Youtubende Grundschullehrer*innen

Vor einiger Zeit habe ich mal in irgendeiner Facebookgruppe nachgefragt, ob es denn noch keine youtubenden Grundschullehrer*innen gäbe. Blogger*innen und Instragrammer*innen gibt es ja nun jede Menge, die ja auch eine Menge Fans um sich versammelt haben. Und ihre Blogs/Facebookseiten haben auch einen teils enormen Zuspruch. Veränderungen im Downloadsystem oder Ausfälle bei der Technik sorgen da schon einmal für beachtliche Reaktionsketten (um es vorsichtig auszudrücken).

Aber Youtube ist unter (Grundschul-)Lehrern irgendwie unbeliebt. Natürlich denke ich jetzt nicht daran, dass Valessa ihre neuesten dm-Einkäufe vorstellt oder Gille uns zu einer Roomtour einlädt, sondern eine grundschulbezogene Nutzung. Das Medium böte ja durchaus die Möglichkeit, Ideen, Methoden, Abläufe und Vorgehensweisen in Bild und Ton zu erklären. Manche Sachen lassen sich ja einfach besser zeigen, als es umständlich in vielen Worten zu erklären. Aber so richtig rangetraut hat sich daran noch niemand. Dachte ich. Dann habe ich den (gut versteckten) Kanal von Alexandra Wendler entdeckt, die sich an das Thema herangewagt hat. Vielleicht wollt ihr ja mal reinschauen …

Meine Frage: Gibt es da noch mehr? Sind solche Formate – oder auch Erklärvideos für Lehrer*innen – etwas, was ihr euch ansehen würdet? Oder sind Grundschulblogbesucher zu 95% nur an Material interessiert?

Alle machen Selfies, aber niemand will sie sehen

Kurz vor Jahreswechsel bin ich über einen interessanten Artikel in der Welt gestolpert, der zuvor schon im schweizerischen Tagesanzeiger auftauchte: Alle machen Seflies, aber niemand will sie sehen.

Zuerst las ich den Artikel nur aus persönlichem Interesse, dann mit dem Social-Media-Auge eines Lehrers, um ggf. zu prüfen, was man auf den Elternabenden und im Medienkurs zu dem Thema sagen könnte. Schließlich stolperte ich über einige Aussagen und dachte mir: ja, so tickst du mit deinem Blog manchmal auch:

Unsere Wahrnehmung verschiebt sich. Es zählt nicht mehr der Moment, sondern die Reaktion der anderen. Parallel zum Erlebnis sind viele gedanklich schon in den sozialen Netzwerken, überlegen, wie sich das Erlebte dort präsentieren lässt, welche Art von Foto die meisten Likes ernten wird. Das Erleben selbst kommt dann mitunter zu kurz. (S. Diefenbach auf welt.de)

Manchmal ertappe ich mich auch dabei, dass ich nicht unbedingt über das blogge, was gerade ansteht, sondern darüber, was ggf. viele „Klicks“ produziert. Und das Produzieren von Klicks geht erstaunlich gut: Schreibe im Titel etwas von Material und/oder kostenlos und man erhält deutlich mehr Zugriffe, als wenn der Titel irgendetwas Theoretisches vermuten lässt. Wenn man im obigen Zitat nun „Moment“ durch „Unterricht“, „Material“ oder „didaktische Überlegung“ austauschen würde, wird dann evtl. ein Spiegel für die „Grundschulbloggerszene“ daraus?

Nun mag man mir (wieder) vorwerfen, dass ich „die Grundschulblogger“ nicht mag und „bashe“, aber Fakt ist, dass inzwischen sehr offen und unverhohlen um Likes gebuhlt wird. Auf konkrete Beispiele verzichte ich … das habe ich aus der Vergangenheit gelernt.

