medienberater erfolgen. Hier siehe ich allerdings einen kleinen Flaschenhals. Alleine bei uns im Kreis gibt es über 200 Schulen und (nur) 7 MedienberaterInnen. Rechnerisch müsste also jeder Berater 30 Schulen beraten. Auch unter den Medienberatern wurde vor einigen Wochen deutlich, dass man der bevorstehenden Mammutaufgabe mit gemischten Gefühlen entgegentritt:

Allerdings geht man dort auch gar nicht (mehr) davon aus, dass beantragende Schulen noch in diesem Jahr „bedient“ werden:


Dennoch macht es schon jetzt durchaus Sinn, sich mit der Dienstvereinbarung zu Logineo auseinanderzusetzen, die gewissermaßen die Spielregeln für die Nutzung festlegt. Dort hat es mir vor allem die Rahmenmediennutzungsvereinbarung (Anlage 4) angetan. In dieser wird unter anderem festgelegt, unter welcher Lizenz Dateien bereitgestellt werden, die von Lehrern in den schuleigenen Speicherplatz hochgeladen werden (Absatz 3.f). Dort heißt es wörtlich:

Die Bereitstellung der Dokumente im gemeinsamen Bereich des Cloud-Dateimanagers erfolgt, soweit nicht anders vermerkt, gemeinfrei oder unter angegebener Lizenz:

In der Folge stehen dann alle Varianten der creative-commons-Lizenzen zur Auswahl. Nun könnte man sich hier natürlich freuen, dass durch Logineo die cc-Lizenzen einen Anschub bekommen und das Thema „OER“ (für das auch ich brenne) in den Fokus der Lehrer gerät. Allerdings sehe ich hier die Gefahr, dass Lehrkräfte, die sich in der Materie nicht auskennen (und das dürften sehr sehr viele Lehrkräfte sein) in Zukunft beim Hochladen von Dateien Material automatisch als cc lizenzieren, obwohl es gar nicht gedurft hätten oder besser nicht getan hätten.

Die Empfehlungen zur Nutzung des Dateimanagers sehen vor, dass dort Arbeitsblätter, Unterrichtsvorbereitungen und Formulare abgelegt werden. Diese werden dann, wenn nicht anders vermerkt, automatisch unter einer Creative-Commons-Lizenz lizenziert. Wenn eine Datei als cc lizenziert wird, erteilt man automatisch bestimmte Rechte für die Weiterverwendung. Ein Recht ist dabei stets enthalten: die Datei darf weiterverbreitet werden. Man kann die Verbreitung einschränken, indem man eine Namens- und Quellennennung einfordert, kommerzielle Verbreitung ausschließt oder eine Bearbeitung der Dokumente ausschließt. Grundsätzlich darf die Datei aber immer weiterverwendet werden. Das ist natürlich in vielen Kontexten sehr wünschenswert. Wenn ich in Logineo ein AB hochlade, damit andere Kollegen es im Unterricht nutzen, dann möchte ich natürlich, dass das AB (an die Schüler) weiterverteilt wird. Wenn ich ein Formular für die Erstellung eines Förderplans erstelle, dann möchte ich natürlich, dass Kollegen dieses Dokument bearbeiten und (an die Schüler und Eltern) weiterverbreiten. Allerdings kann ein cc lizenziertes Dokument auch an weitere Empfängerkreise verbreitet werden. Beispielsweise ließen sich Materialien aus Logineo, die dort als cc bereitgestellt werden, auf einem eigenen Blog als Download anbieten. Ggf. könnte die Datei sogar, wenn die Datei nicht mit dem Zusatz nc (non-commercial) versehen ist, auf Plattformen wie Lehrermarktplatz zu Geld gemacht werden.

Doch selbst wenn man als Lehrkraft bereit ist, seine selbst erstellten Arbeitsmaterialien unter cc-Lizenz zu veröffentlichen, muss man natürlich zuvor sichergehen, ob die verwendeten Quellen eine solche Lizenzierung zulassen. Gerade im Grundschulbereich werden hierfür oft spezielle Schriftarten oder Programme verwendet. Viele kommerzielle Anbieter von Schulschriften erlauben zwar die Weitergabe der mit den Schriften erstellten Arbeitsblätter, beschränken dies aber in der Regel auf eng definierte Empfängerkreise (Schüler und Lehrer der Schule), so dass eine Lizenzierung unter cc-Lizenz nicht möglicht ist. Ähnlich verhält es sich mit Grafiken, die u.U. zur Erstellung der Materialien gekauft wurden. Ferner gibt es oftmals Einschränkung, dass erstelltes Material nicht kommerziell verwertet werden darf (so zum Beispiel beim beliebten Worksheetcrafter). In diesem Fall kommen nur die cc-Lizenzen mit dem Zusatz „nc“ in Frage. Erste Anhaltspunkte bei der Frage, wie man rechtssicher Material unter cc-Lizenzen erstellt, findet man bei Damian Duchamps.

