Die Lizenz zum Ärgern?

Seit Mitte Mai schwappt eine Meldung durch die Presse, die nun in (Teilen von) NRW auch in den Schulen publik gemacht wurde. Es geht um den Umgang mit Bildern (und im Grunde auch anderen Werken), die unter creativecommons-Lizenz (einer sogenannten cc-Lizenz) veröffentlicht wurden.

CC-Lizenz, was ist das?

Für eine ausführliche Erklärung empfehle ich die offizielle Seite der creative commons oder die Erläuterungen von Andreas Kalt. Kurz gesagt: Mit Hilfe einer CC-Lizenz kann ich meine Werke anderen Menschen kostenlos oder zum Kauf anbieten und ihnen dabei bestimmte Rechte einräumen. Gewissermaßen ist es ein vorgefertigter Kauf- bzw. Nutzungsvertrag, der dem Nutzer bestimmte Rechte einräumt. Eingeräumt wird immer das Recht, das Werk weiterzuverbreiten. Dabei muss immer der Name des Autors genannt werden. Die Weiterverbreitung kann nur in einem begrenzten Rahmen eingeschränkt werden: kommerzielle Nutzung kann bspw. ausgeschlossen werden oder die Bearbeitung des Werkes. Die Weitergabe als solches kann aber nicht weiter eingeschränkt werden, z.B. dass das Werk nur im Rahmen des Unterrichts an Schüler weitergeben werden darf.

Abmahnung droht

Elementarer Bestandteil der cc-Lizenzen ist jedoch immer, dass der Name des Autors mit Angabe eines Werktitels und mit Verweis auf die Lizenz erfolgen muss. Die Nennung sollte im besten Fall direkt am Werk erfolgen, kann aber auch im Rahmen eines Quellenverzeichnisses geschehen. Der viel wichtigere Punkt ist jedoch: der Autor kann Zusatzregeln für die Namensnennung festlegen. Er kann z.B. die Angabe eines Links zu seiner Homepage verlangen oder festlegen, dass die Quelle in jedem Fall am Werk genannt werden muss. Und exakt dies ist der Punkt, weswegen man auch wegen der an sich sehr offenen und freien cc-Lizenzen abgemahnt werden kann. Verstößt man gegen die Auflagen der Namensnennung, so verstößt man auch gegen die gesamte Lizenz. Hier sind zwei sehr aktuelle Fälle genannt, in denen es zu erfolgreichen Abmahnungen kam. Bislang betrifft es vor allem Bilder auf Homepages (auch Schulhomepages), es könnte aber auch durchaus Bilder in PDF-Dateien betreffen. Streng genommen könnte man auch für ein Arbeitsblatt abgemahnt werden, das man nur für seinen Unterricht erstellt hat und nur in diesem Rahmen verteilt hat.

Eine weitere Falle könnte sein, dass man selbst Material mit cc-Lizenz veröffentlichen will, darin aber Bilder verwendet, die nicht unter einer solchen Lizenz stehen. Wenn ich beispielsweise bei fotolia Bilder gekauft habe und in meiner Datei verwende, dann darf ich diese Datei nicht als cc-Material anbieten, da ich damit das Bild unterlizensieren würde, was bei fotolia nicht erlaubt ist.

Auf Nummer sicher gehen

Natürlich sind die Abmahnungen Einzelfälle. Aber dennoch ist Vorsicht geboten. Sollte dieses „Geschäftsmodell“ Nachahmer finden, könnte es sich für graue Schafe durchaus lohnen, bewusst Fallen im Internet zu stellen.

Wer cc-Material nutzen oder selbst welches erstellen will, der sollte sich zuvor unter den o.g. Links mit den Lizenzen beschäftigen. Mit dem Lizenzhinweisgenerator gibt es ein hilfreiches Tool, mit dessen Hilfe sich gültige Lizenzhinweise zu cc-lizensiertem Material erstellen lassen. Einfacher geht es kaum noch. Und dann hat man auch keine Lizenz zum Ärgern mehr.

