Der Austausch in den Zeiten der sozialen Medien

tl;dr: Es geht nachfolgend um die Frage, wie sich Grundschullehrer im Jahre 2016 austauschen. Am Ende rufe ich zu einer kleinen „Umfrage“ auf, wo ich einfach mal ganz blauäugig auf viele Antworten hoffe.


Ein Ereignis des gestrigen Tages hat mich wieder einmal über Möglichkeiten und Grenzen der Lehrerkooperation im Internet nachdenken lassen. Konkret wurde gestern eine recht beliebte und vergleichsweise gute/gut geführte Facebookgruppe zum Thema Grundschule geschlossen. Ich selbst habe diese Gruppe recht regelmäßig genutzt, weil sie durchaus einen fachlichen Anspruch hatte und nicht nur aus den üblichen „Wer rettet mir meinen UB“-Anfragen bestand. Durch die vielfältigen Diskussionen bekam man Einblick in andere System, bekam Anregungen und Tipps für den Unterricht oder konnte eigene Einstellungen und Haltung reflektieren.

Früher fand der Austausch über soziale Medien bzw. das Internet in erster Linie in Foren statt. Für mich zuerst bei lehrerforen.de, später im Forum des Zauber1x1, in dem in Hochzeiten „der Bär steppte“ und beinahe minütlich Beiträge geschrieben und Antworten verfasst wurden. Irgendwann kamen dann die Blogs und die ersten Facebookgruppen und die Diskussionen in den Foren wurden weniger. Sie fanden nun teilweise in den Kommentaren statt oder eben bei Facebook. Facebookgruppen bieten den Vorteil, dass man mit seinen Beiträge eine enorme Reichweite hat. Wenn ich beispielsweise in der Gruppe „Grundschule Deutsch“ etwas schreibe, dann wird mein Beitrag möglicherweise bei allen 7000 Mitgliedern in deren Timeline angezeigt und gelesen. In den klassischen Foren muss ich sehr langen Warten, bis mein Beitrag auch nur annähernd so oft wahrgenommen wird. Natürlich folgt dadurch nicht automatisch eine Steigerung der Antworten, sowohl auf qualitativer, als auch auf quantitativer Ebene. Dennoch ist die Reichweite ein großes Plus von fb. Zudem werde ich immer über Antworten und Neuigkeiten zu den Themen informiert mit einer App, die ich ggf. sowieso nutze. Ich muss also nicht extra eine Seite aufrufen oder eine Anwendung starten, um mich hierzu zu informieren.

Facebookgruppen haben für mich aber den ganz großen Nachteil, dass sie a) bei Facebook sind, man also einen (großen)Teil der Lehrer gar nicht, nämlich jene, die gar nicht bei fb angemeldet sind. Zudem ist die Suchfunktion innerhalb der Gruppen eher mau, da innerhalb der Gruppen keine Untergliederung angelegt werden kann. Wenn ich also nach einem Schlagwort suche, dann durchsuche ich immer alle Beiträge und brauche ggf. sehr lange, den gesuchten Beitrag zu finden (vor allem dann, wenn dieser schon vor längerer Zeit gepostet wurde). Klassische Foren bieten hier natürlich wesentlich mehr Komfort.

Optimal wäre hier natürlich eine Lösung, die beide Plattformen verbindet: Wenn ich im klassischen Forum etwas schreibe, dann könnte dieser Beitrag automatisch auch bei Facebook erscheinen und wenn dort darauf geantwortet wird, dann erschiene diese Antwort auch im Forum. Leider gibt es diese Lösung nicht und ist auch nicht machbar, denn Facebook möchte natürlich, dass man zu Facebook geht und sich dort die viele Werbung ansieht.

Update: Twitter spielt aus meiner Sicht in der Kommunikation so gut wie keine Rolle. Die Akteure, die sich in ernsthafter Art und Weise mit dem Thema #Grundschule beschäftigen, lassen sich wohl an 4-5 Händen abzählen. Auch die Kollaboration und Kooperation in Wikis spielt kaum eine Rolle.

Ich würde gerne einmal eure Sicht der Dinge in den Kommentaren lesen: Welche Art des Austausches wünscht ihr euch? Facebook, Forum oder etwas ganz anderes? Welche Kanäle nutzt ihr und was würdet ihr euch anders bauen?

