7 Thesen zur Materialerstellung

Das, was jetzt kommt, ist ein Versuch. Es ist vielleicht ein bisschen provozierend. Es mag vielleicht empören. Aber ich versuche es einfach mal.

In den letzten Wochen Monaten blühen die Materialblogs für die Grundschule. (Un-)Mengen an Material für jede erdenkliche Kleinigkeit wird erstellt, veröffentlicht und überwiegend kostenlos angeboten. Das ist toll für alle die, die Materialien nutzen wollen. Auch ich greifen hin und wieder dankbar zu.

In letzter Zeit nehme ich aber auch wahr, dass bei den vielen veröffentlichten Sachen auch vieles bei ist, was „nicht geht“. Aus verschiedenen Gründen. Manchmal nehme ich mir die Zeit und kommentiere dann, manchmal/oft fehlt mir dazu auch einfach die Zeit. Man kann es ja auch einfach ignorieren.

Dennoch habe ich mir jetzt in den Ferien einmal die Zeit genommen, 7 „Thesen“ zur Materialerstellung zu formulieren. Dinge, die aus meiner Sicht wichtig sind, wenn man Material erstellt und veröffentlicht. Diesen Thesen möchte ich hier einmal zur Diskussion stellen. Einfach so 🙂

Ich möchte mit den Thesen keine Bloggerin oder Blogger direkt oder indirekt angreifen oder verurteilen. Ich möchte einzig zum Diskutieren und zum Nachdenken anregen.

Wer die Thesen gut findet, kann sie auch gerne für seinen Blog oder seine Seite verwenden, auch in veränderter Form. Sie sind hiermit als cc-by veröffentlicht.

PS: Um es vorweg zu nehmen: Natürlich habe auch ich mal Materialien auf einer meiner Seiten gehabt, die nicht mit einer oder mehreren dieser Thesen konform sind. Ich denke, sowas gehört zu einer normalen Entwicklung dazu. Mit der Zeit sieht man einige Dinge einfach anders und bestimmte Sachen würde man so bestimmt nicht noch einmal machen.

Aber nun zum Thema: 

7 Thesen zur Materialerstellung

Das Material berücksichtigt Prinzipien aus Didaktik und Methodik

Bei der Erstellung von Material für den unterrichtlichen Einsatz empfiehlt es sich, grundlegende Erkenntnisse zu Didaktik und Methodik zu berücksichtigen. Welche Konzepte oder Modelle gibt es auf diesem Gebiet? Welche Ziele oder (Teil-)kompetenzen gilt es zu erreichen? Welche Hindernisse können dabei auftreten? Wie kann mein Material dabei unterstützend helfen? Auf welche Fallen muss ich achten? Was sind gute Aufgabenstellungen? Welche Übungsformate werden empfohlen? Welche Übungsformate werden nicht empfohlen? Welche Möglichkeiten zur Differenzierung gibt es? All dies sind Fragen, die man selbst im Vorfeld klären sollte. Es bringt wenig, Material zu erstellen, das man halt „anderswo“ gesehen hat, selbst sehr ansprechend findet und einfach auch mal mit seinem Namen darunter im Netz sehen möchte. Vielmehr sollte die Frage im Vordergrund stehen: Ist das Material unter Berücksichtigung von Didaktik und Methodik bezogen auf die von mir angestrebten Kompetenzen zieldienlich?

Ein Beispiel: Seit Jahren tummeln sich Schüttelwörter im Netz, zu allem möglichen Themen und in allen möglichen Varianten: Für Steckleisten, in Streichholzschachteln oder als Holzplättchen. Wörter in kleinste Einheiten zerhackt müssen wieder zusammengesetzt werden. Im schlimmsten Fall sind dabei sogar noch Grapheme wie <au>, <pf> oder <ei> zerhackt worden, so dass eine sinnvolle Phonem-Graphem-Zuordnung nicht mehr möglich ist (vgl. Valtin 2000). Doch auch sonst kommen Purzelwörter als Übungsform höchsten als Knobelei gut an (ebd.). Für die Schreib- oder Leseentwicklung sind sie wenig zieldienlich.

 Am Anfang steht die Idee – und nicht das Bild

Der Ausgangspunkt für die Erstellung von Material sollte der (eigene) Unterricht und dabei ein konkreter Unterrichtsgegenstand sein. Es sollte um Ziele, Kompetenzen, Lernhindernisse und unterstützende Maßnahmen gehen. Aufbauend auf die bereits oben dargestellten Überlegungen kann Material erstellt werden. Aufbauend auf das rohe, blanke Material, gewissermaßen auf die bloße Lernherausforderung kann dann überlegt werden, wie diesen sinnvoll und ggf. zieldienlich illustriert werden kann. Erst das Material, dann das Bild.

