Die spinnen, die Finnen!

Die deutsche Presse hat mal wieder einen Schul-Aufreger gefunden. Diesmal nicht in heimischen Gefilden, sondern im fernen Finnland. Die Finnen (DIE Finnen, die Pisameister Finnen!!!1Elf) haben sich gewagt die Handschrift aus der Schule zu verbannen. Sie musste noch nicht einmal in den T-Raum, sondern es gab den direkten Schulverweis. Die Finnen schreiben nur noch am Computer. Ausschließlich. Ganz vielleicht auch am Tablet. Aber ganz bestimmt nicht mit der Hand.

Das Finnland die HANDschrift abschafft, stand u.a. beim guten alten Spiegel. Da viele Zeitungen und Newsportale einfach nachschreiben, was der Spiegel so schreibt, war es also quer durchs Internet zu lesen. So ist es aktuell noch bei GMX und RP Online zu lesen. Der Spiegel hat inzwischen gemerkt, dass der Übersetzer irgendwie unsauber gearbeitet hat. Es geht den Finnen keineswegs um die HANDschrift, sondern um die SCHREIBschrift. Druckschrift schreiben die Finnen sehr wohl noch in der Schule. Und auch diese Buchstaben muss man natürlich irgendwie mit der Hand aus dem Bleistift herauskitzeln.

Finnland schafft die Schreibschrift ab klingt aber auch nicht so revolutionär, denn dies haben schon andere Länder zuvor gemacht. Deutsche Bundesländer sogar. In NRW zum Beispiel ist im Lehrplan als Kompetenzziel nur von einer „verbundenen Handschrift“ die Rede. Das KANN die Schreibschrift sein. Das kann aber auch die Grundschrift sein. Der große Unterschied zum finnischen Modell ist, dass das Schreiben mit der Tastatur keinen so hohen Stellenwert im Lehrplan hat. Vielleicht, weil man sich sehr wohl bewusst ist, dass man dazu die Schulen auch adäquat ausstatten müsste, was wiederum Geld kostet? Man weiß es nicht. In Finnland scheint dies kein Problem zu sein. Vielleicht sind die Finnen deswegen Pisameister. Und vielleicht spinnen sie doch nicht, diese Finnen.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn man es ganz genau betrachtet, ist die Schreibschrift erst durch die Faulheit unserer Vorfahren entstanden. Das lateinische Alphabet kannte zunächst nur Großbuchstaben in Druckschrift. Erst durch den Wunsch, schneller schreiben zu wollen, sind die Buchstaben ineinander übergegangen. So betrachtet ist es kein wirklicher Verlust, wenn man die Schreibschrift nicht mehr lernt. Solange man sie wenigstens noch lesen kann. Aber ich muss zugeben, dass ich heute bei Sütterlin auch Schwierigkeiten habe und dann Kollegen fragen muss. Ich als ursprünglich gelernter Maschinenbauer kann die Schreibschrift sowieso nicht mehr, weil ich in meiner Ausbildung seitenweise Normschrift üben musste. Meine heutige Schreibschrift besteht nur noch aus Druckbuchstaben, die ich aber sehr schnell und sauber zu Papier bringen kann. Wichtig ist, dass die Kinder überhaupt noch lernen, etwas mit der Hand zu schreiben. Aber davon abgesehen habe ich im Bekanntenkreis noch nicht gehört, dass in der Schule echtes 10-Finger-Tastaturschreiben beigebracht wird. Vielleicht wäre das mal eine (zusätzliche) Idee?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.