Wissensforscher – Lernen mit digitalen Medien ritualisieren

Vor wenigen Tagen habe ich im Blog der Tigerklasse das Heftchen zu EM entdeckt. Das Gute daran war, dass Gabi es nicht als Download angeboten hat. Denn auf diese Weise musste ich mich selbst an die Erstellung eines solchen Heftchens machen und konnte es direkt ein wenig verändern. Keine Sorge: Ich habe das OK der Urheberin eingeholt.

WissensforscherWenn ich die Arbeit mit dem Heft, wie im Titel geschehen, als Lernen mit digitalen Medien deklariere, dann werden sich einige Hardliner und Vorkämpfer aus diesem Bereich müde lächelnd abwinken. Dort heißt Lernen mit digitalen Medien: Ebook-Erstellung, Dinge in Minecraft nachbauen, Blogs führen, Podcasts aufnahmen usw. usf. Ja, das würde ich auch gerne machen, keine Frage. Ich habe auch lange mit mir gerungen, ob ich das Heftchen wirklich als „Lernen mit digitalen Medien“ anpreisen möchte. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es doch zur Thematik passt. Denn mit Hilfe des Heftes kann ich immerhin drei Kompetenzen aus dem Medienpass NRW anbahnen:

  • Schülerinnen und Schüler wenden Basisfunktionen des Internets an (Angabe der vollständigen URL, Nutzung von Links, Suchmaschinen).
  • Schülerinnen und Schüler recherchieren unter Anleitung in altersgemäßen Lexika, Kindersuchmaschinen und Bibliotheksangeboten.
  • Schülerinnen und Schüler entnehmen Medien gezielt Informationen und geben sie wieder.

Natürlich nutzen die Kinder die digitalen Medien nur im begrenzten Umfang, nämlich um ein Arbeitsblatt mit den vom Lehrer gewünschten Informationen zu füttern (wie oldschool!), aber auch dabei können die Schüler schon etwas über den Umgang mit dem Medium Internet und den nötigen Endgeräten lernen. Jeder fängt mal klein an.

Das Heft selbst ist bewusst so angelegt, dass es sowohl offenere Rechercheaufgaben, als auch geschlossenere Aufgaben gibt, bei denen mögliche Quellen explizit benannt werden. Bei den offeneren Aufgabenstellungen ist es die Aufgabe der Schüler eine geeignete Quelle im Internet oder in Printmedien zu finden. Es wird also nicht per se ein bestimmtes Quellmedium eingefordert.

WissensforscherLinks werden in dem Heft als QR-Codes dargestellt. Auf diese Weise sollen die Schüler dazu angeregt werden, die Recherche mit ihren eigenen digitalen Endgeräten (Smartphone oder Tablet) durchzuführen. Auf diese Weise erfahren sie diese nicht nur als Spielgerät oder reines Unterhaltungsmedium, sondern auch als Hilfsmittel des Lernens.

In meinen Überlegungen dachte ich bereits darüber nach, ob man nicht zu einer gewissen Bandbreite an Themen solche Hefte gestalten kann und sich die Schüler dann nach persönlichen Vorlieben ihr Heft auswählen können, an dem sie im Rahmen der Freiarbeit/Wochenplanarbeit arbeiten möchten. Auf diese Weise ließen sich dann auch die Medieninseln in den Unterricht einbinden, die mancherorts ja ein eher staubiges Dasein fristen. Mal sehen wie sich die Arbeit mit dem Heft so bewährt und wer ggf. mithelfen möchte. Ich habe nämlich nicht nur eine PDF-Datei veröffentlicht, sondern auch die Quelldatei, die sich mit Publisher nach Herzenslust bearbeiten lässt.

Gespannt bin ich auch und vor allem auf kritische Rückmeldung … so ganz überzeugt bin ich von der Idee nämlich noch nicht.

