Didacta und Flucht

In gut drei Wochen wird es wieder so weit sein. Gegen Abend wird der Bahnhof Köln-Deutz wieder von ausgemergelten, erschöpften Menschen bevölkert sein, die einen Koffer mit sich führen, in den sie hastig all das hineingestopft haben, was sie in der Schnelle ergattern konnten. Ihre Körper werden geschunden sein von dem Gedränge und Geschiebe, dass auf ihrem mühsamen und langen Weg herrschte. All diese Menschen kamen mit einem einzigen Ziel in unser (Rhein-)land: Bildung.

Wer schon einmal auf der didacta zu Besuch war wird wissen, dass ich keineswegs übertreibe, denn die Sammelwut so manches Kollegen nimmt doch mitunter bizarre Züge an. Ob es dabei letztlich noch um Bildung geht … darüber ließe sich bestimmt streiten. Aber das Thema „Flucht“ habe ich nicht ganz unbewusst ins Spiel gebracht, denn ich vermute mal, dass dies (auch) auf der didacta eine große Rolle spielen wird. Denn nüchtern betrachtet winkt den Verlagen hier in den kommenden Jahren ein Wahnsinnsgeschäft. Alleine NRW hat im letzten Jahr 2600 neue Lehrerstellen geschaffen, da man 40.000 Flüchtlingskinder in den Schulen erwartete. In diesem Jahr werden es mit Sicherheit noch einmal deutlich mehr Kinder werden, da (zumindest in NRW) viele Asylsuchende erst in die Schulen kommen, wenn sie die Erstaufnahmeeinrichtungen verlassen konnten. Und die Beschulung dieser Kinder verlangt nach Material. Nein, eigentlich verlangt sie nach mehr, nach Konzepten, nach gut ausgebildeten Fachkräften, nach Geduld, nach Zeit, nach einer Willkommenskultur … aber auch nach Material. In den Ballungsräumen kennt man sich mit dem Unterricht von Kindern mit wenigen/keinen Deutschkenntnissen vielleicht etwas besser aus, aber in ländlicheren Regionen mag das vielleicht schon anders aussehen. Da werden nicht wenige Schulen/Schulträger einiges Geld in die Hand nehmen müssen, um für eine adäquate Ausstattung zu sorgen. Geld, dass einige Aussteller auf der didacta auch gerne einnehmen würden: Hersteller von Schulvernetzungslösungen, von interaktiven Boards oder Tabletkoffern. Aber ich vermute, dass der große Run eher auf DaZ-Material losgehen wird, auch wenn ich bei einer ersten Durchsicht der Kataloge gar nicht feststellen konnte, dass dort so viel Neues im Angebot ist. Ich bin gespannt, ob ich mit meinem Blick in die Glaskugel Recht haben werden.

Ich würde gerne (auch) an dieser Stelle einmal sammeln, welche Materialien (kostenlos und kostenpflichtig), Internetangebote, Methoden, Ideen zum Thema DaZ/Unterricht von geflüchteten Kindern empfehlenswert sind. Parallel sammle ich auch in einem Forum. Gerne würde ich die Sammlung am Ende in das Grundschullernportal übertragen, damit sie interessierten Kolleg*innen schnell und einfach bereitsteht.

Fürs Erste empfehle ich die tolle „Hallo-App“ des Mildenberger-Verlags, die noch bis Juli kostenlos sein wird: https://www.mildenberger-verlag.de/page.php?modul=GoShopping&op=show_article&aid=11081&cid=606

Zur Diagnostik/Lernbegleitung gibt es auf dem Bildungsserver des Landes Sachsen ein tolles Dokument: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/14490

Im Willkommens-Wiki der ZUM finden sich auch viele nützliche Hinweise, nicht nur für die Schule: http://wikis.zum.de/willkommen/Hauptseite

Ich würde mich freuen, wenn mein Aufruf ein wenig Gehör findet.

