BYOD in der Grundschule

Heute war ich mal mutig. Also ein bisschen. Aber es hat sich gelohnt. Ich habe einmal gewagt, dass Konzept BYOD auch in der Grundschule zu testen. Wer sich den verlinkten Wikipedia-Artikel nicht durchlesen möchte: unter BYOD versteht man den Ansatz, dass Schüler eigene mobile Endgeräte mit in die Schule bringen, um sie dann für das Lernen zu nutzen.

Im Medienkurs erarbeite ich mit den vierten Schuljahren (einige) Kompetenzen des Medienpass NRW. Neben den Vorschlägen aus dem umfangreichen (und guten !!) Begleitmaterial, versuch ich aber auch immer wieder eigene Ideen umzusetzen und probiere vieles auch einfach mal aus. Die formulierten Kompetenzen bieten ja einen breiten Spielraum für kreative Ideen: Trickfilme, Präsentationen, Hörspiele, Filme … da kann man sich als technikaffiner Lehrer so richtig austoben.

Bei meinen Planungen bin ich zuletzt über folgende Kompetenz gestolpert:

  • Schülerinnen und Schüler wenden Basisfunktionen digitaler Medien (z.B. Computer, digitaler Fotoapparat) an.

Natürlich lernen die Kinder bei mir, einen Computer zu bedienen. Aber weitere digitale Medien kamen bisher aufgrund fehlenden Vorhandenseins nicht zum Einsatz. Dabei kommt der PC in der digitalen Realität der Kinder gar nicht mehr so häufig zum Einsatz. Mehr und mehr wird er von Smartphone und Tablet abgelöst, denn für Youtube, Spiele und Social Media reichen diese Geräte ja auch vollkommen aus. Eine formlose Abfrage im Unterricht ergab, dass weit über 50% der Kinder inzwischen ein Smartphone besitzen. Wieso sollte man das also nicht einfach mal im Unterricht nutzen und den Kindern dabei zeigen, dass man diese Geräte auch für das Lernen sinnvoll nutzen kann?

Aus diesen Vorüberlegungen entstand die Idee, einen kleinen „Imagefilm“ über die Schule zu erstellen. Die Kinder sollten die (für sie) wichtigsten Orte der Schule in einem kleine Film vorstellen. Zur Erstellung der Fotos sollten die Smartphones herhalten, der Filmschnitt dann aber am PC geschehen. In unserem „Medienraum“ stehen immerhin 12 PCs bereit, so dass die Kinder bei der Filmproduktion alle auf die gleiche Plattform zurückgreifen können (das macht die Erklärung wesentlich einfacher).

Heute brachten die Kinder ihre Geräte mit, planten grob die Inhalte des Films und machten anschließend die Fotos, die wir anschließend auf die PCs übertragen haben. Letzteres war zwar etwas wuselig und erforderte Geduld, hat aber gut funktioniert. Das Schießen und Bewerten der Bilder war überhaupt kein Problem: Bilder, die nicht den Vorstellungen entsprachen, wurden nach einem kurzen Check neu erstellt. Der Umgang mit den Geräten überhaupt kein Thema. Und: die Geräte wurden sehr zielorientiert genutzt. Man hätte durchaus erwarten können, dass die Kinder die für sie völlig neue Situation auch ausnutzen würden und erstmal eifrig whatsappen oder Videos austauschen. Dies geschah aber zum Glück erst nach Unterrichtsende. Auch die Persönlichkeitsrechte der Kinder wurden gewahrt: Mache keine Fotos, auf dem eine andere Person zu sehen ist (außer die Person ist damit einverstanden). Hier haben die letzten Unterrichtseinheiten zum sicheren Umgang mit digitalen Medien scheinbar gefruchtet.

In der nächsten Woche dann werden die Bilder und Filmschnipsel mit dem Movie Maker zu einem Film verarbeitet, um folgende Kompetenz aus dem Medienpass anzubahnen:

  • Schülerinnen und Schüler erstellen unter Anleitung ein einfaches Medienprodukt (z.B. Plakat, Bildschirmpräsentation, Audiobeitrag, Handy-Clip).

Ich bin gespannt, wie gut das klappt. Der Movie Maker bietet den Vorteil, dass er kostenlos verfügbar, auf (fast) allen Windowsversionen läuft und die Kinder somit die Chance haben, die erlernten Kompetenzen auch zu Hause anzuwenden.

Ein letzter Hinweis für Nachahmer: Klärt im Vorfeld ab, ob die Geräte über die schulische Sachversicherung mit abgedeckt sind und weist die Eltern vorab darauf hin, wenn kein Versicherungsschutz besteht. Dies kann im Falle eines Falles dabei helfen, Ärger zu vermeiden. So ganz billig sind die Smartphones ja nicht.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. und was haben die sus gelernt? ich meine ausser der verwendung eines programms? warum haben sie nicht gleich, etwa mit yt capture, gefilmt und kommentiert? und dazu vorgängig ein drehbuch geschrieben? und in einem blog publiziert? samt video tutorial?

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    • Herrn Emrich

      In Abwägung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und des angestrebten Kompetenzrahmens habe ich mich für diese Lösung entschieden. Das Lernziel habe ich ja bereits beschrieben: Erstellen eines einfachen Medienprodukts unter Anleitung.
      YT Capture war mir bisher nicht bekannt. Ist es richtig, dass es das nur für iOS gibt? Es brachten nicht wenige Kinder Geräte mit Android oder Windows Phone mit.

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