Schülerbeobachtungen organisieren

Alle Jahre wieder …. macht sich Herrn Emrich wieder Gedanken darüber, wie man Schülerbeobachtungen besser organisieren kann. Und alle Jahre wieder … findet er nichts. Aber der Reihe nach.

Bisher organisiere ich meine Beobachtungen mit OneNote. Wie ich das genau tue, habe ich hier beschrieben: Schülerdokumentation mit OneNote Das läuft gut bzw. mit jedem Update von OneNote sogar immer noch ein Stück besser. Aber leider nicht ganz so, wie ich mir das wünschen würde …

An unserer Schule haben wir einen Satz an obligatorisch zu führenden Beobachtungsbögen. Die Bögen sind recht umfassend gestaltet, so dass es auf jedem Bogen ein breites Spektrum von Kompetenzen gibt, die ich in einer Stunde/einer Woche Unterricht nicht alle Abdecken kann. Einen Teil der Kompetenzen vielleicht auch nur einmal im Schuljahr, andere dafür täglich. Wenn ich diese Papierbögen also einmal im Montag zur Hand nehme, ist die letzte beobachtbare Situation zu einer Kompetenz vielleicht schon lange her und die Erinnerung entsprechend vage. Für einige Teilbereiche haben wir sogar nicht speziellere Bögen mit noch feineren Untergliederungen. Diese Bögen sind aber nur optional zu führen, aber dennoch würde ich es gerne einfach mal tun. Nach einer intensiven Reihe zum schriftlichen Sprachgebrauch könnte ich hier meine Beobachtungen für ein späteres Beratungsgespräch oder die Förderplanung festhalten. Zudem bietet der Lehrplan der Grundschule 65 beobachtbare Kompetenzen alleine im Fach Deutsch. Das ist ne Menge. Daher meine (berechtigte) Frage, wie man seine Notizen zu diesen Kompetenzen bei 27 Schülern besonders effektiv organisiert.

Für mich steht mehr oder weniger fest, dass dies nur digital effektiv möglich ist. In dem sonst entstehenden Papierwust findet man sich wohl kaum noch zurecht. Zudem wird die Archivierung so wuchtig und sperrig sein, dass ich sie irgendwo im Schrank in einem oder mehreren Aktenordnern lagern muss. Ich hätte sie aber gerne immer dabei, um sie mir im Bedarfsfall „schnell“ aus der Tasche zu holen. Wenn ein Kind eine „Bombenleistung“ erbracht hat, einen echten Durchbruch erzielt hat, dann will mich mir das direkt an der richtigen Stelle notieren und nicht auf einem Post-It auf meiner Lehrerkladde.

Meine Idee ist Folgendes: Ich habe eine App auf meinem Tablet, in der ich für jedes Fach oder jeden Teilbereich, den ich unterrichte, einen Satz Kompetenzen anlegen kann. Diese kommen entweder aus dem Lehrplan, aus einem Beobachtungsbogen oder sind selbst ausgedacht. Zudem lege ich in der App natürlich meine Klasse mit allen Kindern an. Für die Beobachtung wähle ich dann am Ende der Stunde/zu Hause/mitten in der Stunde eine Kompetenz aus, die vielleicht in der Stunde von besonderer Bedeutung war oder zu der ich schon länger nichts mehr eingetragen habe und kann ganz schnell zu allen Kindern eine Beobachtung eintragen. Die Kinder werden der Reihe nach angezeigt, ggf. kann ich ein Kind überspringen, aber eigentlich trage ich zu allen Kindern etwas ein. Ein Kürzel oder eine „Note“ und ggf. eine Bemerkung. Vielleicht sogar ein Foto eines Schülerdokumentes, das ich mit der Kamera meines Tablets gemacht habe.

Für die Elternberatung kann ich dann den Schüler und das Fach schnell in meiner „digitalen Schülerbeobachtungsmappe“ aufrufen, mir eine oder mehrere Kompetenzen auswählen und sehe dann eine schöne Liste mit allen Beobachtungen, nach Datum sortiert. Ich könnte mir sogar noch Notizen aus dem Gespräch direkt eintragen.

Meine erste Frage: Gibt es das? Ich habe sowas bisher nicht gefunden. Ich habe zig Apps durchgesehen, die aber meist nur auf Noten, also auf Tests ausgelegt sind. Irgendwie auf die Belange der Sek1. Eine „Kompetenzorientierung“ konnte ich bisher leider nicht finden. Innerhalb der App könnte ich zwar Tests anlegen, denen ich als Bezeichnung den Namen einer Kompetenz geben konnte. Aber diesen Test/diese Kompetenz konnte ich dann eben nur einmal beobachten. Eine zweite Beobachtung wäre ein zweiter Test, so dass man keine direkte Entwicklung darstellen könnte. Und bei 65 Kompetenz wird diese Variante auch sehr schnell unübersichtlich.