Die Datei und alles weitere ist hier zu finden: Grundschullernportal

PS: Noch einmal ein dickes Danke an Gabi!!!

Lernarrangement Vorgangsbeschreibungen

Für das Grundschullernportal der ZUM habe ich versucht, meine fast abgeschlossene Reihe zu den Vorgangsbeschreibungen einmal als Lernarrangement darzustellen. Dabei wollte ich nicht nur bloß das gesammelte Material darstellen, sondern vor allem auch die dahinterstehende Idee und Verknüpfungen zu den Bildungsstandards der KMK herstellen (eigentlich wären Verbindungen zu den Kernlehrplänen hilfreicher, aber da es in Deutschland 16 verschiedene Lehrpläne gibt, erschienen mir die Bildungsstandards ein geeigneterer Anker).

Die entstandene Seite findet sich hier: http://grundschullernportal.zum.de/wiki/Vorgangsbeschreibung Sie darf gerne überarbeitet, ergänzt und diskutiert werden!

Rechtschreibkonferenzen

Für eine aktuelle Unterrichtsreihe habe ich mich heute auf die Suche nach Material zu Rechtschreibkonferenzen gemacht. Zuerst habe ich hierzu (natürlich) Tante google befragt. Dort fand ich jedoch in erster Linie den Verweis auf eine Konferenz aus dem Jahre 1901, in der eine gemeinsame Orthografie für den deutschsprachigen Raum festgelegt wurde. Das mag ein großer Meilenstein in der Geschichte der deutsche Sprache gewesen sein, traf aber nicht das, was ich suchte. Die Suche förderte zudem einige Konzepte und Schulprogramme zu Tage, die zwar alle brav darauf verwiesen, dass sie Rechtschreibkonferenzen durchführen, aber keine weitere Angaben dazu machten, wie sie durchgeführt werden. Von daher machte ich mir meine eigenen Gedanken:

Für mein Verständnis kann eine solche Rechtschreibkonferenz zwei Funktionen haben:

  1. einen (Schüler-)Text auf etwaige Fehler hin untersuchen und diese im besten Fall korrigieren.
  2. einen orthografisch korrekten Text auf besondere Schreibungen hin untersuchen und sich in einer Diskussion über die Begründung der Schreibung austauschen.

Ich war/bin auf der Suche nach Material zu Konferenzen nach dem zweiten Verständnis. Die erstgenannte Variante ist mit Sicherheit auch interessant, aber mit Sicherheit äußerst zeitintensiv. Ich könnte mir vorstellen, dass hier andere Methoden der orthografischen Überarbeitung effektiver sind.
Bei meiner weiteren Suche fand ich dann im letzten Heft der Reihe deutsch differenziert einen Artikel von Natalie Bors, die dort eine so verstandene Konferenz vorstellt. Dort arbeiten die Kinder mit einem vorgegeben Wortmaterial, welches sie Wort für Wort auf schwierige Stellen hin untersuchen. In einer gemeinsamen Diskussion werden dann Begründungen für die Schreibung notiert. Beim Wort Bäume beispielsweise wären B und äu die zu markierenden Stolperstellen. Das B kommt zustande, da es sich um ein Nomen handelt. Das äu kommt zustande, weil das Wort von Baum abgeleitet ist. (Anmerkung: es ist durchaus möglich, dass es sich hierbei um eine Idee von Beate Leßmann handelt. Sie ist zumindest in den Literaturangaben des Artikels benannt)

Das Ziel der Methode beschreibt Frau Bors folgendermaßen:

Der gegenseitige Austausch ist dabei ungemein wichtig, da jedes einzelne Kind nur so sein eigenes Gedankenrepertoire erweitern kann, um die Gedankengänge, die hier trainiert werden, später am eigenen Wortmaterial nutzen zu können. (deutsch differenziert 1/2016, S. 14)

