Rechtschreibung in den Texten der Kinder bewerten

Seit etlichen Monaten treibe ich mich schon mit der Frage herum, wie ich folgende Vorgabe des Lehrplans Deutsch (NRW) im Bereich Leistung fördern und bewerten angemessen umsetzen kann:

Fachbezogene Bewertungskriterien sind insbesondere: Richtig schreiben: die Feststellung, an welcher Stelle auf dem Weg zur normgerechten Schreibung die Schülerinnen und Schüler stehen; Grundlage sind die eigenen Texte.

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Rechtschreibkonferenzen

Für eine aktuelle Unterrichtsreihe habe ich mich heute auf die Suche nach Material zu Rechtschreibkonferenzen gemacht. Zuerst habe ich hierzu (natürlich) Tante google befragt. Dort fand ich jedoch in erster Linie den Verweis auf eine Konferenz aus dem Jahre 1901, in der eine gemeinsame Orthografie für den deutschsprachigen Raum festgelegt wurde. Das mag ein großer Meilenstein in der Geschichte der deutsche Sprache gewesen sein, traf aber nicht das, was ich suchte. Die Suche förderte zudem einige Konzepte und Schulprogramme zu Tage, die zwar alle brav darauf verwiesen, dass sie Rechtschreibkonferenzen durchführen, aber keine weitere Angaben dazu machten, wie sie durchgeführt werden. Von daher machte ich mir meine eigenen Gedanken:

Für mein Verständnis kann eine solche Rechtschreibkonferenz zwei Funktionen haben:

  1. einen (Schüler-)Text auf etwaige Fehler hin untersuchen und diese im besten Fall korrigieren.
  2. einen orthografisch korrekten Text auf besondere Schreibungen hin untersuchen und sich in einer Diskussion über die Begründung der Schreibung austauschen.

Ich war/bin auf der Suche nach Material zu Konferenzen nach dem zweiten Verständnis. Die erstgenannte Variante ist mit Sicherheit auch interessant, aber mit Sicherheit äußerst zeitintensiv. Ich könnte mir vorstellen, dass hier andere Methoden der orthografischen Überarbeitung effektiver sind.
Bei meiner weiteren Suche fand ich dann im letzten Heft der Reihe deutsch differenziert einen Artikel von Natalie Bors, die dort eine so verstandene Konferenz vorstellt. Dort arbeiten die Kinder mit einem vorgegeben Wortmaterial, welches sie Wort für Wort auf schwierige Stellen hin untersuchen. In einer gemeinsamen Diskussion werden dann Begründungen für die Schreibung notiert. Beim Wort Bäume beispielsweise wären B und äu die zu markierenden Stolperstellen. Das B kommt zustande, da es sich um ein Nomen handelt. Das äu kommt zustande, weil das Wort von Baum abgeleitet ist. (Anmerkung: es ist durchaus möglich, dass es sich hierbei um eine Idee von Beate Leßmann handelt. Sie ist zumindest in den Literaturangaben des Artikels benannt)

Das Ziel der Methode beschreibt Frau Bors folgendermaßen:

Der gegenseitige Austausch ist dabei ungemein wichtig, da jedes einzelne Kind nur so sein eigenes Gedankenrepertoire erweitern kann, um die Gedankengänge, die hier trainiert werden, später am eigenen Wortmaterial nutzen zu können. (deutsch differenziert 1/2016, S. 14)

Ich habe die Methode für die Zwecke meines Unterrichts abgewandelt. Der Konzeption unseres Sprachbuchs folgend sollen die Kinder die Konferenz auf Grundlage eines ganzen Lernwörtertextes durchführen. Zudem soll bei der Begründung Rückgriff die Symbole unserer Rechtschreibkonzeption genommen werden. Ich werde dies morgen einmal erproben. Ich bin gespannt, ob die Gruppen a) viele Stolperstellen erkennen und b) passende Begründungen für die Schreibung finden können. Für interessierte Lehrer*innen habe ich die Ablaufkarte mit dem Bild verlinkt.Rechtschreibkonferenz Lernwörtertext

Fundstück: Kartei Rechtschreiben

Auf der #didacta16 habe ich beim vpm-Verlag eine interessante Kartei mit dem Titel „Rechtschreiben“ gefunden. Ich bin zwar sonst kein allzu großer Karteien-Fan, aber hier hat mich die inhaltliche Gestaltung überzeugt. Vorab eine Anmerkung: Ich habe diese Kartei selbst gekauft und ich schreibe diese Vorstellung freiwillig.

