digital-kreatives Arbeiten mit Kinderliteratur – Folge 1: Szenen mit Audioguide

Wie bereits in der letzten Woche erwähnt, fand unsere vergangene Projektwoche als Lese-Projektwoche statt. Als Projektthema hatte jede Klasse ein Buch, zu dem es über verschiedene Zugänge arbeitete. Eine solche Projektwoche führen wir an unserer Schule alle vier Jahre durch. Bisher waren die Angebote, die von Lehrkräften (und Schülern) erdacht, entwickelt und umgesetzt wurden, ausschließlich im analogen Umfeld beheimatet: Lesekisten entwerfen, Kunstwerke zum Buch, Theaterstücke, mathematische Aufgabenstellungen aus dem Buch entwickeln, thematische passende Bewegungslandschaften in der Turnhalle, … das Angebot an Umsetzungsmöglichkeiten war immer breit gefächert, aber eben analog. Doch in diesem Jahr wurde es digital. Nicht nur durch die Stop-Motion-Filme (sie wären im Grunde dann Folge 2 dieser Serie), sondern auch durch eine Kollegin, die eine wunderbare Idee aus dem analogen Methodenspektrum aufgegriffen und digital „gepimpt“ hat. Ich nenne die Methode einfach mal „Szenen mit Audioguide“

Worum es geht

Zu ausgewählten Szenen eines Buch (in diesem Fall Momo) werden „Räume“ gestaltet. Diese Räume können Schuhkartons sein, in den mit Figuren (Lego, Playmobil, selbst gebastelt, …) und Requisiten eine Szene des Buchs nachgebaut wird. Es können aber auch kleinere oder größere Abschnitte des Klassenraums sein, in denen die Szenen nachgestellt werden. Die genaue Umsetzung richtet sich vor allem nach der Kreativität der Kinder, nach der Verfügbarkeit von Materialien und dem Platzangebot.

Anschließend haben die Kinder ihren Abschnitt des Buchs für einen Lesevortrag eingeübt (hier gibt es dazu übrigens einen schönen Beobachtungsbogen). Diese Lesevorträge wurden dann mit Tablets und Smartphones aufgenommen und als MP3-Datei abgespeichert. Alle Dateien wurden dann auf unserer Schulhomepage veröffentlicht, allerdings vorerst ohne Angabe, welche Datei zu welcher Szene gehörte.

Am Präsentationstag wurde dann im Klassenraum ein offenes WLAN eingerichtet, damit die Eltern mit ihren Smartphones auf jeden Fall schnellen Internetzugang hatten. Über einen QR-Code gelangten die Eltern direkt auf die entsprechende Seite unserer Homepage, wo sie sich dann Stück für Stück die MP3-Dateien anhören konnten. Dabei gingen sie im Klassenraum umher und mussten/konnten sich dann jeweils entscheiden, welche der aufgebauten Szenerien denn wohl zu dem Lesevortrag gehörten, den sie gerade am Ohr hatten. An den Szenarien selbst war denn eine Möglichkeit zur Selbstkontrolle angebracht.

Was man braucht

Die Methode lässt sich auf jedes Buch übertragen. Die nötigen Requisiten finden sich zumeist auch in den Kinderzimmern der Schülerinnen und Schüler. Ansonsten lässt sich vieles auch ganz leicht basteln.

Für die Aufnahme der Lesevorträge braucht es ein (ganz einfaches) Tablet oder Smartphone. Sowohl für Android, als auch für iOS gibt es kostenlose Apps, die Sprachaufnahmen im MP3-Format erlauben und sehr einfach zu bedienen sind. Damit können die Schüler in der Regel auch in Eigenregie die Aufnahmen durchführen. Sollte die eigene Schule noch keine Tablets haben: Kinder (und Eltern) sind erfahrungsgemäß gerne bereit, (ältere) Geräte von zu Hause mitzugeben.

Für die Veröffentlichung der Tonaufnahmen haben wir unsere Schulhomepage genommen, die auf WordPress basiert. Dort lassen sich MP3-Dateien einfach per Drag-und-Drop in eine Seite integrieren. Dort werden sie dann direkt mit einer Steuerleiste (Lautstärke, Start, Stop) angezeigt (auch auf Smartphones, also responsive). Der Veröffentlichung hat in diesem Fall die Klassenlehrerin übernommen. Die MP3-Dateien hat sie mit USB-Kabeln auf den Klassen-PC übertragen. Sollte die schuleigene Homepage nicht zur Verfügung stehen, kann man sich auf wordpress.com ganz leicht (und kostenlos) einen eigenen Blog einrichten.

Für die Präsentation ist ein WLAN im Klassenraum hilfreich. Smartphones haben eigentlich alle Eltern dabei gehabt. Für interessierte Schüler aus anderen Klassen haben wir zudem einige ältere Tablets gesammelt und als Leihgerät bereitgestellt. Ohne WLAN müssen die Eltern dann eben auf ihre Internetflats zurückgreifen. Um Links zu WLAN und Internetseite möglichst simpel zu halten, haben wir auch QR-Codes ausgehangen.

Worauf man achten sollte

Technische Stolperstellen gibt es wenige, da das Digitale hier (eigentlich) nur am Rande eine Rolle spielt, aber dennoch etwas möglich macht, was mit herkömmlichen Medien kaum möglich gewesen wäre.

Bei der Durchführung sollte man neben dem Klassenraum noch Zugriff auf weitere, stille Räume/Ecken der Schule haben, damit die Aufnahmen der Lesevorträge störungsfrei ermöglicht werden. Sollte es zu dem gewählten Buch auch einen Film geben, so würde ich diesen Film immer erst nach der Durchführung ansehen, um die Kreativität der Kinder bei der Gestaltung der Szenen nicht zu beeinflussen.

Wie sieht es aus, wenn es fertig ist?

Ein Beispiel ist noch auf unserer Schulhomepage zu sehen. Inzwischen sind Fotos der Szenerien mit den Tondateien verknüpft, so dass man sich auch einen Eindruck davon machen kann, wie kreativ Kinder bei der Umsetzung der Buchteile sein können.

Das könnte Dich auch interessieren...

1 Antwort

  1. 18. Mai 2017

    […] Zum vollständigen Beitrag: digital-kreatives Arbeiten mit Kinderliteratur – Folge 1: Szenen mit… […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: