Der MedienMittwoch

Vor knapp einem Jahr hatte ich die Möglichkeit, am LernLabSchule der Bertelsmannstiftung in Berlin teilzunehmen, einer Tagung rund um Schule und digitale Medien. Dort kam in der abschließenden Fishbowl-Runde die Frage auf, wie nachhaltige Lehrerfortbildung in Bezug auf digitale Medien aussehen könnte. Schon damals kam mir die Idee in den Sinn, wieso man nicht (einfach?) das Konzept der Barcamps auf regionaler Ebene installiert und regelmäßig durchführt:

Diesen Gedanken trug ich dann einige Zeit mit mir herum, habe ihn aber immer wieder vor mir hergeschoben, weil beruflich und privat einige Änderungen anstanden. Nun habe ich die Idee in abgewandelter Form umgesetzt und möchte kurz von den Erfahrungen berichten.

Worum geht es?

Fortbildungen im allgemeinen, insbesondere aber zu digitalen Themen haben (oft) das Problem, dass sie einmalige Veranstaltungen sind. Ich lerne im Rahmen einer Fortbildung vielleicht ein Konzept, eine Methode oder eine Unterrichtsidee kennen. Mit dieser Idee setze ich mich dann in Form von Rollenspielen oder einer Explorationsphase auseinander. Diese Phasen bleiben jedoch immer ein Stück weit theoretisch, denn ich setze die Methode nicht in meiner Lerngruppe um und kann somit bestenfalls antizipieren, welche Problem- und Fragestellungen im konkreten Einsatz auftreten könnten. Probiere ich das Gelernte dann in der echten Praxis aus, dann ergeben sich vielleicht ungeahnte Hürden, zu denen ich mir nun nicht mehr direkten Rat einholen kann. Vielleicht lasse ich daraufhin (schlimmstenfalls) die Brocken frustiert fallen und stelle fest: diese Idee/Methode/Technik passt für mich nicht. Dann war die Fortbildung (für mich) nicht nachhaltig. Bzgl. digitaler Themen ist diese Gefahr besonders groß, da hier neben didaktischen und pädagogischen Fragen auch noch ggf. technische Probleme mit dazukommen. Es gibt mehr Stolperfallen, an denen mein eigenes Fortkommen letztlich scheitern kann.

Daher halte ich es für besonders wichtig ein Format zu schaffen/ zu etablieren, das durch eine gewisse Regelmäßigkeit Raum für (Nach-)Fragen und Vertiefung schafft.

Meine erste Idee

Meine erste Idee war es nun, innerhalb unserer Kommune ein kleines, regelmäßiges „Barcamp“ zu digitalen Themen zu installieren. Interessierte Lehrkräfte der Grundschulen treffen sich (so die Idee) einmal im Quartal. Im Vorfeld werden möglichen Themen durch die Teilgebenden vorgestellt, aus denen diese dann ein Thema auswählen können, welches bei der Sitzung durchgeführt wird (bei ausreichendem Interesse und Räumen auch gerne zwei Themen, aber man will ja klein beginnen). In einer begleitenden Lernplattform sollten dann Dokumente, Erfahrungen und Fragen ausgetauscht werden können. Hierzu hatte ich sowohl die Lernplattform, als auch ein kleines Konzeptchen verfasst und entwickelt (bei Interesse schreibe ich gerne mehr darüber).

Meine zweite Idee

Aufgrund aktueller Entwicklungen an unserer Schule ist es jedoch notwendig geworden, den Schwerpunkt der Medienarbeit erstmal nur an unsere Schule zu verlegen. Dort, wie vermutlich an (fast) jeder anderen Grundschule auch, gibt es eine gewisse „digitale Kluft“, also eine sehr heterogene Durchmischung bzgl. der Medienkompetenz. Entsprechend groß ist mitunter die Scheu, digitale Medien in den Unterricht zu integrieren. Verständlicherweise, denn im Kunstunterricht ist „Stricken“ auch nicht gerade mein Favorit. Nun ist aber Stricken keine wichtige Kompetenz des 21. Jahrhunderts … der kompetente Umgang mit digitalen Medien hingegen wohl schon. Von daher halte ich es für sehr wichtig, den Kollegen bestimmte technische und didaktische Grundlagen an die Hand zu geben, um darauf aufbauend bei der eigenen Unterrichtsentwicklung, aber auch bei der Schulentwicklung digitale Medien sinnvoll integrieren zu können. Lernen mit digitalen Medien kann auch schon in der Grundschule deutlich mehr als Antolin und Word.