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18 Antworten

  1. Karl Kirst sagt:

    Vor den Foren gab es Mailinglisten, z.B. auch eine Grundschule-Mailingliste auf ZUM.de. Diese ist aber bereits vor einigen Jahren wegen Inaktivität gelöscht worden. Zuvor hatte es einige Jahre lang einen regen Austausch darin gegeben.

    Offensichtlich ändern sich die Nutzer-Gewohnheiten:

    In den Anfangszeiten des Internets war ein ganz großes Bedürfnis nach der Klärung zahlreicher Fragen, die sich heute schnell und leicht über eine kleine Google-Suche oder das Lesen z.B. eines Wikipedia-Artikels klären lassen. Das erklärt den Rückgang der Bedeutung von Mailinglisten und vermutlich auch Foren.

  2. Susi sagt:

    Ich nutze mittlerweile vor allem Instagram, um mich schulisch auf dem Laufenden zu halten und auch meine eigenen Unterrichtserfahrungen zu teilen. Vorteil davon ist, dass es sehr schnell und einfach geht, allerdings ist die Kommunikation dort in der Regel einseitig. Anscheinend haben aber auch viele Grundschulblogger mittlerweile diese Plattform für sich entdeckt.

  3. Katha sagt:

    Danke für die ausführliche Beleuchtung des Themas!
    Ich selber bin sowohl als facebook-Nutzerin als auch als Bloggerin und Blogleserin im Netz aktiv. Eine inhaltlich insgesamt gute Gruppe habe ich bislang nicht gefunden, in einer eher inhaltlich austauschenden bin ich inzwischen noch Mitglied.
    Den Austausch über Blogs finde ich recht einseitig. Die meisten Kommentare beziehen sich doch eher auf Dankeschöns (was ja auch toll ist!) und nur selten kommen den Aufrufen der Blogbetreiber wirklich viele Leser nach und beteiligen sich mit ihren Ideen. Mir scheint es da doch eher eine geben- und eine nehmen-Seite zu geben… (meine objektive Meinung!).
    Instagram habe ich bislang nur sporadisch genutzt, wenn mich die google-Bildersuche dorthin geschickt hat. Selbst habe ich dort noch nichts geteilt oder hätte Kommentarfunktionen (wenn vorhanden) genutzt.
    LG, Katha

  4. Andrea sagt:

    mmmhhhh….ich würde vermutlich Foren bevorzugen. 1. brauche ich mich nicht bei Facebook anzumelden und 2. scheint die Suchfunktion dort viel bequemer und effektiver zu sein! LG Andrea

  5. junas sagt:

    Um Eindrücke und Ideen zu bekommen, finde ich Instagram sehr schön. Da erwarte ich dann auch keine ausführlichen Erklärungen u.ä., sondern wirklich nur ein Foto, das reicht. Zur Kommunikation ist das m.E. nicht geeignet. Ähnlich bei pinterest, das ich regelmäßig nutze. Mir reichen meist die Impulse, ich brauche die Massen an buntem Material nicht. Manchmal reicht das schon, um irgendwas aus dem Hinterstübchen hervorzugraben und für den Unterricht zu überdenken.
    Twitter habe ich auch versucht, aber wie du schon schreibst, da gibt´s zu wenig Grundschul-Austausch.
    Das Forum (z.B. Zauber1x1) bleibt für mich die beste Lösung, wenn ich Hilfe brauche und qualifizierte Anworten möchte. Facebook ist für mich eine Mitlese-Möglichkeit, mehr nicht. Das ständige „Ich habe morgen einen UB“ / „Ich beginne morgen mit der Einheit xy und weiß aber gar nicht, was ich machen soll“ nervt. Da kann man doch nicht ernsthaft was drauf antworten. Und wenn dann in Gruppen auch noch fleißig eingescannte Dokumente / Noten / Lieder etc getauscht werden…. nö. Das geht gar nicht.
    Ich hoffe, dass das Z1x1-Forum wieder etwas belebter wird und ich das weiter nutzen kann. Einen Austausch über Unterricht fände ich super – aber Foren und Blogs zeigen eigentlich, dass es fast unmöglich ist, das im Netz sachlich hinzubekommen. Ständig gibt es Animositäten, es wird gezickt, wenn der „Ton“ fehlt geraten Aussagen in den falschen Hals, man findet was soooooo toll und will es auch haben…. Es würde immer wieder so von vorne losgehen. Wir GrundschullehrerInnen sind schon ein besonders empfindliches Völkchen 😉 (riesiges Augenzwinkern ;-))
    Dann lese ich doch lieber Blogs wie deinen, den von Arnie usw. 🙂

  6. Judith sagt:

    Facebook war bis gestern ganz gut nutzbar und für schnelle Informationssuche oder Schwarmwissen durchaus gut zu nutzen. Ob das nach gestern nochmals die gleiche Qualität erreichen wird bleibt abzuwarten.

