Die Lizenz zum Ärgern?

Seit Mitte Mai schwappt eine Meldung durch die Presse, die nun in (Teilen von) NRW auch in den Schulen publik gemacht wurde. Es geht um den Umgang mit Bildern (und im Grunde auch anderen Werken), die unter creativecommons-Lizenz (einer sogenannten cc-Lizenz) veröffentlicht wurden.

CC-Lizenz, was ist das?

Für eine ausführliche Erklärung empfehle ich die offizielle Seite der creative commons oder die Erläuterungen von Andreas Kalt. Kurz gesagt: Mit Hilfe einer CC-Lizenz kann ich meine Werke anderen Menschen kostenlos oder zum Kauf anbieten und ihnen dabei bestimmte Rechte einräumen. Gewissermaßen ist es ein vorgefertigter Kauf- bzw. Nutzungsvertrag, der dem Nutzer bestimmte Rechte einräumt. Eingeräumt wird immer das Recht, das Werk weiterzuverbreiten. Dabei muss immer der Name des Autors genannt werden. Die Weiterverbreitung kann nur in einem begrenzten Rahmen eingeschränkt werden: kommerzielle Nutzung kann bspw. ausgeschlossen werden oder die Bearbeitung des Werkes. Die Weitergabe als solches kann aber nicht weiter eingeschränkt werden, z.B. dass das Werk nur im Rahmen des Unterrichts an Schüler weitergeben werden darf.

Abmahnung droht

Elementarer Bestandteil der cc-Lizenzen ist jedoch immer, dass der Name des Autors mit Angabe eines Werktitels und mit Verweis auf die Lizenz erfolgen muss. Die Nennung sollte im besten Fall direkt am Werk erfolgen, kann aber auch im Rahmen eines Quellenverzeichnisses geschehen. Der viel wichtigere Punkt ist jedoch: der Autor kann Zusatzregeln für die Namensnennung festlegen. Er kann z.B. die Angabe eines Links zu seiner Homepage verlangen oder festlegen, dass die Quelle in jedem Fall am Werk genannt werden muss. Und exakt dies ist der Punkt, weswegen man auch wegen der an sich sehr offenen und freien cc-Lizenzen abgemahnt werden kann. Verstößt man gegen die Auflagen der Namensnennung, so verstößt man auch gegen die gesamte Lizenz. Hier sind zwei sehr aktuelle Fälle genannt, in denen es zu erfolgreichen Abmahnungen kam. Bislang betrifft es vor allem Bilder auf Homepages (auch Schulhomepages), es könnte aber auch durchaus Bilder in PDF-Dateien betreffen. Streng genommen könnte man auch für ein Arbeitsblatt abgemahnt werden, das man nur für seinen Unterricht erstellt hat und nur in diesem Rahmen verteilt hat.

Eine weitere Falle könnte sein, dass man selbst Material mit cc-Lizenz veröffentlichen will, darin aber Bilder verwendet, die nicht unter einer solchen Lizenz stehen. Wenn ich beispielsweise bei fotolia Bilder gekauft habe und in meiner Datei verwende, dann darf ich diese Datei nicht als cc-Material anbieten, da ich damit das Bild unterlizensieren würde, was bei fotolia nicht erlaubt ist.

Auf Nummer sicher gehen

Natürlich sind die Abmahnungen Einzelfälle. Aber dennoch ist Vorsicht geboten. Sollte dieses „Geschäftsmodell“ Nachahmer finden, könnte es sich für graue Schafe durchaus lohnen, bewusst Fallen im Internet zu stellen.

Wer cc-Material nutzen oder selbst welches erstellen will, der sollte sich zuvor unter den o.g. Links mit den Lizenzen beschäftigen. Mit dem Lizenzhinweisgenerator gibt es ein hilfreiches Tool, mit dessen Hilfe sich gültige Lizenzhinweise zu cc-lizensiertem Material erstellen lassen. Einfacher geht es kaum noch. Und dann hat man auch keine Lizenz zum Ärgern mehr.

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4 Antworten

  1. Hanne sagt:

    Hallo Florian,
    danke für die interessante Information. Wenn ich mir zum Beispiel Gabis EM-Forscherheft in der „Originalversion“ auf ihrem Blog anschaue (sie hat zu Recht nur Fotos gepostet), dann entdecke ich dort unterschiedliche Bilder aus dem Internet und aus käuflichen Materialien, die eingefügt wurden. So erstelle ich meine Arbeitsblätter auch häufig. Wenn ich solche Arbeitsblätter an meine Schüler verteile und sie bspw. als Hausaufgabe mit nach Hause gebe, kann es sein, dass mich nicht wohlgesonnene Eltern abmahnen lassen?
    Das lässt mich meine Arbeitsblattgestaltung natürlich überdenken…
    Viele Grüße
    Hanne

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Ganz so dramatisch ist es zum Glück nicht. Abmahnen lassen kann ja immer nur der Geschädigte, also der Inhaber der Urheberrechte. Da müssten die Eltern schon mit diesem Kontakt aufnehmen bzw. ihn erstmal ausfindig machen.
      Das gilt übrigens auch, wenn man ein Arbeitsblatt aus mehreren zusammenschnipselt (so richtig old-school mit Schere und Kleber am Kopierer) und dann keine Quellenangabe dazu setzt.

  2. Dirk Küpper sagt:

    Wieso muss man das Rad neu erfinden. Es gibt bereits so viele OER Materialien im Internet. Einfach die nehmen und seinen Bedürfnissen anpassen. Da kann auch NRW und der Papst nichts gegen machen!

  3. Danke für deinen Beitrag Florian, wir haben auch schon häufig beobachtet, dass viele Menschen CC-Lizenzen per se mit „tu-was-du-willst“-Lizenzen verwechseln. CC bedeutet natürlich, dass man ein Werk kostenlos verwenden kann, aber eben in dem Rahmen, wie es der Lizenzgeber will (was ja nun wahrlich nicht viel ist, wenn man es mit anderen Nutzungsbestimmungen vergleicht). Mit CC-BY müssen entsprechend auch Lehrer den Namen des Urhebers in der Quelle mit angeben (sowie den Verweis auf die Lizenz, den Titel (bis zu den Versionen 4.0) und einen Hinweis ob verändert wurde). Wenn das Werk eine CC-BY-ND Lizenz hat, dürfen es Lehrer z.B. nicht bearbeiten. Wir empfehlen daher immer wieder sich auf die drei wirklich offenen Lizenzen zu beschränken: CC-0 (keine Angabe des Autors usw. notwendig, aber good practice: CC-0 neben die Quelle schreiben), CC-BY (Namensnennung und siehe oben) und CC-BY-SA (Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Damit bleibt es übersichtlich und die Fehlerquote sinkt.
    Im Falle eines Arbeitsblattes oder vielmehr eines kleinen e-books mit signifikanten Anteilen eigener Inhalte, welches ein gekauftes Bild von fotolia enthält, kann der Lehrer, der es unter CC lizenzieren möchte, jedoch unten angeben, dass das Werk unter CC steht, „wenn nicht anders gekennzeichnet“. Er kennzeichnet entsprechend das Bild von fotolia als solches und damit entfällt es der werksweiten Regelung.
    Höchstwahrscheinlich ist das Arbeitsblatt jedoch garkein Gesamtwerk und damit als ganzes nicht lizenzierungsbedürftig. Es ist vielmehr eine „Werkszusammenstellung“ und dieses braucht keine Lizenz für sich. Das gilt dann, wenn der Lehrer eigene Inhalte und fremde Inhalte kombiniert. Viele Inhalte auf typischen Arbeitsblättern können eh nicht geschützt werden, weil sie das Mindestmaß an kreativer Leistung nicht überschreiten (Aufgabenstellungen z.B. sind eben allgemeine Sprache und damit wenig schützenswert, es sei denn ich verfasse sie als Sonett oder es gibt andere deutlich erkennbare Besonderheiten).
    Bei Arbeitsblättern ist es also für gewöhnlich ausreichend, die Teile, die ich von woanders her nehme entsprechend der Bedürfnisse des Urhebers zu kennzeichnen (sicherlich macht auch fotolia Angaben, wie dies zu geschehen hat).
    Damit geht es dann schon wieder ziemlich schnell und unproblematisch. Und man hat wieder eine Lizenz zum Freuen 😉
    Viele Grüße
    Thomas

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