#didacta16: Die ersten Eindrücke

Heute habe ich den ersten halben Tag auf der didacta16 verbracht. Ein weiterer halber Tag wird folgen, auf dem ich mich dann noch einmal vertieft mit einigen Dingen beschäftigen kann. Hier habe ich ein paar erste, ungefilterte Eindrücke:

Eindruck 1: Digitales noch und nöcher

Digitalisierung ist DAS Thema auf der Didacta. Nicht nur Halle 9 bietet viele Stände zu diesem Thema, auch in den Hallen 6 und 7 sind Tablets und Digitales die Hingucker Nummer 1. Mit einigen Anbietern bin ich auch ins Gespräch gekommen. Dabei ist noch einmal deutlich geworden: die Digitalisierung wird Geld kosten. Viel Geld kosten. Selbst wenn man voraussetzt, dass die Schulträger die Schulen vorbildlich mit WLAN, Breitbandinternet und Geräten ausstatten, werden die Anwendungen noch einmal sehr viel Geld verschlingen.

Beispiel 1: Das Lehrwerk Denken und Rechnen gibt es nun auch in einer interaktiven Variante. Komplett online und auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Scheinbar werden hier (endlich) viele Vorteile eines digitalen Schulbuchs ausgenutzt. Anders als bei den zaghaften Versuchen von Cornelsen, deren eBooks gewissermaßen nur eingescannte Papierbücher sind. Dies lässt sich die Verlagsgruppe Westermann aber auch fürstlich entlohnen: 14,50€ pro Schüler und Schuljahr. Das Papierbuch ist zwar mit knapp 20€ zwar teurer, wird aber bei guter Pflege auch 3-4 Durchgänge halten. Also pro Schüler und Schuljahr im besten Fall nur 5€ kosten. Wenn man dann noch überlegt, dass man solche interaktiven Lehrwerke auch in Deutsch und Englisch (und Sachunterricht) nutzen könnte, dann kommen hier ordentliche Summen zusammen.

Beispiel 2: Der Anbieter einer umfassenden Lernplattform ruft als Lizenzpreis für 500 Schüler (das kleinste Paket) einen deutlich vierstelligen Betrag aus. Und in diesem Betrag sind noch nicht einmal alle Möglichkeiten der Plattform inbegriffen. Um zum Beispiel in der Lernplattform Videos der FWU oder Lernprogramme von scoyo einzubinden, müssen weitere Lizenzen gekauft werden. Für kleinere Schulen wird dies eine große Aufgabe sein, hier zu einer guten Finazierungslösung zu kommen.

Eindruck 2: Nicht alles glänzt, was digital ist

Kopfschüttelnd verließ ich den Stand eines Anbieters von Tablets für Grundschulklassen. „43% höheren Lernerfolg“ verspricht man. Das würde ich sofort kaufen, wenn die versprochenen Zahlen stimmten. Auch hier wird wieder zu üppigen Preisen angeboten, aber Geräte, Versicherung und Wartung sind kostspielig. Daher schaute ich mir die Geräte näher an. Das Gerät besteht aus einer Fülle an Lernspielen bzw. Lernsoftwareteilen für alle Klassenstufen. Im Grunde nichts anderes als das, was man schon lange für den PC bekommt. Lernangebote, die bei der Lösung nur zwischen falsch und richtig unterscheiden können, aber weder Hinweise zu falschen Lösungen geben, noch eine Analyse der Fehler vornehmen. Letztlich sind die Apps als nur digitale Umsetzungen eines analogen Arbeitsblattes. Viel gravierender fand ich jedoch die Tatsache, dass man auf den angebotenen Android-Tablets keine weiteren Apps installieren kann oder darf. Erstellung von Hörspielen oder Stop-Motion-Filmen, die gute Hallo-App von phase6 … all das, was man mit Tablets endlich so schön umsetzen könnte, wird es bei diesem Anbieter nicht geben. Schade. Sehr schade.

Eindruck 3: Mit bunten Klötzchen nach Digitalien

Kannte man Lego in der Schule bisher eher aus dem Informatikunterricht, so will Lego unter dem Label Lego Education nun auch in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht eine Rolle spielen. An deren Stand war der Bär los, daher konnte ich nur einen kurzen Blick auf das Material zum Fach Deutsch werfen. Es war auf den ersten Blick interessant, da es über das Bauen mit Lego eine Verbindung zwischen Storytelling und dem Einsatz digitaler Medien herzustellen versucht. Auch hier gilt leider wieder: teuer. Ein Klassensatz für 24 Schüler kostet für das Fach Deutsch knappe 800€. Vielleicht kann ich mich am Samstag mal näher damit befassen. Es ist auf jeden Fall mal eine neuer Ansatz, der über die bisher bekannten Brick-Films hinausgeht.

Eindruck 4: Nicht alles ist digital

Die Anbieter versuchen ja wirklich aus allem Kapitel zu schlagen, was sich irgendwie digital erstellen und vermarkten lässt. Vom Vertretungsplan über den Mensaspeiseplan bis zur Elternevaluation. Wieso aber versucht aber kein einziger Anbieter mal ein Klassenbuch in digitaler Form anzubieten? Das muss ich weiter von Hand führen.