Und das erhöht den Druck: Die Möglichkeit schafft Stress. Und durch das System mit den Likes findet zudem eine Entwertung statt: Am Anfang freut man sich über jedes einzelne Like, aber irgendwann gewöhnt man sich daran, die Likes werden zur Sucht, und wenn man plötzlich keine Likes mehr bekommt, ist es ein negatives Erlebnis. (S. Diefenbach auf welt.de)

Auch dies wurde in der Vergangenheit an verschiedenen Stellen kommuniziert: es mangele an Likes, an Dankes oder an aufmunternden Kommentaren. Ein anfängliches Goodie wird inzwischen eingefordert. Auch ich erwische mich mitunter dabei, dass ich beim Schreiben eine Erwartung aufbaue, wie viele Likes, Retweets oder Kommentare ein Beitrag wohl haben wird und dann zumindest mal erstaunt bin, wenn dies nicht so ist. Dabei ist die rationale Sicht auf die Dinge so einfach: eine gute Unterrichtsidee ist auch noch gut, wenn sie keine Likes bekommt … und umgekehrt.

Vielleicht ist es ein brauchbarer Vorsatz, sich von den Erwartungshaltungen zu lösen (der eigenen und der der anderen) und sich bei der Entwicklung von Unterricht wieder auf die 27-300 Nasen zu konzentrieren, denen man jeden Tag gegenübertritt und deren Like aus einem Lächeln oder im besten Fall aus einem Lernfortschritt besteht.

 

Ein wenig sortierter

Einige aufmerksame Internetnutzer werden vermutlich schon bemerkt haben, dass ich das kleine Seitenprojekt wirksame.schule optisch und vor allem technisch auf völlig neue Beine gestellt habe. In Zukunft möchte ich auch (wieder) auf diesem Seitenprojekt verstärkt Inhalte veröffentlichen. Bisher habe ich ja vor allem hier geschrieben und veröffentlicht, sowohl Material (eher weniger), als auch inhaltliche Auseinandersetzungen und Meinungen. Die rein inhaltlichen, neutralen Dinge sollen nun zu wirksame.schule ausgelagert werden. Auf emrich.in gibt es dann (seltener) Meinungen und Ansichten eines Grundschullehrers.

Auf wirksame.schule steht zudem ein Forum bereit, in dem über (aktuelle) Themen des (Grundschul-)unterrichts diskutiert werden kann. Die Nutzung des Forums ist auch ohne Registrierung möglich. Mit Registrierung ist es natürlich komfortabler.  Zum Forum

Alle Forenbeiträge und alle Artikel werden zudem in die neue Facebookgruppe wirksame.schule gepostet, so dass man als Mitglied der Gruppe bei Neuheiten automatisch benachrichtigt wird und auch dort ein Austausch stattfinden kann. Dabei soll der Fokus der Diskussion weniger auf „Hilfe! Ich habe einen UB und keine Idee!!“ oder „Wie führe ich das M ein“, sondern auch inhaltlich relevanteren Themen liegen. Ich bin mir eigentlich sicher, dass auch hierzu Bedarf bestehen sollte.  Zur Gruppe

Und natürlich sind auch alle Beiträge von wirksame.schule per RSS zu empfangen und somit auch bei den Grundschulblogs vertreten.

Ich würde mich freuen, wenn wirksame.schule aktiv genutzt wird!

Beitrag gelöscht

Da der gestrige Beitrag scheinbar unglücklich und missverständlich formuliert war und eine andauernde Erklärung und Erläuterung im Kommentarbereich nicht zielführend erscheint, habe ich ihn kurzerhand gelöscht, denn wichtig und neu waren die dortigen Überlegungen und Gedanken nun auch nicht. Einiges davon stand schon vor 2 Jahren in den 7 Thesen zur Materialerstellung, die nach wie vor für aktuell und diskutierenswert erachte.

Sollten sich durch den gestrigen Beitrag Blogger*innen persönlich angegriffen gefühlt haben, so möchte ich mich hierfür an dieser Stelle entschuldigen. Ich wollte lediglich den Hinweis anbringen, dass hinter einem profan anmutenden Material manchmal ein wesentlich komplexeres (und wichtigeres) Konzept steht, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

 

Diskussionskultur?

Die Geschichte der Grundschulblogs ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So scheint es mir zumindest. Mein Verständnis eines Blogs ist es, dass der Autor einen Sachverhalt zu berichten hat (am besten einen mit einer gewissen Relevanz) und diese Gedanken gerne mit anderen Personen teilen möchte. Der Leser kann dann (wenn er dies für nötig hält) in einem Kommentar dazu Stellung beziehen: zustimmend, ablehnend, anregend, abwertend … das ist die Entscheidung des Lesers. Der Autor oder andere Leser können dies dann ebenfalls kommentieren und als Ergebnis erhält man eine angeregte und im besten Fall sachliche Diskussion, die für alle Beteiligten hilfreich sein kann. Früher fand sowas mal in den Foren statt, aber die sind ja scheinbar schon länger tot.