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7 Antworten

  1. Vanessa sagt:

    Hallo Florian!
    Als sich zur Sammelwut bekennenden – aber nicht zur Didacta fahrenden Kollegin 🙁 ….- fällt mir zum Thema „DAZ“ ein –> Anybookreader! Ein kleiner besprechbarer Stift (genau wie TipToi funktionierend), der sicherlich keinen Lehrer/ Muttersprachler ersetzt – aber den Kindern im Schulalltag etwas Selbstständigkeit ermöglicht. Eine Freundin von mir setzt ihn seit Jahren im Förderunterricht für die Go-In-Kinder ein – und hat bisher gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Gegenstände oder Bilder werden mit Stickern beklebt, die vorher mit einem passenden Wort oder Satz besprochen werden bzw. über den Reader eingelesen werden.
    Die Kinder sind motiviert – und ich habe einen bei mir in der Klasse, den ich auch für die Nicht-Leser nutze, da sie mit seiner Hilfe mündliche Arbeitsaufträge oder Ähnliches eigenständig abrufen und erledigen können!
    Vielseitig einsetzbares Teilchen – nicht ganz günstig- aber ich glaube, die Ausgabe lohnt sich!

    Und du hast Recht – Materialien alleine werden diesen Kinder so gar nicht gerecht!
    Viele Grüße ins Rheinland aus dem Münsterland – Vanessa

  2. Fabian sagt:

    Hallo Florian,
    auf der folgenden Seite gibt es zahlreiche Illustrationen, die ehrenamtlich speziell für den Unterricht mit Flüchtlingskindern gezeichnet wurden:

    http://www.illustratorenfuerfluechtlinge.de/

    Viele Grüße,
    Fabian

  3. Karl Kirst sagt:

    Neben der „hallo“ App für Kinder gibt es jetzt auch ein zweite „hallo“ App für Erwachsene, die sicherlich auch für ältere Jugendliche geeignet ist:

    Auf ZUM-Willkommen.de (http://zum-willkommen.de; schon oben genannt) finden sich diese und andere Tipps. – Ich fände es toll, wenn es gelingen könnte, sinnvolle Tipps, Materialien und Linklisten untereinander zu verlinken – und auch gerne gegenseitig zu ergänzen. Denn der Bedarf nach sinnvollen, kostengünstigen und gerne auch OER-Angeboten ist sehr groß und wird in den nächsten Monaten sicherlich weiterhin steigen. Bei uns an unserer Schule erlebe ich diesen Trend im Moment hautnah mit.

  4. Karl Kirst sagt:

    Eigentlich wollte ich in meinem vorigen Beitrag nach dem Doppelpunkt noch die Links zu den „hallo“ Apps einfügen:
    https://www.phase-6.de/hallo/
    https://www.phase-6.de/hallo/kinder/
    https://www.phase-6.de/hallo/erwachsene/

  5. Jungenmama sagt:

    WOW, was für eine tolle Sammlung! Nicht nur für Grundschullehrer, auch für Ehrenamtliche die den Kindern im Erstaufnahmelager schon etwas beibringen wollen…
    Danke!

  6. Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

    Ich habe jetzt angefangen eine erste Wikiseite zu erstellen und auch ein erstes Dokument erstellt und hochgeladen:
    http://grundschullernportal.zum.de/wiki/Deutsch_als_Zweitsprache
    http://grundschullernportal.zum.de/wiki/Datei:WichtBegMath.pdf

  7. Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

    Ein weiterer App-Tipp ist die Translate-App von Google. Sie ist kostenlos in den Appstores zu haben und kann deutschen Text (auch eingesprochenen) ruckzuck in die arabische Sprache und Schrift übersetzen und auch vorlesen. Natürlich rede ich in 90% der Fälle Deutsch mit den Kindern, aber komplexere Sachverhalte bekomme ich auf diese Weise recht effektiv erklärt.

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