  7. Susanne sagt:

    Ich lese nach wie vor sehr gerne in Foren, auch wenn ich natürlich mitbekomme, dass deren Zeit so ein klein wenig „abgelaufen“ scheint.
    Obwohl ich bei Facebook tummle, privat und beruflich, tausche ich mich dort eher nicht über Schule und Unterricht aus.
    Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, warum das so ist. Vermutlich ist es mir zu unübversichtlich, zu schnelllebig, zu oberflächlich – aber das ist nur eine sehr persönliche Wahrnehmung.
    Ich bin in einigen Facebookgruppen, aber viele Anfragen befremden mich und was ich gar nicht leiden kann ist, wenn ein Admin immer wieder darauf drängt, Bilder in dieses oder jenes Album hochzuladen oder dieses und jenes zu tun, da fehlen mir Lust und Zeit.
    Bahnbrechende neue Ideen habe ich dort auch noch nirgends entdeckt, so dass diese Gruppen für mich keine Relevanz haben.
    Instagramm und Schule das passt für mich auch gar nicht, aber das muss es ja auch nicht.
    Pinterest finde ich genial, nicht nur im Bereich „Schule“, sondern auch in privaten Bereichen. Hier findet man eine Fülle an Ideen und Anregungen. Aber auch hier geht es nicht um den AUSTAUSCH, das war Dein Anliegen.

    Mir ist gar nicht klar, ob ich wirklich noch häufig Austausch im Netz suche. Ich tausche mich gerne mit Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung aus und erlebe immer wieder, dass das geschriebene Wort häufig anders empfunden wird, als das direkt ausgesprochene.

    Die „Bloggerszene“ im Grundschulbereich hat sich sehr verändert in den letzten Jahren und ich finde mich dort nur in den allerwenigsten Ecken wieder oder aufgehoben.
    Das scheint nicht meine Welt zu sein, obwohl ich offensichtlich ja „dazugehöre“.
    Fazit: Ich bin noch nicht angekommen und kann weder Dir noch mir selbst eine zufriedenstellende Antwort geben.
    Was ich weiß ist: Mein Leben ist derart an- und ausgefüllt, dass ich virtuelle Scharmützel zu vermeiden suche.
    Meine Zeit und meine Nerven sind mit zu schade für Kleinkriege, die nichts bringen.
    Verzettelungen, die nur aufregen und anstrengen und Energie kosten, die ich anderswo sinnvoller einsetzen kann.

    Also lese ich nur in sehr ausgewählten Blogs, antworte nur sehr selten, halte mich zurück und bedeckt und stecke die meiste Energie und Kraft in mein reales Schulleben.

    Liebe Grüße
    Susanne

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Danke für deine ausführliche Antwort. Du gehörst nicht nur zu den Grundschulblogs, du bist mit Sicherheit auch „die Mutter der Grundschulblogs“, oder? Vor 2005 gab es sowas doch bestimmt noch gar nicht.
      Einiges sehen wir sicherlich ähnlich. Das „Scharmützel vermeiden“ gehört nicht zu meinen Stärken … daran solle ich wohl mal arbeiten.

      Liebe Grüße
      Florian

  8. Frau Veh sagt:

    Hallo Herr Emrich,

    ich nutze derzeit am liebsten Instagram – vll. bin ich ein visueller (Lern-) Typ 🙂
    Oft sagt mir ein Wort mehr als tausend Worte, und habe ich doch eine Frage, kann ich sie stellen und erhalte – bisher immer – freundlich Antwort.

    Ich besitze auch einen gut besuchten Blog, der aber seit einiger Zeit nicht geführt wird – mir fehlt einfach die Zeit und die Lust.
    Ein Bild ist schnell hochgeladen, dazu ein Kommentar und wer mehr wissen will, fragt freundlich nach.

    Es gibt wenige Blogs, die ich regelmäßig und gern lese. Ansonsten suche ich gezielt über grundschulblogs.de.

