Alois Schwarzer, wo bist du??

Als Mann an der Grundschule muss man Geduld haben. Ein dickes Fell braucht man für die täglichen Angriffe auf die Ehre des Mannes. Ich dachte immer, ich hätte so ein dickes Fell. Ich habe ertragen, dass es an meinem Studienseminar eine Toilette für Frauen und eine für Beides gab, jedoch keine eigene Toilette für Männer. Ich habe ertragen, dass auf Einladungen stets nur die Kolleginnen begrüßt wurden. Ich habe ertragen, dass die Kinder mich oftmals mit „Frau Emrich“ anreden. Rein statistisch gesehen bin ich ja zu 90% eine Lehrerin.

Aber nun ist der Gipfel erreicht. Nun fordere ich einen Masculinisten, der für die Rechte der männlichen Grundschullehrer eintritt. Einen Alois Schwarzer, der nicht nur Geld in die Schweiz schafft, sondern für mich, Marek, Niklas und all die anderen männlichen Grundschullehrer (ohne „innen“) eintritt. Der unsere Bedürfnisse kennt und unsere Forderungen in zig Talkshows zum Besten gibt. Denn nun ist etwas passiert, das nicht passieren durfte.

In der von mir abonnierten (und bisher sehr geschätzten) Zeitschrift „Grundschule“ gibt es seit kurzem die Rubrik „der kollegiale Rat“. Quasi der Dr. Sommer für die Nöte der Grundschullehrer. Und dort wurde eine immens wichtige Frage gestellt, die mich schon seit Jahren umtreibt:

Als Grundschullehrerin muss meine Kleidung praktisch und bequem und auch leicht zu reinigen sein. Welche Kleidung eignet sich außer Jeans?

Mein erster Gedanke: Ich würde auch nen Pulli anziehen. Könnte sonst obenrum ein wenig frisch werden. Aber nein, man kann die Frage umfassend beantworten. Für die „Grundschule“ erledigt dies eine diplomierte Design-Ingenieurin Mode. Das ist also der kollegiale Rat. Wieso haben wir an unserer Schule nicht so eine Ingenieurin? Aber ich schweife ab.

Die Klamottenfrage wird ungelogen mit Rückgriff auf Maria Montessori beantwortet. Ich vermochte es kaum zu glauben. Hat sie neben Perlenmaterial etwa auch die erste Cosmopolitan herausgegeben? Nein, aber ein Zitat von ihr wird von Frau Ingenieurin so gedeutet, dass das Äußere die Lehrerin (!!) gepflegt und voll Würde sein soll. Liebe Maria: Was ist mit uns Männern? Dürfen wir auch würdevoll sein? Oder sollen wir ungepflegt und dreckig rumlaufen?

Im Folgenden wir der gepflegten Grundschullehrkraft dann eine cleane Sportswear empfohlen. Zum Beispiel eine Gympant, die moderne Form der Jogginghose. Oder aber man gibt „ein Statement der entspannten Weiblichkeit“ ab und kombiniert einen Midi-Rock mit einen Poloshirt. UND WAS IST MIT UNS MÄNNERN?? Geben wir auch dieses Statement ab? Wo so die Stylingtipps für die relaxte Männlichkeit? Trage ich auch Joggi und Grobstrickjacke? Und vor allem: Wieso sagt Maria Montessori nichts zu dem Thema? Oder muss ich hier bei Petersen und Freinet nachlesen?

Vielleicht sollte ich mich auch mal an „die Grundschule“ wenden, mit einem richtigen Männerthema. Welches Auto braucht so ein Grundschullehrer? Es muss geräumig sein, damit man die ganzen Schulsachen auch unterbekommt. Es muss einen kratzfesten Lack haben, wenn die Kinder mit ihren Scoutranzen ganz eng am Auto vorbeigehen. Und es muss genug PS haben, damit man im Notfall schnell von der Schule flüchten kann. Aber ich ahne schon, dass dieses pädagogisch enorm wichtige Thema keinen kollegialen Rat bekäme. Und darum fordere ich einen Alois Schwarzer für mich, Marek, Niklas und alle die anderen Grundschullehrer.

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. „Nicht geschmückt, sondern möglichst einfach sei die Kleidung des Lehrers. Aller unnöthige Zierrat werde vermieden, aller auffallenden Farben enthalte sich der Lehrer. Sein Kleid sei, wo möglich, von dunkler Farbe. Da die Lehrer in Sachsen der Mehrzahl nach zugleich Diener der Kirche sind, so ziemt sich denselben das schwarze Gewand gewiß am meisten. Man glaubt es nicht, wie sorgfältig Kinder, besonders Mädchen, auf das Äußere des Lehrers achten.“
    ( Gottlieb Eduard Leo in: Allgemeine Schulzeitung, Bd. 19, 1842)

    und…. Gympants stehen auch nicht jedem 😉

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  2. Weißt du, was mich daran schockiert??? WER schreibt solche Fragen und dann auch noch an DIESE Zeitung UND meint das vermutlich auch noch ERNST??? Ich bin fassungslos… Wie hab ich es nur all‘ die Jahre geschafft in die Schule zu gehen, ohne je eine Beratung bezüglich meiner Kleidung erhalten zu haben? Und wie schafft jmd, die nicht mal weiß wie sie sich kleiden soll, ihren Unterricht zu planen und somit Kindern etwas beizubringen? Wie findet sie tagtäglich den Weg zur Schule?
    Vermutlich wäre es gut, wenn man statt der dauernd geforderten Praxisanteile an der Uni mal ein Seminar anböte mit dem Titel: Gut gekleidet ist halb unterrichtet! … oder so. OH MANN!!!
    Liebste Grüße *valessa ;o)

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    • emrich

      Und dann wird die Frage auch noch mit vollem Ernst beantwortet. Vermutlich kommt noch die Frage nach dem perfekten Frühstück/Pausenbrot.

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  3. Nein, nein, nein – ich muss ein Veto einlegen!
    Die Frage nach der richtigen Kleidung IST wichtig, sogar enorm.

    Florian, für dich wird dieser Versuch möglicherweise schwierig, aber Valessa könnte es ausprobieren. Folgendes Szenario: 1.Schuljahr, Fach egal. Einen Tag im schwarzen Schlabberlook, tagsdrauf im Blümchenkleid. Der Unterschied wird spürbar sein 😉

    Aber dass du als Frau Emrich angesprochen wirst, finde ich absolut niedlich, Florian 🙂

    Herzliche Grüße
    Frau Weh

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