Bitte recht freundlich! (nicht nur in NRW)

Der folgende Beitrag ist sehr NRW-spezifisch. Er lässt sich ggf. auch auf die Rechtslage in anderen Bundesländern übertragen. Zudem erhebt der Beitrag keinen Anspruch auf juristische Korrektheit und Vollständigkeit. Ich möchte nicht, dass es nachher heißt „Aber Herrn Emrich hat gesagt, dass man das darf.“ ?

Es geht um Fotos, ob man sie im schulischen Kontext überhaupt machen darf und wie man sie verarbeiten darf. Dabei geht es (nicht nur) um die Frage der Schulhomepage, sondern auch um alle weiteren Verwendungszwecke: als Aushang im Schulgebäude, zur Weitergabe an Eltern usw.

Fotos machen

An vielen Schulen gibt es den obligatorischen Einverständnisbrief, bei dem unterschrieben werden soll, ob man mit der Veröffentlichung von Fotos auf der Homepage der Schule einverstanden ist. Dies ist natürlich gut und richtig, aber die Befragung hätte eigentlich weitaus früher ansetzen müssen. Fotos sind personenbezogene Daten. Zur Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten gilt in der Schule (in NRW!) die VO-DV I. Dort ist u.a. geregelt, welche Daten von Schulen erhoben und verarbeitet werden dürfen. Fotos sind dort erstmal nicht erwähnt. Folglich kommt dann §3, Abs. 2 zum Tragen:

(2) Nicht in den Anlagen aufgeführte Daten dürfen nur erhoben werden, wenn die oder der Betroffene eingewilligt hat. Die Einwilligung ist schriftlich gegenüber der Schulleitung zu erklären. Auch mit Einwilligung dürfen unzumutbare, nicht zweckdienliche oder sachfremde Angaben nicht erhoben werden.

Fotos stehen zwar in den Anlagen drin, sind jedoch als „freiwillig und jederzeit widerrufbar“ gekennzeichnet. Es müsste also vorab eine Abfrage stattfinden, ob Eltern dem Erstellen von Fotos explizit und grundsätzlich zustimmen. Hier kann (und sollte) dann auch direkt zwischen verschiedenen Verwendungszwecken unterschieden werden: die unterrichtliche Nutzung, Aushang im Schulgebäude, Nutzung für die Lerndokumentation, Veröffentlichung in Presseerzeugnissen, Nutzung auf der Homepage, Weitergabe an andere Eltern, …

Hierzu gibt es auch zwei interessante Artikel im Netz: Nummer 1 und Nummer 2.

Fotos verarbeiten

Sollen diese Fotos (=personenbezogenen Daten) dann auf dem privaten Endgerät der Lehrkraft bearbeitet werden, so ist hierzu natürlich auch die Genehmigung der Schulleitung einzuholen. Auch hier gilt es, die Bestimmung der VO-DV I einzuhalten:

(2) Die Verarbeitung personenbezogener Daten von Schülerinnen und Schülern in privaten ADV-Anlagen von Lehrerinnen und Lehrern für dienstliche Zwecke bedarf der schriftlichen, ein Verfahrensverzeichnis gemäß § 8 DSG NRW enthaltenden Genehmigung durch die Schulleiterin oder den Schulleiter. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn die Verarbeitung der Daten nach Art und Umfang für die Erfüllung der schulischen Aufgaben erforderlich ist und ein angemessener technischer Zugangsschutz nachgewiesen wird.

Da dies aber auch für alle anderen personenbezogenen Daten gilt (Zeugnisse, Förderpläne, …), ist davon auszugehen, dass entsprechende Vereinbarungen an der Schule bekannt sind.

Fotos veröffentlichen

Je nachdem wie die oben skizzierte Einwilligungserklärung ausgestaltet ist, hat man darin schon alle benötigten Angaben und Erklärungen aufgenommen, die eine Veröffentlichung der Fotos zu den dort genannten Zwecken möglich machen. Hin und wieder liest man in Rechtsratgebern davon, dass solche pauschalen Einwilligungen nicht gültig sind und man bei einer Veröffentlichung (im Internet) für jedes Foto erneut nachfragen müsse (LINK). Man sollte daher die Einwilligung so konkret wie möglich formulieren (z.B. „Veröffentlichung von Fotos von Schulveranstaltungen“) und natürlich darauf achten, dass „vernünftige“ Fotos genommen werden. Wenn auf einem Foto im Hintergrund zu sehen ist, wie Schüler K. gerade Schülerin J. ins Gesicht schlägt, dann sollte man im Zweifel ein anderes Foto nehmen.