Die Kartei gliedert sich in 7 Bereiche: Arbeitstechniken, Rechtschreibhilfen, Rechtschreibstrategien, Zeichensetzung, Rechtschreibgespür, geübte Wörter und Selbsteinschätzung. Zu jedem Bereich stehen mehrere Karten zur Verfügung, insgesamt sind es 60 Stück.

Im Bereich Arbeitstechniken gibt es Übungen zum Lernwörtertraining, zu Abschreibtechniken und zum Fehlerfinden. Hierzu stehen insgesamt 8 strategieorientierte Tippkarten bereit, mit denen die Lernenden beim Fehlerfinden unterstützt werden, indem sie zum Beispiel zur Untersuchung der Vokallänge oder zur Anwendung der Ableitungsstrategie angeregt werden. Insgesamt stellen die Tippkarten mit Sicherheit ein sinnvolles Hilfsmittel dar, wenngleich ich meine Zweifel habe, ob alle Lernenden die Geduld aufbringen können, alle Wörter eines Textes mit allen 8 Karten zu prüfen.

Im Bereich Rechtschreibhilfen wird vor allem die Verwendung des Wörterbuchs trainiert. Den größten Bereich machen die Karten zu den Rechtschreibstrategien aus. Hier werden die Groß- und Kleinschreibung, die Vokalkürze (bzw. -länge), die Verlängerungsstrategie und die Ableitungsstrategie trainiert. Großes Plus: Jede Übung ist immer mit einer „Regel“ oder einem „Merksatz“ verknüpft. Es geht also beispielsweise keinesfalls um stures Abschreiben von möglichst vielen Wörtern mit Doppelkonsonanten, sondern um bewusste Untersuchung der Wörter unter Berücksichtigung der Regel „auf einen kurzen Vokal folgen fast immer zwei Konsonanten“.

Besonders angetan bin ich von den Karten zum „Rechtschreibgespür“. Hier gibt es u.a. Übungen, bei denen die Lernenden die Schreibung von Wörtern unter Berücksichtigung der Regeln und Merksätze begründen sollen. Beispielsweise soll begründet werden, warum Nussschale mit „sss“ geschrieben wird. Diese Übungsform taucht auch beim „Dicken Brocken“ auf, hier jedoch im Klassenverband. Auch bei dieser Übung können die Kinder mit den Tippkarten arbeiten.

Im Bereich geübte Wörter können die Lernenden eine Vielzahl von Merkwörtern üben, die keiner Rechtschreibstrategie unterliegen, wie zum Beispiel die Wörter mit Doppelvokal. Die letzte Karte ist ein Selbsteinschätzungsbogen, über die die Schüler die für sie passenden Übungskarten finden können.

Die Kartei ist eines der wenigen Arbeitsmittel zur Rechtschreibung, die in dieser Dichte auf die Bewusstmachung von Rechtschreibregeln bzw. Rechtschreibstrategien setzt. Während es in vielen Arbeitsheften und -karteien hauptsächlich um das stumpfe Abschreiben von Wörtern geht, wird hier die Reflexion über Schreibungen angeregt. Als alleiniges Arbeits- bzw. Hilfsmittel für die Klassen 2 bis 4 ist die Kartei mit Sicherheit nicht ausreichend. Dafür bietet sie zu wenige Übungen. Aber sie ist mit Sicherheit eine sinnvolle Ergänzung. Zudem lässt sie sich mit ggf. vorhandenen Konzepten wie FRESCH oder Sommer-Stumpenhorst kombinieren, da sie selbst keine Symbole o.ä. verwendet.

Empfehlung vs. Wirklichkeit: Rechtschreibmaterial unter der Lupe

In den Kommentaren meines letzten Beitrags hat Britta netterweise eine wunderbare Veröffentlichung des niedersächsischen Kultusministeriums verlinkt: Orthografie – Materialien für einen kompetenzorientierten Unterricht im Primarbereich

In dem 180 Seiten starken Dokument, bei dessen Entstehung u.a. Prof. Dr. Carl-Ludwig Naumann als ausgewiesener Experte im Bereich der Rechtschreibdidaktik mitgewirkt hat, gibt es gewissermaßen den vollständigen Rundumschlag zur Rechtschreibung: Struktur der Orthografie, Rechtschreibenlernen als Entwicklungsprozess, Diagnostik, Aufgaben zum Kompetenzerwerb, Aufgaben zur Kompetenzüberprüfung, Planungsbeispiele und eine Übersicht über diagnostische Testverfahren. Sehr interessant zu lesen und mit vielen guten Anregungen. Im Grunde hätte ich mir eine so deutlich Positionierung bzw. eine so gute Arbeitshilfe auch vom Buch des GSV versprochen.