Interessant dürfte sich ggf. der Upload von Konzepten etc. gestalten, um diesen allen Kollegen zur Einsicht bereitzustellen. Meine Erfahrung zeigt, dass nicht alle Schulen so freigiebig sind und ihre Konzepte als gemeinfrei bereit stellen würden. Zudem sind an der Erstellung oftmals mehrere Kollegen beteiligt, die sich dann vorab einigen müssten, unter welcher Lizenzform das Konzept veröffentlicht werden soll.

Insgesamt erfordert die Einführung von Logineo eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema Urheberrecht, insbesondere mit den cc-Lizenzen. Meine Erfahrung zeigt, dass die Vorkenntnisse der meisten KollegInnen hierbei meist nicht existent sind. Sollen aber die Möglichkeiten des Dateimanagers gewinnbringend und rechtssicher genutzt werden, dann muss sich dies grundlegend ändern. Es ist ein deutlicher Unterschied, ob ich ein AB für die anderen neben dem Kopierer liegen lasse oder auf dem Desktop des Schul-PCs ablege, oder ich es in Logineo (fast automatisch) unter cc-Lizenz veröffentliche und damit einer Verbreitung im Internet zustimme. Allein dies ist eine Mammutaufgabe für die FortbildnerInnen der Medienberatung.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die gewohnt sachliche und gute Zusammenfassung. Ich muss gestehen, dass ich den Flyer seit Wochen in meine Fach liegen und noch nichtmal gelesen habe… Jetzt habe ich einen Anreiz dazu!
    LG, Katha

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  2. LOGINEO ist aktuell nur für Lehrerinnen und Lehrer. Sozialpädagog*innen sind hier leider außen vor!

    Ich hatte heute einen tollen Arbeitskreis der sozialpädagogischen Fachkräfte vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Dortmund. Dort hatten wir einen Vortrag zum Thema LOGINEO NRW – Die Kommunikationsplattform für Schulen. Es war sehr interessant. Allerdings sei im Vorfeld gesagt, dass nicht auf das von Dir angesprochene Thema behandelt wurde.

    Spannend fand ich zum einen, dass man aktuell überall quasi gegen irgendeine Verordnung oder gegen das Datenschutzgesetz verstößt (Zeugnistexte auf privatem PC, Noten, E-Mails etc.). Das soll durch LOGINEO (wenn ich es richtig verstanden habe verändert werden). Der zuständige HPR (Hauptpersonalrat) schließt eine Dienstvereinbarung mit der zuständigen Stelle ab. Es soll die Kommunikation untereinander vereinfacht werden, Termine der Schule können dort eingetragen werden und es gibt einen Daten-Safe. Jeder bekommt eine eigene E-Mail-Adresse und es soll so gelingen „Schule“ von „Privat“ besser zu trennen.

    Interessant war, dass natürlich eine Mindestausstattung an geeigneten Endgeräten an den Schulen vorhanden sein muss (1 PC reicht nicht aus). Zudem darf er nicht mit dem Schülernetz verbunden sein. Wir hatten uns auf die Variante konzentriert, indem nur die Lehrer diese Plattform nutzen. Nicht die Schüler :-).

    Die Schule muss allerdings ein Medienkonzept vorlegen (sollte ja eigentlich an jeder Schule vorhanden sein). Die Nutzung ist freiwillig! Es darf mit Genehmigung der Schulleitung auch Zuhause genutzt werden.

    Jetzt kommt eigentlich das für mich unfassbare. Die Nutzung für Zuhause ist leider nur den Lehrerinnen und Lehrer „erlaubt“. Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in der Schuleingangsphase dürfen von Zuhause aus nicht in das Programm greifen. Nur in der Schule! Förderpläne dürfen grundsätzlich nicht gespeichert werden.

    Die Internetadresse zu LOGINEO hattest du ja schon gepostet. Ich hoffe sehr, dass es sich noch dahingehend verändert, dass auch Pädagogische Personal es Zuhause nutzten darf (wenigstens Mailaustausch usw.). Wie soll sonst eine gescheite Teamarbeit / Teamstruktur aufgebaut werden? Ich bin immer noch fassungslos! Sorry!

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