Arbeitspläne für alle Fächer – völlig umsonst!

Derzeit darf ich mich wieder einmal ein wenig mit dem Thema „Arbeitspläne“ beschäftigen. Mancherorts werden diese Dokumente auch schulinterne Curricula oder schuleigene Lehrpläne genannt. In NRW ist durch §29 des Schulgesetzes geregelt, dass jede Schule einen solchen Plan erstellen und pflegen muss. Ich vermute, dass es in anderen Bundesländern ähnliche Regelungen gibt.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema könnte einem die Frage kommen, ob der Arbeitsplan so heißt, weil er bei der Erstellung so viel Arbeit macht oder weil er hinterher hilfreich bei der Arbeit mit den Schülern ist. Man könnte hierzu vielleicht mal eine Umfrage starten: a) Wo findest du die Arbeitspläne deiner Schule? b) Wann hast du zuletzt hineingesehen? Werden also vielleicht in einem Arbeitsplan Vereinbarungen und Absprachen getroffen, die nachher einfach nicht eingehalten werden, weil es jeder Kollege so macht, wie er es kennt/für richtig hält? Oder sind Arbeitspläne bewusst so allgemein/vage gehalten, dass sie für die konkrete Ausgestaltung des Unterrichts nur wenige Anhaltspunkte bieten? Wenn man den Arbeitsplan nur für das im Headerbild dargestellte Archiv erstellt und damit (widerwillig) die Vorgaben der Administration erfüllt, dann hat der Arbeitsplan vermutlich tatsächlich seinen Namen, weil er so viel Arbeit macht.

Arbeitsplan als Hilfe für das Kerngeschäft

Wie aber kann ein Arbeitsplan hilfreich bei der Arbeit mit den Kindern sein? Was ist ein guter Arbeitsplan und wie erstellt man ihn? Hierzu habe ich natürlich auch ein bisschen recherchiert und … eher wenig gefunden. Das Land NRW zum Beispiel bietet Beispielarbeitspläne und Hilfen zur Erarbeitung für alle Schulformen an. Nein, nicht für alle Schulformen, für die Grundschule nämlich gerade nicht. Aber auch die verlinkten Dokumente für die Hauptschule bieten einen ersten Anhaltspunkt, welche Struktur ein Arbeitsplan haben könnte/sollte:

  • Rahmenbedinungen der Schule
  • Grundsätze des Unterrichts
    • Grobplanung der Unterrichtsplanungen
    • Konkretisierungen der Unterrichtsplanungen
    • Grundsätze zur methodischen und didaktischen Arbeit
    • Grundsätze zur Leistungsbewertung
    • Lehr- und Lernmittel
  • Fächerübergreifende Aspekte
  • Qualitätssicherung

Besonders interessant ist natürlich der Bereich der konkretisierten Unterrichtsplanungen, denn hier geht es ja um meine tägliche Arbeit als Lehrkraft. Leider ist zumindest der Beispiellehrplan sehr unkonkret. Es werden bezogen auf eine Unterrichtsreihe zu einem klar definierten Thema einige Kompetenzen genannt und grobe Ideen zur unterrichtlichen Umsetzung. Insgesamt sehr kompakt.

In Hamburg hat man sich auch Gedanken über die Erstellung von Arbeitsplänen gemacht. Neben einer Broschüre gibt es dort auch Beispielarbeitspläne. Diese sind jedoch fast noch rudimentärer als die Beispiele aus NRW: eine Auflistung von Themen und Inhalten mit einigen wenigen grob umrissenen Beispielreihen. Allerdings ist es wohl angedacht, dass jeder Inhaltsbereich/Thema mit einem konkreten Unterrichtsvorhaben verknüpft wird. Dies wiederum wäre dann eine gute Planungshilfe, weil man als Lehrkraft einer Schule dann doch recht konkrete Hinweise zur unterrichtlichen Umsetzung hat. Dies geht dann natürlich zu Lasten der oft beschworenen pädagogischen Freiheit.

