Erklärvideos im Deutschunterricht der Grundschule

Da ich nun die Unterrichtseinheit zu den Erklärvideos selbst erprobt habe, möchte ich im folgenden Artikel meine Erfahrungen und Materialien teilen, um ein mögliches Szenario für (effektiven) Medieneinsatz in der Grundschule darzustellen. Die Einstiegsschwelle ist bei diesem Projekt relativ gering, da die Schule selbst nicht zwingend über eine gehobene Medienausstattung verfügen muss.

(Einen Link zu den Ergebnissen der Kinder gibt es am Ende des Beitrags).

Aufbau und Ziele der Reihe

Die Erklärvideos habe ich in eine Unterrichtsreihe zu Vorgangsbeschreibungen eingebettet. Der Schwerpunkt der Reihe liegt auf dem schriftlichen Sprachhandeln, indem die Schüler zu verschiedenen Bastel- und Kochanlässen schriftliche Anleitungen verfassen und überarbeiten sollen. Durch die Hinzunahme der Erklärvideos kann jedoch ein weiterer Schwerpunkt im mündlichen Sprachhandeln gesetzt werden. Ferner lassen sich auch noch Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien angebahnt werden, wie folgende Auflistung zeigt:

Kompetenzen aus dem Kompetenzrahmen des Medienpasses NRW.

  • Schülerinnen und Schüler erstellen unter Anleitung ein einfaches Medienprodukt (z.B. Plakat, Bildschirmpräsentation, Audiobeitrag, Handy-Clip).
  • Schülerinnen und Schüler beschreiben an ausgewählten Beispielen (z.B. Film oder Werbung) die Wirkung stilistischer Merkmale.
  • Schülerinnen und Schüler wenden Basisfunktionen digitaler Medien (z.B. Computer, digitaler Fotoapparat) an.
  • Schülerinnen und Schüler beschreiben Vor- und Nachteile unterschiedlicher Medienprodukte (z.B. in Hinblick auf Zielgruppe, Gestaltungs- und Distributionsmöglichkeiten).

Kompetenzen aus dem Lehrplan Deutsch NRW:

  • Die SuS sprechen funktionsangemessen: erzählen, informieren, argumentieren.
  • Die SuS planen Sprechbeiträge für Gesprächssituationen situationsangemessen.

Im Vorfeld waren den Kindern schon Kriterien für die Erstellung einer guten, schriftlichen Vorgangsbeschreibung bekannt.

Vorarbeit

Nachdem klar war, dass die Kinder über eine ausreichende Zahl an Tablets verfügen, habe ich über einen Elternbrief das Mitbringen in die Schule organisiert. Hierbei sollte man im Vorfeld auch die Schulleitung involvieren und ggf. den Versicherungsschutz der Geräte klären und dies auch den Eltern transparent machen. Meine Erfahrung bei derartigen „Bring-your-own-device“-Projekten sind allerdings sehr positiv. Zudem bat ich die Kinder bzw. Eltern im Vorfeld die kostenlose App VivaVideo zu installieren.

Ich habe natürlich im Vorfeld allerlei Arbeitsmaterial erstellt und Bastelmaterial gekauft (für jedes WIndrad einen kleinen Stock, einen Nagel, ein 20x20cm Stück festes Papier) und einen Hammer für jede Gruppe bereitgelegt. Schulorganisatorisch habe versucht für jede Gruppe eine stille Ecke im Schulgebäude zu finden, in der die Kinder sich an die Aufnahme machen konnten.

Der Aufbau der Stunde(n)

Ich habe das Erstellen der Erklärvideos zu einem Projekttag für meine Klasse gemacht. Zu Beginn des Tages wurden (natürlich) erstmal die Tablets ausgepackt und Regeln vereinbart:

  • Die Tabletzeit (in der das Tablet genutzt werden darf) wird vom Lehrer an der Tafel kenntlich gemacht.
  • Das Tablet wird nur zur Bearbeitung der Aufgaben verwendet.

Dies hat den ganzen Tag über sehr gut funktioniert. Danach konnte ich Gruppen á 4 Kinder bilden und mit dem Projekt starten.