    Viele Grüße
    Frau Veh

  9. Marek sagt:

    Ich ziehe seit wenigen Jahren den persönlichen und unmittelbaren Austausch mit Menschen vor. Twitter nur sporadisch, mein Facebook-Konto habe ich vor 1,5 Jahren gelöscht, als deren AGBs immer unverfrorener wurden! Schade, dass die Meisten es trotzdem vorziehen dort dabei zu sein. Das Bedürfnis etwas verpassen zu können oder einfach nur dazu gehören zu wollen oder…, scheint oft größer zu sein als Ratio.

    Anfang dieses Kalenderjahres habe ich durch ein unerwartetes berufliches Angebot aus zeitlichen Gründen aufgehört, mich durch diverse Grundschulseiten zu forsten bzw. aktiv noch regelmäßig teil zu haben. Auch mein Blog darbt dahin.

    Habe ich nun das Gefühl etwas verpasst zu haben? – Nein, ich empfinde es eher als Gewinn, weil ich mehr Zeit habe für persönliche Gespräche, von denen ich das Gefühl habe, dass sie mich viel mehr weiter bringen als beispielsweise bei grundschulblogs.de reinzuschauen, um – auch hier – jaaa nix zu verpassen. Die zwei drei interessanten Blogs schaffe ich auch so noch manuell aufzurufen. ;-D

    Ich halte es mit dem Motto: Weniger ist mehr! In diesem Sinne Herr E. Bad H. ist nicht soo weit weg von Ko. 😉

    Marek

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Danke für Deine Rückmeldung, Marek. Ich komme zwar aus Hennef und nicht Bad Honnef, aber viel weiter ist es bis Ko auch nicht. Vielleicht sollte ich wirklich mal die Familie ins Auto packen und den Rhein runterfahren. Frau und Kinder schicke ich dann mit der Seilbahn auf die Burg und wir suchen uns ein nettes Café 🙂

  10. Liss sagt:

    Ich sehe die Dinge nicht so negativ, sondern deutlich positiver. Zum Beispiel finde ich nicht, dass die Kommunikation in den Blogs einseitig sei oder sich hauptsächlich nur für Material bedankt wird. Immer wieder werden auch Fragen gestellt oder eigene Erfahrungen / Alternativvorschläge genannt. Dasselbe gilt für Instagram. Mir gefällt es, Einblicke in andere Klassenräume zu bekommen, Konzepte kennen zu lernen, gute Fachliteratur vorgestellt zu bekommen, etc. Meine eigene Meinung kann ich mir trotzdem noch bilden und einige Dinge abändern oder gar nicht umsetzen. Aber es ist in jedem Fall interessant. Ich bin echt begeistert von den heutigen Möglichkeiten des Austausches, die es früher leider nicht gab. Da musste man sich ständig teure Fachbücher kaufen oder sich Inspirationen von den paar Kollegen an seiner Schule holen, die meist eh nur uralte Arbeitsblätter im Frontalunterricht verwendet haben. Manch guten Klassenführungs-Trick konnte man sich zwar auch dort abschauen, aber das war’s meist auch schon. Heutzutage kann man endlich über den Tellerrand hinaus schauen.
    Bei Facebook habe ich mich vor Jahren schon abgemeldet.
    LG Liss

  11. Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

    Danke für die vielen Rückmeldungen so weit. Via Twitter bekam ich gestern noch einen interessanten Link zu einem Artikel über „connected educators“, der zu diesem Beitrag eigentlich sehr gut passt:
    http://edtechreview.in/trends-insights/insights/2180-connected-educator

    • Marek sagt:

      Vernetzte Lehrer – der verlinkte Artikel gefällt mir, auch wenn er die Dinge nur anreißt. Drei Punkte sprechen mich dabei sehr an:

      1) Ein vernetzter Lehrer sieht sich auch als Lerner.

      2) Vernetzte Lehrer sind erst dann tatsächlich vernetzt, wenn sie sich ein Netzwerk aus Fachleuten aufgebaut haben. Leute, auf die sie zurückgreifen können. Vernetzt heißt meiner Meinung nach nicht, dass man in Gruppen mitliest, mitschreibt, sondern dass man wirklich auf echte Kontakte „für (alle) schulischen Bereiche“ zurückgreifen kann, diese pflegt und sie auf- bzw. ausbaut. Und das hängt wiederum eng mit 1) zusammen.

      3) Dem Ganzen liegt wohl eine Haltung / Einstellung zugrunde, die im Artikel bei Punkt 9 angerissen wird „willing to explore, question, elaborate, and advance ideas through connections with other educators who will look beyond a set of beliefs.“

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