Allein allein

Vor gut 2 Wochen hatte ich zur Blogparade Rechtschreibung aufgerufen. Es war ein erster Versuch, der kläglich gescheitert ist. Sieht von dem sehr interessierten Kommentar von Frau Henner ab, die in ihrem Unterricht auch so ihre Erfahrungen mit dem Rechtschreibunterricht der Grundschullehrer gemacht hat, so blieb es insgesamt ruhig. Sehr ruhig. Gründe? Da mag es bestimmt viele geben: eine unklare/diffuse Aufgabenstellung, wenig Erfahrung mit dem Format, ungenügende Reichweite meines Aufrufs, Zeitmangel, Desinteresse an der Thematik oder auch eine insgesamt zu beobachtende Müdigkeit was das Kommentieren und vor allem Diskutieren angeht? Mit einer bunten Abschreibkartei gewinnt man noch immer mehr Interesse, also mit einem Austausch über sinnvolle Didaktik und Methodik.

Ich freue mich, wenn sich auch in Zukunft die ein oder andere Lehrkraft zu der Thematik äußert. Ob in Kommentaren oder einem eigenen Blogpost ist dabei erstmal nebensächlich. Ein Blick über den Tellerrand, ein Hineinschnuppern in Rechtschreibkonzeptionen, ein Austausch und eine Diskussion über Ideen und Ansätze … so etwas würde ich mir wünschen. Sehr ausführlich (und sehr gut) findet man dies übrigens in Mareks Blog Skolnet.

Update vom 26.03.2015:

Zu dem Thema passt eine Mail, die ich heute vom Grundschulverband bekommen habe: Im Sommer wird ein neues Buch des GSV zum Themenkomplex Rechtschreibung erscheinen. Leider ist der Newsletter nicht öffentlich zugänglich, sonst hätte ich ihn hier verlinkt. Das letzte Buch zur Rechtschreibung von 2000 ist ja inzwischen leider nur noch als PDF-Datei erhältlich, aber m.M. nach wie vor sehr gut und aktuell. Im neuen Buch werden nun 14 (!!!) rechtschreibdidaktische Ansätze vorgestellt. Gerade junge KollegInnen, die sich von Vertretungsvertrag zu Vertretungsvertrag hangeln und damit auch von Schule zu Schule hüpfen, können in so einem Konzeptwirrwarr wohl doch schnell den Überblick verlieren! Trotzdem bin ich auf den neuen Band, der im Sommer erscheinen soll, sehr gespannt.

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10 Antworten

  1. Marek sagt:

    Sehr empfehlenswert ist auch dieses Heft mit vielen verschiedenen Autoren:

    http://www.amazon.de/Rechtschreiben-lernen-Klassen-Grundlagen-didaktische/dp/B00K2V3N8I/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1423928279&sr=8-2&keywords=Rechtschreiben+lernen+in+den+Klassen+1-6

    Hast du das Heft, Florian?

    A propos „Update“:
    BTW auch meine Wenigkeit hat kürzlich in einem noch in diesem Jahr zu veröffentlichenden wissenschaftlichem Sammelband – aber zu sog. “ Lerngesprächen“ – einen Beitrag geschrieben. 🙂

    • Herrn Emrich Herrn Emrich sagt:

      Eben dieses Heft meinte ich in meiner Ergänzung. Beim GSV selbst ist es nur noch als PDF zu haben, dafür aber auch für 7€ und nicht als Sammelstück für 38€ 🙂
      Da bin ich ja mal gespannt, in welchem Band man von Dir lesen wird 😉