Heute gibt es Blogs (und Facebook). In einem solchen Blog wurde vor einigen Tagen ein Material vorgestellt. Die ersten Kommentare waren schnell darunter. Man bedankte sich schnell und artig und lobte die Qualität des Materials. Eine Qualität, die ich aus meiner Sicht in dieser Ausprägung nicht sah. Als Anregung schrieb ich dies unter die bereits vorhandenen Kommentare. In einer ersten Reaktion wurde mir dann empfohlen, ich möge ein verbessertes Material doch einfach selbst erstellen. Nachdem ein weiterer User dann bemerkte, dass dies keine fachlich passende Antwort sei, kam dann folgende Reaktion:

Und darüber [über fachliche Fragen; Anm. von Herrn Emrich] brauch ich hier auch nicht zu diskutieren. Ich zeige euch, was ich […] hergestellt habe, ihr verwendet es oder auch nicht, und gut.

Folgende Einschätzung des anderen Kommentators muss ich leider teilen:

Schade ist, dass wie immer keine fachliche Diskussion stattfindet.

In den meisten Fällen dienen die Kommentarspalten der „ultimativen Lobhuddelei“. Manchmal beschweren sich die Autoren sogar, wenn diese ausbleibt. Wenn dann einmal konstruktive, fachliche Kritik geäußert wird, dann heißt es leider schnell „Du musst das Material ja nicht nutzen“ oder „Du musst ja diesen Blog nicht lesen“.

Ich finde das wirklich bedauerlich, denn in der fachlichen Auseinandersetzung liegt ja nicht nur das Potential, sich selbst weiterzuentwickeln, sondern auch den fachfremd unterrichtenden Kollegen aufzuzeigen, worauf es im jeweiligen Fach (auch) ankommt.

Das wollte ich jetzt einfach mal geschrieben haben. Außerdem lenkt es so wunderbar vom Zeugnisschreiben ab :).

Allein allein

Vor gut 2 Wochen hatte ich zur Blogparade Rechtschreibung aufgerufen. Es war ein erster Versuch, der kläglich gescheitert ist. Sieht von dem sehr interessierten Kommentar von Frau Henner ab, die in ihrem Unterricht auch so ihre Erfahrungen mit dem Rechtschreibunterricht der Grundschullehrer gemacht hat, so blieb es insgesamt ruhig. Sehr ruhig. Gründe? Da mag es bestimmt viele geben: eine unklare/diffuse Aufgabenstellung, wenig Erfahrung mit dem Format, ungenügende Reichweite meines Aufrufs, Zeitmangel, Desinteresse an der Thematik oder auch eine insgesamt zu beobachtende Müdigkeit was das Kommentieren und vor allem Diskutieren angeht? Mit einer bunten Abschreibkartei gewinnt man noch immer mehr Interesse, also mit einem Austausch über sinnvolle Didaktik und Methodik.

Ich freue mich, wenn sich auch in Zukunft die ein oder andere Lehrkraft zu der Thematik äußert. Ob in Kommentaren oder einem eigenen Blogpost ist dabei erstmal nebensächlich. Ein Blick über den Tellerrand, ein Hineinschnuppern in Rechtschreibkonzeptionen, ein Austausch und eine Diskussion über Ideen und Ansätze … so etwas würde ich mir wünschen. Sehr ausführlich (und sehr gut) findet man dies übrigens in Mareks Blog Skolnet.

Update vom 26.03.2015:

Zu dem Thema passt eine Mail, die ich heute vom Grundschulverband bekommen habe: Im Sommer wird ein neues Buch des GSV zum Themenkomplex Rechtschreibung erscheinen. Leider ist der Newsletter nicht öffentlich zugänglich, sonst hätte ich ihn hier verlinkt. Das letzte Buch zur Rechtschreibung von 2000 ist ja inzwischen leider nur noch als PDF-Datei erhältlich, aber m.M. nach wie vor sehr gut und aktuell. Im neuen Buch werden nun 14 (!!!) rechtschreibdidaktische Ansätze vorgestellt. Gerade junge KollegInnen, die sich von Vertretungsvertrag zu Vertretungsvertrag hangeln und damit auch von Schule zu Schule hüpfen, können in so einem Konzeptwirrwarr wohl doch schnell den Überblick verlieren! Trotzdem bin ich auf den neuen Band, der im Sommer erscheinen soll, sehr gespannt.