Ich habe die Methode für die Zwecke meines Unterrichts abgewandelt. Der Konzeption unseres Sprachbuchs folgend sollen die Kinder die Konferenz auf Grundlage eines ganzen Lernwörtertextes durchführen. Zudem soll bei der Begründung Rückgriff die Symbole unserer Rechtschreibkonzeption genommen werden. Ich werde dies morgen einmal erproben. Ich bin gespannt, ob die Gruppen a) viele Stolperstellen erkennen und b) passende Begründungen für die Schreibung finden können. Für interessierte Lehrer*innen habe ich die Ablaufkarte mit dem Bild verlinkt.Rechtschreibkonferenz Lernwörtertext

Fundstück: Kartei Rechtschreiben

Auf der #didacta16 habe ich beim vpm-Verlag eine interessante Kartei mit dem Titel „Rechtschreiben“ gefunden. Ich bin zwar sonst kein allzu großer Karteien-Fan, aber hier hat mich die inhaltliche Gestaltung überzeugt. Vorab eine Anmerkung: Ich habe diese Kartei selbst gekauft und ich schreibe diese Vorstellung freiwillig.

Die Kartei gliedert sich in 7 Bereiche: Arbeitstechniken, Rechtschreibhilfen, Rechtschreibstrategien, Zeichensetzung, Rechtschreibgespür, geübte Wörter und Selbsteinschätzung. Zu jedem Bereich stehen mehrere Karten zur Verfügung, insgesamt sind es 60 Stück.

Im Bereich Arbeitstechniken gibt es Übungen zum Lernwörtertraining, zu Abschreibtechniken und zum Fehlerfinden. Hierzu stehen insgesamt 8 strategieorientierte Tippkarten bereit, mit denen die Lernenden beim Fehlerfinden unterstützt werden, indem sie zum Beispiel zur Untersuchung der Vokallänge oder zur Anwendung der Ableitungsstrategie angeregt werden. Insgesamt stellen die Tippkarten mit Sicherheit ein sinnvolles Hilfsmittel dar, wenngleich ich meine Zweifel habe, ob alle Lernenden die Geduld aufbringen können, alle Wörter eines Textes mit allen 8 Karten zu prüfen.

Im Bereich Rechtschreibhilfen wird vor allem die Verwendung des Wörterbuchs trainiert. Den größten Bereich machen die Karten zu den Rechtschreibstrategien aus. Hier werden die Groß- und Kleinschreibung, die Vokalkürze (bzw. -länge), die Verlängerungsstrategie und die Ableitungsstrategie trainiert. Großes Plus: Jede Übung ist immer mit einer „Regel“ oder einem „Merksatz“ verknüpft. Es geht also beispielsweise keinesfalls um stures Abschreiben von möglichst vielen Wörtern mit Doppelkonsonanten, sondern um bewusste Untersuchung der Wörter unter Berücksichtigung der Regel „auf einen kurzen Vokal folgen fast immer zwei Konsonanten“.

Besonders angetan bin ich von den Karten zum „Rechtschreibgespür“. Hier gibt es u.a. Übungen, bei denen die Lernenden die Schreibung von Wörtern unter Berücksichtigung der Regeln und Merksätze begründen sollen. Beispielsweise soll begründet werden, warum Nussschale mit „sss“ geschrieben wird. Diese Übungsform taucht auch beim „Dicken Brocken“ auf, hier jedoch im Klassenverband. Auch bei dieser Übung können die Kinder mit den Tippkarten arbeiten.

Im Bereich geübte Wörter können die Lernenden eine Vielzahl von Merkwörtern üben, die keiner Rechtschreibstrategie unterliegen, wie zum Beispiel die Wörter mit Doppelvokal. Die letzte Karte ist ein Selbsteinschätzungsbogen, über die die Schüler die für sie passenden Übungskarten finden können.

Die Kartei ist eines der wenigen Arbeitsmittel zur Rechtschreibung, die in dieser Dichte auf die Bewusstmachung von Rechtschreibregeln bzw. Rechtschreibstrategien setzt. Während es in vielen Arbeitsheften und -karteien hauptsächlich um das stumpfe Abschreiben von Wörtern geht, wird hier die Reflexion über Schreibungen angeregt. Als alleiniges Arbeits- bzw. Hilfsmittel für die Klassen 2 bis 4 ist die Kartei mit Sicherheit nicht ausreichend. Dafür bietet sie zu wenige Übungen. Aber sie ist mit Sicherheit eine sinnvolle Ergänzung. Zudem lässt sie sich mit ggf. vorhandenen Konzepten wie FRESCH oder Sommer-Stumpenhorst kombinieren, da sie selbst keine Symbole o.ä. verwendet.

Empfehlung vs. Wirklichkeit: Rechtschreibmaterial unter der Lupe

In den Kommentaren meines letzten Beitrags hat Britta netterweise eine wunderbare Veröffentlichung des niedersächsischen Kultusministeriums verlinkt: Orthografie – Materialien für einen kompetenzorientierten Unterricht im Primarbereich

In dem 180 Seiten starken Dokument, bei dessen Entstehung u.a. Prof. Dr. Carl-Ludwig Naumann als ausgewiesener Experte im Bereich der Rechtschreibdidaktik mitgewirkt hat, gibt es gewissermaßen den vollständigen Rundumschlag zur Rechtschreibung: Struktur der Orthografie, Rechtschreibenlernen als Entwicklungsprozess, Diagnostik, Aufgaben zum Kompetenzerwerb, Aufgaben zur Kompetenzüberprüfung, Planungsbeispiele und eine Übersicht über diagnostische Testverfahren. Sehr interessant zu lesen und mit vielen guten Anregungen. Im Grunde hätte ich mir eine so deutlich Positionierung bzw. eine so gute Arbeitshilfe auch vom Buch des GSV versprochen.

Bei der ersten Durchsicht ist mir direkt das Kapitel zum Entwicklungsprozess ins Auge gesprungen. Dort wird nicht nur eines der bekannten Stufenmodelle zum Rechtschreiberwerb vorgestellt und erläutert. Darauf aufbauend wird zudem eine Empfehlung ausgesprochen, welche rechtschriftlichen Phänomene in welchem Quartal des Unterrichts angebahnt werden könnten. Hierbei dient das Haus der Orthografie als Grundlage des Aufbaus der Planung. Leider kann ich die Tabelle hier nicht als Grafik wiedergeben, sie findet sich aber im oben verlinkten Dokument auf S. 36/37. Weiterlesen

Kurz vorgestellt: tutory.de

Gestern ist ein neuer Onlinedienst ans Netz gegangen, der die Arbeit von Lehrer*innen ein wenig erleichtern möchte. Hinter tutory.de verbirgt sich ein Online-Editor für Arbeitsblätter, die dort gezielt als OER (open educational ressources) erstellt und veröffentlicht werden können.

Aus meiner Sicht war ein derartiges Tool überfällig. Erklärtes Ziel von OER-Materialien ist es, diese unter freien Lizenzen zugänglich und bearbeitbar zu machen. Doch gerade die Möglichkeit zur Bearbeitung stellt eine relativ hohe Hürde dar. Ich selbst erstelle meine Arbeitsmittel gerne mit Publisher. Damit stehe ich jedoch relativ einsam da. Die Mieze-Mia-Hefte beispielsweise veröffentliche ich immer auch als Publisher-Datei, jedoch werden diese kaum genutzt. Deutlich höheren Zulauf haben die PDF-Dateien, die sich aber nicht mehr (bzw. kaum) bearbeiten lassen. Zeitweise bin ich aus diesem Grund auf LibreOffice umgestiegen, welches kostenlos verfügbar ist. Die Arbeit mit diesem Programm war jedoch für mich eine Qual und die Quelldateien wurden auch hier kaum genutzt. Daher habe ich diesen Exkurs schnell wieder abgebrochen. Auch wenn ich meine Dateien also bisher unter freier CC-Lizenz veröffentlicht habe, war bei Bearbeitbarkeit nicht zufriedenstellend gesichert.

Mit Tutory nun habe ich die Möglichkeit alle Arbeitsblätter auch immer automatisch in einer bearbeitbaren Version anzubieten. Jedes Arbeitsblatt kann dort wahlweise als PDF heruntergeladen werden oder als Vorlage für ein neues Arbeitsblatt dienen. Kleine Tippfehler lassen sich auf diese Weise ebenso schnell ausbessern, wie auch eine größere Veränderung als Anpassung an die Lerngruppe.

Der Arbeitsblatteditor ist schon erstaunlich weit gediehen. Textfelder lassen sich einfügen und (fast) frei platzieren, Grafiken und Lineaturen lassen sich auch einbinden. Die Bedienung ist wirklich intuitiv und einfach. Ich möchte an dieser Stelle gar keine großartigen Erklärvideos oder Screenshots anbieten, sondern einfach dazu einladen, es einmal zu testen. Die Registrierung ist kostenlos und einfach. Die ersten vorzeigbaren Ergebnisse hat man schnell zusammen. Bei mir ist es ein kleines AB mit einem Lesestrategietraining geworden.

Bei aller Euphorie wird Tutory aber (noch) nicht meinen Publisher ablösen. So besteht bisher noch keine Möglichkeit die Schriftgröße- oder Schriftart bzw. den Zeilenabstand anzupassen. Diese Funktion halte ich jedoch für elementar wichtig, wenn es um Arbeitsmaterial für Grundschüler geht. Auch lassen sich noch keine Tabellen einfügen. Dies sind jedoch alles Funktionen, die wohl bereits in Arbeit sind und nach und nach ergänzt werden. Von daher bin ich sehr gespannt, welchen Weg Tutory gehen wird. ich werde es mit Sicherheit regelmäßig nutzen und damit erstelltes Material hier und anderswo nutzen.

Didacta und Flucht

In gut drei Wochen wird es wieder so weit sein. Gegen Abend wird der Bahnhof Köln-Deutz wieder von ausgemergelten, erschöpften Menschen bevölkert sein, die einen Koffer mit sich führen, in den sie hastig all das hineingestopft haben, was sie in der Schnelle ergattern konnten. Ihre Körper werden geschunden sein von dem Gedränge und Geschiebe, dass auf ihrem mühsamen und langen Weg herrschte. All diese Menschen kamen mit einem einzigen Ziel in unser (Rhein-)land: Bildung.

Wer schon einmal auf der didacta zu Besuch war wird wissen, dass ich keineswegs übertreibe, denn die Sammelwut so manches Kollegen nimmt doch mitunter bizarre Züge an. Ob es dabei letztlich noch um Bildung geht … darüber ließe sich bestimmt streiten. Aber das Thema „Flucht“ habe ich nicht ganz unbewusst ins Spiel gebracht, denn ich vermute mal, dass dies (auch) auf der didacta eine große Rolle spielen wird. Denn nüchtern betrachtet winkt den Verlagen hier in den kommenden Jahren ein Wahnsinnsgeschäft. Alleine NRW hat im letzten Jahr 2600 neue Lehrerstellen geschaffen, da man 40.000 Flüchtlingskinder in den Schulen erwartete. In diesem Jahr werden es mit Sicherheit noch einmal deutlich mehr Kinder werden, da (zumindest in NRW) viele Asylsuchende erst in die Schulen kommen, wenn sie die Erstaufnahmeeinrichtungen verlassen konnten. Und die Beschulung dieser Kinder verlangt nach Material. Nein, eigentlich verlangt sie nach mehr, nach Konzepten, nach gut ausgebildeten Fachkräften, nach Geduld, nach Zeit, nach einer Willkommenskultur … aber auch nach Material. In den Ballungsräumen kennt man sich mit dem Unterricht von Kindern mit wenigen/keinen Deutschkenntnissen vielleicht etwas besser aus, aber in ländlicheren Regionen mag das vielleicht schon anders aussehen. Da werden nicht wenige Schulen/Schulträger einiges Geld in die Hand nehmen müssen, um für eine adäquate Ausstattung zu sorgen. Geld, dass einige Aussteller auf der didacta auch gerne einnehmen würden: Hersteller von Schulvernetzungslösungen, von interaktiven Boards oder Tabletkoffern. Aber ich vermute, dass der große Run eher auf DaZ-Material losgehen wird, auch wenn ich bei einer ersten Durchsicht der Kataloge gar nicht feststellen konnte, dass dort so viel Neues im Angebot ist. Ich bin gespannt, ob ich mit meinem Blick in die Glaskugel Recht haben werden.

