1 Grund gegen die Nutzung eines Schul-Wikis

Niklas hat vor einigen Tagen Wochen in seinem Blog 8 Gründe gesammelt, die für die Nutzung eines Wikis sprechen. Herausgekommen ist eine gute und einleuchtende Liste. Ich beschäftige mich in dieser Woche gedanklich, aber auch handelnd mit einem Grund, der gegen die Nutzung eines Wikis spricht: Diebstahl.

Ein Schulwiki kann die große Sammel- und Arbeitsplattform eines Kollegiums sein: Konzepte, Arbeitspläne, Absprachen, Anleitungen, Erinnerungen und ggf. sogar konkrete Materialien für die unterrichtliche Umsetzung von Konzepten. Kurzum, all das, was in mühsamer Arbeit (und wer einmal ein Konzept verfasst hat weiß, was mühsam bedeutet) vom Kollegium erstellt wurde und nun in den Ordner des Lehrerzimmers verrottet archiviert ist. Nun ist es ja so, dass fertige Konzepte (etc.) sich in Lehrerkreisen durchaus einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Sei es, weil die QA sie gerne prüfen möchte oder weil die Schulaufsicht oder auch Schulleitung gerne hätte, dass ein bestimmtes Konzept erarbeitet wird. Da ist es doch schön einfach, wenn man woanders klauen kann ein fertige Konzept als Vorlage oder Ideenpool hat. Entsprechender Anfragen hat man ja mit Sicherheit schon einmal häufiger bekommen (Ihr habt da doch so ein Medienkonzept … wir müssen sowas jetzt sowas auch machen … ich hab da ja gar keine Ahnung von … schick mir doch mal eures). Bei Konzepten in Papierform war dies immer mit ein wenig Aufwand verbunden: es musste kopiert oder gar gescannt werden. Damit konnte (meines Erachtens) die unkontrollierte und erlaubte Weitergabe ein wenig eingedämmt werden.

Wenn nun aber alle Konzepte digital bereitstehen und mit wenigen Klicks kopiert und weiterverarbeitet, also verschickt werden können, dann könnte daraus durchaus ein Problem entstehen. Zwar erleidet die „beklaute“ Schule keinen direkten Schaden, denn das Konzept ist ja trotzdem noch da, aber Urheberrecht ist nun einmal Urheberrecht und schulische Konzepte werden wohl in den seltensten Fällen unter einer freien cc-Lizenz verfasst.

Ich möchte natürlich keinesfalls alle Lehrer unter Generalverdacht stellen, aber wenn man sich in den sozialen Netzwerken umsieht und in bestimmten Facebookgruppen unterwegs ist, dann schlackert man mit den Ohren, was dort so alles „unter der Hand“ getauscht wird. Und wenn schon vor ganzen abgescannten Unterrichtsmaterialien kein Halt gemacht wird, dann stellen Konzepte wohl auch keine große Hemmschwelle dar. Mein Eindruck ist, dass insbesondere LAAs und „Junglehrer“ besonders wild aufs Jagen und Sammeln sind. Und eben diese Berufsgruppe wechselt ja aufgrund der zahlreichen Vertretungsfälle an Schulen öfter mal den Arbeitsstandort. Da halte ich es folglich für durchaus möglich, dass eine Jägerin eines Tages an eine Schule mit Wiki kommt, begeistert von der Fülle an Material ist und sich in der Folge dort bedient. Entweder, um zu Sammeln und es später mal zu nutzen, oder um direkt zu „tauschen“. Vielleicht noch nicht einmal in böser Absicht, denn Tauschen und damit Helfen kann ja durchaus nett gemeint sein.

Was tut man dagegen? Technisch wird man es nicht verhindern können. Die Idee machen zig Verlage und Firmen seit Jahren. Meine Idee ist ein „Nutzervertrag“, der noch einmal ausdrücklich darauf hinweist, dass das „Bunkern und Weitergeben“ der Konzepte untersagt ist, unter anderem auch aufgrund des Urheberrechtes oder auch der allgemeinen Dienstordnung für Lehrer (siehe dazu auch meinen Beitrag zur Verschwiegenheitspflicht). Quasi Bewusstsein dafür schaffen, dass Konzepte auch Eigentum sind, genauso wie die Experimentierkästen aus dem Fundus (wobei auch diese wohl schon einmal verschwunden sein sollen).

Damit kann man dann vielleicht doch den 1 Grund zu Nichte machen und sich wieder über die 8 Gründe freuen, die Niklas für uns gefunden hat.

Habt ihr noch Ideen oder Anregungen zu dieser Thematik? Dann kommentiert bitte fleißig!

Kommentare (10) Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, digital lässt sich leichter und schneller „klauen“ als analog. Das kann ärgerlich und unerwünscht sein. Im Einzelfall sollte man deshalb wohl auch auf eine Online-Veröffentlichung verzichten.

    Allerdings überwiegen die Vorteile einer freien digitalen Veröffentlichung in einem Wiki auf meiner Sicht die Nachteile bei Weitem:

    – Ich möchte ja gerade die freie Weiterverwendung und -bearbeitung erlauben, weil mir diese ja gleichermaßen nützt. – Dies wird wohl selten eins zu eins passieren. Aber meine Erfahrung spricht dafür, dass dieser „Ausgleich“ tatsächlich eintritt. An dieser Sichtweise ändert auch das Bewusstsein, dass ich in der Regel erst einmal „in Vorleistung treten“ muss, nichts.

    – Müssen denn schulinterne Lehrpläne und Konzepte in jeder Schule neu geschrieben werden? Ist es nicht sinnvoller, wenn man von den Erfahrungen anderer profitieren kann und dies auch tut? – Auch hier macht es aus meiner Sicht nicht viel, dass einige gegenüber anderen in Vorleistung gehen. Denn wenn es von meiner Homepage bzw. aus meinem Wiki „geklaut“ wird, macht mir dies ja keine zusätzliche Arbeit. Und irgendwann wird der Moment kommen, dass ich froh bin, mich an anderer Stelle bedienen zu können.

    – Wichtig ist natürlich, die eigenen Materialien mit einer eindeutigen Lizenz zu versehen, auf die man sich im Zweifelsfall auch berufen kann. Dass hier gegenwärtig die Lizenzen von Creative Commons (http://de.creativecommons.org) in der Regel die erste Wahl sind, ist sicherlich hinlänglich bekannt.

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    • Dieser Beitrag spricht aus der Seele weil ich mich tatsächlich auch immer wieder Frage, ob wir das Fahrrad an jeder Schule immer wieder neu erfinden müssen.

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      • Herrn Emrich

        Natürlich müssen wir das. Wir haben z.B. in NRW knapp 3000 Grundschulen. Da sind 3000 verschiedene Konzept-Bündel doch nicht zuviel verlangt? 🙂

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  2. Das Problem besteht ja auch beim Bloggen und bei der Erstellung von Materialien in öffentlichen Wikis etc. Ich habe mich irgendwann entschieden, das nicht als Problem zu sehen. Ich schreibe mache die Urheberschaft und die Lizenz in den Materialien deutlich und baue darauf, dass ein Großteil der Nutzer diese Hinweise auf dem Material belässt.

    Natürlich wird es Leute geben, die das klauen und die sich sogar die Mühe machen, Hinweise auf den Urheber zu entfernen. Aber es wird auch viele Leute geben (so meine Erfahrung), die höflich nachfragen, die sich umfänglich bedanken, die tw. sogar Mails schreiben, um zu fragen, ob sie CC lizenziertes Material verwenden dürfen, obwohl sie da ja gar nicht fragen müssten (was aber auch an der Unkenntnis der CC Lizenzen liegen kann).

    Kurz: Große Verbreitung ist meiner Erfahrung nach ein Lob für den Autor und mit der Zeit steigt so auch die Bekanntheit des Autors/der erstellenden Schule. Das mag zunächst keinen konkreten Nutzen haben, aber ist eine Form der Anerkennung (und wie Du schon sagst: einen konkreten Schaden bedeutet das Klauen ja auch nicht)

    Mit der Zeit kann es dann doch mal konkret positiv sein, wenn man nämlich von dieser Schule/von diesem Autor an verschiedenen Stellen schon gehört hat und man daher bestimmte Kontakt knüpfen kann oder zu bestimmten Themen um eine Meinung gefragt wird etc.

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    • Herrn Emrich

      Ich persönlich stimme dir da absolut zu. Aber in Gesprächen mit Kollegen habe ich auch die im Blogpost skizzierte Sicht der Dinge wahrgenommen. Und diese Sicht der Dinge möchte ich respektieren. Daher meine Überlegungen.

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      • Was man die Kollegen, die diese Bedenken vorbringen, fragen könnte: Hast *Du* bisher all Dein Material immer selbst erstellt oder auch schon vom Material und von den Ideen anderer profitiert? Wer schon anderer Leute Material und Ideen genutzt hat, kann kaum ernsthaft etwas dagegen haben, auch zu teilen (außer mit Borniertheit).

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        • Herrn Emrich

          Ich sehe das jetzt erstmal pragmatisch: Wenn die formulierten Nutzungsbedingungen nötig sind, um ein internes Wiki überhaupt starten zu können, dann sei es so. Vielleicht ist es ja ein erster Baustein zu einer Kultur des Teilens.

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  3. Ja, respektieren muss man natürlich Vorbehalte, für die es ja auch durchaus gute Gründe gibt. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es letztlich meistens ganz wesentlich darum geht, ob ich grundsätzlich bereit bin zu teilen und mir vom Teilen mehr verspreche als vom „Bunkern“ (also Nicht-Teilen). Das gilt für online zur Verfügung gestellte Materialien im Prinzip nicht viel anders als für „analoge“ Materialien oder solche digitalen Materialien, die nur „intern“ zur Verfügung gestellt werden.

    Aber was bringt z.B. ein Schulprogramm, das nicht auch auf der Schulhomepage veröffentlicht wird, also öffentlich zur Verfügung steht?

    Und wie schon oben ähnlich gesagt: Was ist verwerflich daran, bei der Entwicklung eines schulinternen Curriculums zu den neuen Kernlehrplänen zu schauen, wie andere Schulen dies gelöst haben?

    Ich befürchte, dass manchmal auch die Angst eine Rolle spielt, sich mit der eigenen Vorlage bloß zu stellen: Der eigene Entwurf könnte ja noch Schwächen haben, für die man dann kritisiert werden könnte. – Das war und ist zumindest sehr häufig ein Grund, eigene Materialien nicht an Kolleg_innen weiterzureichen. Auch ich kenne dieses Gefühl. Aber inzwischen merke ich halt an, dass die Verantwortung für die Weiterverwendung beim Empfänger bzw. der Empfängerin liegt. Und so gehe ich auch mit dem um, was ich von Anderen übernehme. – Und so sollte man natürlich mit einem Konzept einer anderen Schule umgehen. Verantwortliche Menschen machen das auch so.

    Die von retemirabile oben genannten Erfahrungen kann ich nur bestätigen.

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  4. Ich kann deinem Beitrag nur zustimmen. Bei uns in Bayern gibt es zur Zeit einige Neuerungen (Lernentwicklungsgespräche statt Zeugnisse, Neuer Lehrplan), zu denen jede Schule sich Gedanken machen soll, bzw. ein Konzept zur Umsetzung erstellen muss.
    An meiner Schule habe ich die Erfahrung gemacht, dass fleißig nach schon vorhandenen Konzepten anderer Schulen gesucht wurde. Dabei haben mich zwei Sachen sehr gestört: Die Konzepte wurden bei uns verwendet, ohne dass die betroffenen Schulen nach ihrem Einverständnis gefragt wurden. Die zweite Sache fand ich noch schlimmer: Andere Konzepte wurden einfach 1:1 übernommen, ohne dass wir uns Gedanken gemacht haben, ob diese Umsetzung überhaupt so bei unserer Schule sinnvoll ist. Grund war vor allem, dass bis zu einem bestimmten Termin das Konzept beim Schulamt vorliegen musste.
    Ob das dann so sinnvoll ist? Klar muss man sich über Neuerungen Gedanken machen, aber so ist es sicher der falsche Weg.

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