Erklärvideos untersuchen

Zu Beginn sollten die Kinder sich mehrere Erklärvideos bei Youtube ansehen und notieren, worauf man beim Erstellen eines Videos achten sollte/könnte. Ich habe dabei die Videos aus dem letzten Beitrag verwendet. Diese durften die Gruppen auf ihren Tablets ansehen. Das Arbeiten mit Regeln/Kriterien kannten die Kinder schon aus den schriftlichen Vorgangsbeschreibungen. Einige Kinder haben diese Regeln auch als Grundlage für diese erste Gruppenarbeit genommen. Die Gruppen sollte ihre „goldenen Regeln“ auf einem Arbeitsblatt notieren. Dort war zwar Platz für 10 Regeln, die Kinder sollten aber einmal selbst überlegen, wie viele Regeln ihnen wichtig erscheinen. Anschließend wurden die Regeln im Plenum gesammelt und reflektiert. Am Ende einigten sich die Gruppen auf 8 Regeln.

Das Windrad basteln

Im zweiten Schritt habe ich das Basteln des Windrads weitestgehend stumm vorgemacht und die Gruppen gebeten, es parallel nachzubasteln. Dabei durften sie Nachfragen stellen, um selbst kompetent im Basteln des Windrades zu werden.

Einen Drehplan erstellen

In einer zweiten Gruppenarbeit sollten die Kinder den Film grob durchplanen und in einem Drehplan festhalten. Dort sollte vorerst nur festgehalten werden, welchen Ablauf der Film hat und wer welche Rolle übernimmt. An dieser Stelle könnte man natürlich mehr ins Detail gehen (Kameraeinstellungen, Requisiten, Sprechtexte, Einblendungen …), aber für ein erstes Filmprojekt erschien mir dies zu umfassend. Der Drehplan sollte in erster Linie dazu dienen, dass die Kinder sich die Schritte des Bastelns noch einmal vergegenwärtigen und erste Absprachen zur Rollenverteilung treffen.

Den Dreh proben

Rückblickend war diese Phase die Effektivste. Die Kinder haben den Ablauf des Drehs durchgespielt und dabei noch einmal 1-2 Windräder zur Probe gebastelt. Dabei wurde ungemein intensiv an Formulierungen gefeilt, Absprachen getroffen wie die Kamera zu halten wäre, diskutiert welche Schritte besonders ausführlich erklärt werden müssen usw. In dieser Phase reiften die ersten Ideen der Gruppen zu konkreten Handlungen. Die Kinder durften in dieser Phase zwar das Tablet schon in die Hand nehmen, aber noch nicht filmen. Es sollte ja nur eine Probe sein.

Der Dreh

Vor dem Dreh habe ich dann jeder Gruppe schnell die wichtigsten Funktionen der App erklärt bzw. wollte ich das tun. Die Kinder haben sich die App aber bereits zu Hause intensiv angesehen und kannten sich schon recht gut damit aus. Ein Junge hatte sogar schon ein erstes Video bei Youtube hochgeladen.

Die Dreharbeiten verliefen von technischer Seite absolut problemlos. Die Kinder konnten sich voll auf inhaltliche und gestalterische Merkmale kümmern und nutzten die Technik so, als wäre es das Normalste auf der Welt. Als störend ist lediglich aufgefallen, dass die kostenlose Variante von VivaVideo eine Aufnahmebeschränkung von 5 Minuten hat. Dies ist knapp. Hier müsste ich noch einmal suchen, ob es eine bessere Alternative gibt.

Bei den meisten Gruppen war das fertige Video nach 20 Minuten „im Kasten“.

Der Schnitt

Nach den Dreharbeiten habe ich dann den Gruppen eine ersten Einblick in die Schnittfunktionen gegeben. VivaVideo erlaubt das Trimmen der Videoclips am Anfang und am Ende. Bei der Aufnahme zerlegt VivaVideo das Video automatisch an den Stellen in Clips, an denen die Aufnahme unterbrochen wurde. Passiert den Kindern beim Dreh also ein Fehler, dann unterbrechen sie die Aufnahme kurz und setzen danach wieder fort. So können die Kinder dann im Schnitt die fehlerhaften Stellen recht einfach herausschneiden. Dies braucht ein bisschen mehr Einarbeitung, ist aber auch von Drittklässlern zu bewältigen.