Meine zweite Frage: Wie werdet ihr Herr/Frau der Schülerbeobachtung. Wie organisiert ihr das? Ich suche da wirklich noch nach dem ultimativen Kniff! Also bitte in den Kommentaren fleißig berichten. Ich denke, dies könnte ggf. für andere Lehrkräfte interessant sein. Auch über (längere) Beiträge in den anderen Blogs zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen. Wäre mal was anderes als Hausaufgabengutscheine 

Vom Planen einer Geschichte

Bei meiner Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Schreibkompetenz und den begleitenden Fördermöglichkeiten habe ich mich auch wieder einmal mit der Planung von Texten beschäftigt. Immerhin haben diesbezügliche Fördermaßnahmen im Grundschulbereich einen wesentlich höheren Effekt als beispielsweise Schülerfeedback (vgl. Philipp 2015, S. 44). Über Schreibkonferenzen findet man recht viel Literatur in Fachbüchern, aber auch als fertige Unterrichtsvorschläge. Bei konkreten Methodenvorschlägen zur Textplanung wird es insgesamt dünner, wobei man auch hier differenzieren muss.

Für mitteilende und beschreibende Texte sind die Vorschläge zur Planung zahlreicher. Dies erscheint mir einleuchtend, da diese Textsorten eher eine klare Struktur verfolgen. Eine Einladung beispielsweise verfügt über klar definierte Elemente (Anrede, Anlasse, Zeit, Ort, Zusage, Grußformel), die die Schüler in einer ersten Planung stichpunktartig mit Informationen füllen und dann im Schreibprozess ausformulieren können. Ein derartiges Planungsraster lässt sich für einige Varianten von Texten erstellen, die Grundschüler typischerweise im Unterricht verfassen. Ein solches textsortenspezifisches Planungsraster dient dann als Entlastung im Schreibprozess dar und kann zur Förderung eingesetzt werden. (siehe hierzu z.B. das von mir erstellte Planungsraster für eine Suchanzeige)

Wie sieht es aber bei narrativen Texten aus? Welche Möglichkeiten der Textplanung gibt es hier? Hier werden in erster Linie Wortsammlungen vorgeschlagen. Zu einem Bild werden beispielsweise Wörter gesammelt und auf Grundlage dieser Wörter soll dann die Geschichte geschrieben werden (so bspw. in diesem Unterrichtsvorschlag zu Gruselgeschichten). Hierbei handelt es sich jedoch um ein textsorten-übergreifendes Planungsverfahren, denn dieses Vorgehen ließe sich auch bei anderen Textsorten anwenden. Auch eine solche Planung ist richtig und wichtig. In meiner Beobachtung fehlt in Bezug auf das narrative Schreiben jedoch oftmals ein textsortenspezifisches Planungsraster, das die besondere Struktur eines narrativen Textes aufgreift und den Schüler dabei unterstützt, diese Struktur mit Inhalt zu füllen. Der Schüler sammelt zwar Wörter, die im Kontext „Gruselgeschichte“ angesiedelt sind, aber wie aus dieser losen Sammlung eine stringente Erzählung wird, ist erstmal nicht Teil der Planung. Natürlich soll den Schülern möglichst große Freiheit und Kreativität im Schreibprozess gewährt werden, jedoch sollte dabei folgendes nicht außer Acht gelassen werden:

Offene schreibdidaktische Formate […], bei denen es wahlweise um die Befreiung von inhaltlichen Vorgaben bzw. die Betonung der eigenen Vorstellungskraft geht, sind für schreibschwache Schüler zu schwer. Solche offenen Verfahren sind nahezu ausschließlich für gute Schüler effektiv.

[…] Entsprechend sind Aufgaben und Förderansätze ohne wichtige Aufgaben für die Schüler […] scharf in die Kritik geraten und stehen aus Sicht der Forschung unter erheblichem Rechtfertigungsdruck. (vgl. Phillip 2015, S. 110)

Wie könnte aber ein textsortenspezifisches Planungsraster für narrative Texte aussehen? Maik Philipp stellt die 7 W-Fragen vor: Wer?, Wann?, Wo?, Was (will die Hauptfigur machen)?, Was (passiert dabei)?, Wie (endet die Geschichte)?, Wie (fühlt sich die Hauptfigur)?

