Auf die Länge kommt es an …

… wenn man die Doppelkonsonanten richtig verwenden will. Diese folgen nämlich stets auf den kurzen betonten Selbstlaut bzw. sorgt der Doppelkonsonant dafür, dass der Vokal kurz gesprochen wird.

Daher ist es durchaus wichtig, dass die Schüler erkennen, ob ein Vokal kurz oder lang klingt. Die Frage ist nur, wie man dies trainiert bzw. mit welcher Aufgabenstellung. Bei Lollipop wird eine entsprechende Aufgabenstellung so formuliert:

Welche betonten Selbstlaute klingen lang, welche kurz?

Darunter folgt dann eine Reihe von Wörtern. Die Aufgabenstellung ist zwar klar formuliert, doch es ist zu erwarten, dass einige Schüler mit einem betonten Selbstlaut nichts anfangen können. In einer erweiterten Erklärung lässt man sich dann u.U. zu folgendem Satz hinreißen:

Klingt das /o:/ in Roller lang oder kurz?

Ich habe hier bewusst die Lautschreibung verwendet, um deutlich zu machen, dass man als Lehrer wohl i.d. Regel das Graphem O mit einem lange O (wie in Ofen) bezeichnet und nicht mit einem kurzen O (wie in Ordner). In Roller klingt aber kein /o:/, sondern ein /ɔ/. Klänge in Roller ein /o:/, dann wäre es auch lang, denn nur das /ɔ/ klingt kurz. Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Überlegungen zu „kleinkariert“ bin und es für die Kinder wirklich eine zu hohe Transferleistung ist, wenn man sie fragt, ob das o in Roller kurz oder lang klingt, die Kinder aber eigentlich gedanklich entscheiden müssen, ob sie ein /o:/ oder ein /ɔ/ hören. Ich habe mich in diesem Durchgang trotzdem einfach mal dazu entscheiden, die Übung auf den beiden verschiedenen Anlautbildchen für das Graphem O aufzubauen. Die Kinder müssen also entscheiden:

Höre ich in Roller ein o wie in Ofen? Dann ist es lang. Oder höre ich o wie in Ordner, dann ist es kurz.

Meine Hoffnung ist eigentlich, dass die Unterscheidung mit dieser Hilfe etwas leichter fällt, denn zwei verschiedenen Anlautbildchen sind für alle Vokale bekannt und wurden auch im ersten Schuljahr konsequent verwandt (wenngleich sie sich in der Anlauttabelle jeweils gemeinsam in einem Feld standen). Und vielleicht wird dann auch die Rechtschreibung bzgl. der Doppelkonsonanten sicherer.

Sollte ich mit dieser „Methode“ bahnbrechende Erfolge feiern, dann lasse ich es euch wissen. Ansonsten war es halt mal ein nett gemeinter Versuch.

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3 Antworten

  1. Minty sagt:

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es den Kindern hilft, wenn sie beide Möglichkeiten bewusst sprechen und vergleichen. Verbunden mit einer Handbewegung: mit der Hand waagrecht in der Luft eine langsame Bewegung bei Roooooler und zum Vergleich einmal auf den Oberschenkel lauschen bei Roller mit sehr kurzem o. Die Kinder, die konsequent beide Varianten aussprechen, erkennen meist sehr zuverlässig, ob kurz oder lang richtig ist.
    Minty

  2. Minty sagt:

    …oh, diese Auto-Korrektur: patschen, nicht lauschen… 🙁
    Minty

  3. SaWie sagt:

    Bei der Unterscheidung langer und kurzer Vokale habe ich mit dieser Methode (in Kombination mit der von Minty beschriebenen Vorgehensweise) gute Erfolge zu verzeichnen. Jetzt in der 3. Klasse unterscheiden 90% der Kinder (und damit mehr als doppelt so viele wie in den Durchgängen davor) in entsprechenden Übungen ziemlich sicher, ob die Vokale lang oder kurz sind.
    Meine Begeisterung darüber hält sich aber in Grenzen. Leider führt das nämlich bei den meisten nicht dazu, dass auch Doppelkonsonanten richtig verschriftet werden. Da sind die Regeln der deutschen Rechtschreibung aber auch so was von kompliziert, dass ich mir manchmal selber nicht mehr sicher bin…

    Wenn auf den kurzen betonten (und nur wenige meiner SchülerInnen erkennen, welches der „betonte“ ist) Vokal ohnehin schon zwei Konsonanten folgen, wirdin der Regel doch nicht verdoppelt (z.B. bei „singen“ schreibt man ja nicht zwei „nn“). Das verstehen vielleicht noch eine Handvoll Kinder und setzen das um.

    Dann kommt aber wieder die Schwierigkeit hinzu, dass ganz oft das morphematische Prinzip greift. (Z.B. bei „rennt“ werden ja doch wieder zwei „nn“ geschrieben, obwohl dann noch das „t“ kommt.) Wenn ich das unabhängig von der Regel oben bespreche und die Kinder z.B. Verben in verschiedene Personalformen bringen und dabei den Wortstamm erhalten sollen (nach der Strategie „WEITERSCHWINGEN“, die im ZEBRA-Lehrwerk vermittelt wird), klappt das wiederum recht gut. Darum tendiere ich inzwischen dazu, die Konsonantendopplung lieber über offene und geschlossene Silben zu erklären.

    Nur hat auch diese Strategie dann wieder bei den unregelmäßigen Verben ihre Grenzen.
    So leuchtet es vielen Kindern danach überhaupt nicht ein, warum man „hat“ mit nur einem „t“ schreibt. Sowohl wenn man nach Länge des betonten Vokals geht, als auch wenn man weiterschwingt („hatten“), kommt man eindeutig zu dem Ergebnis, dass dieses Wort mit zwei „tt“ geschrieben werden müsste.
    Das Wort „hat“ braucht man nun aber wiederum so häufig, dass man es ja nicht als Ausnahme außen vor lassen kann, bis die Regel sicher verstanden wurde.

    Vielleicht magst du ja mal was dazu schreiben, warum du dich dafür entschieden hast, die Konsonantendopplung über die Länge des betonten Vokals einzuführen und nicht mittels der anderen Methode (deren Name mir gerade entfallen ist; jedenfalls das mit den offenen und geschlossenen Silben)?
    Hast du Tipps, wie die Kinder besser verstehen, was der „betonte“ Vokal ist? Wie und wann führst du dann die Sache mit dem gleichbleibenden Wortstamm ein?

    LG
    SaWie

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