Im letzen Schritt konnten die Kinder dann noch Einblendungen, Grafiken und Animationen in das Video einbauen. Damit waren die Kinder jedoch sehr sparsam, vermutlich war am Ende eines langen Videotages auch ein wenig die Luft raus. Aber auch hier bietet die App einfache Funktionen die von Kindern im Grundschulalter bewältigt werden können.

Den letzten Schritt habe ich übernommen: Das Video in der Galerie des Tablets speichern und dann mit USB-Kabel auf meinen PC übertragen.

Betrachten und Reflektieren

Am kommenden Tag haben wir dann die Ergebnisse der Kinder betrachtet und gewürdigt. Die „goldenen Regeln“ vom Vortrag haben dabei als Grundlage für Lob, Kritik und Tipps gedient. Nach Rücksprache mit den Eltern durften wir schon einige Videos auf unserer Schulhomepage veröffentlichen, weitere folgen hoffentlich:  Beispiele auf der Homepage der KGS Niederkassel.

Fazit

Mich hat das Projekt absolut begeistert. Im Zusammenhang mit digitalen Medien wird oft  nach dem Mehrwert gefragt. Für mich war er hier deutlich zu sehen. Eine so intensive Arbeit am mündlichen Sprachhandeln ist ohne das Medium „Video“ gar nicht möglich, weil gesprochene Sprache flüchtig ist. Im Video kann ich sie jedoch Festhalten (inkl. aller Gesten), sie reflektieren und verbessern. Zudem hat der Einsatz der Tablets auch einen gehörigen Schub in der Motivation der Kinder geleistet, wobei ich den Einsatz digitaler Medien ungern der Motivation der Kinder begründen möchte.

Zudem bietet die Erstellung der Videos auch zahlreiche Anknüpfungspunkte, um über Stolperstellen und Risiken im Umgang mit dem Medium zu diskutieren (z.B. Urheberrechte und Persönlichkeitsrechte). Durch den direkten Bezug zum Handeln der Kinder ist dies wesentlich eindrücklicher als das Abarbeiten dröger Arbeitsblätter.

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4 Antworten

  1. Danke für die Darstellung dieses Projektes in aller Ausführlichkeit. So kann man dieses Projekt auch als Blaupause nehmen für ähnliche Projekte. Sehr schön auch die Anknüpfung an den Medienpass NRW, was für Schulen in NRW, die sich auf den Weg machen, sehr hilfreich ist.
    Es gelingt dir wirklich gut, darzustellen, in welcher Breite die Kinder gefordert werden, welche Schritte du gegangen bist und was dabei am Ende herausgekommen ist. Super. Danke.

  2. Cubi sagt:

    Da kann ich nur beipflichten. Es macht wirklich Lust auf ähnliches. Und es erscheint einfach machbar, denn bisher bin ich davor zurückgeschreckt. Kannst du kurz was zu versicherungsrechtlicher Seite schreiben? Was wäre, wenn…?
    Ansonsten bin ich mit Vorgangsbeschreibung schon durch, aber da gibt es doch sicher andere filmideen… Liebe Grüße cubi

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Also unser Schulträger hat inzwischen keine Sachversicherung für die Gegenstände der Kinder. Was in der Schule kaputt geht wird nicht mehr durch die Versicherung ersetzt. Der Klassiker war hier immer der gute Pulli, der im Kunstunterricht versaut wird. Wenn jetzt das Tablet in der Schule kaputt geht, kann das ja ein sehr teurer Schaden sein. Evtl. kann man hier die Privathaftpflicht des Verursacherkindes in Anspruch nehmen, aber darauf sollte man sich nicht verlassen.
      Auch ein Diebstahl wäre nicht versichert. Das muss man den Eltern unbedingt transparent machen. Ich habe jetzt schon vierten Mal so ein BYOD-Projekt gemacht und es ist weder ein Gerät gestohlen worden, noch ist eines kaputt gegangen. *aufholzklopf*

  3. Butterblume sagt:

    Zwecks anderer Filmideen. Ich habe mit meiner dritten ein Erklärvideo zu einem Bilderbuch gemacht. Auch da hat sich das Medium bewährt. So intensiv hab ich die Schüler selfen an einem Text arbeiten sehen. 🙂
    Die Umsetzung bei einerVorgangsbeschreibung finde ich aber auch total spannend!

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