Bemüht man zu dieser Frage das Internet, dann findet man auf amerikanischer Lehrerseiten zahlreiche Planungsraster für Geschichten, sogenannte „story planner„. Auch wenn die verschiedenen Varianten unterschiedliche Aspekte betonen, so decken viele von ihnen wichtige Strukturelemente von Geschichten ab: Figuren, Orte, Handlung. Ein recht ähnlicher Planer, der durch diese Vorschläge inspiriert ist, kommt in meiner Klasse zum Einsatz. Die Planungselemente sind hier: Hauptfiguren, Nebenfiguren, Orte, Problem, Lösung des Problems und die Ereignisse auf dem Weg vom Problem zur Lösung (es entspricht damit weitgehend dieser storymap). Durch die relative Offenheit des Rasters lässt sich es auf viele verschiedene narrative Texte anwenden (Gruselgeschichten, Märchen, Abenteuergeschichten, Reizwortgeschichten, Schreiben zu Gegenständen, …), denn die Struktur des Geschichtenplaner lässt sich beliebig durch weitere, textsortenspezifische Elemente ergänzen (z.B. die Verwendungen von Märchengegenstände und Märchenzahlen bei der Planung eines Märchens).

Vorlage zum Geschichtenplaner als PDF-Datei

Dieser Geschichtenplaner kommt jedoch nicht nur bei der Planung eigener Geschichten zum Einsatz, sondern auch bei der Untersuchung gelesener bzw. vorgelesener Geschichten. Mit Hilfe eines Geschichtenwürfels (siehe Bild im Kopf dieses Beitrags) „erwürfeln“ und besprechen wir die Elemente der Geschichte im gemeinsamen Unterrichtsgespräch. Die Kinder lernen hier schon vom ersten Schuljahr an im Modell, wie man mit dem Geschichtenplaner umgehen kann. So kommt der Geschichtenplaner zum Beispiel auch im Rahmen des Lesetagebuchs zum Einsatz, indem die Kinder ihn zum gelesenen Buch ausfüllen. All dies soll den Kindern helfen, die Struktur von narrativen Texten zu verinnerlichen, damit sie diese dann auch in eigenen Texten nutzen können.

Soweit meine Ideen und mein Input zu diesem Thema. Weitere Ideen und Meinungen zu diesem Thema sind in den Kommentaren gerne willkommen.

Literatur:
Phillip, Maik: Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik. Schneider Verlag Hohengehren (2015).

Lernen mit allen Sinnen? Schon mal was davon gehört?

Diese Doppelfrage bekam ich in der vergangenen Woche via Twitter gestellt, als ich die Frage stellte, warum man im Anfangsunterricht Buchstaben kneten, prickeln, basteln lässt. Dass es dafür sinnvolle Begründungen gibt, die insgesamt die Motorik des Kindes als Hintergedanken haben, hat sich in der Diskussion gezeigt. Da die Motorik wiederum den Schreibprozess beeinflusst, könnte man also durchaus auch auf einen Effekt schließen, den derartige Übungen auf den Schriftspracherwerb haben.

Ja, und dann dieser Hinweis auf das „Lernen mit allen Sinnen“. Da kam mir wieder ein Aufsatz von Benedikt Wisniewski in den Sinn, der im Sammelband „Schule auf Abwegen“ den „Unsinn mit den Sinnen“ thematisiert. Ich hatte bereits vor einigen Monaten das Buch und insbesondere diesen Artikel hier im Blog vorgestellt. Meiner Meinung nach bringt es folgendes Zitat auf den Punkt:

Man lernt eben nicht mit den Sinnen, sondern mit dem Gehirn und wie effektiv dies geschieht, hängt nicht vom Sinneskanal ab, über den die Informationen eintreffen, sondern von der Art und Weise, wie sie verarbeitet werden. [1]

Ich lernen also nicht mit den Sinnen, sondern nehme mit den Sinnen  Informationen auf. Beim Kneten eines Buchstabens kann ich vielleicht fühlen, dass ein „u“ gebogen und klebrig ist und nach Knete riecht. Beim Schriftspracherwerb wird mir diese Erkenntnis aber nicht weiterhelfen, denn auch das „n“ ist ebenso gebogen, klebrig und „wohlriechend“.

Im weiteren Verlauf der Diskussion bekam ich den Hinweis auf einen Text von Brüggelmann aus dem Jahr 2000 mit dem Titel: „Lernen mit allen Sinnen“, der folgende Aussage zu Tage bringt:

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage: Sind die eingangs erwähnten Aufgaben und ähnliche Aktivitäten nach dem Gesagten sinnlos? Es kommt auf das konkrete Ziel […] an. Zur Vorbereitung auf das Lesen und Schreibenlernen beispielsweise machen sie keinen Sinn. Ja, sie können sogar hinderlich sein. [2]

Die „eingangs erwähnten Aufgaben“ meinen hier u.a. das Ablaufen von Buchstaben auf dem Boden. Interessanter an diesem Artikel finde ich jedoch die Tatsache, dass Herr Brüggelmann die beliebte „Faustformel“ des Lernens Behaltens zu Rate zieht:

Man behalte etwa

10% von dem, was man gelesen,

20% von dem, was man gehört,

35% von dem, was gesehen,

50% von dem, was man gehört UND gesehen habe […]

75% von dem, was man wiedergegeben bzw. noch einmal selbst erklärt hat,

95% von dem, was man selbst erarbeitet oder durch eigene Handlung erfahren hat. [3]

Eben jener Fausformel widmet sich u.a. auch Wisniewski, der sie gewissermaßen als urbane Legende entlarvt. Diese ganze Auflistung ist mehr oder weniger eine Erfindung oder ein Zufallsprodukt, dass im Laufe des letzten Jahrhunderts im amerikanischen Raum entstanden ist. William Thalheimer hat sich auf seiner Internetseite ausführlich mit diesem Phänomen beschäftigt und erklärt anschaulich, was es damit eigentlich auf sich hat (und was nicht).

Insofern taugt diese Formel weder zur Begründung eines Lernens mit allen Sinnen, noch zur Untermauerung der Bedeutung des eigenaktiven Lernens (wenngleich es hierfür natürlich andere, gewichtige Gründe geben mag).

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Erörterung von Maike Looß, die sich mit der Lerntypen-Theorie von Vester beschäftigt und diese entkräftet. Es gibt demzufolge nicht den auditiven, optischen oder haptischen Lerntyp, sondern Lernen benutzt immer den Intellekt. Da können die Ohren noch so fein wahrnehmen, denn das Wahrgenommene muss ja nun einmal auch irgendwie und irgendwo verarbeitet werden.

Als lesenswert erachte ich diesem Zusammenhang auch einen Aufsatz von Joachim Kahlert mit dem Titel: Ganzheitlich Lernen mit allen Sinnen? Plädoyer für einen Abschied von unergiebigen Begriffen

Er stellt fest:

Hilfreicher als die vagen und nahezu beliebig konkretisierbaren Vorstellungen von Ganzheitlichkeit und vom „Lernen mit allen Sinnen“ dürften dabei Erkenntnisse der modernen Lehr-Lern-Forschung sein, wonach nachhaltig wirksames Lernen dann wahrscheinlich wird, wenn

  • attraktive Ziele erkennbar sind
  • bereits vorhandene Vorstellungen möglichst intensiv stimuliert werden
  • der Unterrichtsstoff in vielfältige Bezüge eingebettet ist.

Lernen wird nicht durch bloße Sinnesvielfalt […] angeregt, […]. [4]

In einem weiteren Artikel von Maike Looß heißt es schließlich:

So besteht auch in Konzepten zum handlungsorientierten Lernen die Gefahr, das Handeln zu einem Ersatz für das Nachdenken zu machen.
Ein ehrliches Argument wäre, wenn man mit handlungsorientiertem Unterricht auch und nicht zuletzt gegen die Langeweile (bei Schülern) und Disziplinierungsproblemen im Unterricht angehen wollte. Der Spaß im Unterricht sollte jedoch nicht den häufig recht mühsamen Lernprozess selbst ersetzen. [5]

Wieso ich das alles Schreibe? In erster Linie um zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht kann/darf/muss es doch ein bisschen weniger „Klicki-Bunti“ und „Sinnesparcours Buchstabe“ sein, und dafür mehr beziehungsreiches und kognitiv-anregendes Üben an der Sache.

Auf jeden Fall kann jetzt sagen: Ja. Lernen mit allen Sinnen habe ich schon mal gehört. Und auch etwas darüber gelesen.

Meine Zitate:
[1]: Brügelmann, Hans. Lernen mit allen Sinnen. In: Die Grundschulzeitschrift 137/2000. S. 51-53
[2]: Wisniewski, Benedikt: Der Unsinn von den Sinnen. In: Schule auf Abwegen.
[3]: Brügelmann, Hans. Lernen mit allen Sinnen. In: Die Grundschulzeitschrift 137/2000. S. 51-53
[4] Kahlert, Joachim: Ganzheitlich lernen mit allen Sinnen. http://www.widerstreit-sachunterricht.de/ebeneI/superworte/ganzheitlichkeit/kahlert.pdf
[5] Looß, Maike: Lerntypen? http://www.ifdn.tu-bs.de/didaktikbio/mitarbeiter/looss/looss_Lerntypen.pdf
Zudem: Looß, Maike: Von den Sinnen. http://www.ifdn.tu-bs.de/didaktikbio/mitarbeiter/looss/looss_Von_den_Sinnen.pdf

Kurz angerissen: Förderplanung

Da ich in Vorbereitung für den kommenden Elternsprechtag mal wieder an der Ausarbeitung der neuen Förderpläne sitze, möchte ich meine temporäre Unlust an der der Weiterarbeit dazu nutzen, ein paar Hinweise und Links zu sammeln.