Der MedienMittwoch

Also habe ich kurzerhand den MedienMittwoch eingeführt. Einmal im Monat lade ich (auf freiwilliger Basis) in unseren Medienraum ein und stelle ein kleines Thema vor. Optimalerweise hat dieses Thema eine „niedrige Einstiegsschwelle“, um auch Anfängern schnelle Erfolge zu ermöglichen. Heute war es z.B. die Seite learningapps.org, auf der man sich (oder Schüler sich) leicht kleine Übungsprogramme zusammenstellen kann. Die Grundfunktionen waren in 20 Minuten am Beamer dargestellt, die folgenden 40 Minuten waren dann frei für eigene Versuche. Eigentlich sollte die Veranstaltung nur 60 Minuten dauern, aber am Ende war ich der Erste, der den Raum verlassen hat. Alle Fragen waren geklärt und alle wollten noch weiter an ihrem Übungsprogramm arbeiten. Und alle hatten am Ende ein Ergebnis, mit dem sie höchst zufrieden waren. Jeder möchte das jetzt auch mal im Unterricht ausprobieren, vielleicht sogar mit der Erstellung der Apps durch die Schülerinnen und Schüler. Was will man mehr? Interessant war auch die Äußerung unserer LAA: „Wieso lernt man sowas eigentlich nicht im Seminar.“ Das bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars. Lernen mit digitalen Medien ist auch im Jahr 2016 noch nicht wirklich in der Ausbildung angekommen.

Nun kann man/können die Kollegen bei der Unterrichtsplanung überlegen, an welchen Stellen die Integration von learningapps eine sinnvolle Alternative sein kann oder vielleicht sogar neue Perspektiven eröffnet.

Für die folgenden Sitzung werde ich nun im Vorfeld verschiedene Themen zur Wahl stellen. Und hoffentlich kann ich das Format dann auch bald nach außen öffnen und Kolleg*innen der umliegenden Schulen einladen … die dann vielleicht auch einmal eine Sitzung vorbereiten.

Kommentare (10) Schreibe einen Kommentar

  1. Wie schade, das Hennef nun doch wirklich zu weit weg ist! Ich wäre dabei!
    Mit genau solchen kleinen, an das eigene System und die Kollegen angepassten Veranstaltungen habe ich als Medienbeauftragte auch die besten Erfahrungen gemacht. Hoffentlich finde ich bald auch mal wieder Zeit dafür!
    Katha

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  2. Super Idee. Passt. Letztlich ist das der einzige Weg, Lehrkräfte auf den Weg zu bringen. Es braucht Veranstaltungsformate, welche nachhaltig sind und die Lehrkräfte im Unterrichtsalltag begleiten. Man muss sich vernetzen und immer wieder austauschen über Erfolge und Misserfolge und ein Forum haben, in welchem man Rückkopplung und Anregungen bekommt. Im Grunde genommen entsteht so für den Einzelnen nichts weiter als ein PLN, eben nur analog.
    Das kann ganz im Kleinen funktionieren, wie in deinem Kollegium, und auf schulübergreifend, wenn man entsprechende Gruppen einrichten kann. Ganz wichtig finde ich auch, dass man Schulen vernetzt. Richard Heinen beschreibt das so schön, wie sich die Schulen gegenseitig unterstützen und befruchten, in seinem Projekt mit Schulen.
    Eine Vernetzung kann zur Not auch über soziale Medien erfolgen. Ich traf mal auf eine Gruppe Lehrerinnen in den USA, die sich über Twitter verabredeten, bestimmte Dinge in ihren Lerngruppen auszuprobieren. Anschließend tauschten sie sich darüber aus.

    Letztlich ist es mit Lehrern und Schulen als Lernende und lernende Organisationen nicht anders als mit Schülern in Lerngruppen. Man trifft auf höchst heterogene Gruppierungen. Will man die alle über einen Kamm scheren, geht das ganz sicher schief. Also ist auch hier Differenzierung angesagt, Personalisierung des Lernens.

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  3. Sehr schöne Idee! Weiter so!
    Ich habe ähnlich Ende des letzten Schuljahrs mit „Mikrofortbildungen“ im eigenen Kollegium angefangen. Zunächst viel zu vollgepackten anderthalb Stunden folgten Einheiten mit weniger Input und mehr Praxis. Als nächstes stehen – Zufall? – „LearningApps“ auf dem Programm.
    Bisherige Themen: „Kollaboration & Kooperation“ (besser: auf ein, zwei Tools beschränken), „Noteneingabe am PC“ (für einige KuK halbjährlich immer wieder überraschend neu) und unser „SchulWIKI“ (natürlich bei der ZUM).
    Ich bin gespannt, was bei dir zukünftig stattfinden wird…

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  4. Diese Seite, learningapps, – tolles Teufelszeug 😉 Hat mich gestern echt Stunden beschäftigt und meine Nachtruhe empfindlich verkürzt … Vielen Dank für diesen Tipp!
    Deine Idee der FoBis finde ich auch super – schade dass du so weit weg bist 😉
    Liebe Grüße aus dem südlichen Bayern!
    Caro

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  5. Auch wenn mich learningapps nicht interessiert, läuft nur mit Adobe Flash so weit ich mich erinnere, gefällt mir deine Idee zur monatlichen Veranstaltung sehr! Aber auch daran sieht man: Nachhaltige Veränderungen bedürfen immer engagierte Freiwillige!

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    • Ach?! Ohne Flash? Wurde ja auch Zeit. Ich probiere es morgen an den schuleigenen Raspberry Pis aus!
      Danke für den Hinweis
      Marek

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  6. Heißt bei uns seit drei Jahren „Offene Werkstatt“ und ist sehr beliebt. Wir haben allerdings mittlerweile auch für andere Schulen geöffnet und das kommt sehr gut an.

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  7. Pingback: Wequests und Lernpfade an einem MedienMontag | Herrn Emrich schreibt

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