Knobeln: offen und digital (und kein #Geheimprojekt)

Material erstelle veröffentliche ich eher selten. Und wenn, dann eben erst am Ende des Erstellungsprozesses, als fertiges Produkt. Dies zwar meist als (echtes) OER, also auch mit den Quelldateien, aber eben erst, wenn es fertig ist. Dieses mal möchte ich schon ganz am Anfang „teilen“, damit das fertige Produkt nachher möglichst gut wird. Es soll um Knobelaufgaben im Mathematikunterricht gehen.

Dass herausfordernde Mathematikaufgaben wichtig sind, muss an dieser Stelle wohl nicht begründet werden, oder?

In Grundschulen gibt es schon viele Anlässe zum Knobeln im Mathematikunterricht: es gibt die Knobeladventskalender. Es gibt einige Mathematikwettbewerbe. Es gibt natürlich unzählige Buchveröffentlichungen und Internetseiten, mit denen beispielsweise die Knobelei der Woche ermöglicht wird. Es gibt zudem MathematikBriefe (von denen hatte ich bis gestern noch nie gehört). Im englischsprachigen Raum gibt es sogar Knobelaufgaben via Twitter. Bei dieser Initiative stellen Lehrer, Schüler, Homeschooler, … Knobelaufgaben für eine bestimmte Klassenstufe:

Bisher ist mir jedoch noch kein deutschsprachiges Material zum Knobeln untergekommen, dass als unter offener Lizenz veröffentlicht ist. Viele Knobelaufgaben findet man zwar kostenlos im Netz, aber die Möglichkeiten zur Nutzung enden meist an der Klassenraumtür. Eine der Aufgaben einscannen und auf der Schulhomepage/im LMS der Schule veröffentlichen? Leider nicht erlaubt. Die Aufgaben verändern oder an die Bedürfnisse der eigenen Lerngruppe anpassen? Leider in der Regel weder möglich, noch erlaubt. Aufgaben neu zusammenstellen und das Ergebnis veröffentlichen? Ach … was frage ich eigentlich.

Meine Idee ist es also, eine Sammlung von Knobelaufgaben für die Grundschule zu erstellen, die all dies möglich macht, indem sie als OER (also unter offener Lizenz) konzipiert ist. Die Sammlung soll sich zudem in vielfältiger Weise verwenden lassen:

  • als bloße Kartei im PDF-Format, um sie in die Klasse zu stellen.
  • natürlich auch als Quelldatei, um die Aufgabenkarten überarbeiten zu können.
  • als Grafikdatei, um die Aufgaben via Twitter zu veröffentlichen. Auf diese Weise könnten Schüler/Lerngruppen mit Twitteraccount (ja, die gibt es) ihre Lösungen direkt via Twitter versenden. Zudem lassen sich Aufgaben auf diese Weise sehr elegant auf andere Seiten einbinden (Beispiel siehe unten). Mit Hilfe diverser Plugins könnte man so z.B. auch eine „Knobelaufgabe der Woche“ automatisch in eine wordpressbasierte Schulhomepage einbinden, die sich automatisch aktualisiert.
  • als Teil einer Datenbank, um Aufgaben gezielt suchen zu können (z.B. Geometrie Klasse 3). Dort wären die Aufgaben dann als HTML-Datei hinterlegt, um als Text in bestehende Seiten/Lernsysteme integriert zu werden. (wobei fraglich ist, ob dies nötig ist, wenn Aufgaben als Tweets/Grafikdatei veröffentlicht werden und auf diese Weise in Seiten eingebettet werden können).

Kurzum, die Kartei soll offen in viele Richtungen sein: in der Verbreitung, der Erstellung, der Veränderung und in der unterrichtlichen Verwendung.

Die dargestellte Aufgabe ist nur ein erster Entwurf (im Grunde wollte ich nur testen, welches Format ein Bild haben muss, damit es bei Twitter optimal angezeigt wird). Wichtig erscheint mir bzgl. der Gestaltung vor allem eine klare Struktur der Aufgabenkarten und eindeutige/einfache, aber fachgerechte Sprache. Zu allen Aufgaben müssten/sollten natürlich auch Musterlösungen angeboten werden, um das Projekt abzurunden.

Nun gebe ich die Idee zur Diskussion frei in der Hoffnung, dass dies fruchtbar für den Erstellungsprozess ist und am Ende etwas wirklich Gutes für den Mathematikunterricht entsteht.

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9 Antworten

  1. Lena sagt:

    Hallo Herr Emerich,
    ich finde Ihre Idee klasse.
    Wäre ja auch eine super Möglichkeit um die Starken einmal besonders zu fordern.
    Spontan fällt mir dazu auch ein, dass man auch in Richtung Fermi Aufgaben gehen könnte…
    Ich wäre auch bereit, Sie da gerne zu unterstützen, jedoch habe ich bisher nur Material für meine eigene Klasse erstellt und bin noch nicht so fit darin.
    Viele Grüße Lena

  2. FrauS sagt:

    Die Idee hört sich sehr spannend und vor allem gut durchdacht an. Ich fände auch offene Aufgaben,die eine Bearbeitung in verschiedenen Klassenstufen zulassen,um sie z.B. als Monatsknobelei auf die Schulhomepage zu stellen, ganz bereichernd. Ich bin sehr gespannt, was bei deinem Projekt herauskommt!

  3. elefantenflip sagt:

    Meine Schwierigkeit dabei wäre, dass es eigentlich alle Dinge im Netz schon gibt – kann ich sie einfach graphisch anders aufarbeiten? Die Aufgabe, die du dargestellt hast, ist ja „Allgemeingut“ .

    Eine gute Idee finde ich: ZAL das Mathespiel – kann man das nicht verlinken???
    Viel Mühe gibt sich auch Heike Winkelvoss, die ja über ein ganzes Archiv an Knobelaufgaben verfügt – vielleicht kann man sie für deine Idee gewinnen????

    flippi

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Die Aufgaben von Heike Winkelvoss kannte ich noch gar nicht. Sie sind aber alle unter offener Lizenz veröffentlicht, was mich sehr freut!

      Grundsätzlich wird es sich mit Knobelaufgaben wie mit Rezepten verhalten: Die Form kann geschützt sein, nicht aber der Inhalt (vgl. https://irights.info/artikel/nichts-anbrennen-lassen/5523). Ich dürfte also nicht einfach eine Knobelaufgabe von Verlag XY einscannen und veröffentlichen, aber die Aufgabe mit eigenen Worten formulieren und dann veröffentlichen.

  4. Lotto-Fee sagt:

    Hallo Herr Emrich,
    das finde ich eine super Idee! Ich überlege nur gerade, dass wenn jetzt alle Leute etwas einreichen, man ja eigentlich überprüfen müsste, ob es sich nicht um alte Aufgaben handelt, die mal irgendwo abgetippt wurden… auch nicht so einfach.
    Das Mathemonsterchen hat doch auch viel zum Knobeln und würde bestimmt mitmachen?
    Wie sollen wir denn Beiträge leisten? Per Kommentar oder Mail?
    Viele Grüße, Lotto-Fee

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Grundsätzlich wird es sich mit Knobelaufgaben wie mit Rezepten verhalten: Die Form kann geschützt sein, nicht aber der Inhalt (vgl. https://irights.info/artikel/nichts-anbrennen-lassen/5523). Ich dürfte also nicht einfach eine Knobelaufgabe von Verlag XY einscannen und veröffentlichen, aber die Aufgabe mit eigenen Worten formulieren und dann veröffentlichen. Eine Aufgabenstellung von wenigen Zeilen wird kaum eine relevante Schöpfungshöhe erreichen (gleichwohl dürfte man aber auch wiederum keine Aufgabesammlung mehr oder weniger 1:1 übernehmen). Die Überprüfung bei Einreichungen würde also (mehr oder weniger) entfallen.

      Derzeit denke ich, dass ich die Knobelgeschichte am einfachsten in meine Seite wirksame.schule integrieren könnte. Dort gibt es ja auch ein Forum, so dass man Aufgabenvorschläge dann entweder dort im Forum oder über eine noch einzurichtende Mailadresse einreichen könnte. Oder eben via Twitter/Facebook. Aber das müsste erst noch eingerichtet werden 😉

  5. Sabine sagt:

    Die Idee finde ich sehr spannend. Vielleicht sind auch Aufgaben mit Steckwürfeln eine Idee. Eine Kapitänsaufgabe (hießen die so?), bei der es rechnerisch keine Lösung gibt, würde ich vielleicht auch mal einstreuen=)

  6. Torsten sagt:

    Super Projekt! Ich selbst denke ebenfalls darüber nach ein OER-Projekt zu starten. Vielleicht ist ja gitbook.com auch für dein Projekt etwas!

    Viel Erfolg!

    Torsten

  1. 11. November 2017

    […] ist das von mir angedachte Knobelkartei-Projekt schon ein Stückchen gewachsen: aktuelle gibt es schon 17 Knobelaufgaben (für Klasse 3 und 4), […]

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