Mieze Mia – (k)eine OER-Erfolgsgeschichte ??

In 14 Tagen findet in Köln das OER-Camp zu freien Bildungsmaterialien statt. Ich werde in diesem Jahr (hoffentlich) zum ersten Mal live dabei sein und möchte vorab, als kleines Warm-Up, über meinen eigenen OER-Erfahrungen reflektieren.

Worum es geht

Vor ziemlich genau 4 Jahren begann ich mit der Arbeit an einer kleinen Arbeitsheft-Serie für den Mathematikunterricht der Grundschule. Unter dem Label „Mathe mit Mieze Mia“ erstellte ich Mini-Arbeitshefte für meine Klasse. In jedem Heft wurde ein kleiner Teilaspekt zum vertiefenden Üben thematisiert, so dass die Hefte bei mir vor allem zur individuellen Förderung eingesetzt wurden.

Da ich zu dieser Zeit auch von der Diskussion um OER-Materialien Wind bekam, entschloss ich mich dazu, die Hefte als OER-Material anzubieten. Ich habe also zur Erstellung ausschließlich freie Quellen für Schriften und Grafiken genutzt (insbesondere die openclipartlibrary und die openfontlibrary) und zu allen Heften neben der fertig gerenderten PDF-Datei auch die Quelldatei angeboten. Anfangs war dies noch MS-Publisher, später dann noch OER-konformer die ODG-Dateien von LibreOffice.

Über die Jahre entstanden so über 50 Hefte, die inzwischen zwar nicht mehr in meinem Blog zu finden sind, dafür aber im ZUM-Wiki. Dort, so meine Hoffnung, wäre es dann für interessierte LehrerInnen noch einfacher, Überarbeitungen an den Heften vorzunehmen und diese zu veröffentlichen.

Eine Erfolgsgeschichte!

Durch die häufigen Umzüge der Hefte und die Verfügbarkeit in mehreren Quellen kann ich nur mit geschätzten Zahlen dienen. Insgesamt dürfte (im Schnitt) jedes Heft etwa 2000 mal heruntergeladen worden sein. Es natürlich zu bezweifeln, dass sie auch in dieser Menge im Unterricht eingesetzt wurden, aber ich selbst war doch einigermaßen erstaunt über die schnelle Verbreitung der Hefte.

Ob die Hefte auch einen (positiven) Effekt auf den Lernfortschritt der Schüler hatten, was ja nicht unerheblich ist wenn es um „Erfolg“ geht, kann ich höchstens aus meinem Unterricht schätzen. Es gibt durchaus Indizien dafür, da die Kinder sehr gerne damit gearbeitet haben und nicht immer gemerkt haben, dass sie jetzt besonderes Fördermaterial hatten, während andere Kinder zur gleichen Zeit an einem Knobelheft saßen. Man macht halt „Mieze Mia“.

Auch die Rückmeldung von Kollegen waren eher positiver Natur, aber auch dies will erstmal nichts heißen, denn kostenlose Sachen kommen immer gut an. Da wird dann (leider) selten mit kritischem Auge drangegangen.

Eine Erfolgsgeschichte?

Dennoch bin ich ernüchtert nach nunmehr 4 Jahren. Es gab von außen keine einzige Überarbeitung der Hefte, die nachher neu veröffentlicht wurde. Und eben dies soll doch das besondere an OER sein, das, was mit OER erst möglich gemacht werden soll. Materialien rechtssicher überarbeiten, Neues erstellen und dann wieder den Kollegen anbieten können.

Dabei musste noch nicht einmal unbedingt ein neues Heft erstellt werden, denn die Hefte hatten (leider/natürlich) den ein oder anderen Fehler intus. Eine ODG-Datei kann jeder überarbeiten, denn das passende LibreOffice gibt es für alle Plattformen kostenlos im Netz und ist auch nicht viel schwerer zu verstehen, als Word oder Powerpoint. Die Mühe gemacht hat sich – (vermutlich) niemand. Oder aber es wurde sich die Mühe gemacht, aber die Überarbeitung fand nicht den Weg ins Netz.

