De hellije Zinter Mätes

Nachdem die Herbstferien nun vorbei sind, beginnt ja nun die Zeit der Feste und Feiern. Den Anfang macht der gute alte Martin (wenn man mal vom Importfest Halloween absieht). Dieses Fest möchte ich (mal wieder) dazu nutzen, um mit den vierten Schuljahren ein wenig Medienarbeit zu machen: Zum Lied „Sank Martin“ soll ein Trickfilm in Stop-Motion-Technik entstehen.

Worum geht es?

Auf einen fixen, gemalten Hintergrund werden Figuren und Gegenstände aufgelegt und kontinuierlich verändert. Die Einzelbilder werden fotografiert und nachher mit einem entsprechenden Programm zu einem Film zusammengesetzt. Zudem wird das Lied (ggf. mit Instrumentalbegleitung) aufgenommen und als Hintergrundbegleitung verwendet. Das fertige Produkt sieht dann ggf. so aus:

Warum mache ich das?

Begründungen für die Umsetzung eines solchen Projekts finden sich unter anderem im Lehrplan Musik (NRW)

  • halten Klangergebnisse auf Tonträger fest und reflektieren sie kritisch
  • gestalten zu Themen oder Inhalten musikalische Spielszenen mit choreographischen Mitteln

Oder auch in den im Medienpass NRW angestrebten Kompetenzen:

  • Schülerinnen und Schüler erstellen unter Anleitung ein einfaches Medienprodukt (z.B. Plakat, Bildschirmpräsentation, Audiobeitrag, Handy-Clip).
  • Schülerinnen und Schüler beschreiben Vor- und Nachteile unterschiedlicher Medienprodukte (z.B. in Hinblick auf Zielgruppe, Gestaltungs- und Distributionsmöglichkeiten).
  • Schülerinnen und Schüler wenden Basisfunktionen digitaler Medien (z.B. Computer, digitaler Fotoapparat) an.

Womit mache ich das?

Die Schüler brauchen dazu eigentlich kein Material, außer ausreichend Bastelmaterial. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: weißer Karton, Stoffreste, Goldfolie, Wachsmaler, Filzstifte, Buntstifte … genutzt werden kann, was gefällt und was vorhanden ist.

Von technischer Seite braucht man eine Digitalkamera mit Stativ, ein Audio-Aufnahmegerät (z.B. Smartphone mit passender App) und einen PC mit Schnittlprogramm.

Bei der Digitalkamera werde ich in diesem Jahr einmal probieren eine digitale Spiegelreflexkamera zu verwenden. Für das o.g. Video habe ich noch eine herkömmliche Kompaktkamera genommen. Hier hatte ich jedoch das Problem, dass die Belichtungseinstellungen für jedes Foto neu berechnet wurden, mit dem Effekt, dass Helligkeit und Farbwiedergabe von Aufnahme zu Aufnahme schwankten. Das sieht im Ergebnis ein wenig unschön aus. Bei einer besseren Kamera kann man den ISO-Wert, die Blende und die Belichtungszeit etc. fest einstellen. Wenn man dann noch äußere Lichteinflüsse abstellt bzw. minimiert (Sonneneinstrahlung), dann sollten die Bilder aller recht ähnlich belichtet sein.

Das Stativ ist obligatorisch, damit die Szene/der Hintergrund bei jedem Bild aus dem gleichen Winkel und der gleichen Entfernung getroffen wird. Es empfiehlt sich zudem, den von den Kindern gemalten Hintergrund auf dem Tisch zu fixieren.

Für die Aufnahme des Lieds reicht (je nach eigenen Ansprüchen) schon ein Smartphone mit entsprechender App. Für den gehobenen Anspruch muss dann ggf. ein „richtiges“ Mikrofon und bspw. Audacity her. Ich gehe davon aus, dass ich die Vorgehensweise zur Audioaufnahme nich weiter erläutern muss.

Die Zusammenstellung der Bilder zu einem Film kann bspw. mit Windows Live Movie Maker, den es kostenlos für alle Systeme ab WIndows XP gibt.

Wie gehe ich vor?

Das konkrete Vorgehen ist vermutlich stark von der Lerngruppe und deren Erfahrung mit kooperativen Arbeitsformen abhängig. Insgesamt empfiehlt sich natürlich für diese Aufgabe ein arbeitsteiliges Vorgehen: Pro Strophe des Liedes 1-2 Gruppen, die Hintergründe und Figuren vorbereiten und ggf. ein kleines Skript zum Ablauf schreiben. Bei großen Klassen würde ich persönlich 2 Gruppen pro Strophe arbeiten lassen und dann ggf. zwei Videos produzieren, da 4 Kinder pro Gruppe ausreichen sollten. Natürlich könnte auch jede Gruppe das ganze Lied bearbeiten, dann braucht man aber sowohl für die Vorbereitung, als auch für die Produktion viel Zeit und ggf. mehrere Kameras.

Auch untereinander könnten sich die Gruppen absprechen und so z.B. Gestaltungsmerkmale für die Figuren Martin, Bettler und Pferd festlegen. Andernfalls könnte es passieren, dass Martin mal auf einem Schimmel und dann wieder auf einem Rappen durch das Lied reitet.