  2. Urte Grimm sagt:

    Sehr geehrter Herr Emrich, ich unterrichte seit 2001 an einer Grundschule in einem sozialen Brennpunkt mit 70% Migrationsanteil. Seit zwei Jahren sind wir Modellschule für Inklusion. Da ich eigentlich zur Gymnasiallehrerin ausgebildet wurde, musste ich bei „Null“ anfangen. An unserer Schule wird seit mehreren Jahrzehnten nach einem Konzept unterrichtet, dass die Kollegen auf Grund des hohen Anteils von Kindern nicht deutscher Muttersprache selbst entwickelt haben. Es beruht in Teilen auf der Arbeit von Urbanek, Stumpenhorst und Prem. Was die Rechtschreibung betrifft wurde mit Strategien gearbeitet, wie klatschen, verlängern, ableiten und merken. Wir verwenden im Deutschunterricht keine Lehrwerke. Es gab kaum Material, das dazu passte, und so wurde von den Kollegen alles selbst erstellt. Neue Kollegen mussten in ihrer Freizeit angelernt werden. Da ich selbst drei Kinder habe und daher weiß, wie an anderen Schulen in unserer Umgebung gelehrt wird, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass unser System zielführend ist. Nachteil des Systems ist aber, dass der Materialaufwand von den Kollegen bewältigt werden muss. Dies verschlingt Zeit und Geld. Seit kurzem sind wir auf die Arbeit des ReLv- Verlages in Gütersloh aufmerksam geworden (siehe auch Fresch-Methode, Renk u.a.). Deren System ist am ehesten mit unserem vergleichbar. Und es gibt endlich Material, das man einfach kaufen kann und nicht selbst herstellen muss. Ich setze dieses Material nun zum ersten Mal in meiner ersten Klasse ein. Ende des Schuljahres werden wir einen pädagogischen Tag mit einer Dame von ReLv haben. Ich hoffe, dass daraus ein neuer, moderner Schub für unsere Arbeit entsteht. Mit freundlichen Grüßen Urte Grimm

  3. Julian sagt:

    Wo Urte es gerade erwähnt. Seit ich als Förderschullehrer in der Inklusion und nicht mehr an der Schule für Geistig Behinderte bin, muss ich mich auch in dieses Thema reinfuchhsen. Da führte mich mein Weg auch über FreSch zu ReLv. Bin immer noch sehr angetan vom Konzept. Allerdings beginne ich mehr und mehr die Konzeption von Ute Spiegel mit einzuflechten, da mir die Arbeit mit offener und geschlossener Silbe (ist mit in ReLv noch zu stiefmütterlich angelegt) und die damit verbundene Auswahl von Wortmaterial eine sinnvolle Ergänzung darstellt. Bin lange noch nicht am Ende des Lernwegs, aber es wird für mich gerade immer sinnvoller.

  4. Claire sagt:

    @Julia
    Meinst du das Arbeitsheft Einfach richtig schreiben vom Klett Verlag? Abc der Tiere arbeitet auch sehr intensiv mit offener und geschlossener Silbe.

    • Julian sagt:

      Das von dir genannte Heft, Clair, ist auch von Ute Spiegel. Man kann dort erkennen, wie sie sich einen Aufbau der Rechtschreibung vorstellt. Was mir hierbei dann aber fehlt sind die Strategiezeichen für Rückmeldungen oder Überarbeitungen. Da ergänzen sich die beiden Konzepte, wie ich finde. Du hast recht, Mildenberger versucht mit dem Silbenhäuschen (eine verkürzte Version der Silbenanalythischen Methode nach Christa Röber) ähnlich vorzugehen. Dieses Konzept scheint mir sowohl in der Optik als auch in der Handhabung relativ sperrig.

      • Anne sagt:

        Hallo Julian,
        kannst du mal erklären, was es mit den offenen und geschlossenen Silben auf sich hat (also ich weiß natürlich, was eine offene und eine geschlossene Silbe ist), aber was für Wörter genau lernen Kinder damit besser? Welche Wörter und hast du auch schon praktische Erfahrungen gemacht?
        Das wäre super! 🙂

  5. Claire sagt:

    @Julian
    Also findest du Karibu und Abc der Tiere nicht gut geeignet? Welches Heft bzw. was schlägst du sonst vor? Gibt es Literaturtipps? Kannst du näher erklären, wie du arbeitest?