Woran hapert es?

Hier habe ich einige lose Ideen:

  • Es mag für KollegInnen ungewohnt sein, Dateien verändern zu dürfen und das Ergebnis dann auch noch veröffentlichen zu dürfen. Dies widerspricht dem, was mit herkömmlichen Materialien erlaubt war. Vielleicht ist man daher hier (zu) vorsichtig,
  • Die Programm mögen ungewohnt und sperrig sein. LibreOffice ist zwar den bekannten MS-Programmen sehr ähnlich, aber nicht identisch. Das mag abschrecken. Zudem ist es leider so, dass sich nicht alle ODG-Dateien mit jeder Programmversion öffnen lassen. Libreoffice hat da noch den Zwillingsbruder OpenOffice. Letzteres kann aber bspw. keine eingebetteten SVG-Grafiken anzeigen. Hier herrschen also noch Defizite im Handling der offenen Datei-Formate, was vielleicht auch abschreckend wirkt.
  • Vielleicht mangelt es auch an Zeit oder Lust, die Dateien zu bearbeiten. Kolleginnen stoßen ggf. zufällig bei der Recherche nach schnell einsetzbarem Unterrichtsmaterial auf die Arbeitshefte und haben gar kein Interesse daran, etwas Neues zu gestalten.

Mein Fazit

Einen Teil meines Fazits habe ich schon vor einiger Zeit gezogen: Ich verwende nicht mehr (ausschließlich) quelloffene Software zur Erstellung der Materialien. Dann mag es zwar kein OER-Material mehr im engeren Sinne sein, aber wieso soll ich mich verbiegen (müssen), um Möglichkeiten zu schaffen, die eh keiner nutzt. Aus meiner Sicht sind Publisher&Co ihren Opensource-Kollegen noch deutlich überlegen. Zudem lassen sich ja auch Dateien in geschlossenen Formaten bearbeiten und wiederveröffentlichen, auch wenn die entsprechenden Programme weniger verbreitet sind.

Die Erstellung von OER-Material für die Grundschule kann schnell zum Krampf werden, da hier oftmals unterstützendes Bildmaterial nötig ist, welches es nur sehr begrenzt unter OER-tauglichen Lizenzen gibt. Hier muss man dann noch zu oft auf Notlösungen und Kompromisse zurückgreifen, was die Erstellung dann etwas schwierig macht.

Mein Fazit bezieht sich vor allem auf den Grundschulbereich, denn hier unterrichte ich nun einmal. Hier sehe ich noch viel … nennen wir es Entwicklungspotential. Es scheint, als sei vielen KollegInnen OER noch nicht bekannt, so dass die sich ergebenden Möglichkeiten und Chancen ungenutzt bleiben. Auch die Benutzung der Werkzeuge zur Bearbeitung, Erstellung und Wiederveröffentlichung scheint ungewohnt, was ein zusätzliches Steinchen im OER-Getriebe sein könnte. Hier muss wohl noch Aufklärungsarbeit in vielen Ebenen geleistet werden.

An dieser Stelle möchte ich nur kurz auf einen Artikel in der SZ hinweisen, den ich durchaus auch für Grundschullehrer relevant halte. Zwar wickeln wir (hoffentlich) keine Kinder mehr und bauen auch nicht so viel körperliche Nähe auf wie im Kindergarten, aber dennoch kommen wir immer wieder in Situationen, die vielleicht nicht ganz einfach sein können: dringende Hilfe wird in der Mädchentoilette gebraucht, beim Sport prügeln sich die Mädchen in der Umkleide, ein Mädchen bekommt partout nicht den Knopf seiner Hose auf … um nur drei kleine Beispiele zu nennen.

Daher finde ich es gut, dass dieser Artikel die dahinterstehende Problematik aufgreift: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41920/1/1

Eine letzte Ergänzung: Im letzten Jahr gab es bei uns Diskussionen um die Begleitung einer Klassenfahrt. Ein Kollege brauchte Begleitung. Ich schied als Begleitung sofort aus, denn zwei Männer können nicht zusammen begleiten. Dass es jedoch seit Jahrzehnten üblich ist, dass (notgedrungen) zwei Lehrerinnen die Fahrten begleiten, scheint überhaupt kein Thema zu sein.