Wenn die Gruppen Hintergründe und Figuren/Gegenstände gemalt und vorbereitet haben, sollten sie den Ablauf des Liedes mehrere Male proben und ggf. in einem Skript festhalten. Insgesamt gilt: Je feiner die Bewegungen zwischen den einzelnen Bildern sind, desto flüssiger läuft der spätere Film. Aber: Umso aufwändiger wird auch die Produktion des Films. Bei dieser wird der Hintergrund auf einem Tisch fixiert und die Kamera so ausgerichtet, dass der Hintergrund genau ins Bild passt. Dann werden Belichtungszeit, Blende und Beleuchtung festgelegt und die Fotos zu den einzelnen Szenen geschossen. Pro Sekunde des fertigen Liedes sollten es mindestens eins, besser zwei Bilder sein. Geht man davon aus, dass eine Strophe etwa 25 Sekunden dauert, so müssen etwa 50 Bilder gemacht werden.

Ob man die Produktion des Filmes mit dem Schnittprogramm AUCH mit den Kindern gemeinsam macht, sollte gründlich abgewägt werden. Grundsätzlich ist dies natürlich wünschenswert, allerdings auch sehr zeitaufwendig. Ggf. könnte man den Kindern dies anhand einer Strophe vormachen (am Beamer) und die Kinder dann einmal selbst versuchen lassen. Grundsätzlich müssen die alle Bilder einer Strophe und das aufgenommene Lied in das Programm geladen werden. Danach muss die Laufzeit der Strophe in Sekunden durch die Anzahl der Bilder dividiert werden. Dieser Wert stellt dann die Anzeigedauer dar, die ein Foto haben muss, damit die gesamte Szene synchron zur Musik läuft. Die Anzeigedauer eines Bildes sollte sich über ein Kontextmenü einstellen lassen.

Was sind Stolperfallen?

Eigentlich kann man die Kinder bei diesem Projekt frei arbeiten lassen, auch wenn die Kinder dies zum ersten Mal machen. Dabei wird ggf. einiges schief laufen. Ich persönlich würde diese „Fehler“ als mögliche Punkte bei einer (Zwischen-/Abschluss-)Reflexion nehmen. So können die Schüler dann bei einem zweiten Projekt dieser Art aus ihren eigenen Fehlern lernen und von selbst darauf achten. Ich schreibe dennoch auf, was evtl. passieren könnte:

  • Figuren und Hintergrund passen  größentechnisch nicht zusammen. Hier sollten gruppeninterne Absprachen dafür sorgen, dass die Einzelteile besser aufeinander abgestimmt sind.
  • Figuren der einzelnen Strophen passen nicht zusammen. Hier sollten gruppenübergreifende Absprachen getroffen werden, die gewissen Gestaltungskriterien festlegen.
  • Die Szene wirkt sehr abgehakt. Hier wurden zu wenige Einzelbilder gemacht, so dass die Schritte zwischen den Bewegungen zu groß sind.
  • Es passiert zu wenig. Hier sollte im Vorfeld genau überlegt werden, worum es in der Strophe inhaltlich geht und welche Teile davon beweglich dargestellt werden können. Was stelle ich also fix im Hintergrund dar und welche Teile animiere ich mit Figuren und Gegenständen?

Wie geht es weiter?

Die Kinder haben mit diesem Mini-Projekt die Möglichkeit, die Produktionsbedingungen eines Stop-Motion-Films kennen zulernen. Hierzu gibt es auch einige Seiten im Netz, die Kinder dazu animieren können, dies auch zu Hause zu tun. Ebenfalls finden sich in den App-Stores von Apple und Google kostenlose Apps, mit denen man Stop-Motion-Filme erstellen kann:

Das könnte Dich auch interessieren...

4 Antworten

  1. Gabi sagt:

    Lieber Florian,
    das ist ein tolles Projekt und ich hoffe du zeigst uns einige Ergebnisse. Ich habe bis nur Stop-Motion-Clips mit Playmobilfiguren hergestellt, da diese auch gut „von der Seite“ fotografiert werden können. Bei gezeichneten Clips würde sich eine Trickbox natürlich gut eignen, leider bin ich handwerklich nicht so geschickt, um eine solche bauen zu können :/ Damit könnte das Licht- bzw. Belichtungproblem ganz ausgeschaltet werden.
    Ich finde es toll zu lesen, wenn auch andere sich einmal an ein solchen Medienprojekt herantrauen, wirklich viel findet man ja sonst im Netz nicht dazu. Hier mal der Link zu den Filmen der Froschklasse, die ebenfalls im vierten Schuljahr entstanden sind: http://froschklasse.de/?tag=trickfilme-selbst-machen
    Liebe Grüße
    Gabi

  1. 6. März 2015

    […] mal aus. Die formulierten Kompetenzen bieten ja einen breiten Spielraum für kreative Ideen: Trickfilme, Präsentationen, Hörspiele, Filme … da kann man sich als technikaffiner Lehrer so richtig […]

  2. 19. März 2015

    […] Gabi ist es schuld. Durch ihren Kommentar kam ich im Laufe der Woche auf die Idee, für mein Trickfilmprojekt eine Trickbox (ich hoffe, dass der Begriff nicht geschützt ist) selbst zu bauen. Im Netz habe ich […]

  3. 18. Februar 2017

    […] Da kam mir recht schnell die Erstellung von Stop-Motion-Filmen in den Sinn, die ich auch schon in der Vergangenheit in Angriff genommen hatte (und mir dafür extra eine Trickbox gebaut […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: