#edchatde: Von der Grundschule zur SEK I – Übergänge wirksam gestalten

Am heutigen Dienstag werde ich gemeinsam mit @frandevol zum ersten Mal einen #edchatde moderieren. Der #edchatde ist ein von Herrn Larbig und André Spang initiierter Twitterchat, der sich jeden Dienstag von 20-21 Uhr ein (aktuelles) Thema aus der Bildungswelt vornimmt. Dabei tauschen sich dann in der Regel etwa 80 interessierte Teilgeber zu diesem Thema aus.

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Diskussionskultur?

Die Geschichte der Grundschulblogs ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So scheint es mir zumindest. Mein Verständnis eines Blogs ist es, dass der Autor einen Sachverhalt zu berichten hat (am besten einen mit einer gewissen Relevanz) und diese Gedanken gerne mit anderen Personen teilen möchte. Der Leser kann dann (wenn er dies für nötig hält) in einem Kommentar dazu Stellung beziehen: zustimmend, ablehnend, anregend, abwertend … das ist die Entscheidung des Lesers. Der Autor oder andere Leser können dies dann ebenfalls kommentieren und als Ergebnis erhält man eine angeregte und im besten Fall sachliche Diskussion, die für alle Beteiligten hilfreich sein kann. Früher fand sowas mal in den Foren statt, aber die sind ja scheinbar schon länger tot.

Heute gibt es Blogs (und Facebook). In einem solchen Blog wurde vor einigen Tagen ein Material vorgestellt. Die ersten Kommentare waren schnell darunter. Man bedankte sich schnell und artig und lobte die Qualität des Materials. Eine Qualität, die ich aus meiner Sicht in dieser Ausprägung nicht sah. Als Anregung schrieb ich dies unter die bereits vorhandenen Kommentare. In einer ersten Reaktion wurde mir dann empfohlen, ich möge ein verbessertes Material doch einfach selbst erstellen. Nachdem ein weiterer User dann bemerkte, dass dies keine fachlich passende Antwort sei, kam dann folgende Reaktion:

Und darüber [über fachliche Fragen; Anm. von Herrn Emrich] brauch ich hier auch nicht zu diskutieren. Ich zeige euch, was ich […] hergestellt habe, ihr verwendet es oder auch nicht, und gut.

Folgende Einschätzung des anderen Kommentators muss ich leider teilen:

Schade ist, dass wie immer keine fachliche Diskussion stattfindet.

In den meisten Fällen dienen die Kommentarspalten der „ultimativen Lobhuddelei“. Manchmal beschweren sich die Autoren sogar, wenn diese ausbleibt. Wenn dann einmal konstruktive, fachliche Kritik geäußert wird, dann heißt es leider schnell „Du musst das Material ja nicht nutzen“ oder „Du musst ja diesen Blog nicht lesen“.

Ich finde das wirklich bedauerlich, denn in der fachlichen Auseinandersetzung liegt ja nicht nur das Potential, sich selbst weiterzuentwickeln, sondern auch den fachfremd unterrichtenden Kollegen aufzuzeigen, worauf es im jeweiligen Fach (auch) ankommt.

Das wollte ich jetzt einfach mal geschrieben haben. Außerdem lenkt es so wunderbar vom Zeugnisschreiben ab :).

Wir sollten Bildungsreformbemühungen aus der unscharfen und unproduktiven Welt der Ideologie holen (die sich manchmal unter den Bannern des Konstruktivismus versteckt), hinein in die scharfe und produktive Welt der theoriebasierten Forschung darüber, wie Menschen lernen.

Frei übersetzt nach Mayer, R. (2004). Should there be a three-strikes rule against pure discovery learning? The case for guided methods of instruction. American Psychologist, 59, 14–19.

Zitat gefunden in: Why minimal guidance during instruction does not work: an analysis of the failure of constructivist, discovery, problem-based, experiential, and inquiry-based teaching