Förderpläne müssen (in NRW) für jeden Schüler geschrieben werden, der an Maßnahmen der äußeren Differenzierung teilnimmt, einen individuellen Förderplan vor (siehe VV 4.2.1 zur AO-GS NRW https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/cms/upload/egs/AO-GS-Bass_2.pdf).

Ich persönliche erstelle meine Förderpläne inzwischen mit dem Förderplaner, da das Programm ein klein wenig mehr Komfort in der Verwaltung und Erstellung bietet, als die herkömmliche Textverarbeitung.

In folgenden Dokumenten habe ich (hilfreiche) Informationen rund um das Thema Förderplanung gefunden:

Kurztipp: Druckschrift, Schreibschrift und die Auswirkung auf Textproduktion

Aktuell ist wieder einmal die Grundschrift in den Medien, insbesondere durch die FAZ und den Journalisten Christian Füller, unterstützt durch Cornelia Funke. Die Art der Diskussionsführung hinkt meines Erachtens ein wenig, denn obwohl C. Funke natürlich eine anerkannte Autorin ist, so merkt man doch sehr schnell, dass sie sich mit dem Konzept der Grundschrift überhaupt nicht besonders tiefgehend auseinander gesetzt hat. Ihr Kommentar ist daher „nett gemeint“ aber mehr irgendwie auch nicht.

Scheinbar erregt Herr Füller mit seinen Artikeln und Blogposts jedoch so viel Aufmerksamkeit, dass Herr Brüggelmann himself sich in die Diskussion eingemischt hat.

Hinweisen wollte ich jedoch auf eine m.E. interessante Studie aus Kanada, in der der Einfluss der verschiedenen Schrifttypen auf die Textproduktion untersucht wurde. Dabei werden Druckschrift, Schreibschrift und die gestufte Einführung Druck-/Schreibschrift miteinander verglichen. Interessanterweise gibt es hier nicht nur Unterschiede in Länge und Geschwindigkeit, sondern auch in der inhaltlichen Qualität des Geschriebenen.

The effects of Manuscript, Cursive oder Manuscript/Cursive styes

Gleichermaßen finde ich es sehr erfreulich, dass es an amerikanischen Hochschulen möglich ist, empirische Studien (zu schulrelevaten Themen) kostenlos in einem Onlinejournal unter CC-Lizenz zu veröffentlichen (https://ejournals.library.ualberta.ca/index.php/langandlit/index). Gibt es etwas vergleichbares auch für den deutschen Raum?

Dale’s Cone of Experience

Ich möchte euch kurz einen Lesetipp weitergeben, auf den ich selbst durch vorgestern genannte Zeitschrift gestoßen bin. Es geht um das Buch „Schule auf Abwegen“ von Benedikt Wisniewski und Andreas Vogel. (Ja, ich habe das Buch von meinem eigenen Geld gekauft und nein, für die Verlinkung bei Amazon erhalte ich kein Geld).

Das Buch gibt schon im Untertitel sehr gut an, um was es gehen soll: Mythen, Irrtümer und Aberglaube in der Pädagogik. Denn davon gibt es wirklich viel. Das prominenteste Beispiel habe ich schon im Titel genannt. Dazu später mehr, erst möchte ich kurz den Inhalt des Buchs weiter umreißen. In 12 Essays werden einige Dinge aus Lerntheorie und -praxis auseinandergenommen. Dies jedoch nicht in unwissenschaftlich-miesepetriger Art und Weise, wie es in manch anderer Publikation von (selbsternannten) Bildungspäbsten mitunter der Fall ist, sondern (meist) schön engmaschig unter Bezug auf die Quellen. Dabei wird vor keinem Modethema halt gemacht: Noten, ganzheitliches Lernen, Frontalunterricht, Prinzipien guten Unterrichts, Neurowissenschaften, Reformpädagogik oder Individiualisierung.

