Koalitionsvertrag – Masterplan Grundschule

Am vergangenen Freitag wurde er nun veröffentlicht, der Koalitionsvertrag. Zumindest die CDU hatte sich vor der Wahl einen umfangreichen Masterplan Grundschule vorgenommen. Von daher ist es natürlich für mich (und 46000 weitere Grundschullehrkräfte) besonders interessant, was davon nun konkret im Koalitionsvertrag geschrieben steht. Mir ist durchaus bewusst, dass der Vertrag zuerst noch durch die Parteien bestätigt werden muss, Herr Laschet auch gewählt werden muss und Papier zudem sehr geduldig ist. Aber man kann ja mal darüber reden, was dort so steht. In der Presse wird ja vor allem auf G8/G9 und die Inklusion eingegangen.

Anmerkung: Alle Zitate, die ich in den Bildern verwende, entstammen aus dem Koalitionsvertrag, der u.a. hier abzurufen ist: CDU NRW

Für mich als Konrektor ist dieser Passus natürlich besonders interessant. Die neue Landesregierung möchte also Stellvertreter „entsprechend berücksichtigen“. Ob das nun automatisch eine Besoldungserhöhung auf A13 bedeutet, bleibt abzuwarten. Auch über einen Zeitpunkt schweigt man sich aus, wohingegen bei anderen Zielen so etwas wie „mittelfristig“ genannt wird.

Da unsere Schule im Frühjahr Besuch von der QA bekommen hat, hat mich dieser Passus auch aufhorchen lassen. Bisher ist die Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet den Schulen freigestellt. Informiert werden müssen nur die schulischen Gremien (Lehrerkonferenz, Schulpflegschaft, Schulkonferenz). Diese konnten die Ergebnisse dann in die weiteren Gremien transportieren (Klassenpflegschaften). Von einer kompletten Veröffentlichung machen natürlich nur die Schulen Gebrauch, deren Ergebnis gut bis sehr gut waren. Inwieweit es der Qualität dienlich ist, wenn auch die weitere Öffentlichkeit informiert wird, wäre zu diskutieren.

Andererseits ist dieser Passus aber ein Beleg dafür, dass auch die neue Landesregierung an der QA festhalten möchte.

Dieses Zitat kann sogar noch fortgeführt werden, denn man möchte mittelfristig sogar eine 105-prozentige Lehrerversorgung an Grundschulen haben. Nun kann man sich natürlich fragen, woher man denn die ganzen Lehrer zaubern möchte. Das Problem ist ja keinesfalls, dass bisher keine Stellenausschreibungen möglich gemacht wurden, sondern dass es schlichtweg keine (oder kaum) geeignete Bewerber gab. Ich bin froher Erwartung, wie man dies auf Seiten der CDU/FDP lösen möchte. Ein Weg könnte wohl der Rückgriff auf sog. „Praxis-Lehrer“ sein, also Seiteneinsteiger aus anderen Berufsfeldern. Auch von ausländischen Lehrkräften wird gesprochen. Man darf gespannt sein, was in 5 Jahren so alles an unseren Schulen unterrichten darf.

Diese Maßnahme wurde ja schon im Vorfeld der Wahl angekündigt. Da ja auch Logineo schnell kommen sollte, muss man wohl abwarten, wie schnell dieses Projekt kommen wird. Zwar schreibt man an anderer Stelle, dass man Bürokratie abbauen möchte, aber diese Mehrarbeit wird man dann den Schulen doch wieder aufbrummen. Unterrichtsausfall wird dadurch wohl kaum verhindert werden.

Auch hier darf man sich überraschen lassen, welcher Erlasse hier gemeint sein könnten. Vielleicht ja der zur digitalen Erfassung des Unterrichtsausfalls?  😉

Hier könnte ein erster Hinweis gegeben sein, welcher Art der Abbau von Bürokratie sein soll: Verzicht auf Förderpläne. Im ersten Moment und unter Berücksichtigung des Arbeitsaufwandes klingt dies natürlich attraktiv. Allerdings könnte dies natürlich zulasten der Qualität der Förderung gehen. Man darf gespannt sein, in welchen Fällen man dann auf die Dokumentation der Förderbedarfe und der Entwicklung verzichten darf.

