Fundstück: Whole brain teaching (WBT)

Beim allmorgendlichen Surfen bin ich heute morgen auf einen Beitrag zum WBT (whole brain teaching) gestoßen. Dahinter steckt (nach Angaben der „Erfinder“) eine der populärsten Unterrichtsmethoden der Welt! Bis heute ist sie an mir vorüber gegangen. Wer sich ausführlich zu der Methode (oder eher dem Methodenpool) informieren will, findet auf den oben verlinkten Seiten jede Menge Informationen. Mir hat das folgende Video von Youtube gereicht:

Ich glaube sowohl als Schüler, wie auch als Lehrer, bräuchte ich nach so einer Unterrichtsstunde erstmal ein wenig Urlaub. Unweigerlich musste ich an den Film „Full metal jacket“ denken. So ein Konzept von Unterricht macht mich doch sprachlos. 20 Minuten lang die Anweisungen der Lehrkraft nachsprechen und am Ende noch aufs Papier bringen … und das ist denn Unterricht?

Ob nun einzelne Winzigkeiten sinnvoll sind, lasse ich hier dahingestellt. Aber das Konzept besteht nunmal aus dem ganzen Paket. Und dieses schreckt mich doch sehr ab.

Kommentare (14) Schreibe einen Kommentar

  1. Mir reicht eine Minute des Videos: Schrecklich! Man muss nicht alles der Amis übernehmen… Ich nehme zumindest an, dass das Konzept aus Amerika stammt?

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  2. Zunächst hörten sich ja einige Methodenfragmente interessant an, aber umso mehr Videos ich mir anschaue, umso gruseliger kommt mir die Methode vor. Dieses laute Nachsprechen durch alle und vor allem das gegenseitige Anschreien der Kinder ist für mich – und ich denke auch für meine Kinder – eine Qual und hat wirklich ein bisschen was von Gehirnwäsche. Nein, so will und muss ich ja auch nicht!

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  3. Was bin ich froh, das hier inklusive schon eingetroffener Kommentare so zu lesen. Hab schon Sorge gehabt, nur allein so einen Schrecken bekommen zu haben. Wie gut, das nicht tun zu müssen …
    Erleichterte und liebe Grüße Cubi

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  4. Als Alternative zu einem monotonen Lehrervortrag finde ich das recht interessant. Die Kinder scheinen doch auf dem Video zumindest recht aktiv. Es erinnert mich einerseits, wie schon erwähnt, an den „drill instructor“ aus Full Metal Jacket, aber irgendwie noch mehr an baptistischen Kirchen, wo der Pfarrer/Pastor vorne predigt und die Schäfchen ebenfalls wiederholen und dazwischen rufen. Ich habe nur die ersten drei Minuten des Videos gesegen, allerdings fragte ich mich nach kurzer Zeit, inwieweit dieses WBT mit der „direkten Instruktion“ bei Hattie korrespondiert. siehe: https://skolnet.de/direkte-instruktion/

    Nachtrag: Zeitlich würde ich es nicht so übertreiben, wie im Video. 🙁

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    • Herrn Emrich

      Ja, an direkte Instruktion musste ich auch denken. Aber dafür war es mir echt zu ausgedehnt (20 Minuten). Die Schüleraktivierung besteht ja in der gezeigten Einheit nur aus „nachplappern“ und wenig echtem Denken.

      Mich schreckt aber vor allem die Aufbereitung statt. Ein ständiges Feuerwerk an Reden/Brüllen, Klatschen, Woooos und Cooooools und Yessss …

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      • Florian, das „Nachplappern“ fände ich abhängig von der Intention des frontalen Inputs zunächst nicht verkehrt. Zudem kommen ja manche Kinder über dieses Niveau nicht immer hinaus.

        Ich erinnere mich an meinen Englisch- und Französischunterricht, da mussten wir auch regelmäßig Sätze und Dialoge mit allen zusammen nachsprechen.

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        • Aber was die Wooos, Coools, das ständige Klatschen usw betrifft im Grunde genommen die Lautstärke, stimme ich dir auf jeden Fall zu! Furchtbar – da würde ich bekloppt werden!!

