Förderideen

Gibt es eigentlich eine Sammlung mit Förderideen für alle Lebenslagen? Man findet ja im Netz unglaubliche viele Beobachtungsbögen, um Lernen zu dokumentieren und Förderpotentiale aufzudecken. Mit dem Förderplaner gibt es sogar ein umfassendes Programm, mit dem man umfassenden Förderpläne erstellen kann. Die Masse an Beobachtungspunkten erschlägt einen förmlich.

Doch wo sind die konkreten Vorschläge, um ein beobachtetes Verhalten oder Lernhinderniss anzugehen? Der Grundschulverband hat in seinen letzten beiden Mitgliederbänden  einige kleine und große Vorschläge für die Klassen 1-4 in den Kernfächern aufbereitetet. Hier habe ich einige interessante Ideen gefunden und suche daher nach weiteren Sammlungen mit konkreten Ideen und/oder Konzepten. Dabei meine ich nicht das Abarbeiten einer Arbeitsblattsammlung oder das Ausfüllen eines Förder-Arbeitsheftes. Über Vorschläge freut sich der Kommentarbereich 🙂

Dazu am Rande: Ich habe einmal bei google „Förderideen Grundschule“ eingegeben und war überrascht, wie wenig dabei rumkam. Da stieß ich auch auf diese Sammlung von Ideen aus dem Saarland. Im ersten Moment dachte ich „Super“: zu zahlreichen Stationen des Mathematikunterrichts gab es einen Diagnosetest und einen Beobachtungsbogen. Die Förderhinweise brachten jedoch Ernüchterung: im Endeffekt war es nur eine Wiederholung der im Diagnosetest dargestellten Formate. Soll ein Kind, dass die Formate schon im Test nicht bearbeiten konnte einfach so lange mehr von diesen Formaten bearbeiten, bis es sie kann?

Artikelbild veröffentlicht unter cc-Lizenz von nojhan auf flickr.com

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe mit Sebastian Wartha, Professor für Mathematik an der PH Karlsruhe, im Rahmen seiner Fortbildungen zum Aufbau von Grundvorstellungen darüber gesprochen, ob er sich nicht vorstellen könne, zu diagnostizierten Lernschwierigkeiten eines Kindes eine Liste mit ganz konkreten Fördertipps zu geben. Beispiel: „Wenn ein Kind noch kein Stellenwertverständnis entwickelt hat, dann übe mit ihm dieses oder jenes oder sonst etwas.“

    Er sprach sich klar gegen so etwas wie Handlungslisten aus. Und das zu Recht, wie ich mittlerweile auch finde. Denn es verleitet dazu, dass man einfach irgendetwas abarbeitet, ohne den fachlichen Zusammenhang zu kennen, ohne das notwendige fachliche Know-How zu haben! Wer so zu arbeiten gedenkt, arbeitet auf einem ganz niedrigem Niveau und muss sich auch die Frage gefallen lassen, welche Funktion er eigentlich noch hat? Ohne Fachwissen geht nun einmal gar nichts! Zum Planen von Unterricht dazu werden Lehrer ausgebildet, aber ihre Diagnosefertigkeit und die Fähigkeit zum Ziehen angemessener Schlussfolgerungen bleibt in der gesamten Ausbildung doch eher ein Schwarzes Loch. Und dazu gehört dann neben dem unabdingbaren hervorragendem Fachwissen, das man sich dann eher in Fortbildungen und privater Weiterarbeit aneignet, eben auch so etwas wie Erfahrung, Gespür, Gelassenheit etc.

    Fördern ist letztendlich mehr als das Abarbeiten von Fördertipps nach dem Prinzip „Wenn A, dann B.“ Sollen wir etwa auf dem Niveau von Tütensuppen arbeiten?

    http://youtu.be/_fzAwYmTZaU?t=26m53s

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    • emrich

      Es geht mir ja nicht um eine Anleitung oder Handlungsliste, welches wie die Medikation mit Pille A zur Heilung einer Krankheit führt, sondern um Anregungen, welche Möglichkeiten gibt es überhaupt gibt. Das hat in meinen Augen nichts mit niedrigem Niveau zu tun. Auch wenn man die theoretischen Hintergründe kennt, heißt das noch lange nicht, dass man auch alle praktischen und methodischen Umsetzungen kennt oder selbst entwickeln kann. Gerade wenn man die Hintergründe kennt, ist es doch interessant zu sehen, mit welchen Mitteln man Kinder an bestimmten Knackpunkten unterstützen oder auf den Weg bringen kann.

      Zur Zeit überlege ich mir bspw. welche Möglichkeiten ich habe, die (grapho-)motorischen Fähigkeiten meiner Kinder zu fördern. Dazu habe ich natürlich auch Fachliteratur zu Hause, in der Hintergründe erläutert sind, Diagnoseverfahren dargestellt sind und auch Übungen vorgeschlagen werden. Nun könnte ich mich auf Grundlage des theoretischen Wissens hinsetzen und eigene Konzepte entwickeln oder aber auch in weiteren „Tipp-Sammlungen“ Ideen und Anregungen holen, die über die Verschwendung von Kopierpapier für Bleistift-, Füller- und Scherenführerschein hinausgehen.

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  2. …Erfahrung, Gespür, Gelassenheit…

    –> Dialogfähigkeit mit Eltern / Kollegen / externen Fachleuten, also eine Gesprächskultur, eine Vernetzung nach innen und außen…

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  3. Ich habe es schon herausgelesen, dass es nicht deine Absicht ist, Listen abzuarbeiten bei einem Problem X. Aber die Gefahr besteht, dass sich dazu so manch einer hinreißen lässt, anstatt sich das nötige Fachwissen anzueignen, wenn du solche Sammlungen veröffentlichst.

    Wenn du dir den Erfolg der zigsten-„Führerschein“-Kopiersammlung ansiehst, ist der Gedanke dann so abwegig? 😉

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    • emrich

      Nein, besonders abwegig ist es nicht ;). Aber vielleicht tun wir den Führerscheinen auch Unrecht? Hast du mal einen im Unterricht erprobt von A bis Z? Vielleicht bewirken sie ja wahre Wunder 😀 ???

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  4. Diese Gefahr sieht im übrigen der von mir o.g. Wartha, der aus einem Lehrerhaushalt stammt und viel in Schulen empirisch forscht.

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