Eindruck 5: DaF es ein bisschen Material sein

Die Verlage haben in der Tat (auf die Schnelle) alles das zusammengekratzt. was sie so an DaZ- und DaF-Material gefunden haben. Das Interesse an diesem Material ist groß. Der Wert mitunter überschaubar. Das bisher vorhandene DaZ-Material passt einfach nicht für Kinder, die kein Wort Deutsch sprechen und u.U. nicht der lateinischen Schrift mächtig sind. Hier hatte ich gehofft „den goldenen Gral“ zu finden. Leider sind es nur ein paar aufpolierte Blechkrüge geworden.

Ein paar offene Fragen habe ich noch, die ich hoffentlich beim zweiten Besuch klären kann:

  • Was ist das besondere an diesen Hokki-Dingern, mit denen so viele Leute rumrennen. Das ist doch nur ein Hocker, oder?
  • Wie komme ich an das fantastische Surface-Book, dass bei co.tec in der Auslage steht?
  • Wieso kann man auf der didacta Haferflocken kaufen?

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7 Antworten

  1. Karl Kirst sagt:

    Danke für diese Einblicke in die diesjährige Didacta! Das ist für meinen morgigen halbtägigen Besuch schon mal eine gute Vororientierung.

    Ein digitales Klassenbuch gibt es schon als Ergänzung zu WebUntis: Das elektronische Klassenbuch, das sich an unserer Schule mit Sekundarstufe I und II, soweit ich dies beurteilen kann, durchaus bewährt: webuntis elektronisches klassenbuch

  2. Karl Kirst sagt:

    Danke für diese Einblicke in die diesjährige Didacta! Das ist für meinen morgigen halbtägigen Besuch schon mal eine gute Vororientierung.

    Ein digitales Klassenbuch gibt es schon als Ergänzung zu WebUntis: Das elektronische Klassenbuch, das sich an unserer Schule mit Sekundarstufe I und II, soweit ich dies beurteilen kann, durchaus bewährt: http://www2.grupet.at/de/produkte/webuntis/klassenbuch.php

  3. Anna sagt:

    Haferflocken = Grundnahrungsmittel vieler Lehrer
    Lehrer = tendeziell öko und ganzheitlich unterwegs (und das meine ich wertneutral)

  4. Susanne sagt:

    Das ist nicht nur ein Hocker, sondern ein Bewegungssitz, der gerade von unruhigen Kindern sehr gerne angenommen wird. Die Kinder können damit beim Lernen bzw. allgemein mehr in Bewegung sein. Meine Kinder lieben ihn und ich habe damit gute Erfahrungen gemacht!

    • Karl Kirst sagt:

      Ach, deshalb! – Ich war heute auf der Didacta und habe mich darüber gewundert, dass so viele Leute mit einem für mich irgendwie eigenartigen Kunststoff-„Hocker“ liefen … Jetzt weiß ich, warum 😉

  5. Maren sagt:

    Huhu,
    danke für den Einblick in deinen ersten Didacta-Tag! Auch ich werde sie vorraussichtlich am Freitag unsicher machen.
    Zu deiner Neuentdeckung „Lego Education“: ich arbeite mit dem Story Starter Kasten seit eineinhalb Jahren immer wieder im Deutsch-aber auch im Reliunterricht. Die Kids lieben es und schreiben anschließend sogar gerne Geschichten, Gedichte…. Ich kann es nur empfehlen. Als Tipp für die doch hohen Anschaffungskosten: schau dich mal nach Möglichkeiten für Förderanträge um. Damit hab ich Projektorientiert (z.B. Sprachförderung) schon Geld für diese Kästen locker machen können. Gleiches gilt für die Lego-Education Mindstorms Kästen. Hier bauen und programmieren die Kids (4. Klasse, und fitte Kinder) Roboter für bestimmte Aufgabenstellungen. Diese Legoboxen sind allerdings im Bereich der Sek I ausgestellt…
    Viele Grüße!

  6. Monika sagt:

    auch ich war da, meine Eindrücke:
    Wie immer viele Rollkoffer unterwegs zu überladenen Ständen mit oft wenig informierten Leuten dahinter/darin: Bei Lego etwa musste extra jemand aus dem Workshop geholt werden, um mir eine Frage zum Mindstorm-Material zu beantworten. Die Antworten waren ausweichend und teilweise sachlich falsch.
    Bei einem Zeichenmaterial-Stand musste der angefragte Preis erst lange in einem Katalog herausgesucht werden, obwohl es sich um das meistbeworbene Produkt der Firma handelte. Ich könnte noch so ein paar Erlebnisse auflisten. Ja, die digitalen Dinge machten oft den Eindruck: interaktiv um jeden Preis, auch wenn es analog (handelnd) in vielen Fällen sinnvoller wäre. Die Grundschultablets hatten wir 1 Monat im Test an der Schule, wobei die Übungen grafisch so ansprechend aufbereitet sind wie die uralten Versionen (90er Jahre) von Budenberg. Ohne eine stabile und starke WLAN-Verbindung klappt da allerdings nichts. Bei uns konnten max. 5-7 Kinder gleichzeitig damit arbeiten, sonst brach alles zusammen.

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