  6. Julian sagt:

    @Anne: Man geht zunächst von dem grundlegenden Prinzip aus: erst lerne ich das Allgemeine eines Sachgebiets, hier die Rechtschreibung, kennen und dann die speziellen Dinge. Das prototypische deutschte Wort ist ein trochäischer Zweisilber, d.h. im allgemeinen können deutsche Wörter auf eine zweisilbige Form zurückgeführt werden, dabei ist die erste Silbe betont, die zweite unbetont. Dann kann man an diesen Prototypen erste Regelmäßigkeiten erkennen: jede Silbe besitzt immer einen Vokal. Die Lautqualität des Vokals in der ersten Silbe ändert sich in Abhängigkeit eines folgenden Konsonanten. Folgt kein Konsonant kann der Vokal lang und gut klingen. Folgt ein Konsonant, wird die Artikulation des Vokals in der Regel abgehackt oder gequetscht. Dies führt zu der Erkenntnis, dass wir im Deutschen nicht nur fünf Vokale haben, sondern weit aus mehr, auch wenn wir sie mit demselben Graphem verschlüsseln. Diese Erkenntnis ist deshalb sinnvoll, weil die Kinder dann wissen: nach schlecht hörbaren, nur kurz artikuliertem Vokal folgt in derselben Silbe noch ein Konsonant. Diese Erkenntnis wird bei der Erarbeitung der Doppelkonsonanten am Silbengelenk noch wichtig. Die zweite Silbe ist im Deutschen relativ regelmäßig. Sie beginnt mit einem Konsonanten, dann folgt oft ein „kurzes“ e plus l,s,n,r. Wissen dies die Kinder, werden Schreibungen wie Mala, Kinda etc. ganz schnell ersetzt. Soviel zur Theorie, mir leuchtet sie auch mit meinen Erfahrungswerten (zum jetzigen Zeitpunkt) ein. So wäre es nun sinnvoll, Kindern in Übungen gezielt solchen Wortmaterial an die Hand zu geben, welches das Entdecken dieser grundlegenden Regelmäßigkeiten ermöglicht. Also fange ich mit Zweisilbern mit offener erster Silbe an, erweitere dann um geschlosse Zweisilber und könnte dann auch Wörter mit Doppelkonsonanten anbeiten. Dies setze ich gerade in Fördersituationen um. Dies alles unterstützt die Kinder auf der Alphabetischen Stufe des Schriftspracherwerbs. Also werden es lautgetreue, deutsche Wörter sein, die so besser geschrieben werden. Skelettschreibungen werden vermieden, und auch Wörter mit Doppelkonsonanten sollten dadurch sicherer werden (soweit bin ich aber noch nicht).
    @claire: ob ein Lehrwerk geeignet oder nicht geeignet ist, hängt mehr von der Passung zum jeweiligen Lehrer ab, als von einer generellen Überlegenheit (wenn man eine Vergleichstudie durchführen würde, wären die Unterschiede zwischen den Konzepten im Mittel nicht so groß, wie die Varianz innerhalb der Konzepte zwischen einzelnen Klassen. Es hängt halt viel am Lehrer und wie dieser das Lernen gestaltet. Deshalb werde ich diesbezüglich nur von meinen Präferenzen erzählen. Dies bitte nicht generalisieren. Ob ein Konzept oder Lehrwerk passt, muss jeder für sich entscheiden. Wer vom ABC der Tiere überzeugt ist und dafür brennt und die Kinder damit begeistern kann, der wird auch damit gute Erfolge haben. Andersrum kann es sein, dass jemand der das ABC der Tiere nicht mag und nur widerwillig damit Unterricht gestaltet, auch nicht so einen Erfolg damit hat.
    Empfehlen kann ich aber zu eigenen Meinungsbildung den Theorieband zum ReLv Konzept, Mit Rechtschreibstrategien richtig schreiben lernen von Ute Spiegel (sehr verständlich), von Christa Röber: Die Leistungen der Kinder beim Lesen und Schreibenlernen (Hardcore 😉 Das Heft 170 Praxis Deutsch mit einem Artikel von Eisenberg. Ich arbeite momentan gern mit den ReLv Material, bzw. eigenen Materialen auf der Grundlage von ReLv und Spiegel. Ich werde hier keine Hefte empfehlen, jeder muss für sich auf der Grundlage seines Wissens über die Theorie und Lerngruppe entscheiden, welches Material sich eignen wird.
    Hoffe das war verständlich 😉

  7. Thelen sagt:

    Lieber Florian,
    du hast nach Gründen geforscht, warum das Chat nicht erfolgreich stattgefunden hat – mein Grund, obwohl ich mich wohl am intensivsten mit dem Problem der „Rechtschreibung“ auseinandergesetzt habe, ist, dass der Chat in den Ferien lag und ich zu der Zeit im Urlaub weilte (ohen Internetanschluss). Ich würde mich freuen, in den Austausch mit anderen zu kommen. Da sich mein Sohn im Urlaub verletzt hat, brauche ich noch ein Woche, um wieder alles in die Reihe zu bekommen.
    Andrea

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