Alois Schwarzer, wo bist du??

Als Mann an der Grundschule muss man Geduld haben. Ein dickes Fell braucht man für die täglichen Angriffe auf die Ehre des Mannes. Ich dachte immer, ich hätte so ein dickes Fell. Ich habe ertragen, dass es an meinem Studienseminar eine Toilette für Frauen und eine für Beides gab, jedoch keine eigene Toilette für Männer. Ich habe ertragen, dass auf Einladungen stets nur die Kolleginnen begrüßt wurden. Ich habe ertragen, dass die Kinder mich oftmals mit „Frau Emrich“ anreden. Rein statistisch gesehen bin ich ja zu 90% eine Lehrerin.

Aber nun ist der Gipfel erreicht. Nun fordere ich einen Masculinisten, der für die Rechte der männlichen Grundschullehrer eintritt. Einen Alois Schwarzer, der nicht nur Geld in die Schweiz schafft, sondern für mich, Marek, Niklas und all die anderen männlichen Grundschullehrer (ohne „innen“) eintritt. Der unsere Bedürfnisse kennt und unsere Forderungen in zig Talkshows zum Besten gibt. Denn nun ist etwas passiert, das nicht passieren durfte.

In der von mir abonnierten (und bisher sehr geschätzten) Zeitschrift „Grundschule“ gibt es seit kurzem die Rubrik „der kollegiale Rat“. Quasi der Dr. Sommer für die Nöte der Grundschullehrer. Und dort wurde eine immens wichtige Frage gestellt, die mich schon seit Jahren umtreibt:

Als Grundschullehrerin muss meine Kleidung praktisch und bequem und auch leicht zu reinigen sein. Welche Kleidung eignet sich außer Jeans?

Mein erster Gedanke: Ich würde auch nen Pulli anziehen. Könnte sonst obenrum ein wenig frisch werden. Aber nein, man kann die Frage umfassend beantworten. Für die „Grundschule“ erledigt dies eine diplomierte Design-Ingenieurin Mode. Das ist also der kollegiale Rat. Wieso haben wir an unserer Schule nicht so eine Ingenieurin? Aber ich schweife ab.

Die Klamottenfrage wird ungelogen mit Rückgriff auf Maria Montessori beantwortet. Ich vermochte es kaum zu glauben. Hat sie neben Perlenmaterial etwa auch die erste Cosmopolitan herausgegeben? Nein, aber ein Zitat von ihr wird von Frau Ingenieurin so gedeutet, dass das Äußere die Lehrerin (!!) gepflegt und voll Würde sein soll. Liebe Maria: Was ist mit uns Männern? Dürfen wir auch würdevoll sein? Oder sollen wir ungepflegt und dreckig rumlaufen?

Im Folgenden wir der gepflegten Grundschullehrkraft dann eine cleane Sportswear empfohlen. Zum Beispiel eine Gympant, die moderne Form der Jogginghose. Oder aber man gibt „ein Statement der entspannten Weiblichkeit“ ab und kombiniert einen Midi-Rock mit einen Poloshirt. UND WAS IST MIT UNS MÄNNERN?? Geben wir auch dieses Statement ab? Wo so die Stylingtipps für die relaxte Männlichkeit? Trage ich auch Joggi und Grobstrickjacke? Und vor allem: Wieso sagt Maria Montessori nichts zu dem Thema? Oder muss ich hier bei Petersen und Freinet nachlesen?

Vielleicht sollte ich mich auch mal an „die Grundschule“ wenden, mit einem richtigen Männerthema. Welches Auto braucht so ein Grundschullehrer? Es muss geräumig sein, damit man die ganzen Schulsachen auch unterbekommt. Es muss einen kratzfesten Lack haben, wenn die Kinder mit ihren Scoutranzen ganz eng am Auto vorbeigehen. Und es muss genug PS haben, damit man im Notfall schnell von der Schule flüchten kann. Aber ich ahne schon, dass dieses pädagogisch enorm wichtige Thema keinen kollegialen Rat bekäme. Und darum fordere ich einen Alois Schwarzer für mich, Marek, Niklas und alle die anderen Grundschullehrer.