Ausgehend vom Bild wird selten eine sinnvolle Passung gefunden werden können (sieht man mal von Lese-Aufgabenstellungen ab). Das Material darf nicht als Ergänzungen zum Bild gesehen werden, das Bild soll nicht im Fokus stehen. Wer ein gutes/stabiles Haus bauen will, der macht sich erst einen Plan, eine Zeichnung und prüft alles, ehe er sich für die richtigen Bausteine entscheidet. Er kauft sich nicht zuerst den Gartenzwerg um dann zu sehen, welches Haus würde dazu gut passen.

Weniger ist mehr

Unterrichtsmaterial dient nicht als Gelegenheit, die eigenen PC-Kenntnisse der Öffentlichkeit vorzuführen. Es ist gut, wenn man sich mit den Programmen zur Erstellung gut auskennt, weiß wie man Grafiken bearbeitet, Farbverläufe erzeugt und Hintergründe mit Transparenz versieht. Es ist besser, wenn man diese Kenntnisse sinnvoll einsetzt und Material mit Bedacht erstellt. Material sollte stets auf das Wesentliche fokussiert sein. Das Wesentliche ist die Aufgabenstellung, die Lerngelegenheit, die Kompetenz, die der Lernende erwerben oder erweitern kann. Dieses Wesentliche muss so präsentiert werden, dass der Lernende die Aufgabe im Rahmen seiner Möglichkeiten gut bewältigen kann. Ob eine übermäßige Illustrierung und opulente grafische Gestaltung hier zieldienlich ist, darf bezweifelt werden, insbesondere wenn man die Lernvoraussetzungen von wahrnehmungsschwachen Schülern kennt. Hier ist weniger mehr.

Nun hört man immer wieder das Argument, dass die Kinder die Bildchen und grafischen Gestaltungskapriolen ja auch schön fänden und das Material dadurch ja so viel motivierender wäre. Hier muss die Frage erlaubt sein, ob das Material ohne die Bildchen nicht mehr motivierend wäre? Muss man die Kinder erst mit Verführern zum Material locken? Oder kann man das Material nicht so gestalten, dass es die Kinder von sich aus lockt, weil die Kinder die Aufgabe bewältigen wollen, sie die Aufgabe spannend finden oder sich auf diesem Gebiet weiterentwickeln wollen? Sollte das Lernen der Kinder in diesem Sinne nicht intrinsisch motiviert sein, statt auf die extrinsische Motivation der Bildchen und farbigen Spielerein zu setzen?

Im Grunde müsste es ein guter Test sein, den Kindern Material völlig nackt zu präsentieren: keine Farben, keine Bildchen. Wenn die Kinder dann gerne damit arbeiten UND auch noch ihre Kompetenzen entwickeln können, dann müsste es doch wirklich gutes Material sein. Eine Zahlenmauer braucht keine Käfer, Maulwurfshügel und lachende Sonnen. Eine Zahlenmauer ist von Haus aus ein herausforderndes und sinnvolles Übungsmaterial.

Ein letzter Exkurs: Die Materialien des Projektes PIK-AS der TU-Dortmund schätze ich sehr. Mit den Materialien arbeiten die Kinder jedes Mal sehr gerne und kommen jedes Mal zu tollen Ergebnissen. Eine exorbitante grafische Gestaltung des Materials wird man dort aber nicht finden. Bewusst nicht finden. Und es liegt mit Sicherheit nicht daran liegen, dass die Autoren des Projekts sich nicht mit Word, Corel Draw und Co. auskennen würden.

Eitelkeit darf nicht der Motor sein

Die Begründung für die Erstellung von Material ist (der eigene) Unterricht, sind (die eigenen) Schüler, sind Lernmöglichkeiten, sind Lernhindernisse, sind all das, was bisher bereits angeklungen ist.

Material sollte nicht unter der Voraussetzung erstellt werden, weil man gerne bloggen möchte und schon 2 Wochen nichts mehr gepostet habe. Wenn ein Blog für 2 Monate schweigt, dann ist das so. Man ist deswegen keine schlechte, unkreative Lehrerin/Bloggerin.