Im Grunde sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre für jeden werden, der sich in Schule ernsthaft um den Lernfortschritt seiner Schützlinge bemüht sieht. Denn vieles, was an Schule gemacht wird, wird (scheinbar) einfach so gemacht, ohne sich jemals gefragt zu haben, auf welcher Grundlage wir da eigentlich handeln. Bestes Beispiel ist der bereits im Titel genannte „Cone of Experience“. Kennt ihr nicht?? Doch, denn man bekommt ihn eigentlich ständig gebetsmühlenartig vorgetragen, vor allem wenn begründet werden soll, wieso ganzheitliches Lernen oder Handlungsorientierung so wichtig ist. Meist wird man dann mit einer Aussage dieser Art konfrontiert:

Lernforscher haben herausgefunden, dass wir behalten …
10 Prozent von dem, was wir lesen,
20 Prozent von dem, was wir hören,
30 Prozent von dem, was wir sehen,
50 Prozent von dem, was wir hören und sehen,
70 Prozent von dem, was wir selber sagen,
90 Prozent von dem, was wir selber tun,
95 Prozent von dem, was wir anderen beibringen.
Ggf. muss man Lernforscher durch ein anderes Wort ersetzen. Der schnelle Schluss aus dem Ganzen ist: Wenn ich etwas lernen (und behalten) will, dann muss ich es selbst tun. Meistens widerspricht hier niemand, denn Handlungsorientierung ist cool und hipp. Derjenige, der seine Überzeugung von handlungsorientierten Lehren mit jener zitierten Aussagen untermauert, unterliegt hier aber wohl einem confirmation bias. Er wählt diese (angebliche) Weisheit der Lernforschung aus, da sie seine Sicht bestätigt. Das es genug Untersuchungen gibt, die dagegen sprechen, interessiert hier nicht. Aber es kommt noch dicker: Benedikt Wisniewski hat sich jedoch mal auf die Suche nach der Quelle dieser pädagogischen Weisheit gemacht. Und …. *trommelwirbel* … nichts gefunden. Es gibt keinen Hirnforscher, Lernforscher oder sonstigen Pädagogen, der diese Liste je durch empirisch fundierte Arbeit je aufgestellt hat. Es gab wohl in den 40er-Jahren einen Texaner, der die Liste erstellt hat, jedoch ohne Prozentzahlen. Die wurden irgendwann mehr oder weniger hinzuerfunden. Genaues findet sich u.a. auch hier. Der Mythos dieser Liste zur Behaltensleistung oder Lernwirksamkeit hält sich jedoch wacker. Er passt ja auch so gut.
Dies ist nur ein kleines Beispiel, das in dem Buch vorgestellt und durchleuchtet wird. Auch die anderen haben es teilweise in sich und kommen mit Sicherheit nicht bei allen Lesern gut an. Und gerade deswegen ist dieses Buch wichtig, denn vielleicht öffnet es das ein oder andere Auge. Zu hoffen wäre es.

Nachhilfe für Kindergartenkinder

Ich werde mein Tätigkeitsfeld erweitern. Ich habe nämlich eine neues Geschäftsidee. Gut, neu ist sie nicht und von mir kommt sie auch nicht, aber Geld, ja Geld werde ich damit viel verdienen, denn in meiner Idee geht es um die Förderung der kleinen Prinzen und Prinzessinnen. Und von denen gibt es sehr viele. Nicht erst durch das durchaus lesenswerte Buch „Helikoptereltern“ von Josef Kraus wissen wir ja, dass es die verrücktesten Förderangebote für Kinder die kleinen Goldstücke gibt. Helen Doron bietet Englischkurse für Babys an. Teilnehmen kann man ab 3 Monaten (!!). Im genannten Buch finden sich noch weitere, teils skurrile und stets hochpreisige Beispiele.

Ich bin dann heute morgen über einen Beitrag des Kumon-Instituts gestolpert, der Nachhilfekurse für Kindergartenkinder anbietet, um diese optimal auf die Grundschule vorzubereiten. Mal davon abgesehen, dass der Text vermuten lässt, dass es im „Förderkurs“ überwiegend um die Bearbeitung von Arbeitsblättern geht, ist so ein Kurs aus meiner Sicht reichlich überflüssig. Kinder müssen nicht bis 20 zählen können, wenn sie in die Schule kommen und selbst wenn sie die Zahlreihe auswendig können, können sie nachher trotzdem Schwierigkeiten in Mathematik bekommen.

Ich möchte daher einen Förderkurs anbieten, der WIRKLICH auf die Grundschule vorbereitet. Ich denke in 8 Sitzungen á 45 Minuten zu je 30€ werde ich folgende Inhalte anbieten:

  • Naseputzen und Niesen
  • Rechtzeitig zur Toilette gehen bei kleinem Geschäft
  • Rechtzeitig zur Toilette gehen bei großem Geschäft
  • Der richtige Umgang mit Klopapier, Wasser und Seife
  • Schuhe – Kampf dem Schnürsenkelmonster
  • Wie finde ich meine Jacke zu Beginn der Pause wieder
  • Zurechtfinden im eigenen Schulranzen
  • Mit Kindern kommunizieren ohne Schimpfwörter

Ggf. biete ich dann noch für besonder hochbegabte Kinder einen Aufbaukurs an, muss ich mal sehen. Obwohl … laut Herrn Hüther sind ja alle Kinder Prinzessinnen und Prinzen hochbegabt. Na, dann gibt es den Aufbaukurs auf jeden Fall. Die Inhalte sind ja im Grunde zweitrangig. Man muss nur ausreichend an die Angst der Eltern appellieren.

