Kurztipp: Druckschrift, Schreibschrift und die Auswirkung auf Textproduktion

Aktuell ist wieder einmal die Grundschrift in den Medien, insbesondere durch die FAZ und den Journalisten Christian Füller, unterstützt durch Cornelia Funke. Die Art der Diskussionsführung hinkt meines Erachtens ein wenig, denn obwohl C. Funke natürlich eine anerkannte Autorin ist, so merkt man doch sehr schnell, dass sie sich mit dem Konzept der Grundschrift überhaupt nicht besonders tiefgehend auseinander gesetzt hat. Ihr Kommentar ist daher „nett gemeint“ aber mehr irgendwie auch nicht.

Scheinbar erregt Herr Füller mit seinen Artikeln und Blogposts jedoch so viel Aufmerksamkeit, dass Herr Brüggelmann himself sich in die Diskussion eingemischt hat.

Hinweisen wollte ich jedoch auf eine m.E. interessante Studie aus Kanada, in der der Einfluss der verschiedenen Schrifttypen auf die Textproduktion untersucht wurde. Dabei werden Druckschrift, Schreibschrift und die gestufte Einführung Druck-/Schreibschrift miteinander verglichen. Interessanterweise gibt es hier nicht nur Unterschiede in Länge und Geschwindigkeit, sondern auch in der inhaltlichen Qualität des Geschriebenen.

The effects of Manuscript, Cursive oder Manuscript/Cursive styes

Gleichermaßen finde ich es sehr erfreulich, dass es an amerikanischen Hochschulen möglich ist, empirische Studien (zu schulrelevaten Themen) kostenlos in einem Onlinejournal unter CC-Lizenz zu veröffentlichen (https://ejournals.library.ualberta.ca/index.php/langandlit/index). Gibt es etwas vergleichbares auch für den deutschen Raum?

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3 Antworten

  1. Niklas sagt:

    Ich teile deine Einschätzung zu dem Artikel über Frau Funke. Er emotionalisiert das Thema leider noch mehr. Besonders interessant fand ich diese Aussage:

    „Mir ist natürlich wichtig, dass Kinder die Schreibschrift auf inspirierte Weise lernen! Ihnen die Schönheit der Buchstaben bewusst machen, sie mit ihnen spielen lassen – man muss ihnen zeigen, wie sehr Handschriften sie selbst und ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken können.“

    Welch Überhöhung der normierten Schreibschrift! Welch Unkenntnis der Vermittlung. Bei dem Lernprozess einer normierten Ausgangsschrift geht es in erster Linie um bewegungsrichtiges Schreiben von vorgegeben Formen. Raum für Inspiration und Kreativität ist wenig gegeben. Argumentiert Frau Funken nicht damit eher für die Grundschrift?

    Auch interessant ist die Schriftprobe von Frau Funken, die in dem Artikel eingebettet ist. Frau Funken schreibt (natürlich) weder VA noch LA, sondern eine persönliche Handschrift. So wie es mit der Grundschrift angestrebt wird.

  2. Sehr geehrter Herr Emrich,
    ob sich die Erfinder der Grundschrift selbst mit ihrem Konzept tiefgehend auseinandergesetzt haben, kann meines Erachtens bezweifelt werden. Für das stetig behauptete „damit Kinder besser schreiben lernen“ fehlt bislang der empirische Beleg. Potentiell problematische Nebenfolgen wie dier Erwerb der Lesekompetenz für verbundene Schriften oder auch Vorteile des verbundenen Schreibesn gerade bei rechtschreibschwachen Kindern werden nirgends angedacht. Weiterführende kritische Informationen zu den didaktischen Begründungen und aufgestellten Behauptungen zum Grundschriftkonzept finden sich auf meiner Homepage http://www.grundschrift.info.
    Mit freundlichem Gruß Götz Taubert

  3. Andrea sagt:

    Ich bin seit über einem Jahrzehnt in der Schuleingangsphase eingesetzt und habe dadurch die Möglichkeit, direkt auf Erfahrungen aufzubauen. Mittlerweile habe ich Wege bei der Vermittlung einer verbundenen Schrift im Rahmen meiner Handlungsmöglichkeiten modifiziert. Nun habe ich das Buch:

    Nun habe ich das Buch
    von Maria-Anna Schulze Brüning, Stephan Claus.

    Wer nicht schreibt, bleibt dumm
    Warum unsere Kinder ohne Handschrift das Denken verlernen

    entdeckt. Auch wenn der Titel durch seine Polarisierung abschreckt, kann ich nur empfehlen, sich mit den Hinweisen dieses Autorenteams auseinanderzusetzen. Ausgehend vom Leidensdruck unleserlicher Schriften in der Sekundarstufe macht sie sich auf die Suche nach Ursachen und Möglichkeiten, diesen Schülern zu helfen. Dabei nimmt sie die wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die es zur Schriftwahl gibt, mit in den Blick.
    Die Stolperstellen, die beschrieben sind, sind deckungsgleich mit meinen Erfahrungen als Lehrerin und Mutter dreier Söhne.

    Mit freundlichen Grüßen
    Andrea

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