Ich würde gerne (auch) an dieser Stelle einmal sammeln, welche Materialien (kostenlos und kostenpflichtig), Internetangebote, Methoden, Ideen zum Thema DaZ/Unterricht von geflüchteten Kindern empfehlenswert sind. Parallel sammle ich auch in einem Forum. Gerne würde ich die Sammlung am Ende in das Grundschullernportal übertragen, damit sie interessierten Kolleg*innen schnell und einfach bereitsteht.

Fürs Erste empfehle ich die tolle „Hallo-App“ des Mildenberger-Verlags, die noch bis Juli kostenlos sein wird: https://www.mildenberger-verlag.de/page.php?modul=GoShopping&op=show_article&aid=11081&cid=606

Zur Diagnostik/Lernbegleitung gibt es auf dem Bildungsserver des Landes Sachsen ein tolles Dokument: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/14490

Im Willkommens-Wiki der ZUM finden sich auch viele nützliche Hinweise, nicht nur für die Schule: http://wikis.zum.de/willkommen/Hauptseite

Ich würde mich freuen, wenn mein Aufruf ein wenig Gehör findet.

7 Thesen zur Materialerstellung

Das, was jetzt kommt, ist ein Versuch. Es ist vielleicht ein bisschen provozierend. Es mag vielleicht empören. Aber ich versuche es einfach mal.

In den letzten Wochen Monaten blühen die Materialblogs für die Grundschule. (Un-)Mengen an Material für jede erdenkliche Kleinigkeit wird erstellt, veröffentlicht und überwiegend kostenlos angeboten. Das ist toll für alle die, die Materialien nutzen wollen. Auch ich greifen hin und wieder dankbar zu.

In letzter Zeit nehme ich aber auch wahr, dass bei den vielen veröffentlichten Sachen auch vieles bei ist, was „nicht geht“. Aus verschiedenen Gründen. Manchmal nehme ich mir die Zeit und kommentiere dann, manchmal/oft fehlt mir dazu auch einfach die Zeit. Man kann es ja auch einfach ignorieren.

Dennoch habe ich mir jetzt in den Ferien einmal die Zeit genommen, 7 „Thesen“ zur Materialerstellung zu formulieren. Dinge, die aus meiner Sicht wichtig sind, wenn man Material erstellt und veröffentlicht. Diesen Thesen möchte ich hier einmal zur Diskussion stellen. Einfach so 🙂

Ich möchte mit den Thesen keine Bloggerin oder Blogger direkt oder indirekt angreifen oder verurteilen. Ich möchte einzig zum Diskutieren und zum Nachdenken anregen.

Wer die Thesen gut findet, kann sie auch gerne für seinen Blog oder seine Seite verwenden, auch in veränderter Form. Sie sind hiermit als cc-by veröffentlicht.

PS: Um es vorweg zu nehmen: Natürlich habe auch ich mal Materialien auf einer meiner Seiten gehabt, die nicht mit einer oder mehreren dieser Thesen konform sind. Ich denke, sowas gehört zu einer normalen Entwicklung dazu. Mit der Zeit sieht man einige Dinge einfach anders und bestimmte Sachen würde man so bestimmt nicht noch einmal machen.

Aber nun zum Thema:  Weiterlesen