Nach beispielhaften Muster-Einwilligungserklärungen sucht man übrigens relativ lange. Vermutlich ist das Thema zu heikel, als dass man sich als juristischer Laie mit einem solchen Text in die Öffentlichkeit begibt. Das Schulamt Krefeld hat in seinem Downloadbereich ein solches Dokument im Angebot. Dieses Dokument stammt vermutlich von lehrer-online. In deren neugestalteten Portal gibt es auch Mustertexte zum Download, wenngleich auch nur für Premiumkunden. Die dazugehörende FAQ ist jedoch kostenlos abrufbar und ebenfalls sehr aufschlussreich. Im Zweifel sollte man beim Datenschutzbeauftragten der Schule bzw. des Schulamtes um Rat bitten. Eine falsche formulierte Erklärung könnte u.U. ungültig und damit wertlos sein.

Fotos weitergeben

Wenn man dann eine gültige Einwilligungserklärung aller Eltern vorliegen hat und im Laufe der Grundschulzeit einige Fotos gemacht hat, dann besteht u.U. der Wunsch, diese Fotos an die Eltern weiterzugeben. Auch hier gilt wieder die VO-DV I und somit wird das Einverständnis der Erziehungsberechtigten nötig sein. Allerdings kann man, sofern ALLE Eltern der Klasse zustimmen, bei der Wahl des Austauschdienstes völlig frei sein, also auch die Dropbox oder andere amerikanische Clouddienste nutzen. Wichtig ist hierbei, dass man den Eltern im Rahmen der Einwilligung explizit verdeutlicht, welcher Dienst genutzt wird, welche Daten ausgetauscht werden und welcher Personenkreis für welche Dauer Zugriff haben wird. Die Eltern sollten auch hier darauf hingewiesen werden, dass sie ihr Einverständnis jederzeit widerrufen können.

Bzgl. des letzten Punktes war ich sehr überrascht, da ich bisher davon ausging, das „die böse Dropbox“ per se verboten ist. (unter anderem wegen dieser FAQ hier) Es ist sehr erfreulich, dass dem nicht so ist.

Fazit

Das Thema ist heikel und Fehler können (in seltenen Fällen) durchaus vor Gericht verhandelt und dementsprechend unangenehm werden. Datenschutz und Persönlichkeitsrecht ist ein wichtiges Thema, auch und insbesondere im Kontext Schule. Wenn man aber die skizzierten Spielregeln beachtet und sich ein wenig mit der Thematik befasst hat, lassen sich (fast) alle Wünsche und Verwendungsformen umsetzen. Man muss es halt nur richtig machen.

Illegal zur didacta: So gehts!

Die didacta in diesem Jahr findet in Hannover statt. Hannover liegt in Niedersachsen. Dies dürfte dann mit der Grund sein, wieso auf der offiziellen Homepage der didacta ein Hinweis angebracht ist, der Bezug auf einen niedersächsische Verwaltungserlass nimmt:

Hinweis

Das Kultusministerium Niedersachsen hat die Zustimmung bzw. Genehmigung zur Annahme von Freikarten erteilt. Im Hinblick auf die Annahme von Freikarten für die bevorstehende didacta 2015 durch niedersächsische Lehrkräfte ist Folgendes zu beachten:

Bis zur Wertgrenze von 10 € ist die Zustimmung zur Annahme von geringwertigen Aufmerksamkeiten nach Nr. 4.1 a) des gem. Runderlasses d. MI, d. StK u. d. übr. Min. v. 1.9.2009 über das „Verbot der Annahme von Belohnungen und Geschenken“ allgemein erteilt. „Tagestickets Nachmittag“ im Wert von 9 € dürfen damit ohne weiteres angenommen werden. Für die Annahme eines Tagestickets, das für den ganzen Tag zum Eintritt berechtigt, bedarf es aufgrund des Überschreitens der o.g. Wertgrenze jedoch der einzelfallbezogenen Zustimmung der zuständigen Stelle nach Nr. 4.2 d. o.g. Erlasses. Dieser wird wegen der besonderen Bedeutung der Veranstaltung empfohlen, im Einzelfall der Annahme von Freikarten für die didacta 2015 zuzustimmen bzw. diese zu genehmigen, da aus der Annahme von Freikarten für die didacta keine Anhaltspunkte dafür entstehen, dass die Lehrkräfte im Rahmen ihrer Amtsführung für persönliche Vorteile empfänglich sind und sich nicht ausschließlich an sachlichen Erwägungen orientieren.“
Quelle: http://www.didacta-hannover.de/de/tickets/