Lerndokumentation

Es ist Ferienzeit. Zeit zum Durchschnaufen. Zeit für mal was anderes tun. Für manche vielleicht auch gerade die Zeit, in der man es schafft, sich zu dem ein oder anderen Schüler eine Notiz zur Lernentwicklung zu machen. Im Alltagsgeschäft geht das leider manchmal ein wenig unter, so zumindest meine Erfahrung,

Eigentlich müsste man so eine Lerndokumentation wunderbar mit digitalen Medien bewältigen können. Lernfortschritte festhalten, Fördermaßnahmen dokumentieren und auswerten und so weiter. Wenn es denn dafür die passende Software gäbe. Ich beobachte „den Markt“ schon jetzt seit einigen Jahren und warte noch immer vergeblich auf DEN Heilsbringer, auf DAS Programm, mit dem man wirklich Zeit spart. Aber irgendwie warte ich vergeblich.

Näher angesehen habe ich mir in dieser Zeit Einiges: EinsPlus, Jumpian, Klassenmappe, Förderplaner und AndroClass (das jetzt nicht mehr so heißt). Einzig EinsPlus konnte mich über einen längeren Zeitraum „fesseln“, da ich dort wenigstens eigene Beobachtungsbögen anlegen kann und zu den Beobachtungspunkten Skalen- und Freitexteinschätzungen anlegen kann. Zudem gibt es bei dem Programm eine App für Tablets, so dass ich auch mobil arbeiten kann. Leider ist der Abgleich zwischen PC und Tablet sehr frickelig. Ferner stürtzt das Programm auch gern mal ab.

AndroClass und Jumpian legen leider das Hauptaugenmerk auf Notenverwaltung. Für höhere Schulformen mag dies ein gängiger Weg sein, den Lernfortschritt zu dokumentieren, für mich passt das im Kontext Grundschule nicht.

Gibt es vielleicht noch den ultimativen Tipp, welches Programm sich auch lohnt? Wie haltet ihr die Lernfortschritte fest? Ganz klassisch mit Bleistift und Papier?

Florians Fummelkiste

Ich hatte es bereits in einem der letzten Kommentare erwähnt: Derzeit treibt mich die Förderung der Grafomotorik um. An Fördermaterial zu diesem Zwecke findet man vor allem Kopiervorlagen. Dies ist durchaus verständlich, denn es geht dabei ja ums Schreiben. Dennoch habe ich bei weiterem Suchen auch einige Übungen gefunden, da man ohne Papier machen kann und einen ebenso guten Effekt haben könnten. Diese Übungen habe ich in einer Förderkiste gesammelt, die meine Frau dann auch direkt in „Florians Fummelkiste“ umgetauft hat. Ich stelle die Übungen hier kurz vor, vielleicht möchte sich ja jemand eine ähnliche Kiste zusammenstellen. Alles in allem hat mich das Material etwa 50€ gekostet, wobei die Laminierfolien das Teuerste waren.

Der Schraubenwickler

DSCF4178Insgesamt viermal gibt es einen kurzen Rundstab von 30cm, an dem ein 60cm langer Faden befestigt ist. Am anderen Ende des Fadens ist eine Mutter verknotet. Die Aufgabe besteht darin, den Stab (um die Wette) aufzudrehen bzw. wieder abzudrehen.

Bügelperlen sortieren

DSCF4174In eine kleine Sortimentsbox müssen Bügelperlen nach Farben sortiert werden. Hierzu können entweder die Finger verwendet werden oder aber auch eine Pinzette. Beides ist nicht einfach und erfordert Fingerfertigkeit und Geduld 🙂

Muttern finden

DSCF4176Eine Auswahl von Schrauben und Muttern muss sortiert werden und auf jeden Schraube muss die passende Mutter aufgedreht werden.

Perlenkette

DSCF4175Auf einen Faden müssen verschiedenen Perlen aufgefädelt werden. Die Perlen und deren Bohrlöcher haben dabei verschiedene Durchmesser. Mit einem ausgefransten Faden wird dies besonders tricky.

Schleife

DSCF4177Einem Holzschuh muss eine Schleife gebunden werden. Ein Klassiker.

Lochbrett

DSCF4173Durch ein Lochbrett müssen mehrere Schnürsenkel durch Löcher mit verschiedenen Durchmessern gefädelt werden.

Prickeln

DSCF4171Hier stehen verschiedene Vorlagen bereit, die die Kinder auf ein Stück Tonpapier übertragen müssen und dann ausprickeln.