Juhu. Schwarz-gelb beschert uns (mal wieder) neue Lehrpläne. Daraus resultieren dann natürlich neue Arbeitspläne in den Schulen. Wie war das noch gleich mit dem Abbau von Bürokratie? Arbeitsentlastung für die Lehrkräfte?

Da bin ich mal sehr gespannt, wie dies Aussehen soll. Bisher sind Rückstellung ja ein unglaublicher Kraftakt für alle Beteiligten.

Stärkung der Rechtschreibung klingt gut … wobei natürlich die Fragen offen bleibt, mit welchen Mitteln dies geschehen soll. Ich ahne bei der FDP (die wohl das Bildungsministerium bekommen soll), dass es in die Richtung „Lesen durch Schreiben verbieten“ gehen könnte.

Die Abschaffung von Englisch in der Grundschule wäre ein Kracher. Und sie spart natürlich Lehrerstellen. Dies schafft dann Ressourcen, mit denen man die 105-prozentige Abdeckung schaffen kann.

Hier nimmt man also eine Entscheidung der rot-grünen Vorgängerregierung weg, indem man nun ab Klasse 3 wieder Ziffernnoten haben möchte. Ich denke, dass Erläuterungen auch in Ankreuzform erstellt werden können. In Klasse 4 wird man dann eine Erläuterung machen können, die es zum Halbjahr in Form der Schulformempfehlung ohnehin gab. Ob sich eine Schule noch zum zweiten Halbjahr die Mühe macht, wenn die Kinder danach ohnehin in die SekI wechseln, wage ich zu bezweifeln.

Diesen Schritt halte ich für richtig und wichtig … wenngleich die Umsetzung dieses Plans wohl einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Dies ist für mich noch fast das interessanteste Projekt für die Grundschule. Der Medienpass NRW befindet sich ja wohl schon seit einiger Zeit in der Überarbeitung, bei der nun auch informatische Grundkompetenzen aufgenommen werden sollen. Mit dem Calliope Mini geistert eine Minicomputer durch das Internet, mit dem ab der dritten Klassen Grundzüge des Programmierens unterricht werden können. Wirklich neu ist diese Idee also nicht.

Was mich stutzig macht, ist die Anlehnung an JEKI. Bei diesem Projekt wird der Instrumentenunterricht von einer Lehrkraft eines außerschulischen Partners (Musikschulen) durchgeführt. Sollen für den „Programmierunterricht“ auch außerschulische Partner gefunden werden? Woher sollen die kommen? Außer der freien Wirtschaft? Von Berufsschulen? Ich bin sehr gespannt, was sich dahinter verbergen soll.

Bezüglich der digitalen Ausstattung möchte man natürlich auch alles besser, neuer und schneller machen. Interessant finde ich die Aussage, dass dafür Mittel aus einem Programm genommen werden sollen, das im Bundeshaushalt noch gar nicht verankert ist. Kommt das Programm also nicht zustande, wird sich in NRW auch nichts tun.

Dies ist mein Schlusswort, denn dies ist mir persönlich ein sehr wichtiges Anliegen. Aber dazu schreibe ich vielleicht ein ander Mal etwas.

Ach ja: Von Kopfnoten ist im Vertrag keine Rede. Gott sei Dank.

Was sind eure Ideen zum Koalitionsvertrag? Gerne in den Kommentaren, bei Twitter oder bei Facebook dazu schreiben.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Hm, die Stärkung der Lehrerausbildung passt leider nicht zu den zu erwartenden Seiteneinsteigern….

    Mechthild

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  2. Vielen Dank für die Auflistung und für deine Kommentare. Habe ich mit großem Interesse gelesen!

    Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich Ethikunterricht an Grundschulen geben wird. Das sage ich als ev. Reli-Lehrerin ;-). In meiner Klasse sind nur wenige christlich getaufte Kinder, dafür viele Muslime und viele Kinder ohne Konfession. Wenn die neue Landesregierung tatsächlich den Ethikunterricht einführt, haben sie eine neue Wählerin gewonnen ;-).
    Gruß,
    Beate

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  3. Auch ich habe die Zusammenstellung mit sehr großem Interesse gelesen. Bin gleichermaßen erwartungsvoll gespannt und besorgt. Bin Grundschullehrer. Wenn ich jedoch gezwungen werde, den Kindern nicht mehr Lesen durch Schreiben beibringen zu dürfen und womöglich mit einer Fibel, nur weil so viele nicht kapieren, wie Lesen durch Schreiben genau funktioniert und wie viel besser das ist und nur weil man diese gerne als Wähler hätte, dann dürfen sie gerne einen Seiteneinsteiger suchen, der das für mich macht und ich ziehe nach Finnland oder so…

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  4. Hach @ Thomas Radloff – you made my day! Ob wohl ich dann Norwegen bevorzugen werde 😉
    Obwohl ich aus Hessen komme, lese ich doch gespannt mit: 105 % Versorgung haben wir schon, der vierjährliche Besuch der Qualitätssicherung ist wieder abgeschafft, Berichte, Pläne und Curricula schreiben wir noch fleißig, so viel, dass wir in der Umsetzung derer Probleme haben – denn dafür fehlt die Zeit!
    Allein die Dokumentation meiner Fördermaßnahmen eines Förderkurses für Deutsch in einer ersten Klasse frisst theoretisch alle Vorbereitungszeit dafür – sehr sinnvoll!!!
    Englisch abschaffen? Die Eltern als Wähler wurden dabei aber nicht gefragt oder? Unsere Eltern mahnen immer wieder den Englisch-Unterricht ab Klasse 1 an – wir als Schule haben deshalb einen „English-Circle“ für Erst- und Zweitklässler organisiert vom Förderverein.

    Kinder in der Grundschule ans Programmieren heranzuführen, ist für mich ein derzeit nicht durchzuführendes Projekt. Einzelne Kinder bestimmt, aber sollten nicht erst einmal in allen Schulen die Voraussetzungen geschaffen werden, Kindern in der Grundschule, die notwendigen Kenntnisse mit einem Betriebssystem zu erschließen: Öffnen einer Datei, speichern einer Datei, der umfassende Umgang mit Programmen wie Word (alternativ Libre Office), Excel oder Power Point und der „gesunde“ Umgang mit dem Internet. An unserer Schule haben wir ab dem zweiten Schuljahr eine Medienstunde pro Woche – dass ist viel zuwenig, um wirklich in die Materie einsteigen zu können.

    Viele Fragen also auch aus Hessen!
    LG Gabi

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  5. Danke für die Zusammenstellung. Hört sich nach viel heißer Luft an. Hoffe, dass es auch positives geben wird…. ?!
    Lg Ute

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  6. … ja, das mit dem Unterrichtsausfall ist ja so eine Sache. An meiner Grundschule fällt so gut wie nix aus, weil wir die Kernzeiten abdecken müsen, zuerst immer Doppelbesetzungen aufgelöst werden und zur Not über Doppelklassen in der Turnhalle oder Aufsicht über zwei Klassen nebeneinander aufgefangen wird. Da kommt beim Stundenausfall-Zählen nicht viel rum, das eine schwierige Vertretungssituation belegen könnte…
    Das zeigt mir mal wieder, dass eben doch nur aus der Sicht von oben auf Schule herab geschrieben und geplant wird und nur allzu selten wirklich aus der Schule heraus. Für die Öffentlichkeit bleiben wir dann die ewig nörgelnden Lehrer.
    LG, Katha

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