Wohl durch einen recht prominent durch die Presse getragenen Fall eines gänzlichen misslungenen Geschenks an eine Berliner Kollegin hat sich so manch einer mit dem Thema „Geschenke für Lehrer“ beschäftigt. Hier hat (natürlich) jedes Land seine eigenen Gesetze und Niedersachsen hat hier vergleichsweise harte Regelungen, wie man hier nachlesen kann: Verbot der Annahme von Belohnungen und Geschenken

Diese Regelungen haben weitreichende Folgen für die banalsten Dinge, wie zum Beispiel Freikarten zur didacta. Es wird zwar empfohlen, dass die Annahme der Karten genehmigt wird, aber ich muss sie erstmal genehmigen lassen, vermutlich sogar über den Dienstweg, also formal mit vergleichsweise viel Aufwand. Ansonsten macht man sich (streng gesehen) strafbar in Bezug auf Bestechlichkeit und Vorteilsnahme. Meine Frage: Muss sich ein schenkender Verlag dann wegen Beihilfe zur Vorteilsnahme verantworten?

Aber die Regelungen gehen noch weiter: Neben Geschenken jenseits der 10€-Grenze darf man auch keine Gegenstände zu einem geringeren Entgelt entgegennehmen. Das ist ja durchaus auch etwas, was man auf der didacta gerne mal macht. Der Rollkoffer will schließlich gefüllt werden … und irgendwann dann die Papiertonne. Aber muss mich mir jetzt das geschenkte Poster „Tiere des Regenwalds“, das regulär 11,95€ kostet, nun vorab genehmigen lassen? Und das kostenlose Prüfpaket am Ende der Fortbildung Produktpräsentation im Backstagebereich des Messestandes … muss ich das auch genehmigen lassen? Und wenn ja: Stellt das Schulamt einen eigenen Mitarbeiter für die Zeit nach der didacta an, der all diese Anträge bearbeitet? Oder kann ich die Anträge direkt beim Stand des Ministeriums abgeben? Immerhin darf ich das Buch zumindest vorübergehend mitnehmen:

Kann die Zustimmung nicht rechtzeitig erteilt werden, so darf die Beamtin oder der Beamte die Zuwendung ausnahmsweise vorläufig annehmen, muss aber die Genehmigung unverzüglich beantragen.

„Mein NRW“ hat übrigens ähnliche Regelungen, wenngleich die hiesige Regierung deutlich kulanter ist. Hier müssen Geschenke bis 15€ nicht genehmigt werden. Yes! Die Tageskarte ist gesichert. Nur darf es keine Preiserhöhung geben. wenn die didacta 2016 wieder an den Rhein kommt, denn sonst muss auch hier die Genehmigung eingeholt werden.

Gestolpert bin ich jedoch über folgenden Satz:

Die Zustimmung kann in folgenden Fällen als stillschweigend erteilt angesehen
werden: Annahme von Ansichtsexemplaren (Schulbücher) als Werbeartikel, wenn diese nicht für einzelne Lehrkräfte bestimmt sind, sondern in der Schulbibliothek inventarisiert und damit allgemein verfügbar werden.

Also auch hier muss scheinbar das geschenkte Schulbuch genehmigt werden, sofern ich es im heimischen Arbeitszimmer aufbewahren möchte.

Meine ernst gemeinte Empfehlung daher: Es lohnt sich durchaus einmal, sich mit den Regelungen bzw. Geschenken an Lehrer/Beamte zu befassen. Nicht nur in Bezug auf die bevorstehende Bildungsmessen, sondern vor allem auch in Bezug auf Geschenke durch Eltern. Der Falls aus Berlin hat leider gezeigt, dass dies schnell und kräftig schief gehen kann.

Pssst … geheim!!