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    • Herrn Emrich

      Ich hab mir mal die Mühe gemacht und bei Wellenreuther und Co ein paar Merkmale der DI rauzusuchen. Archer und Hughes nennen 16 Elemente der expliziten (direkten) Instruktion:
      -Fokussieren auf den Inhalt (+)
      -die zu lernenden Fähigkeiten logisch sequenzieren (+)
      -in kleinere Vermittlungseinheiten runterbrechen (+)
      -Klare Zielvorgabe am Anfangen der Stunde (+)
      -Vorwissen prüfen (-)
      -Schrittweise Demonstration des Vorgehens (?)
      -Klare Terminologie und Sprache (+)
      -adäquate Bandbreite von Beispielen (+)
      -angeleitetes und unterstütztes Üben (-)
      -hohe Interaktionsdichte (+)
      -Fortschritt überwachen (+)
      -Bestärkendes und korrigierendes Feedback (+??) (Ist ein „ten-finger-whoooo“ wirklich bestärkend?)
      -Anregendes Tempo (joa, Tempo hat die Sache mit dem Umfang)
      -Helfen beim Wissen organisieren (?)
      -Ausreichend Üben lassen (-)

      Es passt vieles, Marek. Vor allem schreibt Wellenreuther dann noch weiter:
      „Bei der Einführung neuer Inhalte ist die Informationsaufnahme sehr stark eingeschränkt, entsprechend werden zunächst Beispiele analysiert, Visualisierungen erläutert, Wesentliches vormodelliert. Es werden vielfältige, reich miteinander vernetzte Abrufwege angelegt durch vielfältige Übungen, kleine Tests mit anschließendem inhaltlichen Feedback, Wiederholungen, Zusammenfassungen und Abgrenzungen von Ideen.“

      Dennoch kann man sowas bestimmt menschenfreundlicher gestalten 😉

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  5. Du meine Güte, wie gruselig! Ich hab bei Minute 4:20 aufgegeben, das Geschreie hab ich nicht mehr ertragen. Ein Wunder, dass die Kinder das aushalten! Wenn das den ganzen Tag so geht, dann hätte ich als Schüler und Lehrer am Ende sicher einen Hörschaden und eine höllische Migräne!
    Im Ansatz (bzw. in der Theorie) ist das Konzept sicher teilweise interessant, aber dieses Praxisbeispiel geht ja gar nicht.
    Fazit: Wieder einmal hab ich ein didaktisches „Wundermittel“ kennengelernt, das ich absolut unbrauchbar finde. 😉

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  6. Ich habe mich nach dem Blogeintrag auch mit dem Thema, wieder mal, beschäftigt. Und ich muss sagen, dass ich die Lehrmethode interssant und auch gut finde. Aber nur Teile davon.
    Ich, als introvertierter Mensch wäre als Schüler und als Lehrer nach einer Einheit total fertig. Deshalb bräuchte ich danach Zeit zum erholen.
    Ich nehme aber für mich und den Unterricht mit, dass man die Aufmerksamkeit der Klasse ab und an durch einen Spruch bündeln kann. Gut gefallen mir die Schüleraktivität und die Handbewegungen. Ebenso das Einprägen von Merksätzen mit Handbewegungen und die Idee, den Mitschüler über den Inhalt zu instruieren.
    Der Geschwindigkeit in meinen auf youtube gesehenen Lektionen kann ich nicht dauerhaft folgen. Da brauche ich mehr Ruhe.
    Somit bleiben mir die Kernaussagen: Aufmerksamkeit fokussieren, gegenseitig Unterrichten und eigenen Formulierungen finden und die positive Gruppendymnamik. Es ist ein Denkanstoß. Ich werde weiter darüber reflektieren, als Introvertierte.

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  7. Auch ich musste mich heute erst schlau machen und hab mir mehrere Videos dazu angeschaut. Erinnerst mich start an militärischen Drill im Gleichschritt.
    Einige Elemente wie „handy&eyes“ finde ich recht brauchbar, die kennt man auch in abgewandelter Form von „Nonverbalen Klassenmanagement“. Aber das ewige Nachplappern und das „teach-your-neighbour“-Gegröle würde ich nicht aushalten. Abgesehen von dem Stresslevel, dem Kinder in dieser Situation ausgesetzt sind. Forschendes Lernen in Eigenregie ist also out? Interessant….

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  8. Ich habe nur drei Minuten ertragen können und eigentlich dachte ich, dass es in meiner Klasse (Förderschule Lernen/soziale-emotionale Entwicklung) manchmal laut ist. Von meinen Kindern würden definitiv einige ausraten, wenn wir so ein Gehampel veranstalten würden, vom Lerneffekt ganz abgesehen. Als ich den ersten post zu dieser Methode gelesen habe, dachte ich, einiges sei ganz brauchbar, aber so umgesetzt wie in dem Video, finde ich es eher abschreckend.
    Liebe Grüße! Claudia

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  9. …was mich dabei auch noch irritiert/ wundert, dass sich das ganze Whole Brain Teaching nennt… bei mir und auch bei meinen Schülerinnen/Schülern wäre schnell
    der ein oder andere Teil des Gehirns außen vor…

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