Schreiben auf dem Tuch

DSCF4180Einige schreiben ja sehr verkrampft, da sie seinen enormen Schreibdruck aufbauen. Zu diesem Zwecke habe ich einige ABs mit Buchstaben kopiert, die die Kinder auf einem Baumwolltuch bearbeiten sollen, OHNE dabei das Blatt zu zerreißen oder zerlöchern. Dazu muss der Bleistift natürlich gut gespitzt sein. Je mehr Lagen vom Tuch man übereinander legt, desto schwieriger wird das Ganze natürlich.

Den Stift im Griff

DSCF4172Den letzten Teil bilden die Arbeitsblätter aus dem Heft „Den Stift im Griff“. Das Heft finde ich wirklich gut und die Arbeitsblätter sehr gut differenziert. Damit man sie häufiger verwenden kann, habe ich sie in matte Laminierfolien gepackt. Sie lassen sich so mit Bleistift beschreiben und das Schreibfeeling ist dem eines Blattes Papier sehr ähnlich.

Diagnose und Förderung

Passend zu meinem Beitrag zu den Förderideen fand ich am gestrigen Tag einen Werbeflyer der Firma Cornelsen in meinem Fach. Er war sehr aufwändig gestaltet und beinhaltete sogar einen 2 GB-USB-Stick, der nähere Infos zu KEKS beinhaltet. KEKS ist die Antwort des Cornelsen-Verlags zum Trendthema „Diagnose und individuelle Förderung“.  Die zweite große Verlagsgruppe um Schroedel hat hierzu ja schon seit einiger Zeit mit der Grundschuldiagnose ein Produkt im Portfolio, nun also auch Cornelsen.

Der Ansatz ist recht ähnlich, wenngleich er bei Cornelsen aufwändiger und „professioneller“ wirkt. Man lässt die Kinder einen Testbogen ausfüllen, überträgt die Ergebnisse über eine Onlinemaske zu Cornelsen und diese werten den Test aus (mit standardisierten Normtabellen, im Gegensatz zu schroedel). Daraus abgeleitet werden dann Kompetenzstufen und natürlich Förder- und Forderbedarfe. Man wirbt damit, dass man auch konkrete Fördervorschläge anbietet, allerdings habe ich hierfür bisher kein Beispiel gefunden.

Neben den üblichen Kritikpunkten „Ist das individuelle Förderung, wie sie sein sollte“ und „Wer soll das bezahlen“ ist mir hierzu noch ein ganz anderer Gedanken gekommen: Wie geht Cornelsen mit den erhobenen Daten um? Im Rahmen der Onlineauswertung werden ja nicht unerhebliche Daten erhoben: Name der Kinder, Name der Lehrkraft, Name der Schule usw. Dazu natürlich noch die Leistung der Kinder und damit der Klasse. Damit ließe sich wirklich allerlei anstellen. Dazu später mehr.

Vera bzw. das IQB/die Uni Landau erheben für im weitesten Sinne ähnliche Tests die Daten anonym: Auf die Erfassung der Schülernamen wird ebenso verzichtet wie auf die Erfassung der Lehrerdaten. Einzig mit der konkreten Schule werden die Daten (verständlicherweise) verbunden.

Was sich Cornelsen konkret für Rechte herausnimmt kann ich nicht sagen. Derzeit ist die Onlineauswertung in einer technischen Wartung. Ich hatte gehofft, dort eine Datenschutzerklärung o.ä. zu finden. Grundsätzlich könnten Cornelsen mit den Daten personalisierte Werbung ausliefern: Ein Lehrer, dessen Klasse in Mathematik besonders schwach ist, bekommt dann eben besonders viel Werbung dafür. Ferner ließe sich natürlich die Lernentwicklung eines jeden Kindes mit Namen auswerten und über die Grundschulzeit nachverfolgen. Evtl. ließen sich daraus auch Rückschlüsse auf die Qualität des Unterrichts ziehen. Und nicht zuletzt könnte Cornelsen natürlich Schulen miteinander vergleichen.

Wie bereits gesagt ist dies alles im Konjunktiv zu sehen. Ob Cornelsen dies wirklich tut steht auf einer ganz anderen Karte. In Zeiten von NSA, Prism und Co bin ich aber doch erstaunt, welch umfangreiche Datensammlung dort durch eine Firma geschieht und welche Möglichkeiten sich grundsätzlich ergeben. Ob die Übermittlung der Testdaten mit Angabe der Namen der Kinder an Cornelsen überhaupt mit dem Schulgesetz (und den darin enthaltenen Klauseln zum Datenschutz) vereinbar ist, wäre mal durch einen Datenschutzbeauftragten zu prüfen.

Für mich ein durchaus interessantes und heikles Thema …