Soll ich .. soll ich nicht. Da habe ich jetzt lange drüber nachgedacht, weil ich das Gefühl habe, der folgende Beitrag könnte zu sehr nach „erhobener Zeigefinger“ klingen. Andererseits macht es mich stellenweise schon sprachlos, was man so im Internet findet.

Doch der Reihe nach: „Früher“, also noch vor einigen Jahren, erfreuten sich Lehrerforen einiger Beliebtheit im Internet. Dort wurde rege über den Schulalltag diskutiert, manches Mal wurden auch konkrete Fälle mehr oder weniger detailliert dargestellt, denn man war ja anonym. Wer sich hinter „Schlumpfine83“ verbirgt, lässt sich ja nur schwer erahnen und an die IP-Adresse bzw. die Mailadresse kamen meistens nur die Moderatoren des Forums dran.  Der Austausch war also vermeintlich ungefährlich.

Doch in den Foren ist schon seit einiger Zeit immer totere Hose. Haben Lehrer keine Probleme mehr? Schön wärs. Es scheint jedoch, dass sich der kollegiale Austausch in die sozialen Medien verlagert hat, insbesondere (natürlich) zu Facebook. In den dortigen Gruppen geht es hoch her, es wird gefragt, getauscht und unterstützt. Die Fragen und Sorgen sind die Gleichen (die Tipps auch), nur der Ort hat sich geändert. Nur haben sich mit dem Ort auch die Rahmenbedingungen geändert. Facebook ist alles andere anonym. Meist ist im Profil nicht nur der Klarname der Nutzer hinterlegt, sondern auch ein hübsches Foto und u.U. auch Wohn- oder auch Arbeitsort. Es ist also in aller Regel ganz genau zu bestimmen, wer da fragt. An sich ist das kein Problem.

Und so stieß ich auf folgende Fragen in einer der Gruppen:

Ich sitze an den Noten und stecke in einem Dilemma bzw bin unsicher. Es geht um einen Jungen in Klasse 3, isolierte Rechtschreibschwäche, aber ohne Diagnostik, lesen klappt gut. In Rechtschreiben müsste ich ihm eigentlich eine 5-6 geben, meine Chefin will, dass ich die Note aussetze um das Kind nicht zu frustrieren. Dürfen darf man das, ich weiß- aber ist das sinnvoll? Ich dachte,dass der Mutter so der Handlungsbedarf vielleicht deutlich wird. Was würdet ihr machen?

In den Foren früherer Tage hätte ich mir nichts gedacht. Allerdings war nun die Fragestellerin bekannt. In ihrem Profil konnte jedes Mitglied der Gruppe sogar sehen, an welcher Schule sie unterrichtet. Jemand, der die Schule und ggf. die dritten Klassen dort kennt, der wird wohl auch sehr schnell wissen, um welches Kind ist in der Diskussion geht.

Von den Vorschriften zum Datenschutz möchte ich gar nicht anfangen. Es gibt eine andere Vorschrift, die hier in meinen Augen sehr deutlich verletzt wird: Verschwiegenheitspflicht. Ich unterstelle jetzt einmal, dass jedes Bundesland irgendeine Form von Dienstordnung für Lehrer haben wird, die einen ähnlichen Passus wie diesen hier hat:

Die Beamtin oder der Beamte hat, auch nach Beendigung des Beamtenverhältnisses, über die ihr oder ihm der amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Angelegenheiten Verschwiegenheit zu bewahren. (ADO NRW  §3, Abs. 2)

Bei der Bezirksregierung Düsseldorf wird dies dann noch ein wenig expliziter ausgeführt. In einem Fall, wie dem oben geschilderten, ist das Internet einfach nicht der passende Beratungsplatz. Dafür gibt es die Kollegen der Schule, die Schulleitung oder Fachberater im Schulamt.

Man ist dann doch manchmal erstaunt, was man so alles in den Gruppen findet: vermeintlich unmögliche Briefe von Eltern, Aussagen über das Masturbationsverhalten seiner Schüler (!!!) oder Kollegenschelte. (Fast) immer mit dem Klarnamen und einem netten Foto, auf dem die Lehrkraft für Insider zu erkennen ist.

