Dann evaluieren wir doch mal

Evaluation nimmt in unseren Alltag meines Empfindens nach eine immer größere werden Rolle ein. Man muss nur genau hinschauen: Kaufe ich ein Produkt im Onlineshop meiner Wahl, dann bekomme ich wenige Tage später eine Aufforderung das Produkt oder den Erwerbsprozess zu bewerten. Besuche ich eine Webseite, dann fordert mich ein PopUp auf einige Frage zu beantworten, damit der Betreiber das Surferlebnis weiter verbessern kann. Ein erfolgreicher Restaurantbesuch wird vielleicht bei Qype und Co bewertet, ein misslungenes Essen auf jeden Fall. Dann wird sogar evaluiert, obwohl der Evaluierte gar nicht darum gebeten hat.Unter nahezu jedem Beitrag im Internet gibt es einen Like-, +1 oder sonstwas-Button, mit dem ich signalisieren kann, dass mir das Dargebotene gefällt. Oder eben nicht, denn dann drücke ich den Button eben nicht. Und wir lieben diese Formen der Evaluation. Wir bewerten was das Zeug hält und vertiefen uns in die Evaluationen der Anderen, ehe wir uns für ein Produkt entscheiden können.

So läuft es zumindest im privaten Umfeld. Im beruflichen, sprich schulischen Umfeld nehme ich dies jedoch anders wahr. Hier wird Evaluation eher zurückhaltend angenommen. Möglichkeiten und Wege gibt es genug, um sich Feedback einzuholen. Doch vielleicht ist manch einer froh, wenn er dieses Feedback nicht bekommt, denn so lange kann man ja davon ausgehen, dass alles gut ist, so wie es ist.

Natürlich wünsche ich mir für die Schule kein omnipräsentes Evaluationssystem. Ich möchte nicht unter jedem Arbeitsblatt ein „Like“ von Schülern und Eltern bekommen oder anhand unsachlicher Kritieren von außerhalb bewertet werden (gibt es eigentlich Spickmich noch??). Aber regelmäßige, vielseitige Evaluation und Reflexion des eigenen Handelns gehört zu einer professionellen Berufseinstellung dazu.

Wieso ich das jetzt alles geschrieben haben? Angeregt zum Thema Evaluation zu schreiben bin ich durch eine dienstliche Mail. Mein Dienstherr (das Land NRW) hat wohl schon seit längerem eine Kooperation mit der Uni Jena und bietet für diverse Schulformen das Portal SefU an. SefU steht hierbei für „Schüler als Experten für Unterricht“. Das Portal erlaubt es der Lehrkraft, kleine Evaluationen zu erstellen, mit deren Hilfe die Schüler online Rückmeldung zum Unterricht geben können. Das Ganze wird kostenlos angeboten.

Neu ist jetzt, dass es auch eine spezielle Oberfläche für Grundschüler gibt, mit deren Hilfe auch Grundschullehrer ihren Unterricht auf Grundlage von Schülerrückmeldungen evaluieren können. Anmelden kann sich jede Grundschullehrkraft (auch Referendare) von einer Grundschule in NRW mit Hilfe der Schulnummer. Die Freischaltung der Accounts erfolgt automatisch.

Man hat entweder die Wahl zwischen einen vorgefertigten Fragebogen oder kann auch eigene Fragebögen zusammenstellen. Dazu stehen 108 Fragestellungen in 21 Bereichen zur Verfügung. Zudem können eigene Fragen formuliert werden.

Die Beantwortung der Fragen erfolgt mit einer 4-stufigen Skala oder als Freitext-Antworten. Neben den Schülern kann auch die Lehrkraft selbst die Fragen aus ihrer Sicht beantworten.

In welcher Weise die Auswertung erfolgt habe ich noch nicht überprüft. Gefühlt würde ich vermuten, dass es ein mehrseitiges PDF-Dokument mit Rohwerten, Prozentwerten und diversen Diagrammen wird, in der auch Unterschiede zwischen Selbst- und Schülerwahrnehmung aufgezeigt werden.

An sich finde ich es eine tolle Sache, vor allem da es kostenlos angeboten wird. Vielleicht macht so etwas ja Schule und wird auch in anderen Bereichen angeboten (z.B. Evaluation der Eltern). Hier muss man derzeit noch auf eigene Frickel-Lösungen zurückgreifen (z.B. Grafstat) oder auf kommerzielle Anbieter zurückgreifen.

Nun kommt mein Aber. Denn aus meiner Sicht kann diese Lösung noch optimiert werden. Für Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 halte ich dieses Portal nur bedingt geeignet. Zwar wird die Anleitung zur Befragung noch in großer Schrift und grafisch unterstützt dargeboten, die Fragen werden leider nur in Schriftgröße 10 präsentiert. Für Kinder aus Klasse 1 und teilweise auch in Klasse 2 wird dies eine zu große Herausforderung sein, auch was das Leseverständnis angeht. Obwohl diese Erkenntnis ja vielleicht auch schon eine Rückmeldung zum eigenen Unterricht ist.

Nun könnte man natürlich sagen, dass die Kinder dann die Fragen zu Hause mit Mutti beantworten oder mit der gesamten Klasse im Medienraum (wenn man einen hat). Dann stellt sich für mich jedoch die Frage, ob die Kinder durch die Unterstützung nicht ggf. beeinflusst werden. Insbesondere bei Elternhilfe sehe ich diese Möglichkeit durchaus gegeben.

Technisch könnte man es bestimmt so lösen, dass die Fragen einzeln präsentiert werden, ggf. auch in großer Schrift und mit der Möglichkeit, sich die Fragen vorlesen zu lassen.

Ihr findet Sefu übrigens hier: http://www.sefu-online.de/index.php/

Ich werde das Portal zu gegebener Zeit nutzen. Ich halte regelmäßige Evaluation des Unterrichts für sehr wichtig. Die Befragungen durch Sefu sind dabei vielleicht ein hilfreiches Instrument. Was gibt es noch? Diagnosetests, Elternbefragung, gegenseitige Hospitationen, … ?? Welche Werkzeuge nutzt ihr? Was erscheint euch besonders hilfreich? Und was ist eher Zeit- Geld- oder Papierverschwendung?

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4 Antworten

  1. Matek sagt:

    Was könnten uns die fehlenden Kommentare hier sagen?

    1. Dieser Blog ist zu unbekannt.
    2. Es fehlt die Zeit, um zu kommentieren.
    3. Es wird in Schulen nichts evaluiert.
    4. …

    • emrich emrich sagt:

      Zu hoffen wäre, dass es nur Punkt 1-2 sind, zu befürchten ist, dass auch Punkt 3 zutreffend ist, vielleicht ja auch aufgrund von Punkt 2 🙂

  2. Marek sagt:

    Oder keine Zeit, weil Material gesammelt, gedruckt und laminiert wird 🙂

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