Wie kann ein Arbeitsplan aussehen

Als Vorbereitung auf eine Konferenz habe ich mir mal Gedanken gemacht, wie ein Arbeitsplan bezogen auf die Jahresplanung und die Verteilung der Kompetenzen aussehen könnte. Neben der Angabe der Unterrichtssequenzen halte ich es insbesondere im Grundschulbereich für sehr wichtig, dass auch die ritualisierten Unterrichtsbausteine im Arbeitsplan Niederschlag finden:

  • Erzählkreis
  • Klassenrat
  • Lesen mit Lesemüttern
  • Freie Lesezeiten
  • Büchereizeiten

Auch dabei lernen die Kinder und erweitern ihr Kompetenzspektrum. Solche ritualisierten Unterrichtsmodule könnten im Arbeitsplan so aufgeführt werden:

  • Bezeichnung
  • inhaltlicher Schwerpunkt gemäß Lehrplan
  • Schwerpunktkompetenzen gemäß Lehrplan
  • Festlegungen zur Durchführung

Bezogen auf die Unterrichtsreihen sollte ein Arbeitsplan aus meiner Sicht weitergehen als das, was ich in den Beispielen gefunden habe. Folgende Angaben wären eine deutliche Hilfe bei der Planung des Unterrichts:

  • Thema/Bezeichnung der Unterrichtsreihe
  • inhaltlicher Schwerpunkt gemäß Lehrplan
  • Schwerpunktkompetenzen gemäß Lehrplan
  • überfachliche Kompetenzen gemäß Richtlinien
  • Absprachen bzgl. des methodischen Vorgehens, ggf. mit Rückgriff auf das schulische Methodenkonzept
  • Verweis auf in der Schule vorhandene Lernmittel
  • Verweis auf mögliche fächerübergreifende Aspekte und Querverweis auf die Arbeitspläne dieser Fächer
  • Vorschläge oder Festlegungen auf produkt- und prozessorientierte Verfahren der Leistungserhebung und -rückmeldung.
  • mögliche Förder- und Forderaspekte
  • Verweis auf ausgearbeitete Lernarrangements (z.B. das Lernarrangement Vorgangsbeschreibungen).

Mit diesen Angaben könnte man dann wohl auch als „neue Lehrkraft“ einer Schule arbeiten und sich schnell(er) zurechtfinden.

Arbeitsplan als Hypertext

Fast ebenso wichtig wie die Inhalte des Arbeitsplans ist aus meiner Sicht jedoch auch die Form der Aufbereitung. Ein Arbeitsplan sollte digital als Hypertext, also mit zahlreichen Verlinkungen, aufbereitet werden. Wenn im Arbeitsplan steht, dass als Lernzielkontrolle ein Diktat geschrieben werden kann/soll, dann möchte ich auf das Wort Diktat klicken können, um direkt zum Bewertungsschlüssel und weiteren schulischen Vorgaben für Diktate zu kommen. Wenn im Text ein Lernarrangement zu Vorgangsbeschreibungen erwähnt wird, dann möchte ich da mit ein oder zwei Klicks hinkommen und am besten auch direkt das Material digital einsehen können und nicht erst einen neuen Ordner aus dem Schrank ziehen müssen. Wenn bei methodischen Absprachen das Methodenkonzept erwähnt wird, dann möchte ich dies mit zwei Klicks aufrufen können und nicht erst wühlen müssen, bis ich es gefunden habe. Am einfachsten geht dies natürlich mit einem Schulwiki.

Erfahrungen

Besonderes interessiert bin ich natürlich an Rückmeldungen. Einmal zu meinen groben Ideen bzw. dem, was ich gefunden habe und dann aber auch zu der Praxis, die ihr kennengelernt habt. Ist der Arbeitsplan nur Arbeit oder hilft er auch? Darf er konkret sein oder bin ich als Lehrkraft dann zu sehr eingeschränkt und nicht mehr kreativ genug?

PS: Sorry für den Titel. Einen fertigen Arbeitsplan wird es hier leider nicht zum Download geben 🙂

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9 Antworten

  1. Cubi sagt:

    Och, Florian, jetzt hatte ich auf das ultimative Ei gehofft und du willst bloß Meinungen, statt einem kostenfreien Download. Dabe ihätte ich das ungesehen heruntergeladen und verwendet …
    Alles ist besser als unseres. Bisher keine Hilfe sondern nur Last. Vor allem weil wieder keiner weiß, wie es aussehen soll, aber hunderte Auflagen gibt es schon bei uns.
    Ich schrieb ja an anderer Stelle schon von unseren neuen RLP und den damit erwarteten neuen SchiC.
    Ich finde deine Idee mit den Verlinkungen konkreter Materialien und Lernumgebungen super, glaub aber in diesem Leben nicht mehr an einem Umsetzung bei uns. Zu wenig Computeraffine …
    Ich bin trotzdem gespannt auf deine Ideen und Umsetzung.
    Sag mal, wie viele Abminderungsstunden bekommst du eigentlich für euer Schulwiki (Einrichtung, Füllung, Pflege …) und auch die Entwicklung und Einpflegung der Aebeitspläne?