Auch nicht schlecht fand ich in diesem Zusammenhang diese Frage:

Guten Morgen …. Hilfe, ich bin total verzweifelt. Das Halbjahr geht dem Ende zu und die Zeugnisse müssen fertig werden. Ich habe mir vom Mühlacker Verlag die Formulierungshilfen bestellt. Aber leider sind dort nicht alle Fächer enthalten, die ich unterrichte. Nun bin ich auf der Suche nach Formulierungshilfen für Schulgarten, Ethik und Werken. Habt ihr irgendwelche Tipps, wo ich etwas finde, dass man wirklich nutzen kann? Ich hab leider auch keine alten Zeugnisse, wo man sich mal etwas „klauen“ könnte. HILFE!

Nein, Datenschutz und Verschwiegenheit sehe ich hier nicht gefährdet. Aber möchte ich öffentlich zugeben, dass ich nach 6 Jahren Ausbildung nicht in der Lage bin, eine einfache Zeugnisformulierung zu schreiben? Dass es mich „total verzweifeln“ lässt? Was wäre, wenn Eltern über diese Frage stolpern? Bekommt man dann von der Klassenpflegschaft ein Buch mit Formulierungshilfen zum nächsten Geburtstag geschenkt? Vielleicht wäre es in so einem Fall auch einfach geschickter, auf das gesammelte Wissen der eigenen Schule zurückzugreifen. Werken und Ethik wurden mit Sicherheit nicht in diesem Schuljahr neu eingeführt.

Diktieren verboten (streng verboten!)

Der heutige Nachmittag sollte eigentlich dem kommenden Elternsprechtag gewidmet sein, doch eine Diskussion an anderer Stelle hat mich (wieder einmal) herausgefordert, ein paar Zeilen zu schreiben.

In der genannten Diskussion ging es um Diktate und Rechtschreibbewertung im Allgemeinen. Im Laufe der Diskussion fiel dann folgender Satz:

Reine ‚Diktate‘ zu schreiben ist doch gar nicht mehr erlaubt …

Da die dort schreibende Kollegin, wie ich, aus NRW kommt, beziehe ich mich natürlich mit Folgendem nur auf NRW. Dieses Gerücht, dass Diktate verboten seien, höre ich vergleichsweise oft, vor allem wenn ich Kollegen von anderen Schulen darlege, dass wir an unserer Schule Diktate schreiben und diese sogar benoten.

Sucht man bei Google nach dem Verbot von Diktaten, so findet man auch direkt 141.000 Treffer. Das ist üppig. Nur die Vorschriften an Schulen macht nicht Google, sondern das Ministerium. Ich habe die BASS, die AO-GS und das Schulgesetz bemüht. Doch in keinem dieser Gesetzesvorschriften taucht ein Paragraf auf, dass Diktate verboten sind. Nein, noch nicht einmal das Wort „Diktat“ taucht dort auf.

Verboten sind sie also nicht, die Diktate. Zumindest nicht explizit und grundsätzlich. Am ehesten vielleicht könnte man die allgemeinen Vorgaben zur Leistungsbewertung auf die früher übliche Diktatpraxis beziehen, bei der im Wochenturnus ein wildfremder Text ungeübt diktiert und bewertet wurde.

Zur Leistungsbewertung im Allgemeinen gibt es nämlich folgende Aussagen:

(1) Zur Feststellung des individuellen Lernfortschritts sind nach Maßgabe der Lehrpläne kurze schriftliche Übungen zulässig. Schriftliche Arbeiten werden in den Klassen 3 und 4 in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch geschrieben. (§5.1 AO-GS NRW)

 

Die Leistungsbewertung soll über den Stand des Lernprozesses der Schülerin oder des Schülers Aufschluss geben; sie soll auch Grundlage für die weitere Förderung der Schülerin oder des Schülers sein. […] Die Leistungsbewertung bezieht sich auf die im Unterricht vermittelten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. (§48 Schulgesetz NRW)

Ob die oben erwähnten, ungeübten Diktate, die keinen Bezug zu (geübten) Lernwörtern/Modellwörtern haben, in den Bereich „Maßgabe der Lehrpläne“ fallen und daher zur Leistungsbewertung herangezogen werden sollten, ist aus meiner Sicht zumindest diskussionswürdig. Zur Diagnostik könnten solche Diktate (in Maßen) jedoch sogar äußerst hilfreich sein.