Material sollte auch nicht deswegen erstellt werden, weil einige Kolleginnen dauernd etwas bloggen können und man im eigenen Blog auch gerne wieder etwas anbieten möchte. Material sollte nicht erstellt werden, weil die Klickzahlen gesunken sind. Material sollte nicht erstellt werden, weil Klickzahlen gestiegen sind und man die Besucher bei der Stange halten will. Die Klickzahlen sind egal. Wenn sich Menschen für meine Ideen interessieren, dann ist das schön. Doch das Wichtigste ist, dass die Materialien eine Passung zum Unterricht haben und die Schüler im Lernen gefördert und gefordert werden. Dies lässt sich nicht in Klickzahlen ablesen.

Material wird nicht erstellt, damit man Spenden bekommt. Material wird nicht erstellt, weil man Spenden bekommen hat und nun etwas zurückgeben möchte. Material wird erstellt, weil man es mit seinem gesamten pädagogischen Wissen für sinnvoll erachte. Druck von außen, etwas erstellen zu müssen, sollte nicht der Antrieb für die Erstellung von Material sein.

Man lässt sich Zeit

Bei der Erstellung von Material sollte man sich Zeit nehmen. Viele Schüler konnten bisher ohne das Material (sinnvoll) lernen. Es kommt nicht auf einen Tag an. Die Zeit hilft dabei, sorgfältig auf Fehler zu prüfen und alles in Ruhe durchzugehen. Dabei stellt man sich dann noch einmal die Fragen, die bereits in These 1 geschrieben stehen. Und wenn man gründlich geprüft hat, dann kann man das Material veröffentlichen.

Man ist kreativ

Erstrebenswert ist es, wenn neues Material erstellt wird. Also wirklich neues Material. Da werden Ideen verwirklicht, die neu sind. Es werden nicht Ideen imitiert, die alt sind. Bei der Erstellung von Material sollte man zumindest grob geprüft haben, ob die Idee schon an anderer Stelle umgesetzt wurde. Kann dieser Umsetzung ein neuer Aspekt hinzufügen werden? Kann eine sinnvolle Erweiterung oder Ergänzung geleistet werden? Kann vielleicht ein Fehler bereinigt werden?

Wenn eine Erweiterung in diesem Sinne vorgenommen wurde, dann sollte man bei der Veröffentlichung auf das Ursprungsmaterial Bezug nehmen. Man erläutert in diesem Fall, was man anders gemacht hat und warum man es anders gemacht hat. Dann wird für alle Beteiligten deutlich, worin die pädagogische, didaktische oder gestalterische Idee bei der Erstellung liegt. So kann vielleicht den „das ist alles nur geklaut –eo“-Rufen entgegen gekommen werden.

Wenn es bereits eine Zahlenmauerkartei mit Zahlen bis 100 gibt, dann ist es kein Beinbruch, wenn man diese in seinem Unterricht einsetzt. Die Kinder werden nicht merken, dass dort drunter nicht der Name ihrer Lehrperson steht, sondern der Name der Kollegin, die sie erstellt hat. Wir brauchen keine 23. Zahlenmauerkartei und auch nicht die 45. Abschreibkartei. Wir brauchen kreative Ideen mit kluger didaktischer Umsetzung.

Veröffentlichung heißt auch, mit der Öffentlichkeit zu leben

Wenn man sein Material im Internet veröffentlicht, wird man dazu Rückmeldungen erhalten. Rückmeldung in Form von Likes, Rückmeldungen in Form von Downloadzahlen und Rückmeldungen in Form von Kommentaren. Das ist ein nettes Gimmick, denn eigentlich wurde das Material für den eigenen Unterricht erstellt, zumindest in den allermeisten Fällen. Die eigentliche Rückmeldung findet in der Schule statt. Oberflächlich in der Freude der Kinder mit dem Material, tiefergehend im Lernerfolg, den die Kinder mit dem Material haben oder auch nicht haben. Diese Beobachtungen bieten die erste Gelegenheit das Material zu evaluieren und zu überarbeiten.

Auch die Rückmeldungen aus dem Internet kann man zur Evaluation nehmen. Hat man einen Denkfehler gemacht? War man an einer Stelle zu schnell und hat einen Schreibfehler eingebaut?

Man wird vielleicht auch Kommentare bekommen, die nicht erwartet oder erhofft wurden. Kommentare, die das Material in Teilen oder als Ganzes in Frage stellen. Kommentare, die die (eigentlich durchdachte) Idee ins Wanken bringen. Kommentare, die man auf den ersten Blick als nicht so nett empfindet. Diese Kommentare sollte man in Ruhe lesen, aber vielleicht nicht sofort beantworten, wenn man es nicht schafft, dabei sachlich zu bleiben. Vielleicht hilft es auch, sich an das 4-Ohren-Modell zu erinnern und überlegt, was man an diesem Kommentar mit seinem Sach-Ohr hören/lesen kann. Denn (fast) jeder Kommentar sagt etwas zur Sache. Manchmal muss man etwas länger suchen, um diesen Kern zu finden. Aber es lohnt.

Man wächst nicht und man entwickelt sich nicht an den Kommentaren, die einen mit Lob und Dank überschütten und die dabei auch über die kleinen Fehler (wohlwollend oder unbewusst) hinwegsehen. Man wächst an den Kommentaren, die hinterfragen, die kritisch sind, die aufdecken und die zum Nachdenken anregen. Und auch wenn einem sofort unzählige Kommentatoren vermeintlich zur Seite springen und einen verteidigen, so nimmt man Kritik an, wenn man dazu bereit ist und erwidert sie sachlich. Sei es, indem man sie bestätigen kann oder indem man seinen Standpunkt sachlich darlegt und begründen kann.

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13 Antworten

  1. Kerstin sagt:

    Danke – Ich kann mir daraus viel mitnehmen, was ich mehr bedenken möchte.
    Beim Ordnen der Materialien im eigenen Blog, muss ich selbst oft den Kopf schütteln, wenn ich (ver)alte(te)s Material entdecke… Erinnert mich daran, dass ich ausmustern wollte. 😉

    -> Man lässt sich Zeit/Veröffentlichung heißt auch, mit der Öffentlichkeit zu leben
    Ich steh dazu, dass ich meine Leser als „Korrekturleser“ missbrauche. 🙂
    Nach tagelanger Arbeit an dem Material finde ich selber gar keine Fehler mehr, vor lauter Materialblindheit, auch simple Tippfehler. Man (ich erlaube mir hier mal die Verallgemeinerung) kennt den Text so gut, dass man einfach drüber liest. Da überlasse ich das dann anderen, die einen neuen, ganz anderen Blick darauf werfen. Aber diese Schwäche von mir kenne ich und ich glaube, auch die Leser meines Blogs. 🙂

    -> Man ist kreativ
    Allerdings drucke ich auch nur Material, das mich anspricht und regiere allergisch auf Material mit Cliparts in 100 verschiedenen Stilen. Da bau ich mir das Material dann doch lieber selber nach. Das liegt aber an mir selber und wäre den Kindern vermutlich „wurscht“. Kann ich wohl wieder unter eigener Schwäche verbuchen. 😉

    Lieber Herr Emrich, wie du siehst ratet es bei mir jetzt und ich könnte noch viel schreiben, aber ich mach hier mal nen Punkt, weil zu viele „ichs“ in meinen Gedanken vorkommen. Guten Abend. 🙂

  2. Marek sagt:

    Was di schreibst, beobachte ich ebenso mit einer gewissen Verwunderung in den letzten Jahren. Einen ähnlichen Artikel hatte ich sogar schon einmal angefangen, ihn aber dann sein lassen – ist es das wert, sich darüber auszulassen? Ich kenne auch genug andere Kolleginnen, die dieses Klicki-Bunti- und kitschige Material mit einem Schnuzeln „zur Kenntnis“ nehmen.

    Was ich viel wichtiger fände für die Schüler, wäre, dass…

    – sich viel mehr Lehrerinnen fachlich weiterbilden würden – statt die x-te Zahlenmauer o.ä. zu erstellen, sich mit Fachliteratur beschäftigen und neues Wissen im Blog „aufbereiten“ (es gibt leider viel zu viel Halbwissen in der Grundschule, wie sich mir erst neulich eine befreundete Schulleiterin äußerte)

    – darüber schreiben würden, wie sie ganz konkret einzelne Schüler fördern (Fallbeispiele beschreiben)

    – …

    All das bunte Material ist für mich ein Ausdruck pädagogischen Hilflosigkeit: „Das Material soll’s richten.“ Vom lehrerzentrierten zum materialzentrierten Unterricht. Es geht aber um die Schüler.

    Grüße …und jetzt kann auf mich eingehauen werden.

    Marek

    • emrich emrich sagt:

      Ich finde schon, dass es das wert ist .. und sei es mal nur um zum Nachdenken anzuregen. Die Rezeption der ganzen Materialien ist ja sonst überwiegend … unkritisch und äußerst positiv.

      Grüße zurück … aber die Haue lassen noch auf sich warten ..

  3. Gabi sagt:

    Lieber Florian,
    zunächst einmal ein dickes „Dankeschön“ für deinen Post, den ich „grundsätzlich“ gut finde. Natürlich finde ich es wichtig, dass die ErstellerInnen von Material sich Gedanken machen – noch viel wichtiger finde ich allerdings, dass die NutzerInnen sich Gedanken über den Einsatz machen!
    Z.B. finde ich viele der veröffentlichen Plakate oder Merksätze zum Umgang in einer Klasse wunderschön und die Stichworte „fair miteinander umgehen“ usw. springen einen ja wortwörtlich an – aber sind sie für meine Kinder genauso ansprechend? Das wage ich mittlerweile zu bezweifeln: Eigene Regelplakate, die nicht so schön aussehen, aber von den betreffenden Kindern selbst kommen, sind bestimmt sinnvoller! Und das kann man auf viele Bereiche übertragen!

    Mit Abstrichen stimme ich auch Mareks Kommentar zu. Fortbildung dort, wo man es als notwendig erachtet: alles kann man nicht, deshalb habe ich mich z.B. in den letzten Jahren auf die Mathematik festgelegt neben den Medien. Trotzdem bleiben immer viele Fortbildungsbaustellen, vor allem wenn man so alt ist 😉 Allerdings finde ich nicht, das grundsätzlich buntes Material ein Ausdruck von pädagogischer Hilflosigkeit ist – so meintest du es wohl auch nicht, Marek? Gesagt hast du es aber!

    Ich persönlich fände es immer schön, wenn ich entwickelte Materialien auch im Einsatz sehen würde – z.B. auch mit einem kleinen Bild in einem Kommentar oder vielleicht im Blog selbst seitens der ErstellerIn.

  4. Marek sagt:

    Mit pädagogischer Hilflosigkeit meine ich die Erwartung, dass ein hohes Materialangebot meist in Form von Arbeitsblättern, laminierten Karteikarten und hasse nich gesehen, das man alles vermutlich noch selbst erstellt hat, dazu führe, dass man schülerzentriert und nun effizienteren Unterricht führe und die Kinder mehr lernen täte.

  5. Gerda sagt:

    Lieber Herr Emrich,

    ich finde diese Zusammenfassung sehr gelungen. Für mich als Leserin der Blogs ist es selbstverständlich, dass man reflektiert ob man das Material für seinen Unterricht einsetzen kann, ob es zu den SchülerInnen passt.
    Ich habe auch gerne Material mit schönen Grafiken, diese sind wahrscheinlich mehr für mich als für die Kinder. Material, das mir garnicht gefällt oder ich nicht ansprechend finde verwende ich auch nicht in meinem Unterricht. Daher stört es mich nicht, wenn die 100 Kartei rund um Zahlenmauern erstellt wird. Ich suche mir die aus, die mir gefällt.
    Ich bin nicht der Mensch, der zu jedem Thema ein Memospiel , ein Domino usw braucht.
    An dieser Stelle einen großen Dank an alle die so viel Mühe sich mit der Erstellung machen und es kostenlos zur Verfügung stellen.

    Ich möchte

    Lg Gerda

  6. Marion sagt:

    Hier ist vieles angesprochen, über das ich mir in letzter Zeit auch oft Gedanken mache.
    Die Materialerstellung hat ja, so denke ich, immer ein Ziel.
    Ich versuche keine Materialien zu erstellen, die es in der gleichen Form schon auf anderen Seiten gibt. Wenn ich etwas in dieser Art benötige, drucke ich es für meinen Unterricht aus.
    Manchmal ist sicher eine Aufgabenstellung von sich aus so motivierend, dass sie wenig zusätzliches Material benötigt. Leider gibt es aber auch viele Themen, die nicht von sich aus motivieren oder zumindest nicht alle Kinder motivieren. Vieles muss einfach erlernt oder geübt werden. Und hierfür sind „schön gestaltete“ Materialien sicher wesentlich hilfreicher als unansehnliche Materialien. Zumindest habe ich diese Erfahrung bisher gemacht.
    @Marek Ich würde nie auf die Idee kommen, ein hohes Materialangebot mit pädagogischer Hilflosigkeit gleichzusetzen. Es erleichtert die Differenzierung enorm.

  7. Marek sagt:

    Es kommt immer auf das Material an. Dass derart viel Laminiertes besonders anspruchsvoll und hochwertig u.a. unter didaktischen Aspekten ist, erscheint mir doch überaus fragwürdig! Florian hat ja oben in Bezug auf das lesenswerte Heft von Valtin (Hg.) hingewiesen, dass allzu oft inhaltlich schlechtes Material angeboten wird.

    Aber, um das zu erkennen, bedarf es wiederum des Fachwissens!

    P.S.
    Ich plädiere schon lange für ein Kopierverbot für Lehrer in der Grundschule für alltägliches Unterrichtspapier! Das würde dazu führen, dass jeder viel stärker hinterfragen müsste, ob das eine oder andere Blatt wirklich relevant ist. Dass das Kopieren so einfach geworden ist, verleitet immer wieder dazu, auch zu viel zu kopieren getreu dem Motto: Vielleicht könnt ich das ja zur Differenzierung mal gebrauchen oder wozu auch immer.

  8. cubanita sagt:

    Danke, lieber Florian, für diese Thesen. Ich finde viele meiner Gedanken und Empfindungen der letzten Monate wieder. Ich blogge nicht, bin manchmal (aber inzwischen seltener und viel kritischer) Nutzerin und Kommentatorin. Es gibt gut durchdachtes und gestaltetes Material, ich bewundere dann das Können und die Tiefgründigkeit der Kollegin. Aber ich bin auch mitunter verwundert, was alles erstellt wird, wie es erstellt wird und wozu …
    Und genauso verwundert mich dann schon seit vielen Jahren der Jubelschrei, mit dem der geplante Unterricht von morgen dann aufgrund des eben erschienenen Materials komplett umgeworfen wird und eine Nacht-Laminier-Aktions- Schicht eingelegt wird.
    Ich denke auch wie du, Marek, es würde sinnvolle Weiterbildung und das Lesen von Fachliteratur gut tun. Wir können auch in unserem Berufsstand kritisch und ehrlich miteinander sein. Es gibt viele Lehrerinnen, die viel Aktionismus betreiben, dabei aber die Lernziele, die Tiefgründigkeit und die Pädagogik/Didaktik vergessen … Es gibt auch viele, die das alles im Blick haben, aber worum ist geht, ist immer wieder kritisches Hinterfragen des eigenen Tuns. Ohne persönliches Angegriffensein.
    Mensch, was hab ich mich weiterentwickelt … in alle Richtungen … stimmts Marek?! 😉
    LG cubi

  9. Susanne sagt:

    Ich empfinde deine Denkanstöße gut – wie jeder einzelne Blogger damit nun umgeht, liegt in der Eigenverantwortung.
    Genauso liegt es in meiner Verantwortung, was ich mir am „Materialienbuffet“ für meine Schüler raushole und wie ich es im Unterricht sinnvoll und zielführend einsetzen kann. Die Fachdidaktik sollte dabei an erster Stelle stehen!
    Ich würde nie ein Material erstellen, was bereits vorhanden ist. Ich glaube es ist auch wichtig einen gewissen „Weitblick“ bei der Erstellung zu haben. Da ich eine Mehrstufenklasse unterrichte ist es für meinen Unterricht enorm wichtig, dass z. B. differenzierte Arbeitsblätter zum Einsatz kommen, und ich den verschiedenen Lernvoraussetzungen gerecht werde. Praxisorientierter und fächerübergreifender Unterricht sind Kernelemente!
    LG Susanne B.

  10. Marek sagt:

    Vielleicht noch eine Ergänzung an Marion, weil cubanita hier so eine Steilvorlage geliefert hat:

    Grundsätzlich ist gegen Arbeitsblätter und Einlaminiertes ja nichts einzuwenden, aber was manche da in einem erstaunlichen Rhythmus an PDF-Dateien ins Netz pusten, lässt mich manchmal schon fragen, wie viel Zeit da noch für „das kritische Hinterfragen des eigenen Tuns“ übrig bleibt und wie viel Zeit ist noch da, um zu versuchen, das Lernen mit den Augen der Schüler sehen zu wollen und nicht nur das zu bearbeitende Material zu sehen.

    Diese Dinge zu unterscheiden, ist meiner Erfahrung nach gar nicht so einfach. Es führt aber eher zu einer Materialreduktion anstelle einer -überproduktion.

    http://skolnet.de/lernen-mit-den-augen-von-schuelern-sehen/

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