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Abminderungsstunden … hahaha … der war gut :). Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist, aber neben den Schulleitungsstunden gibt es noch ganze 3 Stunden, die für diverse Aufgaben auf alle Kollegen verteilt werden dürfen. Davon bekomme ich eine Stunde für diverses (Schulhomepage, PC-Support, Bücherei, …). Seit ich die Aufgaben des Konrektors übernommen habe bzw. quasi-Konrektor bin bekomme ich auch einen Teil der Schulleitungsstunden ab, so dass es sich „mehr lohnt“. Aber reichen bzw. aufwiegen tut es das nicht. Das Wiki war ja auch „meine“ Idee und wir setzen sie aus Eigeninteresse um. Also auch aus eigenen Kräften.

  2. Frau Urbi sagt:

    Ja, die Vermutung, dass der Arbeitsplan Arbeitsplan heißt, weil er nur Arbeit macht, finde ich sehr passend! Leider! Tatsächlich haben wir uns erst vor gut 2 Jahren durch alle Pläne an unserer Schule für alle Fächer gekämpft und alle wieder auf den neuesten Stand gebracht, so dass nur ergänzt und aktualisiert werden muss. So weit so gut, aber fängt das Spiel wieder von Neuem an, wenn z.B. ein neues Lehrwerk eingeführt wird oder dann plötzlich aufgrund zu kleiner Schülerzahlen z.B. Sachunterricht gemeinsam mit Klasse 3 und 4 unterrichtet werden muss. Spätestens dann kommt Frust auf und man hat das Gefühl, dass es nur noch darum geht, irgendwelche Ordner im Lehrerzimmer zu füllen! Zumal sich die Arbeit in unserem Mini-Kollegium von 4 Lehrkräften nicht so gut verteilen lässt, wie in größeren Systemen. Daher sind wir auch noch auf der Suche nach einer kurzen und knackigen Variante der Schulinternen Curricula wie sie bei uns in Niedersachsen heißen. Denn, mal ehrlich, im normalen Schulalltag greift man für seine Planung dann doch eher wieder zu Lehrerhandbuch und Stoffverteilungsplan!

  3. Anna sagt:

    Ich glaube dir unbesehen, dass das das Erstellen von Arbeitsplänen aufwändig ist, trotzdem wünschte ich, auch unsere Schule hätte so etwas. Ich bin Berufsanfänger und fände etwas mehr (okay deutlich mehr) Klarheit bezüglich dessen, was von mir erwartet wird, hilfreich. Bei uns (RLP) gibt es zwar Rahmenpläne, aber da steht nichts konkret Verwertbares drin. Die Konkretisierung anhand von Arbeitsplänen soll schulintern erfolgen, ich war aber noch an keiner Schule, an der es so etwas gab. Noch nicht einmal einen Stoffverteilungsplan habe ich bislang zu Gesicht bekommen. Ich wünsche mir so etwas wie „In Klassenstufe x muss zum Oberthema y das, das und das vermittelt werden (Inhalte/Kompetenzen). So, so oder so kann das beispielhaft aussehen.“

  4. Noira sagt:

    Hallo Florian,
    da ich letztens gelesen habe, dass ihr in der QA seid, muss ich dir leider sagen, dass ein Arbeitsplan mit Verlinkungen nicht abgegeben werden darf :-(. Wollte ich auch mal machen, ging aber nicht. Wir haben uns in unserer Schule dazu entschieden, dass wir im Jahrgangsteam erst einmal überlegt haben, welche Unterrichtseinheiten anliegen. Dann haben wir geclustert, wie zu den einzelnen Themen fächerübergreifend gearbeitet werden kann und mit welchen Inhalten. Dann haben wir zu den einzelnen Themen Themenkisten gepackt und alles hineingelegt, was wir so zu den einzelnen Fächern finden konnten. So entstanden gute Materialkisten, die man auch wirklich gut nutzen kann.
    Beispiel: Thema Einkaufen Klasse 2
    Mathematik – alles zum Thema Geld und rechnen mit Geld.
    Sachunterricht: Markttag: Genaue Beschreibung der Organisation des Ausfluges. Alles zum Thema Gartengemüse. Kochen einer Gemüsesuppe mit Rezept und einer Liste, woran man denken muss.
    Deutsch: Rezept schreiben
    Kunst: Collage mit Gemüsebildern, Ausgestaltung des Rezeptes.
    In der Materialkiste findet man alles, was man an Unterrichtsmaterial braucht.
    Unsere Arbeitspläne sind also eher Sammlungen dieser Themenbereiche so wie oben beschrieben, immer mit den Verweisen auf die Materialien.
    Alle anderen Inhalte, die nicht fächerübergreifend passen sind fachbezogen aufgeführt.
    Ich kann nur sagen, dass diese Pläne gerade für Berufsanfänger und fachfremd unterrichtende KollegInnen eine Hilfe sind, obwohl es auch sehr viel Arbeit war.

  5. Cubi sagt:

    Was für ein Schwachsinn. Da soll eine Schule für sich passende Arbeitspläne entwickeln, darf dann aber keinen Plan mit Verlinkungen abgeben? Au Backe.
    Alles auf Papier in Ordnern?
    Fortschritt, du bist gefangen.

  6. Eva sagt:

    Hallo
    Bei uns wurden sie gerade überarbeitet, da die Qualitätssicherung/Evaluation im Haus steht. Da stehen tolle Sachen drin, getreu dem Motto: Papier ist geduldig….
    Schauen wir ansonsten hinein: NEIN,höchstens mal, um kurz nachzusehen, was jetzt evtl. anstände, aber mehr. hmmmmm
    Auflistung der Kompetenz und dann das Themenfeld, das wars.
    So wie du(ich bleibe jetzt einfach mal bei der saloppen Anrede) das beschreibst, mit Links usw. fände ich es optimal, aber das wird bei uns eine Utopie bleiben….
    Aber was ich in meinem Schulleben schon alles an Arbeitsplänen gesehen habe, da könnte man glatt einen Roman schreiben….

  7. Gabi Strouhal sagt:

    Wir sind ja nach ca. 1 1/2 – 2 Jahren endlich fertig mit Deutsch, Mathe gab es vorher schon und Sach wurde zeitgleich mit Deutsch fertig.
    Ja, es war viel Arbeit, aber so wie es nun steht, bin ich zufrieden 🙂
    Ich finde verbindliche Absprachen, und nichts anderes ist auch ein Schulcurriculum, wichtig, sonst machen wir uns vor allem gegenüber den Eltern unglaubhaft und angreifbar. Die für mich wichtigen Dinge konnte ich einbauen, die Vernetzung mit anderen Fächern ist vorhanden, ebenso die Einbeziehung der Methodenkompetenz. Test und Diagnoseverfahren stehen ab 1.Schuljahr – alles verpflichtend. Die Überprüfung der Durchführung obliegt nun der Schulleitung – ich muss mir nicht mehr den Mund fusselig reden.
    Jetzt will ich Kunst genauso 😉

    Deine Idee mit Verlinkung usw. würde in unserem Kollegium allein an der Medienkompetenz scheitern – ist aber bestimmt das Curriculum der Zukunft.

  8. willi sagt:

    Folgende Fragen bleiben offen:
    Was ist eigentlich die Funktion eines Arbeitsplanes?
    Vielleicht als ..
     Hilfe bei der Vertretungsregelung?
     Möglichkeiten der Überwachung?
     Vereinheitlichung von Unterricht?
     Vorbereitung auf Vera oder Pisa oder …
    Zu fragen ist grundsätzlich:
    1. Geht dieser „Trend“ zu schuleinheitlichen Arbeitsplänen, diese vermeintlichen „Vorgaben“ von oben nicht zu Lasten der oft beschworenen pädagogischen Freiheit?
    und/ oder
    2. Widerspricht diese Normierung auf feste Themen zu festen Zeiten nicht
     dem Grundsatz der individuellen Förderung,
     dem Grundverständnis vom Lernen,
     einem kompetenzorientierten Unterricht
     einem modernen und offenem Grundschulunterricht,
     vielen Grundaussagen in den kompetenzorientierten Lehrplänen?
    und/ oder
    3. Wie ist es eigentlich möglich, die Fragen der Kinder und ihre Interessen aufzugreifen und zu berücksichtigen, wenn in der Art der Paukschule im 19. und 20 Jahrhundert lehrgangsartig und gleichschrittig die festgelegten Themen“ in festen Zeitblöcken abgearbeitet werden?
    Dann arbeiten wir doch alle wieder die Lehrwerke Seite für Seite ab, alles ist dann gut dokumentierbar, vertretungsfreundlich und mit Tests gut „abtestbar“. Die Administration wird sich freuen, oder doch nicht?
    Zu fragen ist grundsätzlich also: Welche sinnvolle Verwendung gibt es denn dann für gemeinsame Arbeitspläne?
    Meines Erachtens geht es eher um die Festlegung auf gemeinsame Grundsätze, Regeln und Rituale, grundsätzliche kooperative Methoden anhand von exemplarischen Themen (denn stricken ohne Wolle geht ja nicht, Inhalt und Methode müssen zumindestens exemplarisch dargestellt werden), aber die Festlegung auf feste Themen beinhaltet die Gefahr der Auferstehung der alten „Paukschule“ im Gleichschritt des Schulbuches.

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