Aber noch einmal zu dem, was die Gesetze und Vorgaben des Landes sagen. Denn dort ist ja von der Maßgabe der Lehrpläne die Rede. Die Maßgabe der Lehrpläne ist (in NRW) u.a., dass die Kinder grundlegende Regelungen der Rechtschreibung kennen und nutzen, mit einer Lernkartei (=Lernwörterbox) üben können und Rechtschreibstrategien anwenden. All dies sind Kompetenzen, die man auch, unter gewissen methodischen Voraussetzungen, mit einem Diktat überprüfen kann.

Treffender finde ich hierzu jedoch eine Aussage aus den Bildungsstandards für den Primarstufenbereich. Als eine Kompetenz ist dort aufgeführt: geübte, rechtschreibwichtige Wörter normgerecht zu schreiben. Ferner zudem: Arbeitstechniken nutzen; Übungsformen selbständig nutzen. Auch hier kann (!!) ein Diktat eine Möglichkeit sein, den Grad der Beherrschung dieser Kompetenzen mit einer Diktatform zu überprüfen.

Etwas anderes ist natürlich die Frage, ob Diktate aus didaktischer und pädagogischer Sicht sinnvoll, gerecht und valide sind. Darüber kann man diskutieren, zumal es ja in der methodischen Gestaltung von Diktaten und vor allem für den Weg bis zu einem Diktat viele Möglichkeiten gibt. Aber verboten sind Diktate (in NRW) nicht.

Sachen gibts: Raubkopierender Lehrer

Durch Jörg Lohrer wurde ich heute morgen via Twitter auf einen aktuellen Rechtsbeitrag bei lehrer-online aufmerksam gemacht. Dort werden ja Monat für Monat aktuelle Rechtsfälle mit Schulbezug vorgestellt und erläutert. Ich musste beim Lesen mehrmals stutzen und pausieren. Insgesamt klingt das Ganze eher wie ein Fall von Barbara Salesch, als wie etwas, was wirklich so passiert ist.

Die Kurzfassung: Ein Lehrer bzw. Leiter einer örtlichen Medienstelle bestellt 36 DVDs, macht sich davon Kopien und schickt die Originale zurück. Die Kopien wandern in den Bestand der Medienstelle. Der Verlag schöpft Verdacht, zeigt den Lehrer an, es kommt zur Durchsuchung der Medienstelle und schließlich zum Prozess. Das Land (!!) muss knappe 8000€ Schadensersatz zahlen, der Lehrer 2000€ Strafe für Raubkopien. Seinen Job in der Medienstelle dürfte er auch quit sein.

Was mich stutzen lässt: Wie kann man so doof sein? Wer wollte da wen mit einer prall gefüllten Medienstelle beeindrucken? Raubkopien für den Privatbereich kennt man ja, aber das hier auf dem Dienstweg gestohlen wird, ist schon eigenartig.  Ein persönlicher Vorteil dürfte doch hier kaum entstanden sein. Natürlich sind Lehrfilme mit Verleihlizenzen unglaublich teuer, aber wenn das Staatssäckel keine Groschen mehr hat, dann gibt es eben kein Filmchen.

Was mich noch mehr stutzen lässt: Reicht da wirklich der bloße Verdacht eines Verlags für einen Durchsuchungsbeschluss? Gut, der Schaden scheint sich ja hier auf 8000€ zu belaufen, also gute 200€ pro Film, aber der Verlag dürfte doch nur festgestellt haben, dass alle DVDs geöffnet waren und nicht gekauft wurden. Wenn man die Rücknahme von geöffneten DVDs nicht ausschließt und die DVDs quasi zur Ansicht verschickt hat, muss man ja (theoretisch) damit rechnen, dass jemand auch Gebrauch davon macht. Und dann wird man direkt angezeigt? Und die Polizei rückt direkt „mit dem großen Besteck“ an und durchsucht die Medienstelle? Seltsam …

Oder aber die Medienstelle hat öffentlich damit geworben, dass man die besagten Filme nun im Verleih hat. Dann jedoch würde mein Kopfschütteln ob der Dummheit noch viel Größer.

Langer Rede, kurzer Sinn: Insgesamt ein durchaus interessanter Beitrag, der deutlich macht, dass Raubkopien im dienstlichen Bereich nicht der Kavaliersdelikt ist, der es im privaten Bereich zu sein scheint.

Link und gleichzeitig Quelle des Geschilderten: http://www.lehrer-online.de/fall-des-monats-07-2014.php