Bei der ersten Durchsicht ist mir direkt das Kapitel zum Entwicklungsprozess ins Auge gesprungen. Dort wird nicht nur eines der bekannten Stufenmodelle zum Rechtschreiberwerb vorgestellt und erläutert. Darauf aufbauend wird zudem eine Empfehlung ausgesprochen, welche rechtschriftlichen Phänomene in welchem Quartal des Unterrichts angebahnt werden könnten. Hierbei dient das Haus der Orthografie als Grundlage des Aufbaus der Planung. Leider kann ich die Tabelle hier nicht als Grafik wiedergeben, sie findet sich aber im oben verlinkten Dokument auf S. 36/37. Weiterlesen

Lektüre zur Rechtschreibung

Kein Thema der Grundschule wurde von externen Beobachtern in den letzten Jahren so heiß diskutiert, wie der Rechtschreibunterricht. Einen Teil der öffentlichen Diskussion habe ich hier im Blog nachgezeichnet, zudem sind einige weitere Artikel in der Kategorie „Rechtschreibung“ veröffentlicht.

Bereits vor einigen Monaten ist der 140. Mitgliedsband des Grundschulverbands erschienen. Dieser befasst sich unter dem Titel „Rechtschreiben in der Diskussion“ erneut mit dem Thema, nachdem der letzte Band hierzu aus dem Jahr 2000 datiert.

Ich möchte das Buch an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen, wenngleich es mich in gewisser Weise auch enttäuscht hat. Enttäuscht, weil ich erwartet/erhofft hatte, dass der Grundschulverband eindeutiger Position bezieht, als er es in dem Werk tut. Doch hierzu später mehr. Das Buch ist in drei Teile gegliedert: eine Art Vorstellungsrunde, einen Überblick über die Forschungslage (der jedoch nur Teilaspekte herausgreifen kann) und eine Sammlung unterrichtspraktischer Anregungen. Weiterlesen

Rückschau auf den Chat

Gestern nun war es soweit. Der erste Chat bei Grundschulblogs ging über die Bühne. Zwischen 50 und 70 User waren mit dabei, wobei die meisten davon eher stille MitleserInnen waren. Die Zahl der aktiven Chatter würde ich mal auf 10 schätzen. Da ist definitiv noch Luft nach oben … wenn es denn einen zweiten Chat geben sollte. Hierzu wird Rückmeldung in den Kommentaren gerne gesehen. Auch zu der Frage nach der „optimalen“ Uhrzeit und dem nächsten Thema.

Hier kommt nun das vollständige Protokoll des Chats:

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Allein allein

Vor gut 2 Wochen hatte ich zur Blogparade Rechtschreibung aufgerufen. Es war ein erster Versuch, der kläglich gescheitert ist. Sieht von dem sehr interessierten Kommentar von Frau Henner ab, die in ihrem Unterricht auch so ihre Erfahrungen mit dem Rechtschreibunterricht der Grundschullehrer gemacht hat, so blieb es insgesamt ruhig. Sehr ruhig. Gründe? Da mag es bestimmt viele geben: eine unklare/diffuse Aufgabenstellung, wenig Erfahrung mit dem Format, ungenügende Reichweite meines Aufrufs, Zeitmangel, Desinteresse an der Thematik oder auch eine insgesamt zu beobachtende Müdigkeit was das Kommentieren und vor allem Diskutieren angeht? Mit einer bunten Abschreibkartei gewinnt man noch immer mehr Interesse, also mit einem Austausch über sinnvolle Didaktik und Methodik.

Ich freue mich, wenn sich auch in Zukunft die ein oder andere Lehrkraft zu der Thematik äußert. Ob in Kommentaren oder einem eigenen Blogpost ist dabei erstmal nebensächlich. Ein Blick über den Tellerrand, ein Hineinschnuppern in Rechtschreibkonzeptionen, ein Austausch und eine Diskussion über Ideen und Ansätze … so etwas würde ich mir wünschen. Sehr ausführlich (und sehr gut) findet man dies übrigens in Mareks Blog Skolnet.

Update vom 26.03.2015:

Zu dem Thema passt eine Mail, die ich heute vom Grundschulverband bekommen habe: Im Sommer wird ein neues Buch des GSV zum Themenkomplex Rechtschreibung erscheinen. Leider ist der Newsletter nicht öffentlich zugänglich, sonst hätte ich ihn hier verlinkt. Das letzte Buch zur Rechtschreibung von 2000 ist ja inzwischen leider nur noch als PDF-Datei erhältlich, aber m.M. nach wie vor sehr gut und aktuell. Im neuen Buch werden nun 14 (!!!) rechtschreibdidaktische Ansätze vorgestellt. Gerade junge KollegInnen, die sich von Vertretungsvertrag zu Vertretungsvertrag hangeln und damit auch von Schule zu Schule hüpfen, können in so einem Konzeptwirrwarr wohl doch schnell den Überblick verlieren! Trotzdem bin ich auf den neuen Band, der im Sommer erscheinen soll, sehr gespannt.

Blogparade: Rechtschreiben

Heute möchte ich alle (Grund-)Schulblogger einmal zu einer Blogparade zur „Rechtschreibung“ aufrufen. Die Idee zur der Blogparade kam mir in der vergangenen Woche:

Der Landtag des beschaulichen Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern hat bereits am 21.2. eine vergleichsweise kurze Pressemitteilung zum Landesergebnis der Schulen in Vera 2014 (Bereich Rechtschreibung) veröffentlicht. Viele Presseportale haben die Mitteilung mit den Ergebnissen einfach mehr oder weniger kopiert, die FAZ hat daraus einen vergleichsweise schlecht recherchierten Artikel über „Schreiben nach Gehör“ gemacht.

Zu den Fakten: Im Land Mecklenburg-Vorpommern haben 37% der Kinder Kompetenzniveau 1 erreicht, 26% der Kinder liegen auf Kompetenzniveau 2. Eine exakte Beschreibung der Kompetenzstufen zur Rechtschreibung konnte ich im öffentlichen Bereich nicht finden, eine erste Übersicht lässt sich aber dem Bericht aus dem Land Berlin entnehmen.

Dabei sollte des Land MV doch froh sein. Über die erreichten Ergebnisse würde man in Berlin frohlocken! Dort sind 50% der Kinder auf Kompetenzniveau 1 und 22% der Kinder auf Kompetenzniveau 2. Anders gesprochen: Nur 28% der Kinder erreichen dort am Ende von Klasse 3 ein fortgeschrittenes Leistungsniveau.

Doch was heißt „Niveau 1“ eigentlich? Für dieses Leistungsniveau wird (verkürzt gesagt) gefordert, dass Wörter überwiegend lautgetreu geschrieben werden. Für „Niveau 2“ wird dies erweitert zu „Schüler kann nach grundlegender Laut-Buchstaben-Zuordnung schreiben und wendet erste Rechtschreibregel an“. Eine Kompetenz, die in NRW am Ende von Klasse 2 erreicht sein soll. 50% der Kinder in Berlin erreichen diese Kompetenz NICHT. Am Ende von Klasse 3.

Mir ist durchaus bewusst, dass die VERA-Tests nicht unumstritten sind. Aber unterstellen wir einfach mal, dass VERA ein gewisses Maß an Reliabilität und Validität besitzt. Wie kann es dazu kommen, dass am Ende von Klasse 3 ein so hoher Prozentsatz an Kindern nicht das Kompetenzniveau erreicht hat, das am Ende von Klasse 2 erreicht sein sollte bzw. dieses so gerade erreicht?

Ich finde dieses Thema durchaus interessant und wichtig. Daher starte ich hiermit die Blogparade Rechtschreibung. Bis zum 23.03. dürfen sich alle BloggerInnen beteiligen und den Link zu ihrem Beitrag in den Kommentaren posten. Ein paar Schlagwörter zur Ideenfindung möchte ich noch mit auf den Weg geben: Konzepte, Blick in die Praxis, Diagnostik, fehlende Grundlagen, Literatur, Ausbildung, Material … Und insbesondere die Kollegen der Sek1: Was kommt bei euch an? Decken sich eure Erfahrungen mit den Ergebnissen aus VERA?

Die spinnen, die Finnen!

Die deutsche Presse hat mal wieder einen Schul-Aufreger gefunden. Diesmal nicht in heimischen Gefilden, sondern im fernen Finnland. Die Finnen (DIE Finnen, die Pisameister Finnen!!!1Elf) haben sich gewagt die Handschrift aus der Schule zu verbannen. Sie musste noch nicht einmal in den T-Raum, sondern es gab den direkten Schulverweis. Die Finnen schreiben nur noch am Computer. Ausschließlich. Ganz vielleicht auch am Tablet. Aber ganz bestimmt nicht mit der Hand.

Das Finnland die HANDschrift abschafft, stand u.a. beim guten alten Spiegel. Da viele Zeitungen und Newsportale einfach nachschreiben, was der Spiegel so schreibt, war es also quer durchs Internet zu lesen. So ist es aktuell noch bei GMX und RP Online zu lesen. Der Spiegel hat inzwischen gemerkt, dass der Übersetzer irgendwie unsauber gearbeitet hat. Es geht den Finnen keineswegs um die HANDschrift, sondern um die SCHREIBschrift. Druckschrift schreiben die Finnen sehr wohl noch in der Schule. Und auch diese Buchstaben muss man natürlich irgendwie mit der Hand aus dem Bleistift herauskitzeln.

Finnland schafft die Schreibschrift ab klingt aber auch nicht so revolutionär, denn dies haben schon andere Länder zuvor gemacht. Deutsche Bundesländer sogar. In NRW zum Beispiel ist im Lehrplan als Kompetenzziel nur von einer „verbundenen Handschrift“ die Rede. Das KANN die Schreibschrift sein. Das kann aber auch die Grundschrift sein. Der große Unterschied zum finnischen Modell ist, dass das Schreiben mit der Tastatur keinen so hohen Stellenwert im Lehrplan hat. Vielleicht, weil man sich sehr wohl bewusst ist, dass man dazu die Schulen auch adäquat ausstatten müsste, was wiederum Geld kostet? Man weiß es nicht. In Finnland scheint dies kein Problem zu sein. Vielleicht sind die Finnen deswegen Pisameister. Und vielleicht spinnen sie doch nicht, diese Finnen.

Auf die Länge kommt es an …

… wenn man die Doppelkonsonanten richtig verwenden will. Diese folgen nämlich stets auf den kurzen betonten Selbstlaut bzw. sorgt der Doppelkonsonant dafür, dass der Vokal kurz gesprochen wird.

Daher ist es durchaus wichtig, dass die Schüler erkennen, ob ein Vokal kurz oder lang klingt. Die Frage ist nur, wie man dies trainiert bzw. mit welcher Aufgabenstellung. Bei Lollipop wird eine entsprechende Aufgabenstellung so formuliert:

Welche betonten Selbstlaute klingen lang, welche kurz?

Darunter folgt dann eine Reihe von Wörtern. Die Aufgabenstellung ist zwar klar formuliert, doch es ist zu erwarten, dass einige Schüler mit einem betonten Selbstlaut nichts anfangen können. In einer erweiterten Erklärung lässt man sich dann u.U. zu folgendem Satz hinreißen:

Klingt das /o:/ in Roller lang oder kurz?

Ich habe hier bewusst die Lautschreibung verwendet, um deutlich zu machen, dass man als Lehrer wohl i.d. Regel das Graphem O mit einem lange O (wie in Ofen) bezeichnet und nicht mit einem kurzen O (wie in Ordner). In Roller klingt aber kein /o:/, sondern ein /ɔ/. Klänge in Roller ein /o:/, dann wäre es auch lang, denn nur das /ɔ/ klingt kurz. Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Überlegungen zu „kleinkariert“ bin und es für die Kinder wirklich eine zu hohe Transferleistung ist, wenn man sie fragt, ob das o in Roller kurz oder lang klingt, die Kinder aber eigentlich gedanklich entscheiden müssen, ob sie ein /o:/ oder ein /ɔ/ hören. Ich habe mich in diesem Durchgang trotzdem einfach mal dazu entscheiden, die Übung auf den beiden verschiedenen Anlautbildchen für das Graphem O aufzubauen. Die Kinder müssen also entscheiden:

Höre ich in Roller ein o wie in Ofen? Dann ist es lang. Oder höre ich o wie in Ordner, dann ist es kurz.

Meine Hoffnung ist eigentlich, dass die Unterscheidung mit dieser Hilfe etwas leichter fällt, denn zwei verschiedenen Anlautbildchen sind für alle Vokale bekannt und wurden auch im ersten Schuljahr konsequent verwandt (wenngleich sie sich in der Anlauttabelle jeweils gemeinsam in einem Feld standen). Und vielleicht wird dann auch die Rechtschreibung bzgl. der Doppelkonsonanten sicherer.

Sollte ich mit dieser „Methode“ bahnbrechende Erfolge feiern, dann lasse ich es euch wissen. Ansonsten war es halt mal ein nett gemeinter Versuch.